Karibik!!!

30.12.2016

Da ist sie nun wirklich, die Bilderbuchkaribik! Wir haben einen Sprung nach „PiEsWai“ = Petite Saint Vincent gemacht- eine Trauminsel. Winzig. Nur ein Luxushotel gibt es darauf, dennoch dürfen Yachten ankern und die Crew in Wasser und Schnorcheln gehen. Glasklar, türkisfarben – Fische! Korallen! Wir sind glücklich.

Leider ist es kein Ankerplatz zum Übernachten, wir müssen weiter. Nach Clifton, Union Island. Auch nett, eine winzige Bucht, allerdings voller Untiefen. Nicht ungefährlich anzusteuern, noch dazu liegen viele Boote da, schon kommt uns ein „Boatboy“ als Pilotboot zu Hilfe und geleitet uns zu einer Boje. Na gut, sie sind von der Regierung ausgelegt, versichert er uns, dann werden sie wohl halten. Bevor er wieder abzischt, schnorrt er noch ein paar Zigaretten von Hans-Werner und bietet im Gegenzug Grass an – nein danke, aus dem Alter sind wir (leider?) raus.

Hier gefällt es uns. Der Blick ist sagenhaft, auf die Riffe, die die Bucht umschließen. Der Ort hat sich ganz dem Tourismus verschrieben, es gibt viele kleine Bars, Restaurants Souvenirshops, bunt angemalt, kein Haus höher als eine Palme – so will es die Vorschrift in der ganzen Karibik wegen der Hurrikangefahr.

Viele Rastas – das Easygoing scheint aber doch nicht ganz so easy zu sein, viele haben sich anscheinend ziemlich die Birne weggedröhnt, haben glasige Augen, bieten Grass, sogar Koks an, und sie nerven, weil sie ein „Nein“ nicht akzeptieren und aufdringlich werden.

Wir wollen auf Wunsch einer einzelnen Dame Pizza essen. Nur ein kleines Stück als Lunch. Angeboten in einem Restaurant mit Meeresblick. Wir bestellen und warten und warten. Fast zwei Stunden lang. Dann kommt sie – eine sehr eigenwillige Kreation, die vegetarische ist mit tiefgefrorenem Leipziger Allerlei belegt – und noch dazu ziemlich teuer.

Uns wird nach einem Besuch in den „Supermärkten“ allerdings auch klar, warum. Fast alles wird importiert, aus den USA, aus Kanada. Eine Milchwirtschaft gibt es auf den Inseln nicht. Familien halten für den Eigenbedarf eine Ziege mit Zicklein, Hühner – große Weiden für Kühe haben wir nicht gesehen. Folglich sind Milch, Käse teuer. Ebensowenig gibt es (zum Glück) Treibhäuser. Also wird auf den winzigen Märkten – so es sie überhaupt gibt – das wenige verkauft, was die Gärten produzieren. Daran werden wir uns halten müssen und probieren. Oder für teuer Geld Dosentomaten etc. zusammensuchen müssen – denn was die Supermärkte im Angebot haben, ist sehr überschaubar. Einen Gourmetshop gibt es, der hat Frischkäse mit Lachs! Schon leuchten meine Augen, bis ich den Preis sehe: umgerechnet 7 Euro…Dann lieber doch Spiegelei.

Also, wir müssen uns noch auf das karibische Leben einstellen. Nicht nur, was das Kulinarische angeht. Wir fallen immer früher ins Bett – gestern um 8! So wird das nichts mit Rumpunsch und Reggae…!

Ich sitze, während ich das schreibe, in besagtem Gourmetshop, weil der Internet hat. Und eine sehr nette Atmosphäre. Tibetische Gebetsfahnen, Love und Peace überall, ein Poster von Jimi Hendrix – auch wenn sich der „Spirit“ nicht unbedingt mit den Preisen deckt – nett ist es hier.

