Lesen!

Liebe Blog-Freunde und vor allem -Freundinnen, dieser Beitrag hat mit der Hugin eigentlich nur insofern zu tun, als ich im Moment endlich mal viel zum Lesen komme und Euch einen, dringenden, nein zwei, Lesetipps geben möchte:

Sara Psrtesky werden vielleicht einige von Euch noch kennen, sie war eine der ersten, die Frauenkrimis geschrieben hat. Ich war irgendwann mal müde, von der ewig toughen Vic zu lesen und fands nicht mehr so toll, nun habe ich mir „Hardball“ geladen und kann es nur ganz dringend empfehlen. Spielt in Chicago, hat die Geschichte der Schlachthäuser, der Schwarzen, der Bürgerrechtsbewegung zum Thema und ist so brisant und aktuell und spannend, dass ich sie Eich dringend ans Hetz legen möchte.

Damit verbunden Lesetipp Nr. 2: Ich habe Sara Paretskys homepage besucht. Sie hat einen Blog. Und kommentiert darin die aktuelle politische (Trump-) Situation in den USA. Scharfzüngig, klug, gnadenlos. Unbedingt lesenswert, um ein aktuelles Stimmungsbild zu bekommen, ermutigend – (falls man kein Trump-Fan ist….)

Also, meine Tipps:

Sara Partesky: Hardball und die homepage von Sara Paretsky. Spannende Geschichten, ich hoffe, Ihr nehmt mir diesen Bog-Ausreißer nicht übel.

 

 

 

 

Pelikane

29.1.2017, 2. Teil

Und ich hoffe, dass die Pelikane – meine Lieblingsvögel, neben Rotkehlchen… – dann immer noch da sind und unermüdlich nach Fischen tauchen.

Martinique – der Norden

29.1.2017

Und der Norden  ist schön!

Zuvor fahren wir durch den Regenwald – im wahrsten Sine des Wortes, denn es regnet. Es hat nachts geregnet, jetzt pladdert es wieder. Eigentlich wollten wir wandern, Schluchten besuchen, den Vulkan erklimmen! Nichts geht. Schlammig, rutschig, und die nächste Regenfront sehen wir schon kommen.

Also fahren wir Auto. Aber auch das ist beeindruckend. Entlang an riesigen Farnen windet sich die Strasse, gigantische Bambussträucher, Palmen – wir fühlen uns wie im Märchenwald, als wenn Hobbits und Orks gleich m die Ecke kommen könnten. Schade, dass das Wetter nicht mitspielt, zu Fuß wäre es sicher noch schöner.

Im Norden biegen wir Richtung Küste ab – und die ist nun wirklich karibisch. Kleine Dörfchen, bunte Häuser, Sandstrände, blaugrünes Wasser. Wir freuen uns darauf, mit dem Boot dort anlegen zu können und alles ein zweites Mal sehen zu können – hoffentlich mit mehr Wetterglück. Und ich hoffe, dass die Pelikane – meine Lieblingsvögel, neben Rotkehlchen… – dann immer noch da sind und unermüdlich nach Fischen tauchen.

Sklaven

Martinique, 28.1.20127, 2. Teil

Wir fahren weiter Richtung Nordwesten auf die Halbinsel Caravelle. Da gibt es die Reste ehemaligen Zuckerrohr- und Kaffeeplantage zu besichtigen.

Der Eintritt ist happig, 5 Euro pro Person, der Ticketverkäufer aber senkt seine Stimme und raunt, wenn jemand von uns schon 60 wäre oder bald würde…??? Wir lachen, sehen uns an und verstummen. Peter wird in diesem Jahr 60! Wir schlucken und nicken. Und kommen beide für den halben Preis rein.

Es sind nur Ruinen, die man besichtigen kann, ein Audioguide liefert die nötigen Informationen. Aber abgesehen davon, dass die Landschaft grandios ist, macht mich der Besuch beklommen. Auf dem Hügel stand das Herrenhaus, von dem man aus die Sklaven gut beaufsichtigen konnte, die den Reichtum dieser Großgrundbesitzer herbeischufteten. Erst die französische Revolution machte der Plantage ein Ende. Wie wohl unser Ticketverkäufer, der schwarz und damit Nachfahre dieser Sklaven ist, sich dabei fühlt, hier zu arbeiten?

