Das Gute im Schlechten

„Vaffanculo“ wecken mich deutliche Worte von einem Boot draußen, wir sind eindeutig in Italien: „Verpiß dich…“! Ein Blick aus dem Fenster lässt mich daran zweifeln: So habe ich mir Kalabrien nicht vorgestellt. Irgendwie…italienischer! Sieht eher aus wie in der Schweiz – im nicht so noblen Teil….

Peter versucht, den Motor zu entlüften und ihn damit wieder zum Leben zu erwecken. Wahrscheinlich war der eine Tank leer, obwohl die Tankuhr noch 20 Liter angezeigt hat. Damit hat er Luft gezogen, und damit haben wir den Salat. Auch 50 Startversuche bringen nichts, wir müssen in der Marina Hilfe suchen und fahren mit dem Dinghi rüber.

Da ist erstmal keiner. Es ist kurz vor 3 – Mittagspause! Orietta und Franco, Segler aus Genua, versuchen, uns weiterzuhelfen. Rufen hier an, rufen dort an….Tomaso ist nicht da, aber Francesco! Francesco kommt in einer Viertelstunde – einer kalabrischen Viertelstunde, will heißen, es kann eine halbe werden. Ob wir so lange einen Kaffee trinken wollen? Gute Idee. Im Marina-Ristorante bestellen wir Cappuccino, den ersten „echten“ italienischen! Und wollen unser Helfer gern einladen, da haben sie schon bezahlt, für uns natürlich mit – kein Problem, also bitte!

Das sind Situationen, die uns immer wieder mit Problemen versöhnen – Menschen, die so selbstverständlich hilfsbereit und großzügig sind. Orietta erzählt – wir radebrechen italenglisch -, dass sie immer nach Kalabrien in den Urlaub fahren, weil die Menschen hier so entspannt, hilfsbereit sind….Und Roccella sei so eine hübsche Stadt (ach ja?), heute Abend gibt es ein Thunfischfest auf den Straßen, man kann mit Fahrrädern der Marina dahinfahren. Gute Idee!

Zunächst aber trudelt dann doch Franceso, der Mechaniker, ein, der verspricht, sich an Bord bringen zu lassen, sobald sich das Wetter draußen beruhigt hat.

Wir fahren trotz Wind und Wellen mit dem Dinghi zurück und werden nicht mal nass. Und warten. Und warten. Und rufen zwischendurch immer wieder die Marina an: Davide, der Francesco fahren soll, hat grad keine Zeit, leider, leider…Wir warten, warten, rufen an und schlagen vor, ihn selbst mit dem Dinghi zu holen. Da ist Francesco leider gerade an einem anderen Ort an einem anderen Projekt und nicht mehr da…Grrrrr.

Und dann kommt er doch. Versucht alles, was Peter bereits versucht hat, und kommt zu dem Ergebnis: Die Einspritzpumpe ist verstopft. Da kann er an Bord nichts machen – morgen.

Die Marina besorgt uns ein Fischerboot, das uns schleppt. 150 Euro will der Fischer dafür – va bene, wir sind froh, an Land und in Sicherheit zu sein. Als er das Geld einsteckt, fragt er, wo wir getankt hätten? Griechenland? Alles klar. Fast alle Boote, die aus Griechenland kommen, haben Probleme mit dem Tank. Die Griechen verkaufen dreckiges Petrol! Davor hatte uns Emre von der Yatmarina auch schon gewarnt…

 

 

 

 

Vom Regen in die Traufe….

Besonders clever sind wir nicht – ins Kap Keri in den Süden der Insel verlegt zu haben, nur um uns lebensmitteltechnisch für die lange Fahrt zu versorgen … Heute wissen wir, es hätte auch in der kleinen Mausefallenbucht sicher zumindest Brot gegeben, und Spaghetti haben wir immer genügend an Bord. Aber hinterher ist man immer klüger und so motoren wir wieder alles zurück, was wir am Vortag auch größtenteils unter Motor hin gefahren sind. ..

