Milos

30.7.2016 Wir verabschieden uns von Pholegandros und steuern Milos an. Ach, wie gern würden wir überall noch länger bleiben, aber bis spätestens Mitte Oktober müssen wir das Mittelmeer verlassen haben, weil dann die echten Stürme kommen. Und der Weg bis Gibraltar ist noch weit…

Auch Milos ist eine echte Entdeckung. Gesteinsschichten türmen sich übereinander, wie fahren durch einen Skulpturenwald aus Steinen. Bären, Hühner , Haifischzähne….

Dann eine kleine Häusersiedlung, bunt gestrichen, nicht in den typisch griechischen Farben, sondern rot, orange, bunt, aber sehr geschmackvoll und gemütlich. Ehemalige Fischerhäuser, lernen wir später, in denen die Fischer ihre Boote parkten. Heute sind es Sommerhäuschen für Athener.

Wir ankern vor Adamas, einer kleinen Hafenstadt. Anlegeplatz für Fähren, Kreuzfahrtschiffe. Immerhin wurde hier die Venus von Milo gefunden! Und überhaupt ist der Ort nett. Nicht so trubelig wie Ios, wirbt eine junge Reiseführerein. Das finden wir nun nicht, Adamas ist quirlig, jung, auch in den Kneipen arbeiten fast nur junge Leute, nicht unbedingt professionell, aber sehr bemüht, aufmerksam und freundlich. Wir sind ganz angetan und bleiben einen Tag länger, auch, um mal auszuspannen – danach wollen wir aufs die Peleponnes, das ist weit.

Zuerst also ein Tag segelfrei. Wir gehen nicht an den Steg, sondern bleiben in der Bucht. Das ist uns meistens lieber, weil es ruhiger ist und wir vom Boot aus schwimmen können. Ein Luxus!

Wir bauen einen neuen Duschschlauch ein, Peter, um der Wahrheit die Ehre zu geben. Ich assistiere quasi als OP-Schwester: Zange, Küchenkrepp, Teflonband…

Jetzt können wir auf der Badeplattform duschen! Bislang hat das Baden im Meer die Dusche ersetzt. Das geht ganz gut, wir haben ein Meerwassershampoo, mit dem man sich einseift und im Salzwasser waschen kann. Uns hat das gereicht, und es hat sich auch noch niemand beschwert…Aber ab und zu eine Süßwasserdusche ist nicht zu verachten. Um meine Haare würde mich so langsam jeder Rastafari beneiden…

So, jetzt schauen wir gleich nach dem Segelwetter. Mal sehen, wie die Winde morgen stehen…

Ihr Lieben daheim, wir vermissen euch! Und haben manchmal schon ein wenig Heimweh. Nach Euch, Häuschen, Garten und Kater…

Bis bald!

 

 

 

Together through life

Die Nacht ist kurz. Um 5 Uhr morgens werden wir vom Wind geweckt, der am Boot reißt. Wir schauen, ob der Anker hält, schalten den Ankeralarm ein, aber mit dem Schlafen ist es vorbei. Bis zu 40 Knoten bringen die Böen, die über die Berge fegen. Wir halten aus, neben ein paar anderen Seglern, zum Glück hält unser super-Anker. Und der der anderen auch.

Der Wind legt sich nicht, und dann wird es uns doch zu unsicher. Wir holen den Anker hoch. Der Wind ist erstaunlich moderat. Wir segeln gut, fast könnte sich ein Campari-feeling einstellen, wären da nicht die hohen Wellen. Außerdem haben wir sowieso keinen Campari an Bord.

Wir frohlocken schon, wie schön Segeln sein kann, da kommt es wieder heftig. Wir haben den Wind von vorn, die Wellen spritzen uns nur so um die Ohren. Das Programm wie immer: reffen, ausreffen…ich will niemanden langweilen.

