Weiter geht’s nach Ibiza. Schlappe 54 Seemeilen sind es bis dahin, das machen wir doch mittlerweile mit links.
Aber wir haben überhaupt keinen Wind. Motoren gnadenlose 10 Stunden, haben dafür ordentlich Wellen und schaukeln von einer Seite auf die andere. Es nervt. Und selbst der geduldige Peter hat an diesem Tag richtig schlechte Laune.
Buchten sind auf der Ostküste auch nicht gerade zahlreich vorhanden, überhaupt ist es segeltechnisch natürlich kompletter Blödsinn, bei Ostwind einen Ankerplatz auf eben dieser Seite zu suchen, aber wir wollen noch in die Hauptstadt und die liegt nun mal im Osten. Der erste als solcher ausgewiesene Ankerplatz, den wir in der Abenddämmerung anfahren, ist komplett unbrauchbar. Also motoren wir zurück auf eine kleine Insel, Tagomago, die Peter von vor 20 Jahren kennt. Schutz bietet sie auch nicht wirklich, der Anker hält nur mit Augenzudrücken, aber wir stecken viel Kette – es ist ein einziger Kompromiss. Aber da wir keinen Wind haben, riskieren wir’s und verbringen eine sehr schaukelige, unruhige Nacht.
Brechen am nächsten Morgen auf in die Hauptstadt, irren einmal mehr im Hafen herum, weil wir nicht wissen, wo wir anlegen können. Im Zweifel Club Nautico. Der hat auch noch einen Platz. Ich vergesse vor Erleichterung, nach dem Preis zu fragen.
71 Euro, verlangt der Marinero in seinem Office.
Wie bitte? Wir erinnern daran, dass Nebensaison ist.
In der Hauptsaison, antwortet der Marinero sanft, kostet der Platz 210.
Wir schlucken. Dann meine ich süffisant, sind die showers, die Duschen, bestimmt ganz großartig.
Es sind, antwortet der Marinero freundlich, Showers…
Diesmal habe ich schlechte Laune. So übers Ohr gehauen zu werden. Hätten wir doch noch einen anderen Platz versucht. Hätte ich bloß nach dem Liegepreis gefragt…Hätte, hätte, Fahrradkette…
In der Stadt bestätigt sich meine Unzufriedenheit: Alles Ramsch, überall Konsum, Laden an Laden, überteuert, Himmel, und das alles bloß, weil es das legendäre Ibiza ist!
Meine Laune wird erst besser, als wir eine Eisdiele finden, die sensationelles (Bio-)Eis herstellt.
Abends söhne ich mich dann ganz mit der Stadt aus. Es hat was! Zwar viel Rummel, aber ganz anders als in Cala Ratjada, Freundlich, etwas ungewöhnlichere Leute, doch, Ibiza Stadt ist richtig nett. Wir werden auf der Strasse angehauen, ob wir etwas Marihuana wollen? Irgendwie ehrt mich das, obwohl der arme Teufel, der es uns anbietet, vermutlich seine Großmutter verkaufen würde, weil er einen Schuss braucht. Standhaft sagen wir nein!
Und legen am nächsten Morgen mal wieder mit Bedauern ab. Nach Ibiza wollen wir auch wieder. Aber nie mehr in diese überteuerte Marina!
