…im Canyon

27.8.2017

Die Bewohner des dazugehörigen Dorfes sind nicht so begeistert, auf Bade-Touristen zu treffen und grummeln etwas von „verdammtem Internet“, das ihren Ort zur Attraktion macht. Es ist ein Ökodorf, Freaks leben dort, und man ist gerne eingeladen, sich an der Gemeinschaft zu beteiligen. Nur mal eben in den Bach zu steigen, ist weniger erwünscht und sie befürchten eine regelrechte Invasion, wenn ihre Idylle preisgegeben wird. Wir verraten den Namen deshalb auch nicht. Nur eines: Es ist wirklich wunderschön!

Die Höhlen von Sorbas…

27.8.2017

…entdecken wir eher zufällig und stoppen nur, um eine Pause nach den langen Autofahren zu machen.

Was für ein Glück. So entdecken wir in der Karstlandschaft Gipshöhlen, die touristisch erschlossen sind. Wir können noch an einer Wanderung teilnehmen – der letzten des Tages, wir sind die einzigen!- und krabbeln, klettern, mit Helm und Taschenlampe bewaffnet, in den unterirdischen Gängen herum, geführt von Daq’, einem jungen Engländer, der schon lange in Spanien lebt und uns durch Galerien, entlang an Stalagmiten und Stalaktiten leitet und uns begeistert von den geologischen Besonderheiten erzählt. Ein bisschen gruselig ist es schon da unten, kein Tageslicht fällt herein, das Gestein ist porös und ganze Klippen sind schon bei kleinen Erdbewegungen abgestürzt.

Wir kommen heile wieder an die Luft, glücklich, noch berauscht von der Unterwelt. Jetzt wollen wir ins Wasser. Daq verrät uns, wo…

Ab in die Wüste

26.8.2017

Drei Tage haben wir ein Auto gemietet. Und machen uns nun nach dem Besuch in den Gewächshäusern auf – in die Wüste. Jawohl. Etwa 80 Kilometer von Almerimar entfernt liegt die einzige Wüste Europas, die Desierto de Tabernas.

Eine Wildwestkulisse. Hinter jeder Kurve meinen wir, Indianern zu begegnen. Die Frage ist nun, was zuerst war – unser Bild der Wüste oder die echte von Tabernas? Denn sie ist Hintergrund zahlreicher internationaler Western. Von daher haben diese Filme vermutlich unsere Vorstellung von „Wüste“ entscheidend geprägt.

Zwei touristische Attraktionen mit Westernkulissen und viel Show gibt es, die besichtigt werden können. Das ist uns zu teuer.

Die Natur ist umsonst und atemberaubend genug.

Das Plastikmeer von Almeria – 4 –

Ein Ökobetrieb, betont Lola, sind sie nicht. Sie düngt mit Chemikalien, die zwar auch in der Natur vorkommen, aber kein Bio-Siegel passieren.

Deren Rückstandswerte, recherchiere ich später im Internet, sind dennoch deutlich geringer als vorgeschrieben. Nach Skandalen von verseuchtem spanischem Gewächshaus-Gemüse sind die Bauern sehr umsichtig geworden. Große Handelsketten verlangen deutlich geringere Belastungen als gesetzlich vorgeschrieben, keiner kann es sich mehr leisten, dagegen zu verstoßen.

Ein Paradies nach Ökomaßstäben ist dies hier dennoch sicher nicht.
Die Samen kommen, gibt Lola nach wiederholter Nachfrage zu, aus China. Sie selbst lehnt Gentechnik ab. Aber Monsanto, größter Betreiber von genverändertem Saatgut, hat eine große Niederlassung in Almeria…

Kritiker bemängeln außerdem, dass Saisonhelfer aus Marokko und Schwarzafrika, ohne die dieser arbeitsintensive Anbau gar nicht möglich wäre, miserabel bezahlt und ausgebeutet werden. Wir, das ist uns klar, besuchen einen Vorzeigebetrieb und sehen niemanden, aber es erscheint durchaus plausibel. „Billig“ hat eben seinen Preis…

