Marie Galante, 23.2.2017
Wir wollen ein Auto mieten. Leider ist das nicht so einfach, denn, wie ja schon erwähnt, scheint alles geschlossen zu haben. Auch die Autovermietungen.
„Chez Henri“ empfiehlt uns, es um halb 8 in der Bäckerei zu versuchen. Halb 8 – da wollten wir eigentlich noch schlafen. Aber na gut…
Die Bäckerei erklärt uns, wir sollen die Ankunft der Fähre aus Guadaloupe abwarten. Dann nämlich kommen auch die Autovermieter! Und nur dann…
Die Fähre naht. Es öffnen kleine Souvenirshops. Nicht, dass das Boot massig Kunden anschippern würde, vielleicht 10 bis 20 kommen an Land. Aber es ist die gleiche Systematik wie mit Kreuzfahrtschiffen, nur in viel kleinerem Maße. Kommen Gäste, wird es geschäftig, kaum verlassen diese das Land wieder, verfällt alles in Tiefschlaf.
Wir sind zumindest rechtzeitig da und fangen unseren Autovermieter ab, als dieser gerade seinen Schuppen – anders kann man das nicht nennen -, öffnen will. Ein junger Kerl in Badelatschen. 30 Euro pro Tag will er für das Auto, völlig okay. Wir wollen es voll versichert. Wäre es, versichert er. Keine Kaution? Nun ja, normalerweise schon, 800 Euro, aber er macht eine Ausnahme, weil wir es ja nur einen Tag haben wollen. Also gut. Wir haben die Wahl zwischen einem Fiat und einem Peugeot, ich möchte den Peugeot, wir sind schließlich in Frankreich. Vorsichtig weist uns der Vermieter darauf hin, der sei etwas älter, fahre aber 1a. Egal.
Er muss sich kaputt gelacht haben, als wir mit ihm Vollkasko und Kaution kamen. Das Auto ist eine einzige Rostlaube voller Kratzer und Dellen, der Kotflügel fällt halb ab. Die Klimaanlage geht auch nicht. Peter flucht beim Fahren, weil die Kupplung nicht hält. Selbst 30 Euro sind für diese Kiste eigentlich zu viel. Aber nun haben wir sie halt. Und machen uns daran, die Insel zu erkunden.
Zuckerrohrfelder, soweit das Auge reicht. Wir umrunden die Südseite über die winzige Hauptstadt Grand Bourg. Dort soll man ankern können? Ein Witz! Es ist ganz nett, trubelig, aber nichts, was uns zum Bleiben animiert. Ein kleiner Laden etwas außerhalb ist da schon interessanter. Er unterstützt lokale Künstler und will gleichzeitig durch ein kleines Museum Geschichte und Kultur der Insel vermitteln. Sehr liebevoll gemacht. Perlen sind da ausgestellt, die ich heute so gern als Armband trage. Früher, lerne ich, würden damit die Sklaven gekauft…
Gleich darunter ein Exponat: eine lange dicke Nadel. Mit der, lese ich, wurden den Sklaven die Namen ihrer Besitzer eingebrannt. Mir wird ganz anders…
Und heute? Wir fahren an vielen wunderschönen großen Plantagenhäusern vorbei. Die Angestellten, die dort putzen, den Garten machen, sind Schwarze…Ich fühle mich wie in „Vom Winde verweht“ und erwarte jeden Moment „Mummie“ in ihren roten Taftunterröcken die Treppe herabrauschen. Aber zum Glück ist die Sklaverei ja lange abgeschafft…
Nun würden wir gern probieren, was die Zuckerrohrplantagen heute hervorbringen. Der Rum, der hier produziert wird, soll Frankreichs bester sein.
Leider kommen wir zu spät. Für Besichtigungen und Verkostungen sind die Destillerien nur vormittags geöffnet. Schade, dass uns das keiner gesagt hat.