Wir fahren weiter, wieder durch Bananenplantagen, Palmen, Zuckerrohr, Zuckerrohr, so weit das Auge reicht, kleine Dörfer. Die Landschaft ist ganz schön, aber das Ah! Und Oh!, das wir bei allen anderen Inseln bisher hatten, fehlt uns hier. Es ist nicht Karibik, dafür ist es zu „kultiviert“, aber auch nicht Frankreich, irgendetwas dazwischen, vielleicht ohne Identität. Hier mischen sich die Hautfarben nicht wirklich, selten sehen wir gemischthäutige Freundescliquen, die Hautfarbe scheint hier auch – viel eher als auf Grenada -, den sozialen Status zu bestimmen.

Morgen fahren wir in den Norden. Der soll umwerfend sein! Und dann, dann endlich werden auch wir ja vielleicht endlich Martinique als „Perle der Karibik“ entdecken!

 

 

 

Ein Auto, ein Auto!

Le Marins, 28.1.2017

Wir haben ein Auto gemietet. Das ist wahrlich Grund zum Jubeln, denn zum einen kommen wir an diesem Wochenende weg von Werft und Hitze, zum andern ist es wie ein Sechser im Lotto, denn es gab eigentlich keine Mietwagen mehr. Avis: Bis Anfang Februar. Europacar: Mitte Februar. Jumbocar: keine Autos verfügbar. Jeden Morgen zwischen 9 und 10 anrufen, dann vielleicht…!!! Die Anrufe ergaben gar nichts und ich sah uns schon wieder in der Einöde versauern. Über’s Internet fand ich dann schließlich, oh Wunder, eines über Jumbocar, die angeblich keines mehr hatten. Bedingung: den voucher ausdrucken. Den hatte ich zum einen an Peter schicken lassen, der hier kein Internet bekommt und Emails folglich nicht öffnen kann. Anruf beim Vermieter in Deutschland. Kein Problem, Mail wird an mich geschickt. Und ich (haha, mein mac!) komme ins Netz. Aber wie drucken? Wir ziehen den voucher auf einen Stick und fahren mit dem Dinghi in dir „Stadt“ sprich: Marina, wo ich mich an ein Internetcafe erinnere. Das dummerweise gerade schließt….Zurück in der Werft frage ich in der Säuferbretterbude, desolee, sagt die Dame hinter dem Tresen – die unheimlich nett ist -, nur ihr Mann beherrscht den Computer (oder: herrscht über den Computer?). Morgen ab 8, bestimmt. Na dann…hoffen wir mal.

Ich schreibe das so ausführlich, weil man sich in Deutschland nicht vorstellen kann, wie lange es dauert, für uns selbstverständliche Dinge zu erledigen.

Der Herrscher über den Computer druckt mir den Voucher dann auch wirklich aus, ist sehr, sehr hilfsbereit…und verlangt nur 20 cent dafür.

Wir eilen mit dem Dinghi zu Jumbocar. Wenn man zu spät kommt, kann die Bestellung gecancelt werden! Bloss nicht. Vor uns warten vier Unglückliche, die auch dringend ein Auto brauchen, weil sie zum Flughafen wollen – einen shuttle oder Bus gibt es leider nicht. Der deutsche Segler vor uns war clever und hat einen Wagen vor Wochen telefonisch bestellt. Nochmal nachgefragt – alles klar, wurde ihm versichert. Jetzt ist die Reservierung nicht mehr auffindbar…Am Ende bekommt er ein Auto für satte 200 Euro. Am Tag!

Aber – oh nochmal Wunder – unser Auto ist da!

Wir brauchen es dringend, nicht nur, um der Einöde zu entkommen, sondern auch, um endlich meine Krankenhausrechnung zu bezahlen. Wir waren damals abgehauen, weil die letzte Unterschrift unter der Rechnung fehlte und wir nicht nochmal drei Stunden warten wollten.

Das ist länger als zwei Wochen her und ich sah bereits Rechnungen, Mahnungen in Ebersteinburg eintrudeln, die, ungeöffnet, mehr Mahnungen nach sich zögen und schließlich zu internationalen Verwicklungen führten. Ausreiseverbot! Keine Einreise mehr! So was ähnliches.

Der erste Weg also führt wieder ins Krankenhaus. Bezahlen? Am Wochenende ist die Kasse geschlossen! Gibt uns uns eine energische Dame an einem Schalter Bescheid. Die sich dann allerdings erbarmt und meint, in der Ambulanz sei das vielleicht anders. Und uns ins Tiefgeschoss schickt.

Ein Alptraum. Kahle Wände, leere Flure, niemand da, abgerissene Riegipsplatten – super Kulisse für jeden Krimi. Ein Labyrinth ohne Happyend.