Bei mir aber ist es auf einmal, als wäre ein Schalter umgelegt worden. Ich reffe mit Peter zusammen, wir sind eingespielt, ich übernehme das Steuer – und es macht richtig Spaß!

Und – ich habe ehrlich gesagt den ein oder anderen Zweifel gehegt – nun glaube ich doch fest, dass wir es zusammen schaffen in die Karibik – und auch genießen können!

Hugin läuft perfekt im Ruder, und so rauschen wir – naja, mit 6,5, Knoten, das sind ca 11Kilometer in der Stunde…durch die Ägäis.

Und kommen in Vathi auf Pholegandros an, einem kleinen Inselchen, das wir noch nie besucht haben. Eine Entdeckung. Der Törnführer schreibt etwas lustlos von zwei Tavernen und „nicht viel los“, aber er ist ja auch schon älter. Mittlerweile gibt es ein paar hübsche Häuschen um die Tavernen und vor allem junge Leute bevölkern Strand und die einzige Strasse, die durch den Ort führt. Es hat etwas von der Atmosphäre von Surfspots locker, entspannt.

Um 7 Uhr sind wie von Geisterhand alle verschwunden. Wahrscheinlich ist der Bus gekommen. Der Strand ist leer. Nur aus den Tavernen kommt noch vereinzelt Gelächter. Ein Ort, um ganz sicher wieder zu kommen.

Wir essen kochen selbst, oh Wunder: Spaghetti!, und haben es schön!

Riders on the storm…

Amorgos belohnt uns für unseren Ritt mit einem großen Ereignis: lokale Bands und Tanzgruppen geben sich ein Stelldichein. Es muss etwas Größeres sein, ein Boot mit Popen legt an, das Städtchen ist voll. Wir ergattern einen Platz in einer Kneipe, mögen die Bedienung aber gar nicht nach dem Grund der Festivität fragen, sie ist total im Stress. Also genießen wir, bummeln, sogar die Süddeutsche und den SPIEGEL gibt es hier.

Am nächsten Morgen legen wir ab, relativ entspannt. Gestern haben wir das Wetter studiert, 5 Beaufort Nord, das ist nichts Schlimmes. Das Fähnchen ist rot, warnt mein inneres Stimmchen. Peter fragt mich erschüttert, ob ich jetzt nur noch bei 2 Beaufort auslaufen will? Darauf sage ich lieber nichts…

Wir segeln um die Ecke der Bucht –und schon haben uns die Wellen vom Vortag erreicht. Die haben sich gehalten und schmeißen uns wie immer von einer Seite auf die andere. Merke: Der Wind allein hat noch gar nichts zu sagen…die Wellen sind’s…!!!

Wobei der Wind nun auch nicht mehr an sich halten mag und zulegt – Windstärke 7 ist schon ein Wort. Die Wellen werden höher und höher,, der Wind pfeift und zerrt an den Wanten. ich schließe meine Augen und hoffe nur noch, dass es irgendwann vorbei ist.

Nun mag man mit Fug und Recht fragen, warum eine Segelmemme wie ich sich auf den Atlantik traut? Weil sie Wellen da, versichert mir mein Mann, viel länger sind. Nicht so kabbelig und kurz, Und außerdem von hinten kommen, Das ist viel angenehmer. Zumindest auf der Hinreise..

Außerdem – es geht auch anders. Ich habe das Segeln kennen und lieben gelernt in ruhigen Gewässern, Elba, Mallorca, auch Norwegen. Da wurde gegen 16 Uhr Campari-Orange gereicht, wie ließen die Beine über die Reling baumeln, hatten es nett, und Kochen unter Deck war auch kein Problem. Einmal habe ich Starkwindsegeln probiert und danach beschlossen, ich bin eine Schönwetterseglerin! Jetzt bin ich in der Ägäis, dem Starkwindgebiet überhaupt. Das habe ich nun davon…

Nach einer Stunde Wellenkampf suchen wir Zuflucht. Die kleine Insel voraus bietet leider keine Bucht, die Schutz verspricht, aber wenigstens beruhigen sich die Wellen und der Wind. Wir haben Abdeckung von vorgelagerten Inseln. Und atmen erst mal tief durch.

