Immer wieder Samos!

Es ist der23. Juli und Peter hat Geburtstag. Vielen Dank für alle Glückwünsche!

Wir sind gestern in den Hafen von Pythagorion umgezogen und haben Effi, Manoli und Iannis überrascht. Sie haben sich ebenso wie wir riesig über das Wiedersehen gefreut – bei Effi und Manoli haben wir unser Hochzeit gefeiert, wie viele wissen. Seitdem haben wir uns nicht mehr gesehen.

Es ist zwar sehr nett, nah am Geschehen, in Pythagorion zu sein, dieser kleinen, charmanten Stadt mit den netten kleinen Läden und den vielen Kneipen am Hafen. Wenn man aber genau vor den vielen Kneipen liegt, ist der Geräuschpegel entsprechend – und entsprechend lange. Wir haben wenig geschlafen…

Dafür ein wunderbares Geburtstagfrühstück bei Effi bekommen. Und uns ein Auto gemietet und sind um die Insel gefahren. Hatte ich gesagt, nie wieder Samos? Ich nehme alles zurück.

So eine schöne Insel! Zypressen, Weinberge, Olivenhaine, zerklüftete, einsame Buchten mit türkisfarbenem Wasser, karge Berge – Samos hat alles.!

Leider sind die Touristen weggeblieben, die Berichte über Flüchtlingsströme haben die

Zahlen um 40% sinken lassen. Das hat Samos nicht verdient! Also, geneigte Leserinnen und Leser, falls Ihr noch keine Urlaubspläne habt: Samos!!! Vor allem der Norden ist traumhaft, Kokkari!!! Da scheint die Zeit stehengeblieben zu sein.

Ich glaube, der nächste Segeltörn von Samos wird mal ohne mich stattfinden…ich werde Bücher und Wanderschuhe schnüren…!!

Peter ist sogar in einer Bucht Baden gegangen! Nicht vom Boot aus! Und wir haben am Strand gelegen!!! Mann wird eben doch älter…:-))))

 

 

Nie wieder Samos!

Wir starten spät von Kos. Zum einen meinen wir, wie uns beim Einklarieren gesagt wurde, wieder Ausklarieren zu müssen (werch ein IIltum), zum anderen fiebere ich der ZEIT entgegen, in der Hoffnung, mehr über die Hintergründe des Putsches in der Türkei zu erfahren, (auch dies ein Irrtum), und die gibt es ab 9:00 im Zeitungsladen am Marktplatz.

Danach müssen wir noch das Boot sauber machen, alles festzurren, tanken…um 11:30 kommen wir endlich los. Richtung Leros., 25 sm. Das sind ca. 40 km. Keine große Sache.

Der Wind ist vielversprechend – 4 bis 5 Beaufort.

Aber er kommt direkt von Nordnordwest. Und da liegt Leros. Das heißt, wir müssen kreuzen. Und das ergibt die doppelte Strecke. Mindestens 40 sm also.

Noch dazu haben wir Wellen, die noch vom stärkeren Wind des Vortages kommen. Und die bremsen. Wir stampfen also mühsam voran.. Und überlegen uns, das Elend auf einer Backe, das heißt auf einem Bug, zu beenden und direkt nach Samos durchzusegeln, das wäre unsere übernächste Etappe gewesen. Nach Samos sind es nach Kartenlageca. 40 sm, auf unserem Kurs fast direkt zu erreichen. Ein guter, ja geradezu genialer Gedanke, finden wir.

Doch wir die Rechnung ohne den Wind gemacht. Der hält uns zum Narren. Wir reffen, reffen aus, reffen erneut…und kommen kaum vom Fleck. Um 17 Uhr sind wir noch auf Höhe von Leros. Egal, wir ziehen durch.

