Riders on the storm…

Amorgos belohnt uns für unseren Ritt mit einem großen Ereignis: lokale Bands und Tanzgruppen geben sich ein Stelldichein. Es muss etwas Größeres sein, ein Boot mit Popen legt an, das Städtchen ist voll. Wir ergattern einen Platz in einer Kneipe, mögen die Bedienung aber gar nicht nach dem Grund der Festivität fragen, sie ist total im Stress. Also genießen wir, bummeln, sogar die Süddeutsche und den SPIEGEL gibt es hier.

Am nächsten Morgen legen wir ab, relativ entspannt. Gestern haben wir das Wetter studiert, 5 Beaufort Nord, das ist nichts Schlimmes. Das Fähnchen ist rot, warnt mein inneres Stimmchen. Peter fragt mich erschüttert, ob ich jetzt nur noch bei 2 Beaufort auslaufen will? Darauf sage ich lieber nichts…

Wir segeln um die Ecke der Bucht –und schon haben uns die Wellen vom Vortag erreicht. Die haben sich gehalten und schmeißen uns wie immer von einer Seite auf die andere. Merke: Der Wind allein hat noch gar nichts zu sagen…die Wellen sind’s…!!!

Wobei der Wind nun auch nicht mehr an sich halten mag und zulegt – Windstärke 7 ist schon ein Wort. Die Wellen werden höher und höher,, der Wind pfeift und zerrt an den Wanten. ich schließe meine Augen und hoffe nur noch, dass es irgendwann vorbei ist.

Nun mag man mit Fug und Recht fragen, warum eine Segelmemme wie ich sich auf den Atlantik traut? Weil sie Wellen da, versichert mir mein Mann, viel länger sind. Nicht so kabbelig und kurz, Und außerdem von hinten kommen, Das ist viel angenehmer. Zumindest auf der Hinreise..

Außerdem – es geht auch anders. Ich habe das Segeln kennen und lieben gelernt in ruhigen Gewässern, Elba, Mallorca, auch Norwegen. Da wurde gegen 16 Uhr Campari-Orange gereicht, wie ließen die Beine über die Reling baumeln, hatten es nett, und Kochen unter Deck war auch kein Problem. Einmal habe ich Starkwindsegeln probiert und danach beschlossen, ich bin eine Schönwetterseglerin! Jetzt bin ich in der Ägäis, dem Starkwindgebiet überhaupt. Das habe ich nun davon…

Nach einer Stunde Wellenkampf suchen wir Zuflucht. Die kleine Insel voraus bietet leider keine Bucht, die Schutz verspricht, aber wenigstens beruhigen sich die Wellen und der Wind. Wir haben Abdeckung von vorgelagerten Inseln. Und atmen erst mal tief durch.

Der Wind tut das auch und bläst gar nicht mehr. Wir eiern und probieren mit verschiedenen Segelstellungen – nichts zu machen. Wir motoren. Auch nicht schlecht, aber nicht Sinn der Sache.

Das findet der Wind auch, sobald wir aus der Abdeckung sind, und zeigt uns, was eine Harke ist. Jetzt haben wir Sturm. Keine Böen – Sturm, der Windzeiger tanzt bis 35 Knoten. Und da werde ich sauer auf den blöden Wind,. Dem werde ich es zeigen!!! Das ist dem Wind zwar herzlich egal, aber ich verliere meine Angst.

Wir erreichen Ios. Eigentlich war Milos mal das Ziel, eigentlich wollten wir längst in den Pelepones sein, eigentlich…Segeln lehrt uns den Buddhismus. Nicht wollen, wollen, wollen – das annehmen, was ist.! Wir steuern die erste im Törnführer empfohlene Bucht an, da kachelt es von allen Seiten.. Das kann ja heiter werden. Wir versuchen die nächste Bucht, wenige Meilen weiter südlich. Und da – ist Stille. Kleine Wellen plätschern, der Wind weht sanft…wir können es kaum glauben. Wenige Minuten nur weiter nördlich tobt der Sturm – und hier? Kristallklares Wasser, beim Schnorcheln ein paar Fische sogar –Frieden.

Später sitzen wir auf der Badeplattform, trinken Whiskey, gucken in die Sterne und lassen die Beine ins Wasser baumeln…

 

 

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