Der Wind tut das auch und bläst gar nicht mehr. Wir eiern und probieren mit verschiedenen Segelstellungen – nichts zu machen. Wir motoren. Auch nicht schlecht, aber nicht Sinn der Sache.

Das findet der Wind auch, sobald wir aus der Abdeckung sind, und zeigt uns, was eine Harke ist. Jetzt haben wir Sturm. Keine Böen – Sturm, der Windzeiger tanzt bis 35 Knoten. Und da werde ich sauer auf den blöden Wind,. Dem werde ich es zeigen!!! Das ist dem Wind zwar herzlich egal, aber ich verliere meine Angst.

Wir erreichen Ios. Eigentlich war Milos mal das Ziel, eigentlich wollten wir längst in den Pelepones sein, eigentlich…Segeln lehrt uns den Buddhismus. Nicht wollen, wollen, wollen – das annehmen, was ist.! Wir steuern die erste im Törnführer empfohlene Bucht an, da kachelt es von allen Seiten.. Das kann ja heiter werden. Wir versuchen die nächste Bucht, wenige Meilen weiter südlich. Und da – ist Stille. Kleine Wellen plätschern, der Wind weht sanft…wir können es kaum glauben. Wenige Minuten nur weiter nördlich tobt der Sturm – und hier? Kristallklares Wasser, beim Schnorcheln ein paar Fische sogar –Frieden.

Später sitzen wir auf der Badeplattform, trinken Whiskey, gucken in die Sterne und lassen die Beine ins Wasser baumeln…

 

 

Geschafft!

Am 26. starten wir nun aber wirklich Richtung Amargos. Irgendwann müssen wir nunmal durch die Ägäis, und so ganz schlecht sieht die Wetterkarte nicht aus – der gelbe Kern, der Starkwind anzeigt, ist relativ klein.

Um halb 8 fahren wir. Mir ist schon bei der Aussicht auf den langen Tag relativ flau, Peter schickt mich unter Deck, schlafen.

Irgendwann holt er mich wieder hoch. Er muss das Großsegel bergen. Und legt dafür die Sicherheitsleine an, mit der er sich auf Deck einpickt, um nicht über Bord zu gehen. Wenn Peter dieses Geschirr trägt, bedeutet es das Gleiche wie Stewardessen auf einem Flug, die sich außerplanmäßig setzen und anschnallen: Nichts Gutes. Es wird ungemütlich.

Die Wetterkarte hat zwar im großen und ganzen ihr Wort gehalten, nicht aber bei der Windrichtung. Die bläst aus Südwest statt Nordwest und das heißt – gegenanzusegeln. Der ungemütlichste Kurs. Starke Seitenlage. Noch dazu kommen Wellen der vergangenen Starkwindtage – die sind hoch, unser Wind teilweise schwach – es ist ein einziger Kampf, den Peter kämpft. Ich traue mich unter den Bedingungen nicht ans Steuer. Dann kommt der Starkwind selbst. Vier Meter hohe Wellen, lange Schaumkämme, brechen sich unter dem Boot. Wer da zu viel Phantasie hat…also die Phantasie im Zaum halten und den Tiger reiten!!!

56 sm und zehn Stunden später ankern wir salzverkrustet in Amargos. Wir haben es geschafft!!! Und kurz darauf allen Ungemach schon wieder vergessen.

Lipsi

Um 6 klingelt der Wecker, wir wollen früh raus, um dem stärksten Wind, der sich erst nachmittags entwickelt, zuvor zu kommen. Die ganze Nacht hat es „gekachelt“, Böen bis 35 Knoten sind über uns hinweggefegt. Peter dreht sich um und meint: Wir fahren erst morgen, ja?Jaaa!!!!

