Lipsi

Um 6 klingelt der Wecker, wir wollen früh raus, um dem stärksten Wind, der sich erst nachmittags entwickelt, zuvor zu kommen. Die ganze Nacht hat es „gekachelt“, Böen bis 35 Knoten sind über uns hinweggefegt. Peter dreht sich um und meint: Wir fahren erst morgen, ja?Jaaa!!!!

Wir bleiben also noch in Lipsi-Bucht und nutzen die Zeit, kleinere Reparaturen vorzunehmen. Gläser z.B. in die Luken (d.h. Fenster) einzukleben. Die meisten Luken sind undicht, wie wir schmerzhaft erfahren haben.

Nachdem wir alle Gläser entfernt, gesäubert und zum Wiedereinkleben vorbereitet haben, stellt Peter fest, dass unser Silikon nicht mehr zu gebrauchen ist. Zu alt, zu hart. Wir müssen unser Boot nach Lipsi  Stadt umlegen.

Lipsi! Unsere griechische Lieblingsinsel!  Nicht nur wegen der bereits erwähnten Kneipe.

Jede Insel hat, finde ich, wie Menschen, einen Charakter. Lipsi ist freundlich. Ein paar Häuser um die Kirche gebaut, ein kleiner Hafen. Viel mehr gibt es nicht. Und ein paar Restaurants. Für die Touristen.

Wir schlendern durch den Ort, die Kirche entlang durch die Gassen. Und sind verwundert. Wo sind die Kneipen? Das Restaurant von Manoli, dem sympathischen großmäuligen Wirt, der jeden Touristen in seine Lokalität lotste, dafür aber auch in der Mittagspause immer neue Rezepte studierte, um seine Kundschaft nicht mit Gerichten zu langweilen, Manolis Restaurant ist verwaist. Ben, bei dem wir oft und gern gegessen haben, hat schon vor ein paar Jahren aufgegeben, weil er noch nicht mal mehr den Strom für seinen Gefrierschrank zahlen konnte. Eine Kanadierin erzählt uns, die Menschen in Lipsi hätten aufgegeben. Erst die Auflagen der Regierung, dann die Flüchtlinge, die Touristen bleiben weg. Wir sind erschüttert. Lipsi – stirbt???

Abends kommen wir zurück vom Boot in den Ort. Und entdecken neue Kneipen, auch Tavernen, die wir kannten und die sich vergrößert haben, alles aber immer noch klein und überschaubar. Wir nehmen unseren Ouzo bei Stavros am kleinen Fischerhafen, der Kalamaris auf den Grill wirft. Nebenbei scherzt er mit seiner kleinen Tochter, herzt seine Frau, palavert mit den Einheimischen, die bei ihm sitzen. Ich frage Stavros nach Manoli. Der, lacht er, ist umgezogen. Aber warum fragst du nach Manoli? Dies hier ist Lipsi! Und er zeigt auf die kleinen Tavernen, die Menschen, die zusammensitzen, den Kindern zuschauen, die Fischer. Ja, das ist Lipsi. Und alle Lispianer bekommen einen großen Platz in unserem Album für die, denen wir alles Gute wünschen.

 

 

 

 

 

 

 

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