Der letzte Tag…

….im Mittelmeer, der 17./18.10., ist nur schön. Wir trödeln in Adra, einer kleinen, ganz normalen, untouristischen spanischen Stadt, und legen in aller Ruhe ab. Motoren etwas weg von der Küste in der Hoffnung auf Wind, doch der kommt nicht. Wir motoren also wieder…aber ohne Schwell, leicht fahren wir durchs Wasser. und sehen Delphine! Alle, die wir bisher auf unsere, Törn vermisst haben, scheinen sich hier versammelt zu haben. Bestimmt hundert tummeln sich in weiter Ferne oder kommen neugierig an unser Boot. Wir können uns nicht sattsehen und freuen uns immer wieder.

Die Nacht wird spannend. Immer mehr Tanker tauchen auf und wir navigieren uns durch die Kolosse, die teilweise über 200 Meter lang sind. AIS und Radar sind eine unerlässliche Hilfe, das AIS gibt an, welche Geschwindigkeit das andere Fahrzeug macht und wann wir in welcher Entfernung aufeinandertreffen würden. Auch wenn wir Vorfahrt hätten, weichen wir dann lieber aus, mit diesen Monstern legen wir uns nicht an. Viele treiben einfach nur mit 0,5 Knoten, anscheinend ohne Fracht warten sie wohl auf den nächsten Auftrag, und es ist billiger, im Meer zu dümpeln, als in einem Hafen vor Anker zu liegen.

Gegen Morgen machen wir deutlich weniger Geschwindigkeit, der Strom dagegen wird stark. Aber um halb 11 sehen wir ihn dann doch vor uns liegen: The Rock – Gibraltar. Auf der anderen Seite ahnt man durchs Fernglas schon Marokko- Afrika. 11 Meilen sind die beiden   Kontinente auseinander. Dass wir immer wieder Notrufmeldungen über ein Schlauchboot mit 50 Personen an Bord auf dem Weg von Marokko nach Spanien bekommen, wundert uns nicht.

Volle Fahrt voraus also  – noch 8 Meilen. Und dann – Gibraltar!

Endlich…auf nach Gibraltar

Wir liegen ganz gut vor Adra und paddeln morgens an Land, um einen Cafe zu trinken und einzukaufen. Heute nun soll es nonstop nach Gibraltar gehen…

Ich bin neugierig und will es endlich sehen. Habe aber auch etwas Angst. Gibraltar zu durchqueren, das heißt mit ungewohnten Strömungen, Hoch- und Niedrigwasser zu operieren, eine sehr befahrene Wasserstrasse zu durchqueren – und dann…die Atlantikwellen. Wie hoch werden sie sein? Wie mächtig? „Huge“ hat mir eine türkische Seglerin geschrieben, die es bereits hinter sich gebracht hat. Das klang nicht gerade verlockend. Peter gibt sich da cooler…Und: andere haben es auch schon geschafft. Und dann…Marokko? Auch nicht ohne, die Wellen da. Madeira? Oder doch direkt auf die Kanaren? Alles noch ungewiss.

Gewiss aber, wenn auch wenig beruhigend, ist, dass wir es immer noch nicht hingekriegt haben, unser Iridium Satellitentelefon so zu aktivieren, dass wir Wettermails empfangen können.

Tatsache ist auch – leider-, dass uns beim Hochholen der Ankerkette aufgefallen ist, dass einige Ankerglieder gebrochen sind. Durchgerostet. Wir sind stolz auf unseren superguten Anker – an die Kette hatten wir bislang nie gedacht. Die müssen wir nun in „Gib“ unbedingt tauschen. Überlebenswichtig!

Also, auf nach Gibraltar! Da werden wir all unsere offenen Baustellen beheben! Bestimmt!

 

 

Adra

17.10. Morgens im Hellen aufzuwachen, wo wir in der Dämmerung gelandet sind, ist immer wieder spannend. Die Bucht verliert leider ihren Charme. Der Nebel hat sich gelichtet. Was wir eine Burg wähnten, entpuppt sich Hotel. Das Meer allerdings ist so kristallklar, dass wir nicht anders können, als noch vor dem Frühstück schwimmen zu gehen. Selbst Peter, der normalerweise nicht mal den kleinen Zeh ins Wasser taucht, wenn es unter 25 Grad hat, findet es herrlich. Und hier hat es nur noch 21 Grad…

Wir passieren die Bucht von Almeria. 22 Meilen lang…. Das Gesicht der Küste ändert sich. Flacher wird es, und bebaut. Kilometerlang mit Gewächshäusern. Da also kommen Tomaten, Paprika aus Spanien her. So schmecken sie auch.