Zumindest frischt der Wind etwas auf und wir können segeln – harten Am-Wind-Kurs.

Wir erreichen das offene Meer, sehen kein Land mehr. Meer, Meer, noch mehr Meer. Mehr nicht.

Es wird ein bisschen langweilig, denn bei dem Kurs und der Schräglage, die er mit sich bringt, kann man weder etwas am Boot arbeiten, noch lesen. Meer, Meer, Meer….

Kleine Mahlzeiten unterteilen den Tag, abends das Henkermahl vor dem Nachtschlag (>Schlag) – Gemüseeintopf. Dazu kein Bier, keinen Wein. Wir wollen klar bleiben.

Ich übernehme die erste Wache, Peter geht schlafen. „Gute Wache!“ „Gute Ruhe! “, lerne ich, sagt man da.

Also sitze ich allein da draußen. Es ist schön. Der Mond ist aufgegangen, ein paar Sterne…nach einer halben Stunde immer noch. Nach weiteren 10 Minuten auch noch…Nach 2 weiteren Seemeilen…Es wird etwas…langweilig. Die Segel sitzen, der Kurs stimmt, auf dem AIS sind kaum andere Boote auszumachen und am Horizont tut sich auch nichts. Um uns herum nichts als Meer, Meer, noch mehr Meer… Eine liebe Kollegin hat uns Hörbücher geschenkt in weiser Voraussicht, die mag ich aber nicht holen, um Peter nicht zu wecken. Liebe Cathi – nächstes Mal. Ich freue mich drauf!

Kurz bevor „Wachablösung“ ist, frischt der Wind auf gegen 25 Knoten. Für meinen Geschmack so viel, dass wir reffen sollten, Peter ist froh, Fahrt machen. Na denn… Gute Wache! – Gute Ruh!

Eine halbe Stunde später holt Peter mich an Deck. Die 25 Knoten sind geblieben, tendieren eher höher. Wir holen das Großsegel runter. Keine Minute zu früh. Der Wind wird stärker, die Wellen höher. Das war so nicht vorgesehen! Es wird richtig hart.

Bei einer starken Welle, rebelliert mein Magen endgültig, ich gehe unter Deck, Augen zu, lang legen. Es hilft nicht viel, ich bin manövrierunfähig. Peter bleibt oben.

Die Nacht wird heftig. Der Wind legt ordentlich zu, in Böen bis Sturmstärke, Wellen von 5 Metern donnern gegen das Boot, kommen über Bug und setzen sogar das Heck unter Wasser. Ich quäle mich unten, Peter sich oben. Ich wäre meinem Mann gern eine mit allen Meerwassern gewaschene Stütze, aber das hier überfordert mich körperlich und mental total. Selbst Peter, gesteht er später, wird oben etwas flau. Er refft die Fock bis zum Minisegel und auch dann noch donnern wir mit 6,7 Knoten (für unser Boot schnell, an Land: ca. 13 Kilometer/Stunde…) durch die Wogen. Gefährlich, Ihr Lieben daheim, ist das nie! Aber verdammt unangenehm.

Am Morgen krabbele ich an Deck. Unter Deck: Als hätte eine Bombe eingeschlagen. Alles, was auf den Boden fliegen konnte, ist geflogen – Schubladen, Bücher, Decken, Kissen….Der Wind hat sich etwas gelegt, die Wellen sind immer noch hoch, aber nicht mehr so steil. Mein Mann liegt auf der Bank im Cockpit, in Fleece und Segeljacke eingemummelt, aber barfuss, in einer stabilen Leine über sich mit dem „Rettungsgeschirr“ eingepickt, damit ihn keine Welle von Bord holen kann…und schläft.