Wir bleiben also noch in Lipsi-Bucht und nutzen die Zeit, kleinere Reparaturen vorzunehmen. Gläser z.B. in die Luken (d.h. Fenster) einzukleben. Die meisten Luken sind undicht, wie wir schmerzhaft erfahren haben.

Nachdem wir alle Gläser entfernt, gesäubert und zum Wiedereinkleben vorbereitet haben, stellt Peter fest, dass unser Silikon nicht mehr zu gebrauchen ist. Zu alt, zu hart. Wir müssen unser Boot nach Lipsi  Stadt umlegen.

Lipsi! Unsere griechische Lieblingsinsel!  Nicht nur wegen der bereits erwähnten Kneipe.

Jede Insel hat, finde ich, wie Menschen, einen Charakter. Lipsi ist freundlich. Ein paar Häuser um die Kirche gebaut, ein kleiner Hafen. Viel mehr gibt es nicht. Und ein paar Restaurants. Für die Touristen.

Wir schlendern durch den Ort, die Kirche entlang durch die Gassen. Und sind verwundert. Wo sind die Kneipen? Das Restaurant von Manoli, dem sympathischen großmäuligen Wirt, der jeden Touristen in seine Lokalität lotste, dafür aber auch in der Mittagspause immer neue Rezepte studierte, um seine Kundschaft nicht mit Gerichten zu langweilen, Manolis Restaurant ist verwaist. Ben, bei dem wir oft und gern gegessen haben, hat schon vor ein paar Jahren aufgegeben, weil er noch nicht mal mehr den Strom für seinen Gefrierschrank zahlen konnte. Eine Kanadierin erzählt uns, die Menschen in Lipsi hätten aufgegeben. Erst die Auflagen der Regierung, dann die Flüchtlinge, die Touristen bleiben weg. Wir sind erschüttert. Lipsi – stirbt???

Abends kommen wir zurück vom Boot in den Ort. Und entdecken neue Kneipen, auch Tavernen, die wir kannten und die sich vergrößert haben, alles aber immer noch klein und überschaubar. Wir nehmen unseren Ouzo bei Stavros am kleinen Fischerhafen, der Kalamaris auf den Grill wirft. Nebenbei scherzt er mit seiner kleinen Tochter, herzt seine Frau, palavert mit den Einheimischen, die bei ihm sitzen. Ich frage Stavros nach Manoli. Der, lacht er, ist umgezogen. Aber warum fragst du nach Manoli? Dies hier ist Lipsi! Und er zeigt auf die kleinen Tavernen, die Menschen, die zusammensitzen, den Kindern zuschauen, die Fischer. Ja, das ist Lipsi. Und alle Lispianer bekommen einen großen Platz in unserem Album für die, denen wir alles Gute wünschen.

 

 

 

 

 

 

 

Meuterei auf der Hugin

Es ist Sontag, der 24. Und es wird nicht unser bester Tag…

Dabei beginnt alles so gut. Wir legen ab Richtung Lipsie, 25 sm, ca. 50 Kilometer also, wir haben den Wind von hinten und gleiten über das Meer. Ach, ist Segeln schön!

Die Freude währt eine Stunde. Dann schläft der Wind ein und die Wellen übernehmen das Kommando. Und schaukeln, nein werfen uns von einem Bug auf den anderen. Es ist nicht eben magenfreundlich…

Die Fock schlägt bedrohlich um sich, weil sie keinen Wind mehr hat, wir baumen aus (d.h., man setzt ein Aluminiumrohr an den Mast und befestigt das Vorsegel daran, um ihm Stabilität zu geben und die Möglichkeit, den Wind zu fangen. Das Vorsegel hat normalerweis keinen Baum, sondern bewegt sich frei). Peter, um genau zu sein, baumt aus. Peter bewegt sich wie eine Bergziege bei dem Wellengang. Ich krieche auf allen Vieren oder rutsche auf dem Hosenboden. Ich bin ihm nicht wirklich eine Hilfe. Peter wird etwas ungnädig. Ich kann es ihm nicht verdenken…

Eine halbe Stunde später gauchen (so nennt man das Schaukeln) wir immer noch und kommen nicht voran.