Wir essen ja sowieso gern und gut. Noch wichtiger aber ist das Essen an Bord auf einem langen „Schlag“. Es unterteilt den Tag. Es verbraucht Zeit. Das Tischdecken, Zubereiten, Kochen, Abwaschen. Sich wieder freuen auf die nächste Mahlzeit. Das ist wichtig.

Seit wir in Spanien sind, sind wir nicht mehr so glücklich mit den Zutaten. Wie frisch war alles in Italien, direkt von den Bauern! Mangos, die mich in der Markthalle von Cartagena anlachten, kamen aus Tirol… Obst, Gemüse, hier alles etwas lasch.

Auch enttäuschend: die Kuchen. Nachmittags gibt es bei uns Tee und süße Stückchen dazu, was auch immer der Bäcker hergibt. Auch darauf freuen wir uns jeden Tag. Gestern: die Krönung. Aus Versehen ist ein Blätterteigteil in unseren Einkaufskorb gewandert, das überzuckert war mit Guss, bedeckt nochmal mit Puderzucker Und dick gefüllt war mit Nutella…Einen Bissen haben wir probiert, den Rest haben die Fische bekommen. Vielleicht haben die sich gefreut?

Obstkuchen, kleine Törtchen, wie sie die Franzosen zu fabrizieren verstehen, köstliches Mandelgebäck wie aus Kalabrien, Sizilien – Fehlanzeige. Ans Brot- und Kuchenbacken wagen wir uns nicht, weil wir nicht mehr so viel Gas haben und die Frage, welche Gasflasche unterwegs wie wo gefüllt werden kann, noch nicht hinreichend geklärt ist. Mit Gas sind wir also etwas geizig…Der nächste carrefour-Supermarkt hat Biskuitboden. Und Pfirsiche aus der Dose. Da schlagen wir zu!

 

Die ganze Küste bleibt mit Gewächshäusern gepflastert. Viele Fischern sind in ihren kleinen Booten unterwegs, denen wir ausweichen müssen. Wir müssen ganz schön aufpassen! Trotz Flaute den Autopiloten fahren lassen und unter deck verschwinden, geht nicht. Es ist aber schön. Gleichmäßige kleine Wellen, alles friedlich.

Um 19:30 erreichen wir Adra, eine Stadt, die, so der Hafenführer, mal vom Bergbau lebte. Es kommt ein bisschen Wind auf…Sollen wir durchstarten? Aber es wird wieder so kalt! Wir bleiben. Suchen uns ein Eckchen vor der Hafenmauer und ankern. Kochen Spaghetti, mit Tomatensoße (aus der Dose), trinken einen Wein – und sind zu müde, um ins Städtchen zu paddeln. Wie schade.

 

 

 

No wind today….

Ab Torrevieja wird die Costa Blanca wirklich weiß – von Häusern. Sehr hübsch wirkt es dennoch und interessant – wir sehen es leider nur von weiter Ferne – wir sind eine Stunde Richtung offenes Meer gefahren in der Hoffnung, den Wind dort zu finden. Denn der hat uns mal wieder im Stich gelassen…20 Knoten waren angesagt, von hinten, wir wollten – hui – die Küste entlangrauschen, stattdessen motoren wir mal wieder. Sehen immerhin Delphine. Oder sind es Wale? Ein ganzes Rudel, das uns begleitet.

Am Horizont: ein Segel. Wir hadern. Hätten wir doch noch viel weiter aufs Meer fahren sollen, um den Wind zu fangen? Drei Stunden hätten wir mindestens gebraucht. Lohnt das? Wir sehen den Segler auf unserem AIS (dem Automatischen Identifizierungssystem), das alle Daten der Schiffe liefert. 3,2, Knoten macht er, der Segler. Und ist dreimal so groß wie wir…Wir sind beruhigt. War doch alles richtig.

Werden durchgeschaukelt. Kein Wind heißt: Wellen. Kleine, kabbelige von hinten, die genügen, das Boot ordentlich zu bewegen. Wir setzen Stützsegel, doch die schlagen um die Masten. Peter baut eine stabile Halterung für den Spi-Baum, damit wir darauf wenigstens die Fock setzen können. Das bringt etwas Ruhe, und etwas schneller werden wir auch.

