Es herrscht Ruhe im Land

Am Morgen danach scheint sich die politische Lage beruhigt zu haben. Adamik ist noch da und meint locker, er habe es doch gewusst…Wir sind nicht so locker und wollen das Land so schnell wie möglich verlassen. Über Datca? Da erwarten wir am ehesten Unruhen. Aber ob das ausklarieren klappt? Es wollen bestimmt viel weg…Also doch nach Bodrum. Das erscheint uns zwar nicht so sicher, Bodrum ist groß, es gibt da viele öffentliche Plätze, die wir eigentlich meiden wollen, aber es ist der direkte Weg…Bodrum also.

Der Wind ist okay und das Segeln könnte so schön sein, hinge nicht die Besorgnis wie eine schwere Wolke über uns. Was wird aus dem Land? Was aus den Menschen, die wir kennen und mögen?

Vor Bordrum liegt die Kriegsmarine – da, wo immer ein Kreuzfahrtschiff geparkt wurde.

In der Stadt scheint alles ruhig zu sein, fast ernst. Am Wochenende ist es dort voll, laut, fröhlich – diesmal irgendwie anders, aber vielleicht bilden wir uns das auch ein.

Wir besorgen uns einen Agenten zum Ausklarieren. Das geht leider nicht anders, kostet einen Haufen Kohle, aber die Türkei will es so. Normalerweise hatten wir immer auf ihn im Cafe gewartet, nebenbei das Leben am Kai beobachtet. Diesmal werden wir in ein Büro geleitet und müssen da ausharren. Damit nicht genug, müssen wir zum Zoll! Das hat es noch nie gegeben und ist kompletter Blödsinn, aber uns bleibt nichts anderes übrig, als das Boot zu holen und vor dem Zollamt anzulegen. Das dauert alles seine zeit, es ist heiß und überaus unerfreulich. und dann will der Zollbeamte noch nichtmal an Bord! er hat das boot aus dem Fenster gesehen, das reicht ihm. Zähneknirschend legen wir wieder ab, nicht ohne wenigstens einen Raki im Dutyfree zu kaufen.

Das Procedere schmeißt unsere Pläne mal wieder über den Haufen. Wir hatten noch einen Abend in Bodrum verbringen, essen gehen wollen in den wunderbaren Kneipen am Strand, die live-Musik haben, von Muschelverkäufern besucht werden, die ihre Tabletts mit Meeresfrüchten auf dem Kopf tragen…Nix. Und eigentlich hatten wir uns auch die Nacht noch in einer türkischen Bucht verstecken wollen, bevor wir nach Griechenland gehen. Das lassen wir nun lieber bleiben. Wenn sie uns schikanieren wollen, ist das ein gefundenes Fressen.

Also legen wir ab Richtung Kos. Der Wind kommt von vorn, wir Motoren und bekommen regelmäßig einen Schwall ab. Wir könnten die Sprayhood spannen, um uns zu schützen. Aber zum einen ist es schon immer so gewesen, das wir auf dem Weg zu den griechischen Inseln „getauft“ werden. Zum anderen entspricht das genau unserer Stimmung.

Bei Sonnenuntergang kommen wir in Kos an. Es gibt Spaghetti mit den letzten türkischen Tomaten. Und ich könnte heulen…

 

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