Heute abend (wir haben fünf Stunden Zeitverschiebung zu Deutschland) werden wir im ganzen Ost Silvester feiern. Die Steeldrums sind schon an verschiedenen Locations aufgebaut – da wir gestern vorgeschlafen haben, werden wir es ja wohl hoffentlich heute schaffen, mal bis Mitternacht wachzubleiben – und zu feiern!

Petite Martinique

29.12.16

heißt unser nächstes Ziel, eine winzige Insel mit der Einwohnergröße von Ebersteinburg (das ist da, wo wir n Deutschland wohnen, und das ist klein!!!!).

Es ist nicht weit, aber starkwindig und „auf die Nase“ – also wieder unter Motor.

Ganz nett, aber immer noch nicht „karibisch“, finden wir. Wir ankern inmitten von kleinen Fischerbooten und gehen an Land. Dort soll es ein gutes Restaurant geben. Der Ort ist wie ausgestorben, fast niemand auf der Straße, aber wir finden die kleine Kneipe, die im Hellen sicherlich noch schöner wäre. Romantisch beleuchtet liegt sie in Strandnähe unter Bäumen. Leider sind wir die einzigen. Das Essen ist etwas teuer, aber sehr gut, außerdem beehrt uns eine kleine Katze, buntgescheckt, liebevoll, verschmust, die wir am liebsten sofort mitnehmen wollen.

Zurück laufen wir am Strand und das ist Karibikfeeling! Weicher, feinster Sand, über uns der Sternenhimmel, ein lauer Wind – es ist so schön!

Tyrell Bay, Carriacou

27./28.12.2016

Einen Tag gönnen wir uns in Tyrell Bay und faulenzen. Hans-Werner hängt die Angel raus (leider vergeblich, aber er weiß jetzt, wie’s geht!), Peter und Sebastian versuchen, unsere Tiefenmesser, Plotter, Geschwindigkeitsmesser zu synchronisieren. Angeblich soll das gehen. Aber selbst Sebastian, Programmiererguru, schafft es nicht. Die verschiedenen Jahrgänge der Geräte sind nicht kompatibel. Raymarine behauptet, alles wäre immer prima zu verbinden – schlichte Lüge!

Ich nehme den Minibus in die Hauptstadt und sehe mich da um, vielleicht legen wir nochmal dorthin um. Aber soo attraktiv erscheint es mir nicht. Ich laufe eine dreiviertel schweißtreibende Stunde den Berg hinauf zu einem Park, der einen schönen Aussichtspunkt haben soll – der ist leider geschlossen. Der Park. So wird das nichts mit dem Tourismus!

Wieder auf dem Boot, lassen wir uns treiben. Kein Rumshop, keine aufregende Bar. Wir schauen den Pelikanen beim Fischfangen zu – diesen tolpatschigen Künstlern. Und gehen mal wieder um 9 ins Bett…

St. George’s, Grenada

26.12.2016

Von Hog Island verabschieden wir uns schweren Herzens, hier hätten wir es auch noch länger ausgehalten, – und motoren ums Kap in die Hauptstadt. Von da ist es näher zum nächsten Ziel – Carriacou. Außerdem haben Peter und ich in St. George’s ein sehr nettes karibisches Restaurant gefunden, in das wir die Jungs einladen wollen – es ist immerhin der zweite Weihnachtstag!

In die Bucht vor St. George’s steht ordentlicher Schwell, Wellen also. Das Boot kippelt ganz schön. Wir überlegen, in die Marina zu gehen, aber selbst ich, die ich bei Marinas sofort „Hier“ rufe, weil ich unabhängig vom Dinghi an Land kann, weil es da DUSCHEN gibt! HAAREWASCHEN! – selbst ich bin zu faul, Fender und Taue rauszuholen, um das Boot klar zu machen zum Einlaufen. Schwell sind wir gewohnt, außerdem gehen wir ja eh essen, also bleiben wir vor Anker.

