Bermuda

23.5.2017

Um drei Uhr morgens, ich habe Nachtwache, entdecke ich in weiter Ferne die ersten Lichter on Bermuda. Den wandernden Spot des Leuchtturms, diffuse Lichtquellen wie von Ufos knapp über dem Wasser. Wie immer ist das ein sehr bewegender Moment – Land in Sicht!

Neben mir gibt es einen undefinierbaren Laut, und man ist auf einem Boot besonders hellhörig, wen es um ungewohnte Geräusche geht. Ich lasse den Blick schweifen und erblicke neben auf dem Achterdeck neben dem Dinghi – eine Möwe. Ich habe sie nicht kommen hören. Sie kauert, vielleicht muss sie sich erholen, die Arme. Langsam fasst sie wohl Zutrauen, sie watschelt schwerfällig näher, vielleicht ist ein Bein verletzt, lässt sich auf meiner Decke nieder. Nicht so gut, sie hinterlässt deutliche Spuren….Und versucht dann auch noch, ins Bootsinnere zu fliegen. Das ist denn doch zu viel, ich hole den Käpt’n zu Hilfe, und bewaffnet mit Handschuhen wirft er sie zum Flug – und sie fliegt. Hoffentlich übersteht sie es…

30 Meilen vor Bermuda soll man eigentlich Bermuda Radio anfunken. Da ist noch tiefschwarze Nacht, ich funke erst 17 Meilen davor, als das Ende der Insel in Sicht ist. Freundlich werden wir gebeten, auf „standby“ zu bleiben. Bermuda Radio ist schwer beschäftigt, viel Boote verlassen das eiland, der wind steht günstig für die Überfahrt auf die Azoren. Wir hören den Funkverkehr mit….die Arwen geht, die Freya, alles Namen, die wir von der Überfahrt her kennen. Und die Anima! Martin geht! Ach, wie schade. Wir hatten gehofft, ihn hier zu treffen. Es schließt sich ein Kreis, von Mindelo auf den Kapverden bis hierher. Und ich alte Heulsuse bekomme einen dicken Kloss im Hals.

Endlich werden wir von Bermuda Radio empfangen und in die Einfahrt geleitet. Wir müssen sofort zu „Customs and Immigration“, dürfen nicht ankern, sondern dort seitlich anlegen.

Der Steg allerdings ist voll, und so ankern wir dennoch.

Gehen mit dem Dinghi an Land und harren der Verhöre, die dort vermutlich auf uns warten – die Einreisebestimmungen sind drastisch, wir haben uns im Voraus schon online anmelden müssen.

Am Schalter schießt uns eine freundliche, warme, mollige Hand entgegen. „Willkommen auf Bermuda“, empfängt uns die Officer (wie ist da die weibliche Form?) freundlich, gibt uns ein paar Formulare, füllt selber eines aus. Das gabs noch nie.

Wir brüten. Was soll eine Crew, die ein paar Wochen Überfahrt vor sich hat, ankreuzen, wenn sie gefragt wird, ob sie frische Lebensmittel, Käse, Obst, Gemüse an Bord hat?
„Nein“, natürlich.

Verschreibungspflichtige Medikamente? Rezepte sind einzureichen! Wir denken an Freundin und Ärztin Christine, kreuzen hinter dem Rücken die Finger und auf dem Zettel „Nein“ an.

Etwas zu verzollen? Niemals. Alle Rumflaschen sind angebrochen und unser Weinkeller ist leider sowieso fast leer, mal ganz abgesehen davon, dass ganz sicher keine einzige Flasche dieses Boot verlassen wird.

Zwischendurch schneit ein besonders eifriger Officer herein, der petzt, dass wir ankern! Soll er an Bord gehen (was Gott verhüten möge…)? „Ich hab’s ihnen erlaubt“, bescheinigt ihm Officer C. kurz. Damit sind wir entlassen, fast entlassen. Wir fragen noch nach dem morgigen Bermuda Day und sie strahlt. Da müssen wir unbedingt hin! Spricht’s, sucht etwas und drückt uns einen Reiseführer in die Hand. Können wir behalten. Wir sind sprachlos, es reicht noch grade für ein aufrichtiges „Thank you very much“.

Dann sind wir draußen. In einer unwirklichen Umgebung.