Die Nacht hat geschlaucht. Drei Wetterberichte haben wir uns angeschaut, uns sogar die Windstärken und-richtungen herausgeschrieben. Das aber hatte keiner vorhergesagt. Wir beschließen, das Abo mit „Wetterwelt“, das wir erst kurz vor der Atlantiküberquerung aktivieren wollten, ab sofort zu nutzen. Das verspricht, eine individuelle Törnplanung nach Wetterbedingungen zu geben. Danach sollte uns so eine Nacht nicht mehr passieren. Wir waren froh, die Starkwind-Ägäis verlassen zu haben – und sind vom Regen in die Traufe gekommen…

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der erste „lange Schlag“…

…steht uns bevor . Morgen soll es nach Sizilien gehen. Fast 300 Meilen nonstop – unsere erste längere Segelzeit. Eine Vorbereitung für den Atlantik im November…

Wir überlegen, wann wir starten, konsultieren verschiedene Seewetterberichte – befriedigend ist es nicht. Eigentlich wollten wir mit Halbwindkurs nach Kalabrien, um dann nach Sizilien weiter zu segeln, doch der Wind wird, wie so oft, nicht mitspielen. Er kommt meistens von Nordwest, also genau aus der Richtung, in die wir wollen, und das heißt: Kreuzen. Damit werden aus den 3 Segeltagen wahrscheinlich 4…Aber noch später soll der Wind stark zunehmen, das wollen wir ja auch nicht. Also werden wir morgen, Montag, nach dem Frühstück loslegen. Ich koche schon mal Gemüseeintopf für die Überfahrt, und wir aktivieren unsere EPIRB, unseren Notruf. Aber gefährlich wird es bestimmt nicht!

Wir melden uns also erst in ein paar Tagen wieder, vielleicht doch aus Kalabrien? Messina? Palermo? Syracusa? Das liegt in Poseidons Händen– dem wir übrigens bisher immer noch kein Opfer gebracht haben, wie es sich gehört. Wir haben den Whiskey immer selbst getrunken. Heute abend bekommt er einen gehörigen Schluck – und dann wird alles gut!

PS: Die EBIRB, die bei „Mann oder Frau über Bord“ Alarm gibt, zu aktivieren, hat uns eine Stunde und sämtliche Nerven gekostet…Aber wirklich: keine Sorge, es wird nicht schlimm…Viele liebe Grüße an daheim!!!!

Familientreffen

Wir wollen gerade ablegen, ich hole den Anker auf, als Peter ruft: Stopp!!! Oh, was ist passiert? Ankersalat? Mist gebaut??? Ganz im Gegenteil. Am Kai stehen zwei nette Menschen, die Interesse an unserem Boot zeigen – weil sie nämlich das gleiche haben!

Dazu muss man wissen, dass von unserer Vindö 90 exakt 19 Boote gebaut wurden. Danach war die Werft pleite. Eins dieser 19 Schwesterboote treffen wir also ausgerechnet in Griechenland! Sehr nett sind sie, die Einer – wie kann es auch anders sein – , und wir vergleichen Macken und Reparaturen. Und sind uns einig – trotz allem (immerhin ist das Bötchen 38 Jahre alt) würden wir nie ein anderes wollen!

Dann legen wir aber wirklich ab, suchen den Wind und finden ihn bis auf die letzte Stunde nicht und suchen Unterschlupf in Kap Andreas. Leider schon voll. Die Bucht ist winzig, was auf unserem Törnführer nicht so klar ersichtlich war, und wir suchen zwischen Fischerbooten und drei Jachten Platz. ein freundlicher Ami auf einer Jacht weißt uns darauf hin, dass wir lieber weiter an den Rand gehen sollen, die Fähre! Da kommt auch schon der Bucht-Sheriff angeritten, sprich auf seinem Motorboot angerast, nicht der Hafenmeister, nein die Hafenpolizei persönlich, deutlich erkennbar an der dicken Pistole an seiner Seite. Falls man nicht folgt, wahrscheinlich….Angesichts dessen machen wir schleunigst kehrt und auch der Ami holt eilig seine Ankerkette hoch, da steht das Ungetüm von Fähre auch schon vor der Bucht. Nichts wie weg aus diesem Mauseloch! Bloss wohin? Der Törnführer ist äußerst mager, also suchen wir selbst an der Küste. Messen die Tiefe, lasen den Anker fallen, holen ihn wieder auf, weil er nicht hält…aber endlich doch. Ein nettes Plätzchen mit Blick wie n der Toscana – auf Zypressen, Wald, Villen…Nicht schlecht. Das Wasser ist auch sauber, es ist ruhig – was wollen wir mehr…