Das Essen ist toll – und die Jungs, nein, so viel Zeit muss sein: Sebastian und Hans- Werner bestehen darauf, Peter und mich einzuladen, auch im Namen von Schwiegermama Luzie. An dieser Stelle nochmal: 1000Dank! Es gibt karibische Tapas, die ihren Namen zu Recht tragen, denn sie werden auf Untertassen serviert. Callalou-Suppe, ein Salat aus grünen Bananen, frittierte Bananen, Kohl in Kokosmilch und derlei Köstlichkeiten mehr, über 20 – sodass sogar Sebastian satt wird. Grandios.

Weniger grandios wird es auf dem Boot. Es schwankt wirklich schauderhaft. Um halb 5 Uhr morgens treffen wir uns alle wie abgesprochen im Salon, kaum einer hat geschlafen – es ist zu nervtötend. Nichts wie weg. Also, Anker auf und wir motoren ins Morgengrauen Grenada entlang, die Strecken, die wir mit dem Auto im Landesinneren gemacht haben, sehen wir nun vom Meer aus. Der Regenwald! Die kleinen Orte! Zauberhaft.

Aber 30 Meilen sind es bis zur nächsten Insel, eine ganz schöne Strecke. Je früher wir da sind, desto besser.

Das Wetter meint es nicht besonders gut mit uns. Auf Grenada hat es oft geregnet, der Wind ist stark, Windstärke 6 – gegen uns natürlich. Den Jungs ist das grade recht, endlich mit den Naturgewalten kämpfen! Mir auch, ich verkrümele mich nämlich wieder ins Bett und finde es ganz prima, nicht mehr kämpfen zu müssen…

Gegen Mittag laufen wir in Tyrell Bay auf Carriacou – die Bucht ist offensichtlich sehr beliebt unter Seglern und ziemlich voll. Ganz nett sieht es aus, kleine bunte Kneipen, viel Wald. Nur das Wasser enttäuscht uns mal wieder. Zwar ist es türkisgrün, wie es sich für die Karibik gehört, aber milchig und lädt nicht grade zum Schwimmen ein, obwohl es über 28 Grad hat! Der Käpt’n ist zunehmend frustriert, so hat er sich die Karibik nicht vorgestellt. Er hat von feinem Sandstrand geträumt! Glasklarem Wasser! Hier gibt es stattdessen eine Rum –Bar neben der anderen, bloß sind wir abends so früh so müde – es wird um 6 Uhr dunkel -, dass wir keine Lust mehr haben, ins Dinghi zu steigen, um einen Absacker zu nehmen. Auch dieses karibische Feeling bleibt uns also versagt – aber es kommen ja noch mehrere Inseln!

 

 

 

 

 

 

Wir haben unsere Hugin umgelegt!

Aber nur zwei Buchten weiter. Prickly Bay war uns nach einem herzzerreißenden Weihnachtskonzert einer gütig lächelnden Dame mit Potthaarschnitt, die daheim sicher den Kirchenvorstand schmeißt, doch ein bisschen zu, naja…Außerdem ist das Wasser da so trüb. Und außerdem wollen die Jungs mal segeln!

Dazu kommen sie mehr, als ihnen lieb ist. Der Wind ist nämlich kräftig. Und von vorn. Mit starker Strömung. Gerefft und mit Motorhilfe ankern wir nun in Hog Island. Da ist es schön. Kleine Inselchen, am Ufer Häuschen. Das Wasser ist zwar noch dreckiger – vielleicht von den Mangroven auf den Inselchen -, aber die Stimmung deutlich besser und entspannter.

Abends, als wir nach dem hervorragenden, vom Käpt’n gekochten chinesischen Essen platt sind, überredet er uns noch zu einem Ausflug mit dem Dinghi in die Rumbar. Also gut. Die hat leider geschlossen, aber wir treffen zwei Engländer, die uns eine andere Lokalität empfehlen. Gute Stimmung garantiert, versprechen sie.

Das kann man so sagen. Eine Handvoll Briten hat bereits ganz schön einen im Tee, wobei man sagen muss: Britinnen. Die Damen sind sternhagelvoll, ebenso wie die Bedienung, die eine Karaokeeinlage und ein Tänzchen wagt.

