Fernsehschtars

Rocco hat uns das eingebrockt. Rocco, einer der beiden Helfer für alle Fälle in der Marina, der mit Davide Boote lotst, überall hilft. Rocco hat dem italienischen Fernsehen uns als Portraits  für die Reihe „Leben auf dem Meer“ vorgeschlagen. Wenn ihr also uns italienisch radebrechend vor unserem Boot sehen wollt: www.telemia.it  So gegen 20:30 Uhr. Autogramme dann später…:-))))falls sie es überhaupt zeigen!

Kaputt

Sie kommen kurz nach 9, Francesco und Tomaso, und das ist super nett – gleich als erstes nach ihrem freien Wochenende. Von Peters Idee, dass die Pumpe nicht kaputt sei, sondern das Magnetventil zum Abschalten aber, lassen sie sich nicht überzeugen. Das sei auch nicht mehr bestens, aber – es ist die Pumpe. Sie bauen sie aus.

Wir radeln bei Gluthitze in die Stadt auf den Markt, der sehr schön ist, bei Gluthitze mittags in den Supermarkt, der gerade schließt – Mittagspause!- , arbeiten etwas, und warten., warten, warten….

Abends kommen sie wieder, unsere Mechaniker. Sie haben einen Spezialisten bei Bosch angetroffen – es ist eindeutig die Pumpe. Alle (!) Kolben kaputt – vom Dreck im Diesel vermutlich zerstört.

Nun suchen sie neue Kolben. Vier haben sie gefunden, sechs brauchen wir…jetzt in der Ferienzeit, schwierig, schwierig. Aber sie sind nicht hoffnungslos.

Wenn es sie hier nicht gibt, nehme ich den Flieger nach Deutschland (Ryanair – nach Söllingen!) und wir suchen da.

Selbst Peter ist nun ziemlich niedergeschlagen und überlegt Plan B –  einen neuene Motor… Hoffentlich nicht! Drückt uns die Daumen!

Vielen, vielen Dank bei dieser Gelegenheit für Eure Unterstützung!!! Und die Ermutigungen. Das hilft auch.

Ferragosto

15.8. Maria Himmelfahrt….Auch wir  tun – nichts. Keine Bootsarbeiten, nichts. Radeln in die Stadt, gehen Eis essen. Im Pinienwäldchen neben der Marina treffen sich etliche Großfamilien, rücken mit allem an Campingmöbeln an, was der Balkon her gibt, schlachten riesige Melonen, grillen (drei Waldbrände haben wir in den vergangenen Tagen von Ferne gesehen), schaukeln in der Hängematte.

Wer es nicht in den Wald geschafft hat, zieht mit Kind und Kegel an den Strand, baut Sonnenschirme auf, planscht im Wasser, spielt Beachvolleyball. Schon das Zusehen macht Spaß. Es ist so friedlich!

Wir, zurück auf dem Boot, trauen uns, den Fischer neben uns (den mit dem Motor) nach Fisch zu fragen. Wir treffen nur die Frau des Kapitäns, Fische gibt es keine, der Kutter war nicht draußen. Schade.

Etwas später kommt sie ans Boot – mit einer Schachtel voller Kalamari. Grüße vom Kapitano. Wie nett!

Wir müssen erstmal im Internet nachschauen, wie man die Teile ausnimmt. Sieht nicht so schwierig aus. Peter übernimmt das und erntet von dem coolen Davide, der das Pilotboot in der Marina fährt, ein anerkennendes „Daumenhoch“. Von mir – einen Kuss.

Die Kalamari schmecken köstlich. In Knoblauchöl gebraten, mit Zitrone. Wenn alle Stricke reißen, machen wir eine Kalamaribude auf…

Nachts radeln wir nochmal in die Stadt. Was Roccella an Schönheit fehlt, macht es mit Veranstaltungen wett. Jazzfestival! Unter freiem Himmel mit Vollmond(!)auf der Piazza, vor Marmorsäulen und einem nachgebauten Amphitheater, kosten tut es nichts. Der Wein ist auch gut – das Leben ist schön!

 

 

 

 

 

 

 

Reggio/Kalabrien

Es ist Feiertag in Italien – langes Wochenende, alles hat geschlossen, auf dem Boot arbeiten können wir auch nicht. Also wollen wir uns ein Auto mieten und die Gegend erkunden.

Carla, die freundliche Dame in der Touristinformation, ist untröstlich. Drei Autos haben sie , das letzte hat sie gestern vergeben – auch privat ist an dem langen Feiertagswochenende, wo Hintz und Kuntz unterwegs sind, nichts zu machen.