Aber wir haben ja für solche Fälle einen Parasailor! Ein super Segel für Schwachwind, vom Papst der Langfahrtsegler Bobby Schenk höchstpersönlich empfohlen: einmal gesetzt, nie wieder runtergeholt.

Die Rettung. Und ganz schnell mal eben angeschlagen, easy zu bedienen. Ich bin nicht so sicher, „mal eben“ geht in der Regel auf dem Boot gar nicht. Peter schimpft mich eine Pessimistin.

Eine Stunde später sitzen wir entnervt vor dem noch immer nicht entfalteten Parasailor. Das gute Stück war in der Segelmacherei zum Checken und saubermachen, und die haben es dermaßen dilettantisch zusammengelegt, dass nichts mehr zusammenpasst. Wir drehen, entwursten, entfalten, bis es denn klappen könnte…mittlerweile ist der Wind so stark, dass der Parasailor überfordert ist.

Wir setzen die Fock und reffen sofort. Starkwind, Böen bis zu 35Knoten. Das ist auf dem Kurs nicht schlimm, zu segeln, aber alles andere als easy sailing. Wer die Baccardi-Werbung erfunden hat, lügt!

Geschafft! Wir werfen den Anker in Lipsi-Bucht und gehen erstmal baden.

Dann überlegen wir den nächsten Tag. Wir wollen endlich nach Westen stechen und das bekannte Segelrevier verlassen. Paros, bestimmt Peter. Ca. 50 sm.

Ich messe nach. Es snd 70 sm, etwa 14 Segelstunden. Und ich weigere mich!

Peter argumentiert, es sei Halbwindkurs, der angenehmste also. Außerdem müssen wir endlich voran kommen! Ich kenne den Halbwindkurs im Starkwindrevier und sage erst recht nein. Klar, wir müssen ein Starkwindrevier kreuzen, aber 14 Stunden sind mir zu viel Plackerei. Unsere große Reise steht unter dem Versprechen, „Segeln und genießen“ und nicht „Segeln und leiden“! Peter überlegt, mich in den nächsten Flieger nach Athen zu setzen.

Wir gehen erstmal essen.

Der Grund, in Lipsi zu ankern, ist nicht unbedingt die Bucht selbst. Die ist klein, wildromantisch, leider total fischarm. Der Grund ist „Das Paradies“. So hat ein Segler mal die bis dato namenlose Kneipe am Strand getauft, bevor Tripadvisor auf sie aufmerksam wurde und sie sich seitdem „Dilaila“ nennt. Das hat der Küche zum Glück keinen Abbruch getan. Sie ist einzigartig in der Ägäis.

Zehn Jungs werkeln konzentriert-entspannt an den Herden, an der Wand prangt eine riesige Flagge mit dem Konterfei Bob Marleys und dessen Schrei nach „Freedom“.

Freiheit nehmen sich auch die Jungs der Dilaila in der Komposition ihrer Zutaten. Alles kommt aus Lipsi und wird höchst kreativ und köstlichst gemixt. Kichererbsen mit Feigen, Rosinen und Zitronendressing, Orangen mit Feta , Gurke und Minze, und über allem: der crazy feta. Ein scharfer, überbackener, cremiger Schafskäse, Unvergleichlich.

Bob Marley im Sinn und das wunderbare Essen im Magen gehen wir nochmal an unsere Törnplanung. Ich schlage Peter Amorgos vor. 50 sm, Und wir verlieren einen Tag.. Einen Tag von 14 Monaten! Peter seufzt. Und willigt ein. Ich könnte ihn küssen! Und das tue ich dann auch…

 

 

 

 

 

 

 

Immer wieder Samos!