St. Georges. Weltkulturerbe. Kleine, niedrigstöckige, entzückende, skandinavisch (Bermuda ist britisch) anmutende Häuser, wie Pippi Langstrumpf entsprungen. Oder wie den Weihnachts-Unicef-Karten. Nur dass hier statt Tannenbäumen Palmen wachsen.

Wir werden es erkunden. Jetzt gehen wir erstmal ins Bett. Eine Halbe Stunde Nachmittagsnickerchen wollen wir uns gönnen. Nach vier Stunden komatösen Schlafs wachen wir wieder auf…

Still liegt die See

21.5.2017, 28 Grad, 39,7 N, 65 Grad, 23,7 W

Noch immer ist es ruhig auf dem Meer, keine Wellen, kaum Wind. Sehr angenehm, wenn man davon absieht, dass wir motoren müssen…

Zwischendurch dümpeln wir wieder. Wir haben ausgerechnet, dass wir mit einem Geschwindigkeitsschnitt von 5 Meilen pro Stunde sehr früh morgens auf den Bermudas ankämen – und das wär nicht so gut. Also – trödeln. Nichts lieber als das. Lesen, aufs Wasser schauen, Nichtstun. Ausnahmsweise ist mal nichts zu reparieren, und dem Motor zuzuhören, ist ein Genuss. Keine Angst mehr, dass er stehen bleibt!

Der Tag geht trotzdem sehr schnell rum, genauso wie die Nacht. Die Nachtwachen haben ihren Schrecken verloren, meist gehe ich als erste ins Bett und löse Peter gegen 1:30 ab. Da so gut wie nichts auf dem Ozean los ist (einen Tanker haben wir gesehen), gönnen wir uns auch während der Wache auf Deck ein Nickerchen. Gesteuert wird ja mit der Windsteueranlage. Wir stellen die Uhr im Halbstundenrhythmus, schauen dann auf den Plotter, ob ein Schiff in Sicht, ob eines am Horizont, korrigieren gegebenenfalls den Kurs – und nickern weiter. So sind wir ziemlich entspannt!

Und die Nachtwachen machen regelrecht Spaß.

(Das Foto zeigt zur Abwechslung mal einen Sonnenaufgang!!!)

„Und am 7. Tag sollst du ruhn…“

Irgendwo auf dem Nordatlantik bei 28 Grad 39,7 N, 65 Grad 23,7 W

Sprach der Herr. Und das Meer gehorchte. (so oder so ähnlich aus der Bibel…)

Es ist Sonntag, und der Wind hat sich gelegt.

Schon in der Nacht ist er auf 12 Knoten zurückgegangen und hat uns leise 3 Knoten Fahrt beschert. Viel zu wenig eigentlich, aber uns ist es grade recht. Die Wellen plätschern leise, wir dümpeln, endlich wieder entspannen!

Es ist schon erstaunlich, wie unsere Geschwindigkeits-Toleranzgrenze sich wandelt. Waren früher 6 Knoten Fahrt normal, 5 schon an der Grenze des Erträglichen, seit dieser Woche sind 4 akzeptabel, geben wir uns mit 3 und sogar kurzfristig noch weniger Knoten zufrieden (3 Knoten sind etwas 5 Stundenkilometer…)

Da die Wellen sich auch beruhigt haben, genießen wir einen ruhigen Tag. Es gibt wieder Frühstück! Ein Sonntagsfrühstück mit allem Pipapo.

Ich verfeinere meinen Eintopf zu einer essbaren Minestrone.

Wir können endlich wieder auf dem Heck duschen!

All diese kleinen Alltäglichkeiten, daheim selbstverständlich, wissen Blauwassersegler zu schätzen. Und das ist vielleicht auch das Gute an so einem Törn…

„Diese verdammte Seglerei“…

19.5. 2017, Atlantik, 26 Grad, 39 N, 65 West

…knurre ich zwischen zusammengebissenen Zähnen, ganz leise, damit mein Mann es nicht hört. Und schwöre mir einmal mehr, so schnell kein Segelboot mehr zu betreten, sobald wir Zuhause sind…

Die Wellen sind wieder hoch, kabbelig, unberechenbar, donnern heftig an den Rumpf, schleudern ihn von einer Seite auf die andere. Laufen ist nur im Krebsgang möglich, das Frühstück und auch unsere heilige Teestunde am Nachmittag lassen wir ausfallen, es macht keinen Spaß bei dem Seegang.