Peter mit seinem sensationellen Orientierungssinn entdeckt dann den Weg nach draußen und die Notaufnahme. Da nimmt sich eine sehr freundliche, bildhübsche (auf Martinique soll es die hübschesten Frauen der Karibik geben) Dame unserer an, telefoniert, telefoniert, telefoniert, eine halbe Stunde lang, warnt uns, wir müssten bar bezahlen! Ich nicke beklommen, uns war von Summen in Höhe 12.000 Euro berichtet worden. Dann endlich – die Rechnung. Ich atme tief durch und wage einen Blick.

25,30 Euro!

Ich kann es kaum glauben. Das kratzen wir grade noch bar zusammen. Die Dame entschuldigt sich tausendmal, dass wir so lange warten mussten – ach, überhaupt kein Problem! Es ist erledigt! Ich bin frei!

Erleichtert erkunden wir Martinique. Fahren durch Bananenfelder, nein – wälder! Durch Zuckerrohrplantagen. Zucker, die Haupteinnahmequell der Insel, bis in Europa die Zuckerrübe entdeckt wurde. Damit brach der Markt zusammen.

Geblieben aber ist ein anderes Zuckerrohrprodukt: Rhum!

Wir besichtigen die älteste Destillerie, Saint James. Von Mönchen gegründet, zu einem Großexporteur gewachsen, bis der Vulkanausbruch 1902 den Großteil der Plantagen vernichtete.

Das Destillieren wurde aber bereits im Mittelalter in Mesopotamien entwickelt, um so Parfum zu gewinnen. Und von den Arabern weiter entwickelt, um Lidschatten und Kajal – Kohlestifte – daraus zu produzieren! Daher der Name: al-kohol! Wieder was gelernt. Reisen bildet!

Zurück zur Gegenwart: Dank auswärtiger Hilfe kam die Produktion von Saint James wieder auf die Beine, Cointreau hatte zwischendurch auch seine Finger drin, mittlerweile gehört Saint James einem undurchsichtigen Konsortium.

Aber der Rum ist gut! Wir probieren uns durch und stocken unsere Vorräte auf.

 

 

 

 

 

Sainte-Anne, 26.1.2017

Wieder so ein Tag, an dem ich nichts helfen kann. Dann fahre ich eben nach Sainte-Anne. Da waren wir schonmal mit dem Boot, allerdings nur eine Nacht, da soll es schön sein, dahin fahren auch Busse, wie ich gesehen habe. Ich frage mich durch, und siehe da, nach nur wenigen Minuten kann ich einsteigen.

Die Fahrerin ist eine junge Schwarze, die das Ungetüm – das ist kein Sammeltaxi, sondern ein ausgewachsener Bus -, umsichtig durch die engsten Gassen steuert. Aussteigt, um auch mal einen Spiegel eines zu eng an der Strasse parkenden Autos einzuklappen. Um dann souverän daran vorbei zu kommen – mit Millimeterarbeit!

Bis St.-Anne sind es nur 8 Kilometer, es wird eine äußerst angenehme Sightseeingtour.

Der Bus ist klimatisiert und wir fahren durch eine richtig schöne Landschaft. Entlang an Herrenhäusern aus Holz, die „Vom Winde verweht“ entsprungen sein könnten.

Aber auch die offensichtlich ärmeren Behausungen sind liebevoll mit Holzgalerien verziert, keine Betonbunker – endlich, auf der Fahrt durch die Zuckerrohrfelder, kommt Karibifeeling auf.

Die Fahrerin verabschiedet jeden sehr freundlich und wünscht ihm einen guten Tag.

Es ist eine meiner nettesten Busfahrten jemals.

Und St.-Anne? Na gut, ist touristisch, aber sehr hübsch, hat eine nette, entspannte Atmosphäre, es macht Spaß, durch die wenigen kleinen Straßen zu bummeln, ein Bier am Strand zu trinken, endlich wieder die Füße im Sand zu haben!, dem Leben zuzuschauen.

Zu Erinnerung und weil er natürlich gut als Schutz gegen die Sonne ist, kaufe ich mir einen Hut. Pink!

Ohne Peter ist es denn doch nur halb so schön, ich nehme bald den Bus zurück, mit einer Fahrerin, die nicht weniger freundlich ihre Vorgängerin ist.

Mein Mann hat unterdessen mal wieder Enormes geleistet, alle Kabel verlegt, einen Ventilator vom Motor eingebaut – und ich, Luxusweibchen? Habe den Tag unendlich genossen…!