Um halb 8 sind wir auf der Höhe von Agathonisi. Und da verlässt uns der Wind. Das gefürchtete Windloch – wir oft sind wir an dieser Stelle schon reingefallen…

Wir dümpeln eine halbe Stunde, dann frischt der Wind endlich auf. Und wird zum Starkwind. 35 Knoten, da wird generell Sturmwarnung gegeben. Wir wollen schleunigst reffen und müssen dafür in den Wind gehen, da kommen uns zwei Schlepperverbände mit riesigen Fischfarmen im Schlepptau in die Quere. Die müssen wir durchlassen. Wir fallen ab vom Wind. Es kachelt, wie der Segler sagt, ohne Ende. Wir kämpfen.

Wir kommen weit ab vom Kurs. Fahren eine Wende, um wieder Land zu gewinnen. Aber der Wind hat gedreht und wir landen auf fast exakt dem gleichen Punkt, an dem wir eine Stunde vorher waren. Mittlerweile ist es dunkel.

Da reicht es uns nun doch und wir werfen den Motor an. Und brettern 12 sm bei fast 8 Beaufort gegen Wind und Wellen. Es ist die Pest! Segeln, fluche ich, ist nur was für Masochisten! Segeln, meint Peter, ist schön! Und dies halt  – Samos.

Es ist 23 Uhr, als wir in der Bucht von Pythagorion den Anker schmeißen. Hinter uns geht der Mond als roter Ballon auf, vor uns sieht man die Lichter der Kneipen im Ort, auf der anderen Seite, in der Ferne, die der Türkei. Und auf einmal ist es als hätten wir alle Segelqualen nie gehabt. Es ist schön! Also doch wieder – Samos? Nur nie wieder im Juli!

 

Bastelarbeiten

Die Tage in Kos nutzen wir zum Aufrüsten. Drei riesige Pakete haben wir hierher geschickt, darin enthalten: watermaker, Kompressor, Converter, um aus 12 Volt 220 zu machen und diverse andere Materialien. Ich weiß nicht, wie Segler das machen, die keinen so technisch versierten Menschen an Bord haben…Peter sitzt, hockt, hängt abwechselnd über Salonbett, Badezimmerschrank, Küchenunterbau, sägt, schraubt, montiert – mir wird schon anders, wenn ich die Anleitung sehe: Lassen sie dieses Teil nur von einem Fachmann installieren – Lebensgefahr! Peter ist der Fachmann- jedenfalls haben wir weder Kurzschluss noch Unfall bis jetzt gehabt.

Ich habe immerhin Schlauchschellen nachgerüstet, nachdem ich in Versicherungsberichten gelesen hatte, dass die häufigste Ursache dafür, dass Yachten sinken, keine Zusammenstöße mit anderen Booten, Containern oder Walen  sind, sondern abgegangene Schläuche…Das wollen wir ja nun nicht.

Unser Bot ist jedenfalls mal wieder Baustelle, aber dafür super ausgerüstet – bestimmt!

Aber wir arbeiten nicht nur!

Wir haben uns Fahrräder geliehen, für einen Appel und ein Ei. Kos ist eine Fahrradstadt! Mit ausgeschildertem, extra angelegtem Radweg rundum die Altstadt. Da könnte sich manch unserer Städte ein Beispiel nehmen…

Wir radeln am Meer entlang zu den Fischerbooten. Fisch ist leider schon ausverkauft bzw. reserviert. Also zum Fischhändler. Und anschließend etwas außerhalb zum Markt.

Da ist es zwar nicht so clean und poliert wie in der Markthalle in der Altstadt, aber viel netter. Und wir sehen Teile der Stadt, die wir sonst nicht kennengelernt hätten. Kos’sches Leben abseits des Tourismus eben.

 

Und ich muss Kos Gerechtigkeit widerfahren lassen: Kos ist eine hübsche Stadt! Ruinen, Baudenkmäler, Zeugnisse aus Jahrhunderten, die wie selbstverständlich verteilt sind. Moscheen neben byzantinischen Bauwerken neben christlichen Kirchen…Dazwischen Parks. Und nette Gässchen.

