Fast eine Woche sind wir nun in Cartagena und man müsste meinen, wir haben alle Zeit der Welt. Von wegen. Alles dauert länger. Gestern – Regentag, kalt, Gewitter, scheußlich – sind wir mit dem Bus ins Einkaufszentrum gefahren. Ich brauchte, ähm, lange Unterhosen, es wird nachts denn doch empfindlich kalt, Peter einen Sonnenschutzhut und Badehosen. So verschieden sind die Bedürfnisse…
Und da wir schonmal da waren, sind wir shoppen gegangen. Carrefour, ganz großer Supermarkt. Er hat alles! Guten Earl Grey Tee, Weine. Tupper, Wok, kurzum, alles, was wir demnächst brauchen werden – und in absehbarere zeit sind wir ja nur noch auf dem Meer. Und auf den Stationen dahin immer in die Stadt zu laufen, Kleinigkeiten einzukaufen – viel besser so. Trotzdem fehlt uns Zeit, ist das zu glauben.
Die meiste verdaddeln wir im Internet. Jetzt haben wir endlich eins! Umsonst. In der Marina – meistens zumindest. Wir recherchieren. Marokko oder nicht Marokko? Madeira? Was sagen andere Segler? Wo gibt es sichere Häfen? Das kostet Stunden.
Noch mehr Zeit und vor allem Nerven aber kostet uns Internetneanderthaler das Instandsetzen unsere tollen Bordtechnik.
Wir haben ein iridumtelefon! Das ist toll. Damit kann man immer über Satellit telefonieren und angerufen werden, auch auf dem großen Meer.
Das muss man aber einrichten. Notrufnummern speichern. Eine schier unlösbare Herausforderung für uns. Also wieder: im Internet checken, mails an den „Provider“ (hach!!) schreiben, fragen, auf Antwort warten, lesen, probieren, und das Ganze von vorn.
Noch schöner: Wir können das Wetter aufs iridium bekommen. Jawoll. Per Internet! Das ist ja unter normalen Bedingungen schon eine Herausforderung, auf das iridium aber – wir sitzen seit geschlagenen drei Stunden daran, laden herunter, checken, füllen Formulare aus, bekommen die zurück, füllen sie wieder aus…und fluchen! Wir brauchen das Wetter aber! Jetzt gehen wir Eisessen, so. Verdammte Technik! Wenn’s nicht klappt, wird einer unsere freundlichen Leser auserkoren, uns Wettermeldungen telefonisch zu übermitteln. So ging das früher auch! Oder zu trommeln…


So langsam bewundere ich euch. Ich wünsche euch,daß sich alle Probleme in Luft auflösen und ihr völlig entspannt in der warmen Karibik ankommt. Kopf hoch und ganz liebe Grüße
Anni und Wolfgang