 

 

 

 

 

Nachtrag – Besuch in Fort de France

Es ist ja nicht so, dass ich teilnahmslos maulend in der Ecke sitze. Ich versuche, zu entfliehen, wenn ich schon nichts tun kann. Nach Fort de France. Das ist die Hauptstadt Martiniques. Ich habe sie von meinem Besuch vor 12 Jahren nicht in bester Erinnerung, aber ein nettes Cafe unter Bäumen, um dem Treiben auf der Straße zuzuschauen, das wird es ja wohl geben.

Aber wie dahin kommen?

Busse, wird mir in der Tourist-Info versichert, gibt es nicht. Taxis Colectifs, die schon, aber wann und wo die fahren, kann mir kein Mensch sagen. Unweit der Werft steht ein Bushäuschen, da stelle ich mich hin und frage eine andere Wartende – ja, hier geht es nach Fort de France.

Ich warte. 10 Minuten, 20 Minuten. Sehne mich nach Grenada, wo alle 2 Minuten ein Kleinbus kommt, um Passagiere einzuladen, und in die entlegensten Winkel der Insel fährt.

Es ist heiß, die Sonne brennt. Kein Bus kommt. Trampen? Ich fühle mich als Weiße, der Sprache nicht richtig mächtig, und dann noch mit kaputtem Arm, zu verletzlich. Auf Grenada wär auch das kein Problem gewesen.

Nach 40 Minuten, als ich fast aufgeben will, kommt der Bus. 7,40 kostet die Fahrt, das ist für 40 Kilometer völlig okay.

Fort-de-France begeistert mich nicht. Der Savanna-Park, der auf dem Stadtplan verlockend aussah, besteht aus ein paar verlorenen Palmen, mehr nicht. Ein nettes Cafe? Nicht in Sicht.

Immerhin gibt es eine Mall, ein kleines Einkaufszentrum. Endlich wieder shoppen! Ich entdecke unbekannte Seiten an mir. Ich genieße es, durch eine Parfümerie zu schlendern und mich einzusprayen! Bin ich so ein Luxusweibchen geworden?

Dann die Galerie Lafayette! Hübsche Kleider! Aber auf dem Boot völlig überflüssig, ich würde sie mir bei der ersten Fahrt mit dem Dinghi sowieso einsauen mit Öl oder Sikaflex, dem wie Pech klebenden Verbundstoff. Ich seufze und kaufe nichts. Stelle erstaunt fest, wie sehr es mir gefällt, mal wieder zu bummeln. Und ich mich ganz gern mal wieder schöner anziehen würde. Und ich dachte eigentlich, ich sei die Frau für Jeans und T-Shirt…

Wenigstens ein Bier gönne ich mir in einer wirklich netten Bar mit guter Bluesmusik, ein belgisches, sauteuer. Kreuzfahrtschiffspreise, mutmaße ich. Importpreise, korrigiert die Bedienung.

Der Weg zurück ist einfacher. Die Busse warten unweit der großen Boote. Und da unserer mit mir voll ist, fährt, nein, rast er auch gleich los.

So toll war der Ausflug nicht. Aber, ich bin mal rausgekommen!

 

 

 

Der Neue

Das isser – der Neue. Unsere Lebensversicherung – Peters steckt darin. Damit wir von nun an sorglos segeln und motoren können – und irgendwann, wieder in Europa, mehr Zeit auf dem Boot verbringen können. Also hoffentlich eine gute Investition!

Die Installation war einfacher als das Wegbauen des alten Volvo, der Yanmar passt wie angegossen durch die Luke und in den Motorraum. Neue Filter kriegen wir auch, gleich vier mit Alarmsystem, dann kann eigentlich nichts mehr passieren!

Und einen neuen Boiler mit 25 Litern…

Der Tank – Martinique, Carenage, 23.1.2017

Mein Vorsatz, künftig vernünftig zu sein und mich nicht mehr aufzuregen, hält nicht mal einen Tag. Heute kommt der Dieseltank raus.

Es macht wenig Sinn, einen neuen Motor einzubauen und den alten Tank zu behalten. Der ist voll Schmodder (ein ewiges Problem bei Booten), der sich über Jahrzehnte angesammelt hat, und moderne Motoren sind da noch anfälliger als unser alter Volvo. Der Tank muss also endlich raus!

Er ist unter den Bodenbrettern verborgen, stabilisiert durch einen Holzsteg. Der Chef der Firma kommt und misst – der Tank müsste grade so eben durch die Luke gehen, 5 Mm Platz rechts und links.