Peter, Peter(der nie freiwillig auf die Schienen geht!!!), schlägt vor, den Zug zu nehmen. Carla, erleichtert, uns helfen zu können, findet das eine gute, nahezu geniale Idee. Wir nehmen den Zug nach Reggio! Zumal in Reggio gerade eine Eisdiele zur besten Italiens gekürt wurde! Cesare, ganz leicht zu finden, Reggio ist klein…

Also, auf nach Reggio. Der Zug fährt durch trostlose Gegenden. Karg, wasserlos. Wunderschön hingegen die andere Seite – kilometerlange Strände mit klarem blauem Wasser. Wer Badeurlaub liebt, ist hier richtig.

Reggio enttäuscht uns anfangs. Auch hier ist alles geschlossen, sieht etwas trist aus. Wir tasten uns vor, laufen der Nase nach – und finden irgendwann die Strandpromenade. Klassizistische Bauten entlang der Hauptstraße, Palmen. Einen botanischen Garten! Schöne Restaurants. Reggio, finden wir nun doch, hat was. Auch wenn wir Cesare leider nicht gefunden haben…unsere Eisdiele war auch grandios.

Wir lassen uns in einer Kneipe nieder mit Blick auf die Strasse von Messina. Da wollen wir auch in – sobald unser Bötchen wieder fährt.

Erstmal müssen wir zurück. Der letzte Zug fährt um 20:15!

Die selbe Idee haben außer uns hunderte anderer Reisender. Der Zug besteht aus zwei kleinen Waggons – unmöglich, dass alle da unterkommen, auch wenn wir wie die Sardinen stehen. Die Stimmung droht zu kochen, der Zugschaffner holt die Carabinieri, Polizei also, zu Hilfe. Dann warten wir. Warten. Warten. Keine Informationen, wann es weitergehen soll – und ob überhaupt…

Eine Stunde später kommt auf dem anderen Bahngleis ein neuer Zug, größer. Und dann geht es endlich los. Es ist Mitternacht, bis wir zurückkommen. Zwei Stunden Fahrt hin, fast vier zurück, vier Stunden in Reggio. Trotzdem – es hat sich gelohnt!

Mediterranean homesick blues

Ich sitze in einer Eisdiele in Reggio/Calabria vor dem besten bacio-Eis, das ich je gegessen habe, und heule. Ich habe Heimweh. Ich, 55 Jahre alt, weitgereist, gern gereist, bislang durchaus als Weltenbummlerin zu bezeichnen – ich heule wie eine 5jährige. Weil ich Freunde, Familie, Zuhause, Kater fürchterlich vermisse. Ich verstehe die Welt nicht mehr. Peter auch nicht.

Vielleicht liegt es daran, dass unser Zeit auf dem Wasser bisher nicht gerade einfach war, weit mehr ein Aushalten als Genießen.

Vielleicht liegt es daran, dass Roccella, der Ort, an dem wir gestrandet sind, alles andere als schön ist. Wir haben ihm nicht nur den zweiten, sondern den vierten, fünften, zehnten Blick gegönnt und wirklich nicht Charmantes finden können. Kantige, braune, graue Häuser, oft gar nicht verputzt, alles schreit nach Armut. Keine Gärten, keine kleinen Ecken, die liebevoll gestaltet sind, keine begrünten Balkone – hier haben Menschen keine Kraft, keine Lust mehr, nach der Arbeit ihr Heim zu verschönern, hier geht es nur ums Überleben. Zumal Wasser für Pflanzen sicher rar , wenn überhaupt vorhanden ist. Kalabrien ist trocken. Und die ärmste Ecke Italiens, vergessen vom reichen Norden. Kein Ort, um sich wohl zu fühlen. Wir radeln auf unseren klapprigen Rädern nur hin, um der Marina ab und an zu entfliehen.

Die Marina ist nett, freundlich, sauber. Klein. Das Cafe, ein möglicher Rückzugsort und der einzige Platz mit Internetverbindung, spielt grauenhafte Musik. Abba- Remix, Weihnachtsmusik! durchsetzt von schreiender Werbung. Schwer auszuhalten. Sobald wir das Internet gecheckt haben, fliehen wir auch da. Aufs Boot.

