19.5. 2017, Atlantik, 26 Grad, 39 N, 65 West
…knurre ich zwischen zusammengebissenen Zähnen, ganz leise, damit mein Mann es nicht hört. Und schwöre mir einmal mehr, so schnell kein Segelboot mehr zu betreten, sobald wir Zuhause sind…
Die Wellen sind wieder hoch, kabbelig, unberechenbar, donnern heftig an den Rumpf, schleudern ihn von einer Seite auf die andere. Laufen ist nur im Krebsgang möglich, das Frühstück und auch unsere heilige Teestunde am Nachmittag lassen wir ausfallen, es macht keinen Spaß bei dem Seegang.
Wir durchqueren ein Regengebiet nach dem anderen. Tiefe, schwarze Wolken entladen sich und bringen Windsprünge von bis zu 6 Knoten mit sich, aus machbaren 17 werden schnell 23 Knoten, die zum schnellen Reffen bzw. Segelbergen auffordern – um eine halbe Stunde später wieder auf 15 Knoten zurückzufallen und uns erneut die Segel setzen lassen, damit wir schnell hier raus kommen. So geht das den ganzen Tag.
Richtig schlecht wird meine Laune allerdings, als ich abends kochen will. Minestrone. Nun ist die Idee zugegebenermaßen ziemlich idiotisch, bei dem Wetter einen Eintopf zaubern zu wollen, der nach geschältem, kleingeschnittenem, nacheinander gegartem und dann auch noch gut abgeschmecktem Gemüse verlangt. Aber wir waren so froh, Frisches zu bekommen, dass das jetzt sein muss. Der Herd ist kardanisch aufgehängt, d.h. sein Inhalt bleibt eigentlich in der Waage. Doch der Topf kippt so stark und ist so voll, dass ich befürchte, dass das Kochendheiße überschwappt, ich mich kaum an ihn herantraue und ein halbgares, fades Abendessen serviere, von dem sogar mein nachsichtiger Mann meint, er wüsste ja, ich könnte das besser. Danke, Käpt’n. Aber dafür wäscht er ab…