Das ist bei Lichte betrachtet falsch gemessen. Der Tank passt nicht durch die Luke.

Erst muss das stabilisierende Holzbrett, von dem wir dachten, es könne weggeschraubt werden, zersägt werden.

Dann muss das Tankmonstrum aus dem GFK gebrochen werden. Das ist der Zeitpunkt, wo ich mich hinter meinem Solitaire-Spiel verschanze und nicht mehr hingucke – die Geräusche reichen mir.

Tja, und dann steht er da und guter Rat ist teuer. Peter schraubt die Griffe der Luke weg, damit man sie weiter aufziehen kann. Reicht noch nicht. Er passt nicht durch.

Dann eben noch die Verkleidung wegschrauben. Mir bricht fast das Herz. Das ganze Boot wird auseinandergenommen, verdammt!

Dann hieven vier starke Männer den Tank, geschätzte 150 Kilo schwer, über das Großfall, das Tau also, das eigentlich das Großsegel hält, per Winsch, also über eine Rolle, in die Höhe. Und stemmen ihn mit Ach und Krach durch die Luke. Das Holz schrabbelt, es knirscht…Ich hätte wirklich heimfliegen sollen! Kriege aber wenigstens heute mal keinen Heulkrampf, sondern beiße mir auf die Zunge und spiele verbissen Solitaire.

Dann ist er draußen! Eine Riesensauerei darunter in der Bilge, dem Boden des Schiffes. Wir bekommen dafür einen Staubsauger. Und dann…haben wir endlich eine saubere Bilge!!! Und sauberen Diesel! Und sooo viel ist auch nicht kaputt gegangen…

 

 

 

 

 

 

Abgründe – Martinique, le Carenage, 22.2.2017

Dieser Tag geht als einer der absoluten Tiefpunkte unseres Seglerdaseins in die Annalen ein.

Es ist Sonntag, die Carenage, die Werft also, ist wie ausgestorben, es ist heiß. Kein Lüftchen geht.

Für Peter gibt es keine Sonntage. Er will das Boot flott kriegen, alle Kabel und Leitungen erneuern, und das kann er nun, wo der Motor draußen ist, am besten.

Ich sitze mal wieder dabei wie bestellt und nicht abgeholt, kann gar nichts machen, nichts helfen, kein Internet, kein Cafe, nichts ist in der Nähe, selbst die Säuferbretterbude hat zu. Ich versuche, wenigstens nicht im Weg zu sein.

Peter schickt mich von Bord. Na gut. Aber wohin? Nach ein paar Minuten komme ich zurück, nichts zu sehen, niemand zu treffen, kein Schatten zum sich Ausruhen, nichts.

Ein schlechter Moment, zurückzukehren. Peter hievt grade den Schlauch vom Fäkalientank durchs Wohnzimmer, sprich: Salon. Zwar beide Enden verschlossen, aber es muffelt trotzdem ordentlich, und dann reißt auch noch eine der Plastiktüten, mit denen er die Enden verschlossen hat, und es tropft…Auf mein ebook, auf den Boden…

Das ist der Moment, wo ich einen Heulkrampf kriege.

„Das ganze Boot ist eine einzige Kloake! “, schluchze ich fassungslos.

Peter ist ebenso fassungslos, weil man das eben wegwischt, und dann ist gut!

Leicht hysterisch hole ich ein Desinfektionsspray. Und heule weiter. Das Boot ist nicht mehr mein Zuhause! Diese verdammten Arbeiten, das ganze Schiff wird auseinandergenommen, eine einzige Baustelle, ein einziger Dreckhaufen. Kein einziges gemütliches Plätzchen mehr! Und nun noch das!

Nach einer Viertelstunde kriege ich mich wieder ein, greife zum Putztuch und putze mit der linken Hand, was geht. Peter verspricht mir, das alles wieder gut wird. Ich fühle mich schlecht und wie eine verwöhnte Zicke, weil Peter natürlich eigentlich viel mehr Grund zum Jammern hat, und weil alles ja für das Boot ist undundund. Trotzdem!!! Ich hätte nach Hause fliegen sollen, meinen Arm nochmal checken, der mir doch immer noch Sorgen macht, wäre niemandem zur Last gefallen…Schnief.

Wir berappeln uns wieder. Und fahren abends mit dem Dinghi in die Marina, Pizza essen. Und ich schwöre mir, von nun an vernünftig zu sein…