Unser Boot liegt am äußersten Ende der Marina. Neben den Fischerbooten, getrennt von einem Maschendrahtzaun. Nicht neben kleinen hübschen Booten, die morgens vom Fang zurück tuckern, sondern neben Trawlern, mittelgroßen Schiffen, die mit Schleppnetzen alles vom Boden holen, was sich nicht retten kann. Aber nicht nur, dass wir also neben einem riesigen Fischfriedhof liegen – die Fische werden ab Boot kistenweise verkauft. Der Generator läuft, der Motor läuft, Autos kommen und gehen – die halbe Nacht, in gleißendes Neonlicht getaucht. Es ist nicht friedlich, es ist nicht romantisch. Es zerrt an den Nerven.

Und unser Boot, unsere Hugin, unser zweites Zuhause? Dauerbaustelle. Die Bodenbretter aufgestellt, alle Tische mit Werkzeug belegt, Dieselgeruch, nichts Anheimelndes. Aber auch gar nichts. Heiß ist es noch dazu. Und kein Wind.

Daheem kennst’ liegen – pflegte ein Mannheimer Kollege in solchen Situationen zu seufzen. Genau. Mit dem Kater auf dem Bauch Zeitung lesen, meiner Mutter beim Umzug helfen, Luzie im Garten, es mit Freunden nett haben…

Jetzt aber genug des Selbstmitleids. Mein armer Peter weiß gar nicht, wie er mich trösten soll und ist kreuzunglücklich. Vielleicht fliege ich doch zwischendurch mal nach Hause. Um aufzutanken, Freunde in den Arm zu nehmen, den Kater zu kraulen. Und dann wieder zurück zu Boot und Peter. Weil – aufgeben will ich unser Projekt ja denn doch nicht…

 

 

Zwangspause

Der mecanico kommt wieder, testet und testet und testet – keine guten Nachrichten. Die Einspritzpumpe, möglicherweise. Dann haben wir ein echtes Problem, denn unser Motor ist so alt, dass es die dazugehörigen Ersatzteile meistens nicht mehr gibt. Ich will nicht verhehlen, dass ich mir ein klitzekleines Problemchen durchaus gewünscht hatte, um mal ein paar Tage am Stück an einem Ort bleiben zu können. Ich fühle mich manchmal ganz schön gehetzt und finde es völlig idiotisch, mein einziges Sabbatical wie auf der Flucht zu verbringen. Aber den Motor wollte ich dafür nicht opfern! Und darauf wird es hinauslaufen – bekommen wir keine Ersatzteile mehr, brauchen wir einen neuen Motor…und dann…

…hat unser Abenteuer bereits im dritten Land, das wir besegeln, ein jähes Ende gefunden…!

Noch aber geben wir die Hoffnung nicht auf. Tomaso kommt, ein weiterer Mechaniker. Er will die Pumpe ausbauen und einschicken, um sie reparieren zu lassen. Dummerweise ist in ganz Italien ist ferragosto –alle Betriebe haben Ferien! (Wer Camilleri und seine Romane um den Comissario Montalbano gelesen hat, wird das kennen….)

Auch Tomaso macht erstmal Urlaub, Dienstag kommt er, hofft auf den Bosch-Notdienst und dann – mal sehen…Klappt das nicht, versuchen wir es in Deutschland, parallel kontaktieren wir alle möglichen Techniker, die sich auskennen und wirklich per mail oder telefonisch zur Seite stehen.

Erstmal sitzen wir also fest. Und machen alles mögliche am Boot, was sowieso fällig ist. Es wird mal wieder – Baustelle…

Abends wollen wir uns belohnen und in der Marina essen gehen. Das muss sehr gut sein, man muss reservieren, sonst bekommt man keinen Platz. Tagsüber ist das Ristorante miniklein, abends werden Tische über Tische rausgestellt und die Menschen kommen von nah und fern, in schicken Abendklamotten und ausgehfein. Das haben wir uns verdient!

 

Es ist wie Oktoberfest und Düsseldorfer Altstadt zusammen. Es gibt die Pizza nicht rund, sondern am Meter. Der Hit ist ein Gestell, das an Kaugummiautomaten erinnert, aber mit Warsteiner Bier gefüllt ist, auf den Tisch gestellt wird und dort Plastikbecher über Plastikbecher füllt. Dazu kann man Pizza mit Wurstel und Kartoffel bestellen…Und die Leute sind begeistert! Über 300 Gäste werden da pro Abend bedient, von der gerühmten Entspanntheit der Kalabresen hat das aber rein gar nichts. Die Bedienungen joggen regelrecht die Tische entlang, brüllen sich an, treiben sich an – wir fühlen uns wie Besucher auf einer Galeere. Und das Essen ist –lausig. Peters Spaghetti sind sehr al dente, die Soße ist lieblos drüber geknallt, der Pizzabelag versinkt in Teig und fettigem Käse und der Wein ist auch nicht besonders. Das war wohl nichts…