Das stört uns nicht weiter, der Rum ist gut (die Jungs und Käpt’n trinken ihn mit Cola, diese Warmduscher), außerdem lernen wir ein weiteres Seglerpaar kennen, ebenfalls Engländer in den besten Jahren, die ihr Boot seit sechs Jahren hier liegen haben und die von der Insel, vor allem von den Bewohnern, schwärmen, die Karibik lieben und uns richtig Lust darauf machen. Und dann ist die Nacht auch noch sternenklar! Also, so langsam kommen wir in Stimmung.

Wollen/müssen aber leider am nächsten Tag doch wieder umlegen, nach St. George’s. Wir wollen/müssen ja weiter, die Jungs fliegen am 13. zurück von Martinique und wollen endlich segeln und schnorcheln. Und für übermorgen ist Starkwind angesagt – dagegen. Bis dahin sollten wir auf der nächsten Insel sein. Und so rasen wir mal wieder. Wie schade. Keine Schokoladenfabrik, keine Muskatnussfabrik. Wir kommen wieder!

(Foto folgt mal wieder, sobald wir flottes Internet haben…)

Unser Weihnachtsbraten

ist dieser kapitale Bursche, Rock Hind, wie auch immer auf Deutsch er heißen mag. Nein, nicht selbst geangelt, aber selbst gekauft auf dem Fischmarkt, wo er auch sorgfältigst von dafür abgestellten Experten geschuppt und ausgenommen wird.

Gefüllt mit wunderbaren Kräutern, deren Namen ich nicht kenne, vom „Markt“ vor dem Fischmarkt – da sitzen Menschen auf Eimern vor einem wackeligen Holzgestell oder Kisten und verkaufen, was der Garten hergibt. Kartoffeln. Limonen, die wir noch nie so köstlich und intensiv gerochen und geschmeckt haben.

Das alles kommt in und auf den Fisch, der auf ein Kartoffelbeet, das mit Olivenöl, Wein, Knoblauch übergossen wird. Und das Ganze gart dann im Ofen.

Weihnachten wäre nicht Weihnachten ohne Pannen. Es gart und gart und gart – und wird und wird nicht gar…

Wir aber werden unterdessen müde, wozu der Rumpunsch, den wir uns in der Bar noch gegönnt haben, das Seinige tut.

Endlich gibt der Fischexperte das Okay – auch wenn man die Flosse noch nicht entfernen kann, ist der Fisch jetzt fertig. Punkt.

Und er schmeckt! Dazu gibt es Chardonnay aus Chile – und kurz darauf fallen wir ins Bett. Es war ein sehr schönes Weihnachtsfest!

 

 

 

 

Besuch

22./23.12.16

„Die Jungs“ kommen, Peters Söhne. Wir freuen uns riesig. Müssen aber erstmal das Schiff aufräumen, uff. Die Kajüte leerschaufeln, wohin bloss mit allem? Irgendwie schaffen wir es. Und sind pünktlich am Flughafen. Nur der Flieger leider nicht. Wir warten eine stunde, dann kommen sie. Müde, aber glücklich. Über 10 Stunden Flug, die Armen!

Viel Zeit zum Ausruhen bekommen sie nicht, wir haben am 23. Ein Auto gemietet, um ihnen (und uns) die Insel zu zeigen. Die Weihnachtstage bringen alle Zeitplanungen etwas durcheinander.

Peter fährt. Linksverkehr! Und, wie oft schon beschrieben, halsbrecherisch.

Wir fahren ins Landesinnere, um zu den Wasserfällen Seven Sisters zu wandern. Grandios. Mit Stöcken aus Bambus zum Abstützen bewaffnet, werden wir von freundlichen Rangern einen ziemlich anspruchsvollen Trail entlang geleitet. Mitten durch den Regenwald! Wir sind begeistert. Haben irgendwann atemlos den Wasserfall samt kleinem See erreicht. Die Jungs, diese Warmduscher, gehen nicht ins Wasser. Ich schon! Es ist traumhaft.