 

Und das Frauencafe! Bei jedem Besuch ein „Muss“. Alleinerziehende, arbeitslose, perspektivlose Frauen haben sich vor einigen Jahren zu einer kooperative zusammengeschlossen und das Cafe gegründet., in dem sie regionale, teilweise biologisch produzierte Spezialitäten anbieten. Zum Beispiel Tomaten, gespickt mit Nelken und gefüllt mit Mandeln, in Sirup eingelegt. Nein? Oh doch! Eine Offenbarung!

 

Abends radeln wir nochmal in die Altstadt auf ein Abschlussbier. Und sagen Tschüss. Morgen geht’s nach Leros!

 

 

It’s a long way…

…. eine passable Seglerin zu werden…!!!

Normalerweise schlafen wir auf dem Boot in Buchten wie ein Kind in der Wiege – es schaukelt sacht und der Wind weht uns in den Schlaf. Manchmal allerdings ist uns der Wind nicht so wohlgesonnen und dann…wie in Kos. Er hat gedreht, der Wind, und bläst uns kabbelige Wellen entgegen. Das Boot geht hoch und runter, hoch und runter, jeweils um die 1,50 Meter. Ich weiß, es gibt Menschen, die für so ein Vergnügen viel Geld in Rust bezahlen -ich hasse es. Das Frühstückmachen wird zur Akrobatiknummer. Alles, was rutschen kann, rutscht, immer muss man sich festhalten, aufpassen, dass der Kessel auf dem Herd bleibt…bäh. Wind und Wellen zerren an den Nerven.

Vielleicht liegt es daran, dass ich  buchstäblich durch den Wind bin. Die ersten Regattaboote laufen aus der Marina aus und üben und damit wir nicht mit den Teilnehmern verwechselt werden, setzen wir einen Ankerball, der anderen Seglern signalisiert: Die segeln nicht, die liegen vor Anker. Im Tran suche ich nach dem richtigen Tau , löse eins, lasse es dann aber, weil zu kurz, liegen. Kurz darauf macht mich mein sanftmütiger Mann vorsichtig darauf aufmerksam, dass der Baum hängt…die „Dirk“!

Zum Verständnis: Das Großsegel sitzt quasi auf einem Baum, der am Mast hängt. Ist das Segel geborgen, wird der Baum von der „Dirk“ gehalten. Wird das Segel gesetzt, kann die „Dirk“ (liebe Freunde in der Weinbergstrasse, sie heißt wirklich so!) gelöst werden. Wird die Dirk gelöst, ohne dass das Segel gesetzt ist, fällt der Baum – und kann den, der darunter steht, böse verletzen. Ich habe also die Dirk gelöst… Mein Albtraum. Vielleicht sollte ich doch lieber golfen gehen? Oder Strümpfe stricken??? Oder selbst die Segel setzen, damit ich die Taue und Falle und wie sie alle heißen, nicht mehr durcheinander bringe…

Zum Glück startet die Regatta und das Schauspiel verdrängt selbstzerfleischende Vorwürfe.

Über 60 Boote, Rennziegen, aber auch normale Bavarias und Benetaus (das sind sozusagen die Renaults und VWs unter den Booten) machen sich warm.

Dann fällt der Startschuss. Und die Boote schießen los. Selbst in der ziemlich großen Bucht kommt es zu gefährlichen beinahe-Zusammenstößen bei Manövern. Auch wir bleiben nicht unverschämt, als uns ein italienisches Boot fast rammt – der Skipper hatte uns nicht gesehen! In letzter Minute drehen sie lachend ab.

Die Boote haben eine Schräglage, die wir Warmduscher und „Flautensegler“, wie Peter lästert, niemals fahren würden. Aber zum Zugucken ist es toll.

Eine Stunde haben sind auch die letzten Nachzügler die Startlinie passiert und wir können in die Marina einlaufe. Platz ohne Ende! Und endlich wieder eine ruhige Nacht!

