Wir ziehen weiter über die Berge. Auch in der Kirche von Riace gab es übrigens keine „echten“, sonder nur elektrische Kerzen, was dem Eindruck einen ganz kleinen Kratzer verschafft hat. Aber nur einen winzigen…
Die Landschaft ist immer noch grandios, die Dörfer arm. Im Norden wirkt die Region etwas reicher, da gibt es etwas Industrie – und Weinanbau. Der Wein aus Kalabrien ist sehr gut, selbst der einfachste.
Wir wollen den Tag beenden mit einem schönen Abendessen an einem schönen Ort. Unsere „Ristorantes“ in Roccella, oder jedenfalls die, die annähernd einladend wirken, haben wir alle abgeklappert und wollen nicht schon wieder das einzige Spaghettigericht auf der Karte des Capolinea bestellen, wo wir eh Stammgäste sind.
Eine Deutsche, die mit und gewalkt ist, hatte mir eine Spaghetteria in Gioiosa empfohlen, die wir wie durch ein Wunder auch finden, aber sie ist leer, der Platz davor auch – wir ziehen weiter.
Die Bar an der Hauptpiazza sieht ganz nett aus, aber die haben nur Brötchen und schicken uns ins „Ricaroka“. Da wären wir allein nie reingegangen, von außen sieht es aus wie ein schlecht imitiertes Moulin Rouge, aber wir haben Hunger und keine Alternative.
Innen ist es, nunja, haarscharf am Kitsch vorbei, immerhin spielen sie ganz ordentlichen Jazz und bemühen sich offensichtlich um Niveau, was sich auch daran zeigt, dass es eine Klobrille gibt. Zwar gebrochen, aber der Versuch ist immerhin spürbar…
Vor uns sitzt eine sechsköpfige amerikanische Familie, die den miesesten Vorurteilen, die man haben kann, alle Ehre macht – sie sind nicht nur übergewichtig, sondern richtig fett, stopfen das Essen in sich hinein und hängen über ihren Handys.
Unser Kellner bringt den Wein, und der lässt uns alles andere vergessen. Er ist schlicht himmlisch. Gemacht aus der Greca-Traube. Ein Gedicht. Ebenso wie das Olivenöl.
Die Spaghetti sind auch nicht schlecht, mit Tomaten, Pinienkernen, Sardellen, Rosinen.
Dazu muss man einfach nochmal ein Viertel des wunderbaren Weines bestellen, der dann sehr großzügig bemessen auf den Tisch kommt. Kann man den stehen lassen? Auf keinen Fall! Peter gibt zwar zu bedenken, dass er fahren muss, aber leichtfertig tue ich das ab: Wir sind doch in Italien und nicht in der Türkei, wo die 0,0 Promille-Grenze gilt! Da hatte Peter mittags ein Glas Bier getrunken und wir waren abends in eine Polizeikontrolle geraten, die noch einen winzigen Rest Alkohol beim Pusten entdeckte und uns fast jede Menge Scherereien gemacht hätte…
Nicht betrunken, aber doch bestens gelaunt also fahren wir „nach Hause“. Am Ausgang von Gioiosa – Carabinieri. Die sind zum Glück mit einem anderen armen Teufel beschäftigt. Wir atmen auf. 6 Kilometer bis Roccella – das schaffen wir!
Am Ausgang der Marina – Carabinieri, die offensichtlich auf Gäste gewartet haben, die zu gut gegessen und getrunken haben…Italien ist auch nicht mehr das, was es mal war…