Dann weiter mit dem Auto um die Insel. Wir besichtigen eine Rumdestillerie, die 300 Jahre als ist, leider gerade nicht in Betrieb ist, weil die Arbeiter Weihnachtsferien haben. Trotzdem interessant und beeindruckend. Und natürlich geht eine Flasche mit – die für Touristen mit 69 Prozent…

Dann sollte es eigentlich die Schokoladenfabrik sein, an der ich gesteigertes Interesse habe, doch auch die ist leider geschlossen. Immerhin sehen wir einiges vom Land. Bunte Häuschen, viele noch demoliert und nicht restauriert nach Hurrikan Ivan, der die Insel 2004 heimgesucht und ins ziemliche Desaster gestürzt hat.

Das freitägliche Fischfest in Guyave lassen wir leider aus – es wird dunkel, und das wollen wir Peter dann doch nicht zumuten.

Schön war’s. Bloss zu kurz, wie immer…(Foto folgt!)

 

 

 

 

 

Grenada

20./21.12.16

Der erste Morgen, der zweite Blick. Die Karibik – endlich! Türkisblaues Wasser, einsame Buchten, Schnorcheln…

Nicht wirklich. Da kann die Prickly Bay leider nicht mithalten. Zwar ist das Wasser türkisblau, aber milchig, Lädt nicht Schwimmen, schon gar nicht zum Schnorcheln ein. Immerhin begrüßt uns morgens eine Schildkröte! Das hatten wir bis jetzt noch nicht.

Wir frühstücken und haben Kanal 68 auf dem Funkgerät an. Den haben uns die reundlichen Engländer gestern empfohlen – ein Funknetz der Segler. Hier kann man sich verabreden, Informationen austauschen, kurz, man erfährt, was abgeht.

Da werden wir gerufen. Carpe Diem, Carpe Diem – Hugin3, Hugin 3. Huch? Nachbarn? Liegen wir über einer Ankerkette? Wer um alles in der Welt kennt uns hier?

Wir stürzen ans Funkgerät. Es ist Edwin, der mit seinem Boot in der Nachbarbucht liegt. Der Schwager einer guten Bekannten von Peter, die ihn auf uns „angesetzt“ hat. Wir sind vollkommen platt. Wie nett, so empfangen zu werden! Und wie beruhigend, bewegen wir uns doch noch im vollkommen Niemandsland, haben keine Ahnung von Buchten, Sehenswürdigkeiten, allem….Edwin gibt und schonmal einige Tipps, wir verabreden uns für den oder den nächsten Abend. Schon fühlen wir uns viel besser.

Der Tag geht wir immer rum mit Bootsreparaturen (die Lichtmaschine!), dann aberwagen wir einen Ausflug nach St George’s, der Hauptstadt, eine knappe Stunde per Bus. Schon die Fahrt ist ein Abenteuer. Dichtgepackt in einem VW-Bus mit lauter Musik, zu der der halbe Bus mitgeht, in einem halsbrecherischen Tempo, werden wir zum Busbahnhof transportiert. Kontakt mit Einheimischen! Aber ja! Und Sightseeing in einem – für runde 1,50. Prima!

Grenada ist schwarz. Was die Hautfarbe angeht. Und zwar anscheinend durch alle sozialen Schichten. Was wir oft beobachtet haben – dass die da oben“ weiß sind und „die da unten“ schwarz-, scheint hier zum Glück nicht (mehr?) zuzutreffen. Uns wird überall weitergeholfen, wir werden angelächelt und lächeln zurück. Und irgendwann einfach nur noch vor uns hin…

Die Stadt – chaotisch für uns. Laut, undurchsichtig, unstrukturiert. Noch. Wir finden uns nicht gut zurecht, fühlen uns nach mehr als zwei Wochen Einsamkeit auf dem Meer total überfordert. Zumal es schnell dunkel wird und wir uns auf den Strassen angesichts der Kamikazefahrer nicht wirklich sicher fühlen – Bürgersteige gibt es auch nicht. Wir sind froh, wieder einen Bus zu ergattern, der uns bis vor die Marina bringt. Aber – den ersten Schritt in die „richtige“ Karibik haben wir getan!