Wir beschließen, nicht mehr zu hadern, sondern das Fahren zu genießen.

Um 19 Uhr sind wir am Kap der Almeria-Bucht. Etwas Wind kommt auf. Sollen wir doch weiter segeln, den Wind nutzen? Es wird kalt…

Wir bleiben. Suchen uns etwas Schutz hinter einem winzigen Vorsprung des Kaps. Frösteln. Essen unter Deck.

Gehen wieder nach draußen. Und staunen. Hinter uns ist Nebel aufgestiegen. Himmel und Wasser verschmelzen zu einer geheimnisvollen Wand. Vor uns in weiter Ferne – die Lichter von Almeria. Die Stadt soll sehr schön sein, und vor allem kommt man von da aus nach Granada, das ich Peter unbedingt zeigen möchte. Auf der Rückreise…Erstmal zieht es uns Richtung Westen.

Im buchstäblichen Sinne… Der Strom vom Atlantik macht sich schon hier bemerkbar.

Noch ca. 120 Meilen bis Gibraltar. Wir mummeln uns auf Deck ein, trinken einen Whiskey und freuen uns.

 

On the road again

15.10. 16/ Wir sind wieder unterwegs! Entlang der spanischen Costa Blanca, einer wunderschönen, wildromantischen Küste, an der man hinter jeder Bucht Winnetou erwartet (für die Jüngeren unter Euch: Das war der edle Häuptling der Apatschen im Wilden Westen). Wir motoren, morgen soll der Wind kommen, so, wie wir ihn brauchen.

Der Abschied, wie immer, auch ein bisschen melancholisch. Nette, besondere Menschen haben wir wieder kennengelernt. Dax und Yvona, ein holländisches Paar, das sieben Monate auf dem Wasser war und jetzt heimfliegt und wieder Arbeit sucht. Sie lagen neben uns auf Ibiza und hatten uns den Tipp für Cartagena gegeben.

Christine und Dave aus England, Unruheständler, im Boot zur rechten, die ihre Moody erst ein Jahr haben und das Mittelmeer erkunden wollen, bevor sie den Sprung über den großen Teich wagen. Bei ihnen waren wir gestern noch auf ein Glas, Mark Knopfler lief, und wir haben lange diskutiert, ob „LayLadyLay“ besser von Dylan als doch gecovert von Clapton ist (was für eine Frage, ehrlich gesagt wusste ich aber gar nicht, dass Clapton das auch gesungen hat…hat er? )

Offen, interessiert, großzügig, hilfsbereit. Wie die meisten Langfahrtsegler, die wir treffen.

Wie Beate und Bernhard, unsere Nachbarn zur linken, in unserem Alter oder sogar jünger, die Hab und Gut verkauft haben und ganz aus- und aufs Wasser umgestiegen sind. Mit Sohnemann, der von da aus zur online-Schule geht! Die unerschöpflich Tipps gegeben und von ihrem Leben auf den Meeren erzählt haben. Ein Trost: Beate ist sich sicher, dass wir uns wieder begegnen. Segler würden sich immer wieder treffen!

Um 11 dann haben wir abgelegt. 30 Meilen nur! Wie sich die Wahrnehmung geändert hat: Früher waren 30 Meilen fast das höchste, was wir an einem Tag zu segeln bereit waren – von einer Insel zur nächsten, von einer Bucht in die andere.

Jetzt ist das nichts mehr. Ab 120 Meilen fangen wir an, zu überlegen….

Nun liegen wir vor Aguilas, ankern. Schwell, wie immer, aber egal. Endlich wieder vom Boot aus ins Wasser gehen! 23 Grad hat es, das ist nicht grade viel und wir bibbern beim ersten Kontakt, aber dann ist es traumhaft.

Aguilas besuchen werden wir diesmal nicht. Wir wollen morgen früh raus – 190 Meilen noch bis „Gib“…und die – vielleicht auf einen Schlag…!