 

Zakynthos

„Duschen? Hinten rechts“, bescheinigt der Hafenmeister, und ich strahle. Wir haben in der Marina von Zakynthos angelegt, 25 sm auf der Karte, 37 gefahren, wie meistens im Zickzackstich, also gekreuzt. Der erste Eindruck von Zakynthos ist ein freundlicher, toskanisch sieht es hier aus, etwas hügelig, bewaldet. Endlich mal wieder ein schöner Ort!

Und dann – endlich wieder duschen! Die Dusche – ich möchte allen Leserinnen und Lesern Einzelheiten ersparen. Unsere Süsswasserdusche mit einem Stück angegammeltem Schlauch (das natürlich baldigst ersetzt wird – sobald wir wieder Schlauch kaufen könne, aber hier gibt’s ja nix!)  ist tausendmal hygienischer und besser als das, was in der Marina als „Dusche“ verkauft wird! dennoch, ich habe endlich wieder kämmbare Haare.

Aber der Ort sieht verlockend aus, nach netten Bars, Cafés…Also überwinden wir unsere Müdigkeit und ziehen los. Wären wir nur an Bord geblieben und hätten den Blick genossen! Es ist laut, eine Kneipe neben der anderen, Burgerfactory, Pizza – was das Pauschaltouristenherz begehrt. Die Vorstellungen von Glück sind eben verschieden – unsere sind: klares Wasser, nette kleine Kneipen, entspannte, freundliche Menschen, Katzen! Die gibt es hier auch nicht. Und das sagt doch alles.

Ruhe ist uns auch auf dem Schiff nicht vergönnt, es kommen riesige Fähren, die Schwell verursachen und uns zum Schaukeln bringen. Morgens um halb sieben trifft sich die Jugend vor unserem Boot, um zu palavern – wahrscheinlich von den Erlebnissen der vergangenen Nacht- , die Mofas aufheulen zu lassen…wir müssen weg. Schleunigst!

Wir studieren die Wetterkarte – heute oder morgen nach Sizilien aufzubrechen, macht gar keinen Sinn. Wir haben den Wind gegen uns. Also erstmal nach Norden, ans Kap der Insel…

 

 

Catch the wind

Wir holen früh den Anker hoch, unser nächstes Ziel ist 42 sm (auf der Karte!) entfernt. Wir wollen so weit wie möglich hoch auf die Peleponnes, damit der Weg querab nach Sizilien nicht so weit ist.

Wir sind zu früh. Der Wind lässt sich nicht blicken. Hat er in der Ägäis uns gejagt, versuchen nun wir, ihn zu fangen. Keine Chance. Das Meer ist spielglatt. Wir motoren.