Das Plastikmeer von Almeria – 3 –

Pestizide? Insekten! Die natürlichen Feinde von Blattlaus und Co. Bienen, Hummeln und andere Krabbeltiere, die in Holland gekauft, in Pappkartons verschickt werden und sich über die Schädlinge hermachen. Oder Fermone, mit denen Schädlinge angelockt und vernichtet werden. Auch das erfordert eine genaue Beobachtung der Pflanzen, Wissen, Hingabe. Wir sind angetan.

Aber der Wasserverbrauch! Wasser ist eines größten Probleme der Region, hier regnet es kaum und wenn, so stark, dass der Boden das Wasser gar nicht aufnehmen kann. Früher wurde gnadenlos das Grundwasser abgegraben, heute ist man, erklärt Lola, bewusster. Das Wasser wird aufgefangen, gereinigt und wieder verwendet. Ideal, sagt sie, wäre natürlich eine Entsalzungsanlage, aber da der Staat keinerlei größere Initiative zeige, erneuerbare Energien voranzutreiben, sei das noch Zukunftsmusik.

Das Plastikmeer von Almeria – 2 –

Die Region bemüht sich um Aufklärung und darum, das Image zu verbessern.

Jeden Freitag wird deshalb eine Führung durch eines der Gewächshäuser angeboten. Wir sind mit unseren Bootsnachbarn dabei. Und was wir dort erfahren, ist beeindruckend.

Lola erzählt. Ihr Vater hat eines der ersten Gewächshäuser in den 50er Jahren aufgebaut. Überhaupt gehören die Grünzellen nicht, wie ich erwartet hatte, Großgrundbesitzern, sondern Familien, Kleinbauern. 15.000 Pflanzer haben je etwa 1,2 bis 4 Hektar Land. Es reicht zum Leben – und zum Aufstieg. Lola musste noch die Hauptschulausbildung abbrechen, weil sie im Gewächshaus gebraucht wurde. Ihre Söhne aber studieren – Agrarwissenschaften.

Umgeben ist jede Parzelle von Plastikfolien. Gegen den Wind, der hier sehr regelmäßig und stark bläst. Weiß gekalkt, gegen die Sonne, die hier sehr regelmäßig und stark scheint. Je nach Intensität wird der Kalk wieder abgewaschen, wieder aufgetragen. Moderne Gewächshäuser verfügen über automatische Fensteröffnungen bei zu viel Hitze, andere müssen die Folien per Hand auf- und abrollen. Das ist viel Arbeit und verlangt Wissen. Schon sind wir dem Plastikmeer nicht mehr ganz so abgeneigt.

Und der Umweltschutz? Diese Monokulturen brauchen doch Chemie! Da, erläutert Lola überzeugend, hat sich sehr viel geändert.

Ihre Pflanzen werden auf Kokossubstrat gesetzt, dass komplett kompostierbar ist.

Das Plastikmeer von Almeria – 1 –

25.8.2017

Plastik, wohin das Auge sieht. 35.000 Quadratkilometer mit Gewächshäusern, die aus Plastikwänden gebaut sind. Almeria ist die Gemüsekammer Europas. Von hier kommen Tomaten, Paprika, Gurken, Melonen in deutschen Supermärkten. Unser Gemüse im Winter. Günstig.

Dass das nicht nur Naturschützer, sondern auch Verbraucher kritisch sehen, liegt auf der Hand. Schön sieht es nicht aus, der Landschaftsverbrauch ist hoch, der von Pestiziden, Insektiziden, Wasser vermutlich auch.

Die Region bemüht sich um Aufklärung und darum, das Image zu verbessern.

…ist noch lange nicht das Ende!

23.8.2017

Christa ist, als sie unseren letzten Blogeintrag gelesen hat, fast sauer. Wie, das Ende? Ihr habt doch uns getroffen! Reklamiert sie.