Zweiter Tag, neues Abenteuer. Wir wollen ins Landesinnere, den See Grand Etang erwandern. Ein „Muss“, wie jede Broschüre nicht müde wird zu erwähnen. Edwin hat uns empfohlen, den Bus zu nehmen – dass das geht! Die halbe Insel mit öffentlichem Nahverkehr zu durchqueren!

Wir nehmen also die Nr. 1 nach St. George’s (und fühlen uns schon viel sicherer), dann die Nr. 2 in die Berge. Das ist toll. Durch kleine Dörfer geht es, hübsche Häuschen, eineatemberaubende Vegetation. Regenwald! Blüten!! Gerüche!!! Grenada gilt als die Gewürzinsel, wo Muskatnuss, Zimt, Vanille und vieles mehr wächst. Überall kakao- und Kokospalmen, Bananen, übermenschgroße Farne, Bambus….überwältigend.

Der See, ein Süßwassersee, im Vulkankrater entstanden, nun ja. Für die Baden-Badener: Er hat etwa die Größe vom Herrenwieser See, will heißen: eine ziemlich kleine Pfütze. Baden gehen kann man auch nicht darin, und wir schaffen es auch nicht, ihn zu umwandern, denn es hat wie aus Kübeln gegossen (hier ist Regenzeit), und der Weg ist schlammig und rutschig. Schade. Eine freundliche Dame, die – vergeblich, es kommen keine Käufer- an einem der Verkaufsstände für Souveniers ausharrt, , empfiehlt uns wenigstens einen Aussichtspunkt. Wir zögern, wollen wir doch einen Bus zurück erwischen, und es sind schon einige an uns vorbeigefahren, ohne zu halten – voll. Weihnachten. Einkaufstouren.

Ach, meint die Dame, wenn ihr keinen Bus kriegt, trampt ihr halt, Euch nimmt bestimmt jemand mit. Es ist sicher. Die Menschen hier sind freundlich! So ist es.

Also erklimmen wir den Aussichtspunkt und bereuen es nicht – die Aussicht ist sagenhaft, bis zur Küste. Und wir erreichen trotzdem einen Bus.

Treiben uns in der Hauptstadt herum. Und beginnen, das kunterbunte Durcheinander zu genießen. Vor einer „Mall“ spielt ein Orchester Weihnachtslieder – jazzig, schmissig, ganz neu intoniert. Mitreißend und großartig. Ansonsten erinnert wenig an Weihnachten – ein paar sehr vereinzelte Weihnachtsmannmützen, hier und da ein paar Kugeln und Lametta, aber es hält sich sehr in Grenzen. Außerdem haben wir über 30 Grad!

Edwin fragt, ob wir in „seine“ Bucht kommen wollen? Klar. Ein Abenteuer! Wir finden zwar den richtigen Bus, der uns in Nähe einer Marina aussteigen lässt. Aber es ist die falsche Seite der Bucht. Wir irren durch die Gegend mit beginnender Verzweiflung. Wie sollen wir hier je wieder weg kommen? Irgendwie telefonieren wir uns dann doch zusammen und Edwin holt uns mit dem Dinghi ab.

Das ist nun etwas ganz anderes als die gesetzte Prickly Bay. Eine entzückende Bucht, eine witzige Rumkneipe, eher Freaks und Aussteiger. Edwin ist supernett. Aber es wird schnell dunkel und wir stellen fest, dass es etwas kompliziert ist, zu unserem Boot zurückzukommen. Also machen wir uns lieber auf den Heimweg.