Kos

Nun also Kos. Wir ankern in Nähe der Strandpromenade, gehen schwimmen und paddeln an Land, um in der Stadt herumzubummeln. Kos gefällt mir nicht. Zu clean, zu „zivilisiert“, zu ich weiß nicht was. Ungerecht, Kos hat so viel Geschichte! Und Kultur! Mir egal, ich vermisse Marmaris. Dazu kommt, dass wir beide noch etwas geschlaucht sind, nicht nur wegen des langen Ritts (70 Meilen) gestern. Die Ungewissheit, die schlechten Nachrichten gehen uns nahe. Wir hängen einen Tag mal ab.

Versuchen, einen Tag früher in der Marina Platz zu bekommen. Keine Chance, am nächsten Tag startet eine Regatta nach Rhodos. Die Marina ist komplett belegt und die Mitarbeiter ziemlich am Ende. Unverrichteterdinge ziehen wir ab, da kommt uns eine strahlende junge Frau entgegen. Layla von der Marmaris Marina! Die kleine, zarte, entzückende Layla fährt bei der Regatta mit! Wir fallen uns abwechselnd in die Arme und freuen uns einfach, uns nochmal zu sehen.

Manfred Schmitt, ein leider verstorbener Kamerakollege, der, bedingt durch seine Arbeit, viele Menschen getroffen hat, Manfred hat einmal gesagt, er habe ein Art inneres Album, in dem er alle Menschen mitnimmt, denen er alles Gute der Welt wünscht. Was für ein schönes Bild! In unserem Album hat Layla einen festen Platz!

 

 

Es herrscht Ruhe im Land

Am Morgen danach scheint sich die politische Lage beruhigt zu haben. Adamik ist noch da und meint locker, er habe es doch gewusst…Wir sind nicht so locker und wollen das Land so schnell wie möglich verlassen. Über Datca? Da erwarten wir am ehesten Unruhen. Aber ob das ausklarieren klappt? Es wollen bestimmt viel weg…Also doch nach Bodrum. Das erscheint uns zwar nicht so sicher, Bodrum ist groß, es gibt da viele öffentliche Plätze, die wir eigentlich meiden wollen, aber es ist der direkte Weg…Bodrum also.

Der Wind ist okay und das Segeln könnte so schön sein, hinge nicht die Besorgnis wie eine schwere Wolke über uns. Was wird aus dem Land? Was aus den Menschen, die wir kennen und mögen?

Vor Bordrum liegt die Kriegsmarine – da, wo immer ein Kreuzfahrtschiff geparkt wurde.

In der Stadt scheint alles ruhig zu sein, fast ernst. Am Wochenende ist es dort voll, laut, fröhlich – diesmal irgendwie anders, aber vielleicht bilden wir uns das auch ein.

Wir besorgen uns einen Agenten zum Ausklarieren. Das geht leider nicht anders, kostet einen Haufen Kohle, aber die Türkei will es so. Normalerweise hatten wir immer auf ihn im Cafe gewartet, nebenbei das Leben am Kai beobachtet. Diesmal werden wir in ein Büro geleitet und müssen da ausharren. Damit nicht genug, müssen wir zum Zoll! Das hat es noch nie gegeben und ist kompletter Blödsinn, aber uns bleibt nichts anderes übrig, als das Boot zu holen und vor dem Zollamt anzulegen. Das dauert alles seine zeit, es ist heiß und überaus unerfreulich. und dann will der Zollbeamte noch nichtmal an Bord! er hat das boot aus dem Fenster gesehen, das reicht ihm. Zähneknirschend legen wir wieder ab, nicht ohne wenigstens einen Raki im Dutyfree zu kaufen.