 

 

Fluch und Segen der Technik

Fast eine Woche sind wir nun in Cartagena und man müsste meinen, wir haben alle Zeit der Welt. Von wegen. Alles dauert länger. Gestern – Regentag, kalt, Gewitter, scheußlich – sind wir mit dem Bus ins Einkaufszentrum gefahren. Ich brauchte, ähm, lange Unterhosen, es wird nachts denn doch empfindlich kalt, Peter einen Sonnenschutzhut und Badehosen. So verschieden sind die Bedürfnisse…

Und da wir schonmal da waren, sind wir shoppen gegangen. Carrefour, ganz großer Supermarkt. Er hat alles! Guten Earl Grey Tee, Weine. Tupper, Wok, kurzum, alles, was wir demnächst brauchen werden – und in absehbarere zeit sind wir ja nur noch auf dem Meer. Und auf den Stationen dahin immer in die Stadt zu laufen, Kleinigkeiten einzukaufen – viel besser so. Trotzdem fehlt uns Zeit, ist das zu glauben.

Die meiste verdaddeln wir im Internet. Jetzt haben wir endlich eins! Umsonst. In der Marina – meistens zumindest. Wir recherchieren. Marokko oder nicht Marokko? Madeira? Was sagen andere Segler? Wo gibt es sichere Häfen? Das kostet Stunden.

Noch mehr Zeit und vor allem Nerven aber kostet uns Internetneanderthaler das Instandsetzen unsere tollen Bordtechnik.

Wir haben ein iridumtelefon! Das ist toll. Damit kann man immer über Satellit telefonieren und angerufen werden, auch auf dem großen Meer.

Das muss man aber einrichten. Notrufnummern speichern. Eine schier unlösbare Herausforderung für uns. Also wieder: im Internet checken, mails an den „Provider“ (hach!!) schreiben, fragen, auf Antwort warten, lesen, probieren, und das Ganze von vorn.

Noch schöner: Wir können das Wetter aufs iridium bekommen. Jawoll. Per Internet! Das ist ja unter normalen Bedingungen schon eine Herausforderung, auf das iridium aber – wir sitzen seit geschlagenen drei Stunden daran, laden herunter, checken, füllen Formulare aus, bekommen die zurück, füllen sie wieder aus…und fluchen! Wir brauchen das Wetter aber! Jetzt gehen wir Eisessen, so. Verdammte Technik! Wenn’s nicht klappt, wird einer unsere freundlichen Leser auserkoren, uns Wettermeldungen telefonisch zu übermitteln. So ging das früher auch! Oder zu trommeln…

 

 

 

Cartagena

Am 8.10. kommen wir in Cartagena an, eine Empfehlung holländischer Segler, die wir auf Ibiza kennengelernt haben. Cartagena, eine gute Marina, günstig, sauber, nett, was will das Seglerherz mehr. Eine Wäscherei haben sie auch…

Wir kommen um 15 Uhr an, es gibt Platz, kein Problem, man hilft uns beim Anlegen, alles prima. neben uns ein deutsches Seglerpaar, Aussteiger, die ganz auf dem Bot leben. Und uns noch viele Geschichten erzählen werden…

Erstmal aber hilft Bernhard beim Anlegen, so unproblematisch sind wir in noch keine Box gekommen. Übermorgen wollen wir wieder weiter…Ich seufze etwas, weil ich das Hetzen leid bin und gern mal mehr als ein paar Stunden an einem Ort verbringen würde. Aber die drohenden Stürme im Mittelmeer ab Oktober..und die Karibik ruft doch…

Der Sturm kommt schon jetzt, wie wir zum Glück rechtzeitig aus dem Wetterbericht ersehen können. 40 Knoten gegen uns „draußen“ vor Spanien. Das tut sich niemand an, der bei Sinnen ist. Wir bleiben also hier. Bis Samstag, mindestens. Ich find’s gar nicht so schlimm…

Wir laufen durch Cartagena, eine ganz untypische weil untouristische Stadt. Hübsche Fassaden. Erstaunlich, denn 1938 wurde der Ort von Deutschen und Italienern in Schutt und Asche gelegt, weil die Bewohner Republikaner waren und nicht mir Franco kooperieren wollten. Das lernen wir im Museum über den spanischen Bürgerkrieg, das sehr eindrucksvoll demonstriert, wie die Menschen damals gelebt, gekämpft und gelitten haben. Nie wieder Krieg!

Ein Eis (bei weitem nicht so gut wie Ibiza oder in Italien), eine Cana, ein Bier. Dabei lernen wir Besatzungsmitglieder der „Humboldt“ ,  berühmt aus der Becks-Werbung, kennen. Tagsdrauf besichtigen wir kurz das Schiff – ist das noch so zu nennen? Das ist eine Fabrik!