Und sehen Delphine! Drei! Sie kommen näher und schwimmen ganz dicht am Boot. Das Wasser ist glasklar uns so können wir genau sehen, wie sie sich balgen, untereinander durchtauchen, wie elegant sie sich bewegen. Was für schöne Tiere! Wir können uns nicht sattsehen. Da wir nicht mitspielen, drehen sie irgendwann ab. Schade…

Wir bekommen eine Navtex-Nachricht. Von der NATO. Die informiert, dass sie in Sachen Terrorismusbekämpfung unterwegs ist im Ionischen Meer, dem Thyrrenischen Meer und der Strasse von Sizilien und bittet freundlich um Kooperation und um Auskunft, falls wir angefunkt werden. Wir möchten bitte melden, falls uns etwas Ungewöhnliches auffällt…Und wir dachten, hier sind wir sind wir weit weg vom Terrorismus…

Wir halten Ausguck, nicht, weil die NATO uns gebeten hat, sondern weil sich das auch auf einem ruhigen Meer so gehört, und entdecken ein braunes Bündel, auf 11 Uhr. Oh nein! Ein Flüchtling womöglich? Der Gedanke, dass wir auf – hoffentlich noch lebendige -, oder aber eben ertrunkene Flüchtlinge treffen könnten, begleitet uns sowieso. Wir kommen näher. Ein Hut??? Da hebt der Hut das Köpfchen. Eine Schildkröte! Klein, ganz allein schaukelt sie auf dem Wasser. Es ist hier über 100 Meter tief. Wie bekommt sie zu fressen? Nein, wir holen sie nicht an Bord, sondern überlassen sie ihrem Schicksal…

Sage also niemand, dass das Segeln langweilig ist!

Um 15 Uhr laufen wir in Katakolon ein, der letzte Hafen vor der Überfahrt nach Sizilien. Hier wollen wir ordentlich einkaufen, damit wir vorkochen können (wir rechnen mit drei Tagen und wollen während des Segelns nicht unbedingt lange in der Küche stehen).

Und ich hoffe darauf, dass es eine im Törnführer angekündigte –>Marina wirklich gibt, damit ich mir nun doch endlich mal die Haare mit Süsswasser waschen kann – unsere Süsswasserpumpe wird ihrem Namen leider noch nicht gerecht, weil ein verrottetes Stück Schlauch daran hängt, das vermodertes Wasser liefert.

Indes – wir werden enttäuscht. Ein Supermarkt entpuppt sich als Miniausgabe mit wenig Angebot, den anderen verlassen wir fluchtartig, weil es darin dermaßen nach Schimmel riecht, dass uns fast schlecht wird. Und sonst: Souvenirläden en masse mit Dingen, die kein Mensch braucht. Katakolon ist Anfahrthafen für Kreuzfahrtschiffe. Ein großes Schild am Hafen weist darauf hin, wem das zu verdanken ist: 12Millionen und ein paar zerquetschte hat die EU gestiftet…

Die Marina, angeblich im Bau, hat davon nichts abbekommen. Ein Schiffsfriedhof, mehr nicht, keine öffentlichen Duschen, schon gar keine Facilities, wie wir Verwöhnten sie aus Kos oder gar Marmaris und Bodrum kennen. Wieder nichts mit Haarewaschen.

Katakolon und wir, wir werden wohl keine Freunde…

Zudem ist es heiß in Katakolon. Eigentlich wollten wir von hier aus nach Olympia, aber bei der Hitze verschieben wir den Ausflug auf irgend einen Herbst. Falls wir wirklich wieder kommen.

 

 

 

 

 

Peleponnes/Pylos

Wir ankern in Pylos vor der Marina, in der Navarino-Bucht, „durch die Seeschlacht von 1827 in aller Welt bekannt“, so Gerd Radspieler in seinem Törnführer. Äh, Bucht von Navarino? Nö, nie gehört. In dieser ca. 10 Kilometer langen Bucht lagen damals 89 Kriegsschiffe der Türken und Griechen vor Anker, die sich dort die entscheidende Schlacht lieferten. 53 Schiffe der Türken versenkten die Griechen mit Hilfe Großbritanniens, Russlands und Frankreichs und gewannen damit ihre Unabhängigkeit.