Wir wollen uns mit Cafe und Grappa im Städtle entschädigen – aber unsere Räder sind weg! Na gut, es sind nicht „unsere“, sie sind Allgemeingut, aber wir haben sie geliehen und sie stehen vor unserem Boot und Ersatz ist nicht in Sicht. Wir sitzen also fest und finden das nun wirklich eine absolute Sauerei.

Dann nehmen wir den Espresso eben in dem kleinen Cafe’ hier – und einen weißen Grappa, der sehr gut ist. Und uns dann doch etwas entschädigt…

PS: Als wir zurück aufs Boot kommen, sind die Fahrräder wieder da. Wir schließen sie ab! Am Morgen ist ein Vorderrad abmontiert und steht daneben. Wir haben einen Fahrradkampf!!!

 

 

 

 

 

 

Das Gute im Schlechten

„Vaffanculo“ wecken mich deutliche Worte von einem Boot draußen, wir sind eindeutig in Italien: „Verpiß dich…“! Ein Blick aus dem Fenster lässt mich daran zweifeln: So habe ich mir Kalabrien nicht vorgestellt. Irgendwie…italienischer! Sieht eher aus wie in der Schweiz – im nicht so noblen Teil….

Peter versucht, den Motor zu entlüften und ihn damit wieder zum Leben zu erwecken. Wahrscheinlich war der eine Tank leer, obwohl die Tankuhr noch 20 Liter angezeigt hat. Damit hat er Luft gezogen, und damit haben wir den Salat. Auch 50 Startversuche bringen nichts, wir müssen in der Marina Hilfe suchen und fahren mit dem Dinghi rüber.

Da ist erstmal keiner. Es ist kurz vor 3 – Mittagspause! Orietta und Franco, Segler aus Genua, versuchen, uns weiterzuhelfen. Rufen hier an, rufen dort an….Tomaso ist nicht da, aber Francesco! Francesco kommt in einer Viertelstunde – einer kalabrischen Viertelstunde, will heißen, es kann eine halbe werden. Ob wir so lange einen Kaffee trinken wollen? Gute Idee. Im Marina-Ristorante bestellen wir Cappuccino, den ersten „echten“ italienischen! Und wollen unser Helfer gern einladen, da haben sie schon bezahlt, für uns natürlich mit – kein Problem, also bitte!

Das sind Situationen, die uns immer wieder mit Problemen versöhnen – Menschen, die so selbstverständlich hilfsbereit und großzügig sind. Orietta erzählt – wir radebrechen italenglisch -, dass sie immer nach Kalabrien in den Urlaub fahren, weil die Menschen hier so entspannt, hilfsbereit sind….Und Roccella sei so eine hübsche Stadt (ach ja?), heute Abend gibt es ein Thunfischfest auf den Straßen, man kann mit Fahrrädern der Marina dahinfahren. Gute Idee!

Zunächst aber trudelt dann doch Franceso, der Mechaniker, ein, der verspricht, sich an Bord bringen zu lassen, sobald sich das Wetter draußen beruhigt hat.

Wir fahren trotz Wind und Wellen mit dem Dinghi zurück und werden nicht mal nass. Und warten. Und warten. Und rufen zwischendurch immer wieder die Marina an: Davide, der Francesco fahren soll, hat grad keine Zeit, leider, leider…Wir warten, warten, rufen an und schlagen vor, ihn selbst mit dem Dinghi zu holen. Da ist Francesco leider gerade an einem anderen Ort an einem anderen Projekt und nicht mehr da…Grrrrr.

Und dann kommt er doch. Versucht alles, was Peter bereits versucht hat, und kommt zu dem Ergebnis: Die Einspritzpumpe ist verstopft. Da kann er an Bord nichts machen – morgen.

Die Marina besorgt uns ein Fischerboot, das uns schleppt. 150 Euro will der Fischer dafür – va bene, wir sind froh, an Land und in Sicherheit zu sein. Als er das Geld einsteckt, fragt er, wo wir getankt hätten? Griechenland? Alles klar. Fast alle Boote, die aus Griechenland kommen, haben Probleme mit dem Tank. Die Griechen verkaufen dreckiges Petrol! Davor hatte uns Emre von der Yatmarina auch schon gewarnt…

 

 

 

 

Vom Regen in die Traufe….

