Le Marins, 28.1.2017
Wir haben ein Auto gemietet. Das ist wahrlich Grund zum Jubeln, denn zum einen kommen wir an diesem Wochenende weg von Werft und Hitze, zum andern ist es wie ein Sechser im Lotto, denn es gab eigentlich keine Mietwagen mehr. Avis: Bis Anfang Februar. Europacar: Mitte Februar. Jumbocar: keine Autos verfügbar. Jeden Morgen zwischen 9 und 10 anrufen, dann vielleicht…!!! Die Anrufe ergaben gar nichts und ich sah uns schon wieder in der Einöde versauern. Über’s Internet fand ich dann schließlich, oh Wunder, eines über Jumbocar, die angeblich keines mehr hatten. Bedingung: den voucher ausdrucken. Den hatte ich zum einen an Peter schicken lassen, der hier kein Internet bekommt und Emails folglich nicht öffnen kann. Anruf beim Vermieter in Deutschland. Kein Problem, Mail wird an mich geschickt. Und ich (haha, mein mac!) komme ins Netz. Aber wie drucken? Wir ziehen den voucher auf einen Stick und fahren mit dem Dinghi in dir „Stadt“ sprich: Marina, wo ich mich an ein Internetcafe erinnere. Das dummerweise gerade schließt….Zurück in der Werft frage ich in der Säuferbretterbude, desolee, sagt die Dame hinter dem Tresen – die unheimlich nett ist -, nur ihr Mann beherrscht den Computer (oder: herrscht über den Computer?). Morgen ab 8, bestimmt. Na dann…hoffen wir mal.
Ich schreibe das so ausführlich, weil man sich in Deutschland nicht vorstellen kann, wie lange es dauert, für uns selbstverständliche Dinge zu erledigen.
Der Herrscher über den Computer druckt mir den Voucher dann auch wirklich aus, ist sehr, sehr hilfsbereit…und verlangt nur 20 cent dafür.
Wir eilen mit dem Dinghi zu Jumbocar. Wenn man zu spät kommt, kann die Bestellung gecancelt werden! Bloss nicht. Vor uns warten vier Unglückliche, die auch dringend ein Auto brauchen, weil sie zum Flughafen wollen – einen shuttle oder Bus gibt es leider nicht. Der deutsche Segler vor uns war clever und hat einen Wagen vor Wochen telefonisch bestellt. Nochmal nachgefragt – alles klar, wurde ihm versichert. Jetzt ist die Reservierung nicht mehr auffindbar…Am Ende bekommt er ein Auto für satte 200 Euro. Am Tag!
Aber – oh nochmal Wunder – unser Auto ist da!
Wir brauchen es dringend, nicht nur, um der Einöde zu entkommen, sondern auch, um endlich meine Krankenhausrechnung zu bezahlen. Wir waren damals abgehauen, weil die letzte Unterschrift unter der Rechnung fehlte und wir nicht nochmal drei Stunden warten wollten.
Das ist länger als zwei Wochen her und ich sah bereits Rechnungen, Mahnungen in Ebersteinburg eintrudeln, die, ungeöffnet, mehr Mahnungen nach sich zögen und schließlich zu internationalen Verwicklungen führten. Ausreiseverbot! Keine Einreise mehr! So was ähnliches.
Der erste Weg also führt wieder ins Krankenhaus. Bezahlen? Am Wochenende ist die Kasse geschlossen! Gibt uns uns eine energische Dame an einem Schalter Bescheid. Die sich dann allerdings erbarmt und meint, in der Ambulanz sei das vielleicht anders. Und uns ins Tiefgeschoss schickt.
Ein Alptraum. Kahle Wände, leere Flure, niemand da, abgerissene Riegipsplatten – super Kulisse für jeden Krimi. Ein Labyrinth ohne Happyend.
Peter mit seinem sensationellen Orientierungssinn entdeckt dann den Weg nach draußen und die Notaufnahme. Da nimmt sich eine sehr freundliche, bildhübsche (auf Martinique soll es die hübschesten Frauen der Karibik geben) Dame unserer an, telefoniert, telefoniert, telefoniert, eine halbe Stunde lang, warnt uns, wir müssten bar bezahlen! Ich nicke beklommen, uns war von Summen in Höhe 12.000 Euro berichtet worden. Dann endlich – die Rechnung. Ich atme tief durch und wage einen Blick.
25,30 Euro!
Ich kann es kaum glauben. Das kratzen wir grade noch bar zusammen. Die Dame entschuldigt sich tausendmal, dass wir so lange warten mussten – ach, überhaupt kein Problem! Es ist erledigt! Ich bin frei!
Erleichtert erkunden wir Martinique. Fahren durch Bananenfelder, nein – wälder! Durch Zuckerrohrplantagen. Zucker, die Haupteinnahmequell der Insel, bis in Europa die Zuckerrübe entdeckt wurde. Damit brach der Markt zusammen.
Geblieben aber ist ein anderes Zuckerrohrprodukt: Rhum!
Wir besichtigen die älteste Destillerie, Saint James. Von Mönchen gegründet, zu einem Großexporteur gewachsen, bis der Vulkanausbruch 1902 den Großteil der Plantagen vernichtete.
Das Destillieren wurde aber bereits im Mittelalter in Mesopotamien entwickelt, um so Parfum zu gewinnen. Und von den Arabern weiter entwickelt, um Lidschatten und Kajal – Kohlestifte – daraus zu produzieren! Daher der Name: al-kohol! Wieder was gelernt. Reisen bildet!
Zurück zur Gegenwart: Dank auswärtiger Hilfe kam die Produktion von Saint James wieder auf die Beine, Cointreau hatte zwischendurch auch seine Finger drin, mittlerweile gehört Saint James einem undurchsichtigen Konsortium.
Aber der Rum ist gut! Wir probieren uns durch und stocken unsere Vorräte auf.