Wir durchqueren ein Regengebiet nach dem anderen. Tiefe, schwarze Wolken entladen sich und bringen Windsprünge von bis zu 6 Knoten mit sich, aus machbaren 17 werden schnell 23 Knoten, die zum schnellen Reffen bzw. Segelbergen auffordern – um eine halbe Stunde später wieder auf 15 Knoten zurückzufallen und uns erneut die Segel setzen lassen, damit wir schnell hier raus kommen. So geht das den ganzen Tag.

Richtig schlecht wird meine Laune allerdings, als ich abends kochen will. Minestrone. Nun ist die Idee zugegebenermaßen ziemlich idiotisch, bei dem Wetter einen Eintopf zaubern zu wollen, der nach geschältem, kleingeschnittenem, nacheinander gegartem und dann auch noch gut abgeschmecktem Gemüse verlangt. Aber wir waren so froh, Frisches zu bekommen, dass das jetzt sein muss. Der Herd ist kardanisch aufgehängt, d.h. sein Inhalt bleibt eigentlich in der Waage. Doch der Topf kippt so stark und ist so voll, dass ich befürchte, dass das Kochendheiße überschwappt, ich mich kaum an ihn herantraue und ein halbgares, fades Abendessen serviere, von dem sogar mein nachsichtiger Mann meint, er wüsste ja, ich könnte das besser. Danke, Käpt’n. Aber dafür wäscht er ab…

Einschaukeln

18.5. 2017, Atlantik, 22Grad 49 N, 64 Grad 36 W

So richtig toll ist es immer noch nicht mit dem Wetter, wir haben uns die Wetterkarte wohl auch ein bisschen schön geredet. Es ist immer noch kabbelig. Wenn es mir zu bunt wird und ich nicht an Deck gebraucht werde, suche ich Zuflucht am Kartentisch – da kann ich mich gut abstützen – und spiele Solitaire auf dem Handy. Die Rettungsweste trage ich auf dem Foto allerdings nur, weil ich sie anprobiert habe. So schlimm ist es denn doch nicht…

Aber es ist definitiv das Ende der Barfußroute, wie man die Atlantiküberquerung in die Karibik auch nennt. Ich muss mir abends Socken holen! Die guten Guido-Westerwelle-Socken mit Stoppern an den Sohlen. Es ist saukalt!

Uns gelingt es zumindest, Regengebieten auszuweichen, die wie dicke Pilze über dem Meer hängen.

Angekommen…

…nur in Kürze, bald mehr mit Fotos und Infos von der Fahrt – wir sind gesund und naja, nicht grade munter -, auf Bermuda angekommen. Es ist schön! In Kürze mehr.

Überfahrt auf die Bermudas 1./2.Tag, 17./18.5.2017

Um 11 legen wir ab, wie geplant, nichts kommt mehr dazwischen.

Hangeln uns der gut betonnten Ausfahrt aus San Juan entlang, passieren die hübschen bunten Häuser der Altstadt, werfen einen letzten Blick auf das Castell – und dann sind wir im Atlantik, nicht mehr in der Karibik.

Eindeutig. Die Wellen sind höher, steiler, kabbeliger. Unsere Mägen müssen sich daran erst noch gewöhnen ich spiele Solitaire auf dem Handy und blende alles andere aus.

Immerhin schaukeln wir nicht mehr so wie bei der Hinfahrt. Der Wind kommt aus Osten, wir haben ihn also von der Seite, und das bedeutet, dass wir zwar mit Schräglage auf der Backbordseite segeln, aber mehr nach vorn und hinten schaukeln als von einer Reling auf die andere. Und wir haben ja mittlerweile gelernt, mit dem Geschaukel umzugehen.

Es ist grau. Nicht so schön. Wind um die 15 Knoten, wir setzen Großsegel und Fock, Vollzeug. Und machen mehr als 6 Knoten Fahrt. Nicht schlecht.

Es wird dunkel. Kein Schiff um uns herum,  grauer Horizont verschmilzt mit dunkelgrauem Meer.

Der Wind legt zu und wir beobachten angespannt, ob er sich über 20 Knoten bewegt, denn dann müssen wir reffen. Nachts, bei Dunkelheit und dem Geschaukel – Peter muss dafür vor an den Mast – keine gute Vorstellung. Zum Glück beruhigen sich Wind und Wellen, wir lassen die Segel, wie sie sind.