Das Procedere schmeißt unsere Pläne mal wieder über den Haufen. Wir hatten noch einen Abend in Bodrum verbringen, essen gehen wollen in den wunderbaren Kneipen am Strand, die live-Musik haben, von Muschelverkäufern besucht werden, die ihre Tabletts mit Meeresfrüchten auf dem Kopf tragen…Nix. Und eigentlich hatten wir uns auch die Nacht noch in einer türkischen Bucht verstecken wollen, bevor wir nach Griechenland gehen. Das lassen wir nun lieber bleiben. Wenn sie uns schikanieren wollen, ist das ein gefundenes Fressen.

Also legen wir ab Richtung Kos. Der Wind kommt von vorn, wir Motoren und bekommen regelmäßig einen Schwall ab. Wir könnten die Sprayhood spannen, um uns zu schützen. Aber zum einen ist es schon immer so gewesen, das wir auf dem Weg zu den griechischen Inseln „getauft“ werden. Zum anderen entspricht das genau unserer Stimmung.

Bei Sonnenuntergang kommen wir in Kos an. Es gibt Spaghetti mit den letzten türkischen Tomaten. Und ich könnte heulen…

 

16.7. – Der Albtraum

Wir schlafen tief, als Peters Handy klingelt. Halb ein Uhr nachts? Das verheißt nichts Gutes.

Es ist Hans-Werner.Ob wir nichts mitbekommen hätten? In Ankara und Istanbul stünden Panzer auf der Strasse, das Militär würde putschen.

Wir stehen senkrecht im Bett. Von draußen scheinen sich Menschen um Radios und ihre Smartphones zu sammeln, Reportagefetzen dringen zu uns, von denen wir natürlich nichts verstehen.

Wir schnappen uns Dinghi und Laptop und gehen an Land. Uns kommen drei Segler entgegen, die mitten in der Nacht auslaufen – das ist merkwürdig.

Bei „Adamik“ sind noch ein paar Menschen wach. Internet? „Not working“. Gesperrt? Das klingt ernst.

Kurz darauf geht es doch, wenn auch langsam, und wir rufen Spiegel und ARD abwechselnd auf. Es klingt absolut bedrohlich, was wir lesen. Ausnahmezustand, Ausgangssperre, Tote. Hans-Werner und Sebastian bringen uns per Handy auf den neuesten Stand. Ich versuche vergeblich, das Auswärtige Amt zu erreichen.

Adamik will uns beruhigen. Im Ausnahmezustand würde die Gendarmerie die Lokale schließen – aber sie hätten doch noch offen! Und versucht zu scherzen: Er wäre der Sohn der Familie, der im Kriegsfall einberufen würde, wenn er also morgen um 10 noch da wäre – keine Gefahr. Dabei zittert seine Hand.

Auch türkische Gäste winken beruhigend ab. Wahrscheinlich mal wieder ein Coup von Erdogan selbst, damit könne er richtig gegen Kritiker und das Militär durchgreifen und stünde dann als Held da. Wir zweifeln…

Im Ort sonst ist sonst absolut nichts zu spüren. Keine Polizei, kein Militär, alles normal. Irgendwann gehen wir dann höchst besorgt und angespannt ins Bett…

 

 

15.7. – Bei Lichte betrachtet…

…bekommt Datca doch noch eine Chance. Wir sind erstaunt über die vielen netten Kneipen. Da hätten wir doch essen gehen können…! Naja, war halt nichts.

Vollends begeistert bin ich, als wir in die Hauptstrasse einbiegen. Teppiche!!! Einer schöner als der andere. Ohrringe! Ringe! Armbänder!!!

Meine Hirnhälften ringen heftig miteinander. Zum Glück siegt die Stimme der Vernunft rsp. Bordkasse. Obwohl – schade eigentlich…

Wir legen ab Richtung Palamut Bükkü. 15 sm, eigentlich also höchstens drei Stunden, aber der Wind steht gegen uns und wir kreuzen uns zu Tode. Und motoren das letzte Stück.

Palamut Bükkü ist das Gegenstück zu Datca. Klein, überschaubar, einfach nur nett. In der Bucht kann man gut ankern und schwimmen, wir beschließen, zwei Tage zu bleiben.