Wir schnorcheln über das ehemalige Kriegsgebiet, und das ist nicht nur deshalb nicht so genussvoll, weil das Wasser trübe ist, ich habe auch das Gefühl, über einen riesigen Friedhof zu schwimmen…

Was die Schlacht den Griechen noch immer bedeutet, haben wir vor ein paar Jahren Ostern auf Samos erlebt. Die Osterprozession wurde angeführt von den Dorfjugend die nach Herzenslust schwarzpulvergefüllte, selbstgebastelte Bömbchen warfen, die ganze Brocken von Bordsteinen wegsprengten. Sie proben, sagten sie, immer wieder für den eventuellen Angriff der Türken…Wir fühlten uns wie im Bürgerkrieg, Popen, alte Mütterchen und der Rest des Dorfs verzogen keine Miene und folgten den bombenden Bengeln gemessenen Schrittes…

Abends nehmen wir das Dinghi und steuern Pylos selber an, wir gehen über die Marina an Land, die sich als gruselig erweist. Dreckig, dunkle Ecken, dunkle Gestalten…

Die Stadt selbst ist ganz nett, die Häuser geben sich hochherrschaftlich, viel Verkehr – wir sind das von unseren kleinen Kykladen-Inseln gar nicht mehr gewohnt und brauchen es auch nicht. Aber das Bier unter den Platanen auf dem Platz unter dem Kriegerdenkmal für die in der Seeschlacht gefallenen schmeckt…

 

 

 

 

Methoni, Peleponnes

Der erste Blick vom Bett aus der Luke: ein altes Kastell, davor kleine Fischerboote. Idyllischer kann man gar nicht aufwachen, zumal Billie Holiday singt, Peter in der Küche, pardon Kombüse, klappert und Kaffeegeruch durchs Boot zieht…

Ich krabbele an Deck und glaube, wir sind in Italien gelandet. Lago Maggiore zum Beispiel. Die Häuser sehen ganz so aus. Grün ist es hier. Palmen! Übermannshohe Sonnenblumen, Malvenbäumchen! Aber nein, wir haben uns nicht geirrt, wir sind noch in Griechenland. Mit eindeutig italienischem Einschlag, das Fort ist venezianisch.

Wir haben es gut getroffen gestern Nacht, ideal geankert, keine Boote, keine Felsen gerammt…Wir gehen schwimmen, das Wasser ist toll.

Kurz darauf bekommen wir Besuch von einem jungen Pärchen, Elena und Lucas, sie Französin, er Argentinier. Sie kommen mit ihrem Dinghi – mit selbstgebasteltem Trapezsegel – und wollen uns mal begutachten, weil unser Boot in etwa so alt ist wie ihres – ein Jahr jünger, wie sich herausstellt. Auch ein Oldtimer also.

Seit drei Jahren leben sie auf dem Boot und zigeunern durch das Mittelmeer. Fluchen auf die wechselnde Winde, die alle halbe Stunde eine andere Segelstellung erfordern. Wenn die die Ägäis kennen würden…! Sie leben von Arbeiten, die gerade irgendwo anfallen, Lucas kann gut Boote reparieren, im Sommer verkaufen sie Makrameeschmuck. Läuft ganz gut, sagen sie, und viel zum Leben braucht man auf dem Boot nicht – etwas zu essen und Wein! Wie wahr. Sie wollen auch über den Atlantik, allerdings nach Brasilien abbiegen. Echte Seezigeuner, die ohne Motor segeln und Flauten aushalten. Auch sie wollen nach Sizilien, wir hoffen, dass wir uns da wieder treffen. Dann ziehen sie weiter mit ihrem Segeldinghi.

Wir gehen einkaufen und finden den Ort nicht so ganz toll. Ein bisschen angegammelt, aber ohne Charme. Deshalb legen wir ab, Richtung Pylos, grade mal um die Ecke, 8 sm. Und, oh Wunder, wir können richtig schön segeln, mit 3-4 Beaufort. Na also, geht doch!

