Besonders clever sind wir nicht – ins Kap Keri in den Süden der Insel verlegt zu haben, nur um uns lebensmitteltechnisch für die lange Fahrt zu versorgen … Heute wissen wir, es hätte auch in der kleinen Mausefallenbucht sicher zumindest Brot gegeben, und Spaghetti haben wir immer genügend an Bord. Aber hinterher ist man immer klüger und so motoren wir wieder alles zurück, was wir am Vortag auch größtenteils unter Motor hin gefahren sind. ..
Zumindest frischt der Wind etwas auf und wir können segeln – harten Am-Wind-Kurs.
Wir erreichen das offene Meer, sehen kein Land mehr. Meer, Meer, noch mehr Meer. Mehr nicht.
Es wird ein bisschen langweilig, denn bei dem Kurs und der Schräglage, die er mit sich bringt, kann man weder etwas am Boot arbeiten, noch lesen. Meer, Meer, Meer….
Kleine Mahlzeiten unterteilen den Tag, abends das Henkermahl vor dem Nachtschlag (>Schlag) – Gemüseeintopf. Dazu kein Bier, keinen Wein. Wir wollen klar bleiben.
Ich übernehme die erste Wache, Peter geht schlafen. „Gute Wache!“ „Gute Ruhe! “, lerne ich, sagt man da.
Also sitze ich allein da draußen. Es ist schön. Der Mond ist aufgegangen, ein paar Sterne…nach einer halben Stunde immer noch. Nach weiteren 10 Minuten auch noch…Nach 2 weiteren Seemeilen…Es wird etwas…langweilig. Die Segel sitzen, der Kurs stimmt, auf dem AIS sind kaum andere Boote auszumachen und am Horizont tut sich auch nichts. Um uns herum nichts als Meer, Meer, noch mehr Meer… Eine liebe Kollegin hat uns Hörbücher geschenkt in weiser Voraussicht, die mag ich aber nicht holen, um Peter nicht zu wecken. Liebe Cathi – nächstes Mal. Ich freue mich drauf!
Kurz bevor „Wachablösung“ ist, frischt der Wind auf gegen 25 Knoten. Für meinen Geschmack so viel, dass wir reffen sollten, Peter ist froh, Fahrt machen. Na denn… Gute Wache! – Gute Ruh!
Eine halbe Stunde später holt Peter mich an Deck. Die 25 Knoten sind geblieben, tendieren eher höher. Wir holen das Großsegel runter. Keine Minute zu früh. Der Wind wird stärker, die Wellen höher. Das war so nicht vorgesehen! Es wird richtig hart.
Bei einer starken Welle, rebelliert mein Magen endgültig, ich gehe unter Deck, Augen zu, lang legen. Es hilft nicht viel, ich bin manövrierunfähig. Peter bleibt oben.
Die Nacht wird heftig. Der Wind legt ordentlich zu, in Böen bis Sturmstärke, Wellen von 5 Metern donnern gegen das Boot, kommen über Bug und setzen sogar das Heck unter Wasser. Ich quäle mich unten, Peter sich oben. Ich wäre meinem Mann gern eine mit allen Meerwassern gewaschene Stütze, aber das hier überfordert mich körperlich und mental total. Selbst Peter, gesteht er später, wird oben etwas flau. Er refft die Fock bis zum Minisegel und auch dann noch donnern wir mit 6,7 Knoten (für unser Boot schnell, an Land: ca. 13 Kilometer/Stunde…) durch die Wogen. Gefährlich, Ihr Lieben daheim, ist das nie! Aber verdammt unangenehm.
Am Morgen krabbele ich an Deck. Unter Deck: Als hätte eine Bombe eingeschlagen. Alles, was auf den Boden fliegen konnte, ist geflogen – Schubladen, Bücher, Decken, Kissen….Der Wind hat sich etwas gelegt, die Wellen sind immer noch hoch, aber nicht mehr so steil. Mein Mann liegt auf der Bank im Cockpit, in Fleece und Segeljacke eingemummelt, aber barfuss, in einer stabilen Leine über sich mit dem „Rettungsgeschirr“ eingepickt, damit ihn keine Welle von Bord holen kann…und schläft.
Die Nacht hat geschlaucht. Drei Wetterberichte haben wir uns angeschaut, uns sogar die Windstärken und-richtungen herausgeschrieben. Das aber hatte keiner vorhergesagt. Wir beschließen, das Abo mit „Wetterwelt“, das wir erst kurz vor der Atlantiküberquerung aktivieren wollten, ab sofort zu nutzen. Das verspricht, eine individuelle Törnplanung nach Wetterbedingungen zu geben. Danach sollte uns so eine Nacht nicht mehr passieren. Wir waren froh, die Starkwind-Ägäis verlassen zu haben – und sind vom Regen in die Traufe gekommen…