Die Nachtwache ist anstrengend. Eigentlich sollten wir noch etwas vom Mond haben, aber der versteckt sich hinter dicken Wolken. Wir segeln ins Nichts, nur der Plotter bestätigt uns, dass wir auf Kurs sind.

In den frühen Morgenstunden dann drei Frachter, die uns passieren. Wir sind doch nicht allein auf der Welt!

Und haben eine Nacht geschafft.

Am nächsten Tag schläft der Wind etwas ein. Wir segeln auf Halbwindkurs bei 13 Knoten mit 5 bis 6 Knoten Fahrt. Es ist so angenehm! Keine Wellen, kein Gegeige. Ach, könnte es so doch bleiben. Wir müssen ja nicht schnell ankommen. Lieber langsam, aber angenehm. Allerdings – sollte die Windfinder-Vorhersage zutreffen, erwarten uns am Dienstag, dem 24., 40 Knoten Wind auf den Bermudas! Bis dahin müssen wir im sicheren Hafen sein – oder ganz woanders und Richtung Azoren abbiegen.

Leider ist das Glück nicht von Dauer. Der Wind legt zu. Ordentlich. Dicke schwarze Wolken hängen  so tief über dem Meer, dass wir meinen, sie mit der Mastspitze berührenzu können. Sie bringen Wind. Viel Wind. Wir bekommen strammen Am-Wind-Kurs, höchst unangenehm. Und wieder starren wir auf den Windmesser – bleibt er unter 20 Knoten? Hoffentlich!
Irgendwann reicht es uns, wir gehen auf Halbwindkurs, der ist viel ruhiger. Auch wenn wir damit etwas vom Kurs abkommen.

Es ist stockfinster, kein Mond, keine Sterne, unsicher, wie sich der Wind entwickelt –nicht so angenehm. Wir trinken keinen Tropfen Alkohol. Kein Medallah-Bier, weil es regnerisch ist. Keinen Wein, zuviel Geschaukel. Keinen Sundowner, weil es eben keine Sonne gibt, keinen Painkiller, wir sind ja nicht mehr in der Karibik. Keinen Rum, weil nicht romantisch genug. Das mag gesund sein. Freudvoll ist es nicht.

Kalt ist es. Nasskalt. Feucht. Ich würde mir am liebsten meine Mütze holen, weiss aber, dass mir alles entgegenfliegt, sobald ich die Schranktür öffne. Die Kapuze muss reichen.
Dass sich das Wetter so schnell verschlechtert, sobald wir Richtung Norden segeln, hätten wir denn doch nicht gedacht.

Wirbringen auch die zweite Nacht rum.  Aber selbst mein geduldiger, belastbarer Mann seufzt, dass man sowas nicht wirklich braucht…

Und wir haben erst rund 250 Meilen geschafft. Noch 600 Meilen bis auf die Bermudas. Und danach etwa 1850 auf die Azoren…Das ist der Preis für ein paar Wochen Karibik…!

Es geht los

16.5.2017

Es ist soweit. Heute verlassen wir Puerto Rico und die Karibik. Etwa 850 Meilen, Kurs ca. 6 Grad, nach Norden auf die Bermudas.

Das Wetter sieht gut aus, ein bisschen schwachwindig, wir werden sehen. Wenn Ihr Lust und Zeit habt. www.windyty.com zeigt wunderbar, in welche Richtungen mit welcher Stärke der Wind weht.

Wir sind traurig, so sehr wir uns auf Zuhause freuen.

Jahrelang haben wir uns auf diesen Trip vorbereitet, Blogs, Bücher gelesen, geträumt, das Boot ausgerüstete. Und nun ist es vorbei.

Gern wären wir nun doch noch geblieben, hätten mit unserer Erfahrung und mehr Gelassenheit die Tour noch einmal gemacht.

Aber abgesehen davon, dass wir beide ja wieder arbeiten müssen, kommt die Hurrikan-Saison unweigerlich näher. Und da muss man sowie weg von hier.

Schön war’s. Aber dazu an anderer Stelle mehr.

Jetzt – drückt uns die Daumen, dass wir guten Wind und schönes Segeln haben! Wir melden uns von unterwegs – spätestens von den Bermudas.

Federico

San Juan, 16.5.2017

treffen wir vor dem Büro der Marina. Er hat mit seinem Boot unweit von uns geankert, ein Nachbar also. Wir kommen ins Gespräch, laden ihn auf ein „Medallah“ ein. Ich frage ihn nach seinem T-Shirt, auf dem über der Flagge Puerto Ricos der Name des Poeten Oscar Lopez Rivera prangt.