Wir suchen eine gescheite Kneipe. Tapas, die legendären „Miniportionen“ auf Untertellern, mit denen man die Gläser abdeckte,  gibt es nur sehr fleischlastig, nichts für uns. Etwas nettes finden wir leider nicht. Plastikstühle, ungemütlich, oder nur drinnen. Wir sind essenstechnisch etwas frustriert. Verwöhnt noch von Italien.

Bernard und Beate vom Nachbarboot besuchen uns. und erzählen und erzählen und erzählen. Unsere Augen werden größer und größer. So kann man auch leben! Ganz  auf dem Boot, alles aufgeben. Dahin segeln, wohin der Wind es will -und nicht, wie der Routenplan es vorgibt. Beeindruckend. Unheimlich nett sind die beiden, sie geben uns noch jede Menge Tipps.

Und dann stürmt es nicht nur, es regnet. Und ist kalt. 20 Grad! Brrrhhh….Morgen, Freitag, soll es besser werden. Samstag gehts dann weiter – hoffentlich, denke nun auch ich. denn ich freue mich auf neue Entdeckungen. Marokko, zum Beispiel.

 

 

 

 

 

 

 

Blinder Passagier

Nachmittags auf der Überfahrt zum spanischen Festland sass er auf einmal neben uns, der kleine Vogel. Zerzaust, suchte er offensichtlich Schutz und eine Pause auf dem langen Flug über das Meer. Nicht scheu, hüpfte er auf dem Boot herum, sogar auf Peters Knie. Sesam, Rosinen, Haferflocken, Wasser verschmähte er.

Als es dunkel wurde, suchte er sich seinen Schlafplatz im Salon im Bücherregal – auf Fred Vargas (eine gute Wahl). Und pennte. Unbeeindruckt von unserem Kochen, von Gesprächen. Wir waren aber auch leise, um ihn nicht zu stören, machten kein Licht an, um ihn nicht zu irritieren.

Morgens hüpfte er dann wieder nach draußen, deutlich benommen. Suchte sich einen Platz auf der Rettungsinsel, da war es ihm wohl zu windig, dann auf dem Boden zwischen den Tauen.

Und starb dort, der Kleine.

Wir sind traurig. Wir hätten ihn so gern aufs Festland transportiert, ihn an einen Baum gesetzt in der Hoffnung, dass er dort Freunde findet. Aber er hat es nicht geschafft, kleiner Vogel.

Ibiza

Weiter geht’s nach Ibiza. Schlappe 54 Seemeilen sind es bis dahin, das machen wir doch mittlerweile mit links.

Aber wir haben überhaupt keinen Wind. Motoren gnadenlose 10 Stunden, haben dafür ordentlich Wellen und schaukeln von einer Seite auf die andere. Es nervt. Und selbst der geduldige Peter hat an diesem Tag richtig schlechte Laune.

Buchten sind auf der Ostküste auch nicht gerade zahlreich vorhanden, überhaupt ist es segeltechnisch natürlich kompletter Blödsinn, bei Ostwind einen Ankerplatz auf eben dieser Seite zu suchen, aber wir wollen noch in die Hauptstadt und die liegt nun mal im Osten. Der erste als solcher ausgewiesene Ankerplatz, den wir in der Abenddämmerung anfahren, ist komplett unbrauchbar. Also motoren wir zurück auf eine kleine Insel, Tagomago, die Peter von vor 20 Jahren kennt. Schutz bietet sie auch nicht wirklich, der Anker hält nur mit Augenzudrücken, aber wir stecken viel Kette – es ist ein einziger Kompromiss. Aber da wir keinen Wind haben, riskieren wir’s und verbringen eine sehr schaukelige, unruhige Nacht.

Brechen am nächsten Morgen auf in die Hauptstadt, irren einmal mehr im Hafen herum, weil wir nicht wissen, wo wir anlegen können. Im Zweifel Club Nautico. Der hat auch noch einen Platz. Ich vergesse vor Erleichterung, nach dem Preis zu fragen.

71 Euro, verlangt der Marinero in seinem Office.

Wie bitte? Wir erinnern daran, dass Nebensaison ist.

In der Hauptsaison, antwortet der Marinero sanft, kostet der Platz 210.

Wir schlucken. Dann meine ich süffisant, sind die showers, die Duschen, bestimmt ganz großartig.