Besonders clever sind wir nicht – ins Kap Keri in den Süden der Insel verlegt zu haben, nur um uns lebensmitteltechnisch für die lange Fahrt zu versorgen … Heute wissen wir, es hätte auch in der kleinen Mausefallenbucht sicher zumindest Brot gegeben, und Spaghetti haben wir immer genügend an Bord. Aber hinterher ist man immer klüger und so motoren wir wieder alles zurück, was wir am Vortag auch größtenteils unter Motor hin gefahren sind. ..

Zumindest frischt der Wind etwas auf und wir können segeln – harten Am-Wind-Kurs.

Wir erreichen das offene Meer, sehen kein Land mehr. Meer, Meer, noch mehr Meer. Mehr nicht.

Es wird ein bisschen langweilig, denn bei dem Kurs und der Schräglage, die er mit sich bringt, kann man weder etwas am Boot arbeiten, noch lesen. Meer, Meer, Meer….

Kleine Mahlzeiten unterteilen den Tag, abends das Henkermahl vor dem Nachtschlag (>Schlag) – Gemüseeintopf. Dazu kein Bier, keinen Wein. Wir wollen klar bleiben.

Ich übernehme die erste Wache, Peter geht schlafen. „Gute Wache!“ „Gute Ruhe! “, lerne ich, sagt man da.

Also sitze ich allein da draußen. Es ist schön. Der Mond ist aufgegangen, ein paar Sterne…nach einer halben Stunde immer noch. Nach weiteren 10 Minuten auch noch…Nach 2 weiteren Seemeilen…Es wird etwas…langweilig. Die Segel sitzen, der Kurs stimmt, auf dem AIS sind kaum andere Boote auszumachen und am Horizont tut sich auch nichts. Um uns herum nichts als Meer, Meer, noch mehr Meer… Eine liebe Kollegin hat uns Hörbücher geschenkt in weiser Voraussicht, die mag ich aber nicht holen, um Peter nicht zu wecken. Liebe Cathi – nächstes Mal. Ich freue mich drauf!

Kurz bevor „Wachablösung“ ist, frischt der Wind auf gegen 25 Knoten. Für meinen Geschmack so viel, dass wir reffen sollten, Peter ist froh, Fahrt machen. Na denn… Gute Wache! – Gute Ruh!

Eine halbe Stunde später holt Peter mich an Deck. Die 25 Knoten sind geblieben, tendieren eher höher. Wir holen das Großsegel runter. Keine Minute zu früh. Der Wind wird stärker, die Wellen höher. Das war so nicht vorgesehen! Es wird richtig hart.

Bei einer starken Welle, rebelliert mein Magen endgültig, ich gehe unter Deck, Augen zu, lang legen. Es hilft nicht viel, ich bin manövrierunfähig. Peter bleibt oben.

Die Nacht wird heftig. Der Wind legt ordentlich zu, in Böen bis Sturmstärke, Wellen von 5 Metern donnern gegen das Boot, kommen über Bug und setzen sogar das Heck unter Wasser. Ich quäle mich unten, Peter sich oben. Ich wäre meinem Mann gern eine mit allen Meerwassern gewaschene Stütze, aber das hier überfordert mich körperlich und mental total. Selbst Peter, gesteht er später, wird oben etwas flau. Er refft die Fock bis zum Minisegel und auch dann noch donnern wir mit 6,7 Knoten (für unser Boot schnell, an Land: ca. 13 Kilometer/Stunde…) durch die Wogen. Gefährlich, Ihr Lieben daheim, ist das nie! Aber verdammt unangenehm.

Am Morgen krabbele ich an Deck. Unter Deck: Als hätte eine Bombe eingeschlagen. Alles, was auf den Boden fliegen konnte, ist geflogen – Schubladen, Bücher, Decken, Kissen….Der Wind hat sich etwas gelegt, die Wellen sind immer noch hoch, aber nicht mehr so steil. Mein Mann liegt auf der Bank im Cockpit, in Fleece und Segeljacke eingemummelt, aber barfuss, in einer stabilen Leine über sich mit dem „Rettungsgeschirr“ eingepickt, damit ihn keine Welle von Bord holen kann…und schläft.