 

 

Wir haben einen Plan…

…und irgendjemand muss sich köstlich darüber amüsieren.

Unser Plan sieht so aus: auf Wunsch einer einzelnen Dame nach Palamut Bükkü segeln, von da aus um Knidos in den Gökovagolf, den wir noch gar nicht kennen, dann nach Bodrum und am 18. nach Kos. Da haben wir ab dem 19. reserviert, doch die Wetterkarte sieht ab dem 18. abends auf Alarmstufe gelb, sprich: Es gibt galewarning, die Vorstufe der Sturmwarnung. Nichts, was sich nicht bewältigen ließe, und der Weg von Bodrum nach Kos ist kurz, aber auch nichts Angenehmes, Montag ist der Wind noch friedlicher. Ein guter Plan.

Wir starten spät ab Bozburun.

Erstmal kaufen wir Brot, selbstgebacken von der Mutter des Ladenbesitzers, wie dieser glaubhaft versichert. Tomaten, die diesen Namen auch verdienen, Gurken, saftig, knackigen Salat…und dann beherrschen wir unseren Kaufrausch, weil wir soviel dann doch nicht essen.

Peter möchte noch ins Männerparadies, das ist nicht das, wonach es klingt, sondern ein Laden mit Schräubchen, Mütterchen, Schäkeln, Farben, Tauen, kurz allem, was Bastler glücklich macht. Peter braucht einen Stiel, damit unser Sonnendach nicht mehr einfällt.

Allein der Laden und die Strasse sind einen Besuch wert, hier reiht sich Handwerksladen an Handwerksladen, dazwischen zeigt der Metzger sein ganzes Lamm im Schaufenster, bietet der „kuaför“ seine Dienste an.

Ich möchte noch zur Post, Briefmarken kaufen, weil ich – old school – gerne Postkarten verschicke. Die müssen allerdings noch geschrieben werden, da bietet sich das Kahve an der Hafenstrasse an, in dem die alten Kapitäne sitzen und schmöken.

Danach ist es 12, bis wir loskommen. Alles funktioniert. Der Wind verspricht, perfekt zu werden. Noch aber sind wir unter Motor, bevor wir die Fock setzen. Ein Boot will uns schneiden, wir geben kräftig Gas, um vorbeizukommen, da leuchtet unser berüchtigtes rotes Lämpchen wieder. Oh nein! Wir stoppen den Motor sofort und holen die Fock raus. Phh, wir segeln sowieso. Blöde Lichtmaschine.

Es lässt sich gut an. Wunderbarer Wind,. 5 Knoten Fahrt machen wir, das ist okay. Alles gut. Peter hängt über dem glühendheißen Motor und versucht, den Fehler zu finden. Nichts.

Dann wird es flauer, der Wiund nimmt ab. 4 Knoten. Immer noch okay.

Wenig später: 3,8 kn, 3,5, kn, 2,7 kn. Es wid schon enger.

Irgendwann stehen wir ganz. 0,4 Knoten machen wir noch. Wagen aber nicht, den Motor zu starten. Die Windfrontvor uns ist sichtbar! Eine Viertelstunde noch, dann haben wir ihn! Doch wir kommen und kommen nicht vorwärts.

In unserer Not rufen wir Emre an, der meint, ohne Lichtmaschine zu Motoren sei keinProblem. Also – endlich Motor an. Wir haben den Wind fast erreicht, sind froh, dass der Motor rsp. Lichtmaschine gehalten haben, da geht das berühmt-berüchtigte Lämpchen aus…irgendjemand will uns hier zum Narren halten!

Wir haben den Wind endlich erreicht. Und reffen kurz darauf.

Hat mal jemand von der Freiheit des Segelns erzählt? Bullshit!

Ohne weitere Vorfälle segeln wir nach Datca.