Seglerlatein

Liebe Leserinnen und Leser, nicht alle von Euch sind Segler, es schleicht sich aber der ein oder andere Segelbegriff in die Blogs. Deshalb, zum besseren Verständnis, ein kleines Seglerlexikon.

– AIS = Automatic Identification System = automatisches Identifizierungssystem, ein system, mit dem die Berufsschifffahrt und immer mehr private Boote ausgestattet sind. Damit erkennt man andere Schiffe in der Nähe rechtzeitig auf dem à Plotter, ein ganz wichtiges Sicherheitssystem

– Backbord heißt links.

– Beaufort ist die Messeinheit für die Windstärke, die einmal festgelegt wurde.1 Bft. Ist fast gar kein Wind, 12 Bft sind Orkanstärke. 7 Bft Starkwind.

– Bug ist beim Schiff vorne. Aber nennt man auch die Seiten des Schiffs, man segelt immer auf einer Seite, Backbordbug (linke Bugseite) oder Steuerbordbug (rechte Bugseite)

– Ein- bzw. Ausklarieren: quasi: ein- oder auschecken. Wenn man ein Land verlässt oder neu einreist, muss man ausklarieren bzw. einklarieren, sich bei der Hafenpolizei anmelden, einen Stempel holen, evtl. zum Zoll. Das Einklarieren in die Türkei ist teuer (ca. 100 Euro)und nur über einen Agenten zu machen, der alle Behördengänge erledigt. In Griechenland ist es einfacher und günstiger, z.Zt. 15 Euro. Vor dem Schäuble-/Merkeldiktat haben wir Summen zwischen 3,88 und 5,26 bezahlt – nicht nachvollziehbar, wie sie sich berechneten…

– Dinghi = Beiboot, meistens ein kleines Schlauchboot mit Außenbordmotor, um vom Ankerplatz an Land kommen zu können

– Heck = hinten

– „Kacheln“ bedeutet, der Wind bläst stark.

– Knoten = Geschwindigkeitseinheit. 1 Knoten = 1 -> Seemeile/Stunde

– Marina ist ein sicherer Ort, an dem man sein Boot auch länger allein lassen kann. Oder man geht während des Törns für ein paar Tage in die Marina, um mal ruhig zu liegen und sich und das Boot versorgen zu können. Marinas gibt es mit dem Charme einer Tiefgarage, oder aber luxuriöse wie in Bordrum, Kos oder Marmaris, wo es genug – Handwerker zum Beispiel- für’s Boot, und andere Annehmlichkeiten wie Bibliothek, Bar, Swimmingpool, gut ausgestatteten Supermarkt für die Eigner gibt…

– Reffen – die Segelfläche verkleinern bei starkem wind. Ausreffen: Segelfläche wieder vergrößern…

– Plotter. Ein Bildschirm draußen im Cockpit und innen am Kartentisch für den Navigator, ein Navigationssystem, sensationell, das den genauen Kurs und die genaue Schiffsposition anzeigt, mit dem man Kurse berechnen kann. Lädt dazu ein, auf Papierkarten wie anno dazumals zu verzichten, die man aber tunlichst beibehalten sollte, da Plotter auch mal ausfallen können….

– „sail fast,live slow“ = cooles Seglermotto, das auf uns leider überhaupt nicht zutrifft, wir leben noch relativ schnell und segeln sehr langsam, im Schnitt 5 Knoten (s.–> Knoten)

– sm=seemeile= 1,852 Kilometer

– steuerbord = rechts

wird fortgesetzt!

 

 

 

 

 

 

 

Wale

Vor lauter Entspannung, endlich angekommen zu sein, habe ich das Schönste fast vergessen: Wir haben Wale gesehen!!! Erst gedacht, es wären Delphine. Dann zeigte sich eine Fontäne, dann die Schwanzflosse. Eindeutig ein Wal, kurz darauf begleiten uns zwei Potwale eine Weile. Zum Glück nicht zu nah….