Der führt uns erstmal im Stockdunkeln fast eine halbe Stunde durchs Nirgendwo. Wieder keine Bürgersteige, aber rasende Autos, noch dazu beginnt es, zu regnen. Wir halten den Daumen raus. Und werden schnell mitgenommen. „Maurice“ hat es eigentlich nicht weit, fährt uns aber bis zum Kreisel, an dem unser Bus fährt. Er hätte uns bis zur Marina gebracht, wenn wir ihn nicht gestoppt hätten…So nett!

Wir kommen also  heile nach Haus. Und wieder ein Abenteuer bestanden…

 

 

Wieder an Land

Grenada, Prickly Bay

Wir müssen einklarieren. In jedem Hafenführer steht: Ohne einklariert (d.h. eingecheckt, sich angemeldet) zu haben an Land zu gehen, ist strafbar! Wir haben noch nicht mal die Flagge von Grenada, war ausverkauft in Gibraltar. Die ist auf der rechten Seite des Bootes zu setzen. Also setzen wir immerhin die gelbe „Q-Flagge“ (für „Quarantäne“, jeder gesund an Bord, keine Todesfälle) links, die signalisiert: Wir sind willens und auf dem Wege, einzuklarieren. (In Mindelo hatten wir vergessen, sie wieder runterzuholen, und sind morgens in der Tat von der Coast Guard, die im Ankerfeld kontrollierte!, freundlich, aber bestimmt darauf hingewiesen worden, dass wir sie bitte einzuholen hätten!)

Die Immigrationsbehörde ist in Prickley Bay, sehr praktisch. Wir bauen das dinghi wieder auf und motoren an Land. Und sind sehr gespannt, wie wir uns bewegen. Können wir überhaupt noch laufen? Breitbeinig? Stolpernd? Über Seemänner geht das Gerücht, dass sie fallen, sobald sie wieder festen Grund unter den Füssen haben!

Es passiert – nichts. Zu meiner großen Verwunderung. Ich bin schon nach 14tägigen Törns im Mittelmeer landkrank geworden, schwindelig, schaukeln, desorientiert. Hier bewege ich mich, als wenn nichts gewesen wäre. Peter schaukelt schon etwas. Aber der Käpt’n hat ja auch mehr mitgemacht…

Die Immigrationsbehörde besteht auf zwei Offizieren. Ob wir uns schon im Internet angemeldet hätten? Wie?Was? Jaja, es gibt eine Seite, auf der kann man sich anmelden, das geht dann ganz schnell. Haben wir nicht. Dann bitte in die Bar gehen, die haben Internet, und das erledigen. Der freundliche Officer zeigt uns noch die Internet-Seite, dann sind wir entlassen. Ach so, bezahlen müssen wir dann ja auch. Gebühren. In Caribischen Dollar. Kreditkarten werden nicht akzeptiert. Geldautomat? 20 Minuten den Berg rauf. Von wegen: nicht an Land gehen dürfen!

Wenn das so ist – gönnen wir uns doch erstmal ein Schläfchen. Das ist komatös und sehr erfrischend. Wir stellen den Wecker, damit wir nicht in zwei Wochen erst wieder aufwachen, sind dann aber leidlich fit. Und gehen an Land. Fragen nach dem Weg. Und werden sofort von einem englischen Paar im Auto mitgenommen. Ziehen Geld. Kaufen, da schonmal unterwegs, eine SIM-Karte. Und streifen durch den nächsten Supermarkt. Die Zivilisation hat uns wieder.

Unglaublich. Ein Angebot, wie wir es seit Cartagena nicht mehr hatten. Viele britische, viele US-amerikanische Produkte (Äpfel aus den USA! Die spinnen…), zum Glück aber auch viele local products. Verhungern werden wir hier nicht.

Zurück in der Marina, wollen wir mal nicht kochen, sondern uns ein Abendessen gönnen. Das ist leider lausig. Nicht karibisch, ein internationales Gemisch, das es überall geben könnte, dazu 0815 Dudelmusik. Wie schade. Überhaupt steppt hier nicht grade der Bär, da kennen wir andere Bars! Etwas melancholisch denken wir an Mindelo – und gehen dann erstmal endlich wieder richtig schlafen.