Die Nacht hat geschlaucht. Drei Wetterberichte haben wir uns angeschaut, uns sogar die Windstärken und-richtungen herausgeschrieben. Das aber hatte keiner vorhergesagt. Wir beschließen, das Abo mit „Wetterwelt“, das wir erst kurz vor der Atlantiküberquerung aktivieren wollten, ab sofort zu nutzen. Das verspricht, eine individuelle Törnplanung nach Wetterbedingungen zu geben. Danach sollte uns so eine Nacht nicht mehr passieren. Wir waren froh, die Starkwind-Ägäis verlassen zu haben – und sind vom Regen in die Traufe gekommen…

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der erste „lange Schlag“…

…steht uns bevor . Morgen soll es nach Sizilien gehen. Fast 300 Meilen nonstop – unsere erste längere Segelzeit. Eine Vorbereitung für den Atlantik im November…

Wir überlegen, wann wir starten, konsultieren verschiedene Seewetterberichte – befriedigend ist es nicht. Eigentlich wollten wir mit Halbwindkurs nach Kalabrien, um dann nach Sizilien weiter zu segeln, doch der Wind wird, wie so oft, nicht mitspielen. Er kommt meistens von Nordwest, also genau aus der Richtung, in die wir wollen, und das heißt: Kreuzen. Damit werden aus den 3 Segeltagen wahrscheinlich 4…Aber noch später soll der Wind stark zunehmen, das wollen wir ja auch nicht. Also werden wir morgen, Montag, nach dem Frühstück loslegen. Ich koche schon mal Gemüseeintopf für die Überfahrt, und wir aktivieren unsere EPIRB, unseren Notruf. Aber gefährlich wird es bestimmt nicht!

Wir melden uns also erst in ein paar Tagen wieder, vielleicht doch aus Kalabrien? Messina? Palermo? Syracusa? Das liegt in Poseidons Händen– dem wir übrigens bisher immer noch kein Opfer gebracht haben, wie es sich gehört. Wir haben den Whiskey immer selbst getrunken. Heute abend bekommt er einen gehörigen Schluck – und dann wird alles gut!

PS: Die EBIRB, die bei „Mann oder Frau über Bord“ Alarm gibt, zu aktivieren, hat uns eine Stunde und sämtliche Nerven gekostet…Aber wirklich: keine Sorge, es wird nicht schlimm…Viele liebe Grüße an daheim!!!!

Familientreffen

Wir wollen gerade ablegen, ich hole den Anker auf, als Peter ruft: Stopp!!! Oh, was ist passiert? Ankersalat? Mist gebaut??? Ganz im Gegenteil. Am Kai stehen zwei nette Menschen, die Interesse an unserem Boot zeigen – weil sie nämlich das gleiche haben!

Dazu muss man wissen, dass von unserer Vindö 90 exakt 19 Boote gebaut wurden. Danach war die Werft pleite. Eins dieser 19 Schwesterboote treffen wir also ausgerechnet in Griechenland! Sehr nett sind sie, die Einer – wie kann es auch anders sein – , und wir vergleichen Macken und Reparaturen. Und sind uns einig – trotz allem (immerhin ist das Bötchen 38 Jahre alt) würden wir nie ein anderes wollen!

Dann legen wir aber wirklich ab, suchen den Wind und finden ihn bis auf die letzte Stunde nicht und suchen Unterschlupf in Kap Andreas. Leider schon voll. Die Bucht ist winzig, was auf unserem Törnführer nicht so klar ersichtlich war, und wir suchen zwischen Fischerbooten und drei Jachten Platz. ein freundlicher Ami auf einer Jacht weißt uns darauf hin, dass wir lieber weiter an den Rand gehen sollen, die Fähre! Da kommt auch schon der Bucht-Sheriff angeritten, sprich auf seinem Motorboot angerast, nicht der Hafenmeister, nein die Hafenpolizei persönlich, deutlich erkennbar an der dicken Pistole an seiner Seite. Falls man nicht folgt, wahrscheinlich….Angesichts dessen machen wir schleunigst kehrt und auch der Ami holt eilig seine Ankerkette hoch, da steht das Ungetüm von Fähre auch schon vor der Bucht. Nichts wie weg aus diesem Mauseloch! Bloss wohin? Der Törnführer ist äußerst mager, also suchen wir selbst an der Küste. Messen die Tiefe, lasen den Anker fallen, holen ihn wieder auf, weil er nicht hält…aber endlich doch. Ein nettes Plätzchen mit Blick wie n der Toscana – auf Zypressen, Wald, Villen…Nicht schlecht. Das Wasser ist auch sauber, es ist ruhig – was wollen wir mehr…