Es ist der23. Juli und Peter hat Geburtstag. Vielen Dank für alle Glückwünsche!

Wir sind gestern in den Hafen von Pythagorion umgezogen und haben Effi, Manoli und Iannis überrascht. Sie haben sich ebenso wie wir riesig über das Wiedersehen gefreut – bei Effi und Manoli haben wir unser Hochzeit gefeiert, wie viele wissen. Seitdem haben wir uns nicht mehr gesehen.

Es ist zwar sehr nett, nah am Geschehen, in Pythagorion zu sein, dieser kleinen, charmanten Stadt mit den netten kleinen Läden und den vielen Kneipen am Hafen. Wenn man aber genau vor den vielen Kneipen liegt, ist der Geräuschpegel entsprechend – und entsprechend lange. Wir haben wenig geschlafen…

Dafür ein wunderbares Geburtstagfrühstück bei Effi bekommen. Und uns ein Auto gemietet und sind um die Insel gefahren. Hatte ich gesagt, nie wieder Samos? Ich nehme alles zurück.

So eine schöne Insel! Zypressen, Weinberge, Olivenhaine, zerklüftete, einsame Buchten mit türkisfarbenem Wasser, karge Berge – Samos hat alles.!

Leider sind die Touristen weggeblieben, die Berichte über Flüchtlingsströme haben die

Zahlen um 40% sinken lassen. Das hat Samos nicht verdient! Also, geneigte Leserinnen und Leser, falls Ihr noch keine Urlaubspläne habt: Samos!!! Vor allem der Norden ist traumhaft, Kokkari!!! Da scheint die Zeit stehengeblieben zu sein.

Ich glaube, der nächste Segeltörn von Samos wird mal ohne mich stattfinden…ich werde Bücher und Wanderschuhe schnüren…!!

Peter ist sogar in einer Bucht Baden gegangen! Nicht vom Boot aus! Und wir haben am Strand gelegen!!! Mann wird eben doch älter…:-))))

 

 

Nie wieder Samos!

Wir starten spät von Kos. Zum einen meinen wir, wie uns beim Einklarieren gesagt wurde, wieder Ausklarieren zu müssen (werch ein IIltum), zum anderen fiebere ich der ZEIT entgegen, in der Hoffnung, mehr über die Hintergründe des Putsches in der Türkei zu erfahren, (auch dies ein Irrtum), und die gibt es ab 9:00 im Zeitungsladen am Marktplatz.

Danach müssen wir noch das Boot sauber machen, alles festzurren, tanken…um 11:30 kommen wir endlich los. Richtung Leros., 25 sm. Das sind ca. 40 km. Keine große Sache.

Der Wind ist vielversprechend – 4 bis 5 Beaufort.

Aber er kommt direkt von Nordnordwest. Und da liegt Leros. Das heißt, wir müssen kreuzen. Und das ergibt die doppelte Strecke. Mindestens 40 sm also.

Noch dazu haben wir Wellen, die noch vom stärkeren Wind des Vortages kommen. Und die bremsen. Wir stampfen also mühsam voran.. Und überlegen uns, das Elend auf einer Backe, das heißt auf einem Bug, zu beenden und direkt nach Samos durchzusegeln, das wäre unsere übernächste Etappe gewesen. Nach Samos sind es nach Kartenlageca. 40 sm, auf unserem Kurs fast direkt zu erreichen. Ein guter, ja geradezu genialer Gedanke, finden wir.

Doch wir die Rechnung ohne den Wind gemacht. Der hält uns zum Narren. Wir reffen, reffen aus, reffen erneut…und kommen kaum vom Fleck. Um 17 Uhr sind wir noch auf Höhe von Leros. Egal, wir ziehen durch.