Lopez war ein Unabhängigkeitskämpfer, von den USA inhaftiert und zu 70 Jahren Gefängnis verdonnert, von Obama begnadigt. Mittwoch kommt er frei und in ganz San Juan wird gefeiert! Sagt Federico. (Zu schade, da sind wir schon weg, so ein Mist.)Und erzählt uns die Historie der Abhängigkeit Puerto Ricos von den USA. 20 Minuten lang, fesselnd, Federico ist Geschichtsprofessor und unterrichtet, aber nur einen Tag in der Woche. Den Rest lebt er auf seinem Boot und gibt standup-Paddel- Unterricht.

Wir lauschen teils gebannt, teils überfordert, Federico liebt sein Land und redet sich in Begeisterung. Peter bringt ihn irgendwann zurück in das Heute. Wir wollen morgen weg. Wo wir wohl tanken können?

Federico fragt in der Marina, Peter meldet uns an und kurz darauf ist unsere nette Geschichtsstunde abrupt beendet. Morgen ist der Tankwart krank. Wir müssen heute tanken. Jetzt!

Also nichts wie ins Dinghi und aufs Boot, Fender raus, Leinen fest, Anker auf – und kurz darauf legen wir an einem Holzsteg an, der mit einer mobilen Tankstelle bestückt ist.

Wir füllen Tanks und Kanister, Tankwart und Maritza im Marina-Büro machen wegen uns Überstunden. So nett!

Wir dürfen am Steg bleiben. Die Nacht ist leider nicht so schön, wolkenverhangen, auch der Blick war schonmal besser, aber wir verabschieden uns mit großer Melancholie von diesem schönen Land – und der Karibik. Mit Rum.

Großkampftag

16.5.2017

Wir haben Großes vor. Frisches einkaufen, Gas besorgen, auschecken – tanken lieber erst morgen.

Wie immer unter Lebensgefahr überqueren wir die Hauptstraße hinter der Marina, sie ist sechsspurig, keine Ampel, kein Überweg, keine Unterführung, nichts. Hier hat man ein Auto zu haben! Oder man ist verloren!

Wir kaufen im Walmart ein , der ein super Angebot an allem möglichen hat,. Inklusive Gasflaschen, Propan!

Das Abenteuer, diese Gaskartusche zu erstehen, wird daheim erzählt. Es würde Seiten füllen! (So viel sei schon jetzt verraten- sie ist viel leichter anzuschliessen, als gedacht und brennt einwandfrei.)

Aber schließlich sind wir dann doch erfolgreich und sitzen im Taxi.

Unsere Errungenschaften aus zwei Rucksäcken und vier großen Tragetaschen in den kleinen Kühlschränken (wir haben immerhin zwei!) zu verstauen, ist eine weitere Herausforderung.

Um 15 Uhr haben wir’s geschafft. Wir sind erledigt. Aber besser jetzt zu Zoll und Migration, ausklarieren, wer weiss, was bis morgen dazwischenkommt.

Die ist am Flughafen und Kreuzfahrerterminal.

In der größten Hitze laufen wir die Straße entlang, Bürgersteige gibt es auch hier nicht, Laster, die von der Fähre kommen, donnern entlang.

Lieber trampen. Eine gute Idee, schon bald hält ein Auto. John, gebürtiger Nordamerikaner, grauhaarig, mit Bart, Socken in Sandalen und Kindersitz im Auto, etwa Mitte 60, bringt einen Nachbarn zur Fähre und nimmt uns gern mit. Er ist rührend darum besorgt, dass wir auch richtig landen, fragt nach dem Weg, liefert uns an der richtigen Stelle ab. Wir kommen ins Gespräch – auch John kämpft dafür, dass die Universitäten erhalten bleiben und bestätigt, was Celia, die junge Studentin, gesagt hat – soziale Netzwerke werden gesperrt, das Internet kontrolliert, Hausdurchsuchungen ohne konkreten Grund durchgeführt –Puerto Rico ist auf dem Weg in die Diktatur. Was bleibt uns, als ihm viel Erfolg und alles Gute zu wünschen – von Herzen.

Das Ausklarieren erfolgt unglaublich entspannt und unproblematisch, sehr freundlich – ach, wär es doch immer so.

Wieder zurück in der Marina treffen wir auf….(s.o.)