Datca hat uns eigentlich immer ganz gut gefallen, eine kleine türkische Stadt, überschaubar, normal. Diesmal finden wir keinen Zugang. Datca ist sehr voll, in der Türkei sind Ferien und alle drängt es an die Küste. Nach dem beschaulichen Bozburun ein regelrechter Kulturschock.

Wenig später kommen Emres Mannen, um sich der Lichtmaschine erneut anzunehmen. Sie basteln und basteln, verbringen zwei Stunden im Motorraum und kommen zu der Erkenntnis, dass unser „Sterling“, ein „booster“, der die Energie in den Batterien regelt, eine Macke hat. Na super.

Erledigt schlendern wir nochmal durch den Ort. Eigentlich wollten wir selber kochen (die Bordkasse!), aber wir haben keine Lust mehr. Also suchen wir eine nette Kneipe. Und finden nichts, was uns anmacht. Zu voll, zu laut, zu…und überhaupt. Mehr aus Erschöpfung als aus Überzeugung landen wir in einer kleinen Lokanta, die Küche wohnzimmergroß, davor sechs kleine Tische. Mehr nicht. Eigentlich haben die einen guten Ruf, aber unser Wrap ist nicht der Hit und vor allem Peters Adan kebap entpuppt sich als zwei kleine wenig schmackhafte Hackfleischröllchen auf einer halben Pide.

Dieser Tag lief irgendwie nicht so ganz, wie wir gedacht hatten…

 

 

 

 

 

 

Endlich…

…ein schöner Segeltag, wie er sein sollte. In der Bucht von Bozzukale schwimmen wir noch vor dem Frühstück, schnorcheln…das ist traumhaft und entschädigt immer wieder für nicht so schöne Segelerlebnisse.

Dann holen wir den Anker hoch und nehmen Kurs auf Bozborun. Der Wind ist wunderbar, nicht zu stark, wir erreichen Rumpfgeschwindigkeit (die, die unser Schiff je haben kann): Das sind 7,3 kn. (Für Nichtsegler: ca. 12 km/h… )Sogar Ich juchze, obwohl wir wieder „Kante“ segeln. Das liegt vielleicht auch an der Musik von Thomas, die unheimlich beflügelt und Spaß macht.

Das Vergnügen ist leider von nicht allzulanger Dauer- sobald wir ums Eck biegen, schläft der Wind ein. Tapfer dümpeln wir mit 4 kn dahin (wir haben ja Zeit), bis es uns reicht und wir doch motoren. Wir ankern vor Bozborun, einem kleinen Städtchen, in dem wir schon öfter und gern waren. Dominiert wird es von einer Moschee, drumrum sitzen Männer, die Tee trinken und Tavla spielen, aber es ist ein freundlicher, weltoffener Ort mit nicht allzuviel Touristen. Bloss heiß!!!

Abends gehen wir essen – in ein Restaurant mit dem einfallsreichen Namen  „Bozburun’s“. Der „Manager, wie er sich selber nennt, spricht fließend deutsch, er hat 35 Jahre in Hamburg gelebt. Das ist für uns eigentlich eher ein Argument, nicht in die Kneipe zu gehen, aber uns locken die Auslagen.

Wir speisen, nein schlemmen: mit Reis und Korinthen gefüllte Zucchiniblüten, grüne Blätter (wahrscheinlich Potulak) in Joghurtsauce, Humus, der etwas trocken ist, aber nussig und mal richtig nach Kichererbsen schmeckt, zarteste Auberginen, Zucchini, Zwiebeln, Bohnen in pikanter Tomatensauce, getrocknete Pfifferlinge auf Joghurtsauce, Algen, in Knoblauch angemacht…es ist köstlich.

Satt und zufrieden bummeln wir noch durch den Ort. Es ist 10 Uhr abends, doch auf dem Spielplatz spielen Kinder, spielen Väter mit ihren Sprösslingen Fußball, beschäftigen sich Omas mit dem Nachwuchs. Es ist sehr friedlich. Und so fallen wir dann auch ins Bett…