Um halb 8 sind wir auf der Höhe von Agathonisi. Und da verlässt uns der Wind. Das gefürchtete Windloch – wir oft sind wir an dieser Stelle schon reingefallen…

Wir dümpeln eine halbe Stunde, dann frischt der Wind endlich auf. Und wird zum Starkwind. 35 Knoten, da wird generell Sturmwarnung gegeben. Wir wollen schleunigst reffen und müssen dafür in den Wind gehen, da kommen uns zwei Schlepperverbände mit riesigen Fischfarmen im Schlepptau in die Quere. Die müssen wir durchlassen. Wir fallen ab vom Wind. Es kachelt, wie der Segler sagt, ohne Ende. Wir kämpfen.

Wir kommen weit ab vom Kurs. Fahren eine Wende, um wieder Land zu gewinnen. Aber der Wind hat gedreht und wir landen auf fast exakt dem gleichen Punkt, an dem wir eine Stunde vorher waren. Mittlerweile ist es dunkel.

Da reicht es uns nun doch und wir werfen den Motor an. Und brettern 12 sm bei fast 8 Beaufort gegen Wind und Wellen. Es ist die Pest! Segeln, fluche ich, ist nur was für Masochisten! Segeln, meint Peter, ist schön! Und dies halt  – Samos.

Es ist 23 Uhr, als wir in der Bucht von Pythagorion den Anker schmeißen. Hinter uns geht der Mond als roter Ballon auf, vor uns sieht man die Lichter der Kneipen im Ort, auf der anderen Seite, in der Ferne, die der Türkei. Und auf einmal ist es als hätten wir alle Segelqualen nie gehabt. Es ist schön! Also doch wieder – Samos? Nur nie wieder im Juli!

 

Bastelarbeiten

Die Tage in Kos nutzen wir zum Aufrüsten. Drei riesige Pakete haben wir hierher geschickt, darin enthalten: watermaker, Kompressor, Converter, um aus 12 Volt 220 zu machen und diverse andere Materialien. Ich weiß nicht, wie Segler das machen, die keinen so technisch versierten Menschen an Bord haben…Peter sitzt, hockt, hängt abwechselnd über Salonbett, Badezimmerschrank, Küchenunterbau, sägt, schraubt, montiert – mir wird schon anders, wenn ich die Anleitung sehe: Lassen sie dieses Teil nur von einem Fachmann installieren – Lebensgefahr! Peter ist der Fachmann- jedenfalls haben wir weder Kurzschluss noch Unfall bis jetzt gehabt.

Ich habe immerhin Schlauchschellen nachgerüstet, nachdem ich in Versicherungsberichten gelesen hatte, dass die häufigste Ursache dafür, dass Yachten sinken, keine Zusammenstöße mit anderen Booten, Containern oder Walen  sind, sondern abgegangene Schläuche…Das wollen wir ja nun nicht.

Unser Bot ist jedenfalls mal wieder Baustelle, aber dafür super ausgerüstet – bestimmt!

Aber wir arbeiten nicht nur!

Wir haben uns Fahrräder geliehen, für einen Appel und ein Ei. Kos ist eine Fahrradstadt! Mit ausgeschildertem, extra angelegtem Radweg rundum die Altstadt. Da könnte sich manch unserer Städte ein Beispiel nehmen…

Wir radeln am Meer entlang zu den Fischerbooten. Fisch ist leider schon ausverkauft bzw. reserviert. Also zum Fischhändler. Und anschließend etwas außerhalb zum Markt.

Da ist es zwar nicht so clean und poliert wie in der Markthalle in der Altstadt, aber viel netter. Und wir sehen Teile der Stadt, die wir sonst nicht kennengelernt hätten. Kos’sches Leben abseits des Tourismus eben.

 

Und ich muss Kos Gerechtigkeit widerfahren lassen: Kos ist eine hübsche Stadt! Ruinen, Baudenkmäler, Zeugnisse aus Jahrhunderten, die wie selbstverständlich verteilt sind. Moscheen neben byzantinischen Bauwerken neben christlichen Kirchen…Dazwischen Parks. Und nette Gässchen.