Zu Recht. Mit ihr und Hartmut verbringen wir viele sehr lebendige Abende. Freuen uns mit Christa, wenn einer ihrer Schützlinge Asyl bekommen hat, politisieren, erinnern uns…Brokdorf! Joschka! Weißt du noch, damals…Sie kommen aus der linken Szene. Rentner!

Das bei einer cana, einem frischgezapften Bier, und tapas, diesen wunderbaren kleinen Gerichte, die umsonst zu einem Getränk gereicht werden.

Sind die spanischen Kneipen voll, ziehen wir in eine Bar, die einem Engländer gehört, in der aber Deutsche bedienen.

Man spricht deutsch. Und ehrlich gesagt, ist das ziemlich entspannend.

Neben uns liegt eine deutsche, sehr nette Familie, Moritz,Gudrun mit Luzie und Paula, umtüddelt werden wir bei technischen Problemen am Boot von Udo und Alexandra, die den Trans-Ocean-Stützpunkt in Almerimar leiten, auch Deutsche.

Mehr und mehr fühle ich mich als eine der deutschen Rentner in Spanien. Rundum sorglos.

Keine 10 Minuten entfernt Mercadona, ein riesiger Supermarkt mit einem Angebot, das keine Wünsche offen lässt – ganz frisches Obst und Gemüse aus den umliegenden Treibhäusern, von denen noch zu berichten sein wird, Brötchen, die fast wie daheim schmecken. So gut haben wir lange, lange nicht gegessen.

Rechts und links Strand, keine Quallen.

Ein Yoga-Zentrum direkt vor unserem Boot! Und ich übe wirklich um 7 Uhr morgens den Sonnengruß am Strand…

Jetzt haben wir auch noch Fahrräder, gebraucht und günstig erstanden. Unser Radius erweitert sich. Wir fühlen uns fast wie Zuhause.

Uns geht es richtig gut.
(Foto folgt)

Das Ende

17.8.2017

Da liegt sie, unsere Hugin III. Puerto del Almerimar, Platz 200, erstes Hafenbecken. 11.461 Meilen nach unserem Start in Marmaris am 11.7. letzten Jahres. Man sieht ihr die Strapazen schon an. Rost, starker Bewuchs am Rumpf, etwas angegammelt. Aber was hat sie alles ausgehalten! Und nichts ist Boot, Rigg und Segeln passiert. Ich bin so stolz auf unsere alte Lady!

Hier sind wir am Ende unserer Reise angekommen. Anders, als geplant.

Eigentlich wollten wir ja nach Cartagena, unser Boot im Winter dort lassen. Aber wir haben technische Probleme, die schleunigst behoben werden müssen. Hier gibt es gute Handwerker und andere Vorteile. Und es gefällt uns ganz gut.

Wir ändern unseren Plan. Wir entscheiden uns, nicht weiter nach Cartagena zu fahren, sondern hier zu bleiben.

Und so endet unsere Atlantiküberquerung ganz und gar unspektakulär. Kein letztes Einlaufen in einen Hafen, kein letztes Festmachen, kein Triumphgefühl: Wir haben’s geschafft! Kein wehmütiges: So, das war’s. Es läppert einfach so aus. Und das ist ein sehr komisches und gar nicht gutes Gefühl.

Wir wollten feiern, wenn wir am letzten Hafen ankommen. Danach ist uns nun gar nicht mehr.

Wir fühlen uns leer und fallen regelrecht in ein Loch. Peter befürchtet, keine Herausforderungen mehr zu haben.

Oh doch, mein lieber Mann. Der Plotter, der streikt, muss ausgebaut, eine überflüssige Klampe ausgebaut, das Cockpit gestrichen werden undundund. Das Leben auf dem Boot geht weiter. Und wir werden Spanien entdecken. Auf dem Landweg eben, per Bus oder pedes. Aber irgendetwas…fehlt eben…