Es sind, antwortet der Marinero freundlich, Showers…

Diesmal habe ich schlechte Laune. So übers Ohr gehauen zu werden. Hätten wir doch noch einen anderen Platz versucht. Hätte ich bloß nach dem Liegepreis gefragt…Hätte, hätte, Fahrradkette…

In der Stadt bestätigt sich meine Unzufriedenheit: Alles Ramsch, überall Konsum, Laden an Laden, überteuert, Himmel, und das alles bloß, weil es das legendäre Ibiza ist!

Meine Laune wird erst besser, als wir eine Eisdiele finden, die sensationelles (Bio-)Eis herstellt.

Abends söhne ich mich dann ganz mit der Stadt aus. Es hat was! Zwar viel Rummel, aber ganz anders als in Cala Ratjada, Freundlich, etwas ungewöhnlichere Leute, doch, Ibiza Stadt ist richtig nett. Wir werden auf der Strasse angehauen, ob wir etwas Marihuana wollen? Irgendwie ehrt mich das, obwohl der arme Teufel, der es uns anbietet, vermutlich seine Großmutter verkaufen würde, weil er einen Schuss braucht. Standhaft sagen wir nein!

Und legen am nächsten Morgen mal wieder mit Bedauern ab. Nach Ibiza wollen wir auch wieder. Aber nie mehr in diese überteuerte Marina!

 

 

 

Palma

de Mallorca erschlägt uns. Wir fahren zum Tanken und wollen uns eigentlich, wenn möglich, einen schönen Liegeplatz in Nähe der Kathedrale suchen. Doch das Gewirr der tausend von Masten irritiert uns so, das wir froh sind, ein Gebäude mit der Aufschrift „Porto de Mallorca“ mit einer Rufnummer zu finden. Es ist noch ein Platz frei. Wir fragen gar nicht nach dem Preis…es dauert, bis wir die uns zugewiesene Mooring finden, der Marinero, der uns beim Anlegen helfen soll, ist wie vom Erdboden verschwunden. Wir werden immer verzweifelter. Und so dauert es eine geschlagene Stunde, bis wir fest vertaut liegen. Eigentlich hatten wir gehofft, noch den Nachmittag vor uns zu haben, um in die Stadt gehen zu können…

Der Preis für die Marina versöhnt uns. Keine 50 Euro, das ist wirklich gut, inklusive Duschen (!) und: E-Bikes! Die kann man gegen Kaution tageweise benutzen. Genial.

Da wir zum einen ziemlich erschöpft sind, zum anderen doch noch etwas von Palma sehen wollen, Peter drittens endlich der Luftblase im Filter auf den Grund gehen will, bleiben wir zwei Nächte. Gehen abends in die Stadt und fühlen uns nach dem beschaulichen Fortnells und dem ruhigen Portopetro wie Marsmenschen unter Erdbewohnern. So viele Leute??? Die reden so laut! Und so viel! So viele Kneipen! Wer soll das alles essen?! Keiner schaut einem mehr in die Augen, die Bedienung hat es so furchtbar eilig, keine echte Freundlichkeit. Wir kehren aufs Boot zurück (nachdem wir die SIM-Karte erstanden haben, siehe à Internet). Und schauen von da in die Sterne…

Am nächsten Tag heben wir uns akklimatisiert. Palma haut uns immer noch um, aber im positiven Sinne.

Wir schauen vom Boot aus auf den Malecon, auf die Hafenpromenade, auf der Jogger traben, Skater speeden, Radler ihre Hunde ausführen. Dahinter Palmas luxuriöse Hochhäuser. Stundenlang könnten wir dem Stadtleben zuschauen.

Und dann die Altstadt: Wie gelungen Moderne und Altes verbunden sind, wie geschmackvoll die Geschäfte, wie bezaubernd die Verzierungen der alten Häuser! Auch der Konsumterror hat uns wieder, zumindest mich. Ich staune von Geschäft zu Geschäft – und bleibe eisern. Das Taschengeld fließt in Dieseltank und Hafengebühren!

Peter arbeitet währenddessen auf dem Boot – ich weiß, das ist keine nette Arbeitsteilung, aber er schwört, er kann mich da gar nicht gebrauchen!- und findet die Ursache der Luftblase – eine undichte Dichtung des Wasserabscheiders. Hoffen wir’s.

Abends radeln wir gemeinsam in die Stadt, auf dem Malecon, zwischen den Joggern und Skatern, ein Saxophonspieler entlockt seinem Instrument schönste Melodien – es ist magisch.

Und so legen wir mal wieder schweren Herzens ab. Auch hier hätten wir es durchaus noch ein paar Tage ausgehalten…