 

Und das Frauencafe! Bei jedem Besuch ein „Muss“. Alleinerziehende, arbeitslose, perspektivlose Frauen haben sich vor einigen Jahren zu einer kooperative zusammengeschlossen und das Cafe gegründet., in dem sie regionale, teilweise biologisch produzierte Spezialitäten anbieten. Zum Beispiel Tomaten, gespickt mit Nelken und gefüllt mit Mandeln, in Sirup eingelegt. Nein? Oh doch! Eine Offenbarung!

 

Abends radeln wir nochmal in die Altstadt auf ein Abschlussbier. Und sagen Tschüss. Morgen geht’s nach Leros!

 

 

It’s a long way…

…. eine passable Seglerin zu werden…!!!

Normalerweise schlafen wir auf dem Boot in Buchten wie ein Kind in der Wiege – es schaukelt sacht und der Wind weht uns in den Schlaf. Manchmal allerdings ist uns der Wind nicht so wohlgesonnen und dann…wie in Kos. Er hat gedreht, der Wind, und bläst uns kabbelige Wellen entgegen. Das Boot geht hoch und runter, hoch und runter, jeweils um die 1,50 Meter. Ich weiß, es gibt Menschen, die für so ein Vergnügen viel Geld in Rust bezahlen -ich hasse es. Das Frühstückmachen wird zur Akrobatiknummer. Alles, was rutschen kann, rutscht, immer muss man sich festhalten, aufpassen, dass der Kessel auf dem Herd bleibt…bäh. Wind und Wellen zerren an den Nerven.

Vielleicht liegt es daran, dass ich  buchstäblich durch den Wind bin. Die ersten Regattaboote laufen aus der Marina aus und üben und damit wir nicht mit den Teilnehmern verwechselt werden, setzen wir einen Ankerball, der anderen Seglern signalisiert: Die segeln nicht, die liegen vor Anker. Im Tran suche ich nach dem richtigen Tau , löse eins, lasse es dann aber, weil zu kurz, liegen. Kurz darauf macht mich mein sanftmütiger Mann vorsichtig darauf aufmerksam, dass der Baum hängt…die „Dirk“!

Zum Verständnis: Das Großsegel sitzt quasi auf einem Baum, der am Mast hängt. Ist das Segel geborgen, wird der Baum von der „Dirk“ gehalten. Wird das Segel gesetzt, kann die „Dirk“ (liebe Freunde in der Weinbergstrasse, sie heißt wirklich so!) gelöst werden. Wird die Dirk gelöst, ohne dass das Segel gesetzt ist, fällt der Baum – und kann den, der darunter steht, böse verletzen. Ich habe also die Dirk gelöst… Mein Albtraum. Vielleicht sollte ich doch lieber golfen gehen? Oder Strümpfe stricken??? Oder selbst die Segel setzen, damit ich die Taue und Falle und wie sie alle heißen, nicht mehr durcheinander bringe…

Zum Glück startet die Regatta und das Schauspiel verdrängt selbstzerfleischende Vorwürfe.

Über 60 Boote, Rennziegen, aber auch normale Bavarias und Benetaus (das sind sozusagen die Renaults und VWs unter den Booten) machen sich warm.

Dann fällt der Startschuss. Und die Boote schießen los. Selbst in der ziemlich großen Bucht kommt es zu gefährlichen beinahe-Zusammenstößen bei Manövern. Auch wir bleiben nicht unverschämt, als uns ein italienisches Boot fast rammt – der Skipper hatte uns nicht gesehen! In letzter Minute drehen sie lachend ab.

Die Boote haben eine Schräglage, die wir Warmduscher und „Flautensegler“, wie Peter lästert, niemals fahren würden. Aber zum Zugucken ist es toll.

Eine Stunde haben sind auch die letzten Nachzügler die Startlinie passiert und wir können in die Marina einlaufe. Platz ohne Ende! Und endlich wieder eine ruhige Nacht!