Überfahrt auf die Bermudas 1./2.Tag, 17./18.5.2017

Um 11 legen wir ab, wie geplant, nichts kommt mehr dazwischen.

Hangeln uns der gut betonnten Ausfahrt aus San Juan entlang, passieren die hübschen bunten Häuser der Altstadt, werfen einen letzten Blick auf das Castell – und dann sind wir im Atlantik, nicht mehr in der Karibik.

Eindeutig. Die Wellen sind höher, steiler, kabbeliger. Unsere Mägen müssen sich daran erst noch gewöhnen ich spiele Solitaire auf dem Handy und blende alles andere aus.

Immerhin schaukeln wir nicht mehr so wie bei der Hinfahrt. Der Wind kommt aus Osten, wir haben ihn also von der Seite, und das bedeutet, dass wir zwar mit Schräglage auf der Backbordseite segeln, aber mehr nach vorn und hinten schaukeln als von einer Reling auf die andere. Und wir haben ja mittlerweile gelernt, mit dem Geschaukel umzugehen.

Es ist grau. Nicht so schön. Wind um die 15 Knoten, wir setzen Großsegel und Fock, Vollzeug. Und machen mehr als 6 Knoten Fahrt. Nicht schlecht.

Es wird dunkel. Kein Schiff um uns herum,  grauer Horizont verschmilzt mit dunkelgrauem Meer.

Der Wind legt zu und wir beobachten angespannt, ob er sich über 20 Knoten bewegt, denn dann müssen wir reffen. Nachts, bei Dunkelheit und dem Geschaukel – Peter muss dafür vor an den Mast – keine gute Vorstellung. Zum Glück beruhigen sich Wind und Wellen, wir lassen die Segel, wie sie sind.

Die Nachtwache ist anstrengend. Eigentlich sollten wir noch etwas vom Mond haben, aber der versteckt sich hinter dicken Wolken. Wir segeln ins Nichts, nur der Plotter bestätigt uns, dass wir auf Kurs sind.

In den frühen Morgenstunden dann drei Frachter, die uns passieren. Wir sind doch nicht allein auf der Welt!

Und haben eine Nacht geschafft.

Am nächsten Tag schläft der Wind etwas ein. Wir segeln auf Halbwindkurs bei 13 Knoten mit 5 bis 6 Knoten Fahrt. Es ist so angenehm! Keine Wellen, kein Gegeige. Ach, könnte es so doch bleiben. Wir müssen ja nicht schnell ankommen. Lieber langsam, aber angenehm. Allerdings – sollte die Windfinder-Vorhersage zutreffen, erwarten uns am Dienstag, dem 24., 40 Knoten Wind auf den Bermudas! Bis dahin müssen wir im sicheren Hafen sein – oder ganz woanders und Richtung Azoren abbiegen.

Leider ist das Glück nicht von Dauer. Der Wind legt zu. Ordentlich. Dicke schwarze Wolken hängen  so tief über dem Meer, dass wir meinen, sie mit der Mastspitze berührenzu können. Sie bringen Wind. Viel Wind. Wir bekommen strammen Am-Wind-Kurs, höchst unangenehm. Und wieder starren wir auf den Windmesser – bleibt er unter 20 Knoten? Hoffentlich!
Irgendwann reicht es uns, wir gehen auf Halbwindkurs, der ist viel ruhiger. Auch wenn wir damit etwas vom Kurs abkommen.

Es ist stockfinster, kein Mond, keine Sterne, unsicher, wie sich der Wind entwickelt –nicht so angenehm. Wir trinken keinen Tropfen Alkohol. Kein Medallah-Bier, weil es regnerisch ist. Keinen Wein, zuviel Geschaukel. Keinen Sundowner, weil es eben keine Sonne gibt, keinen Painkiller, wir sind ja nicht mehr in der Karibik. Keinen Rum, weil nicht romantisch genug. Das mag gesund sein. Freudvoll ist es nicht.

Kalt ist es. Nasskalt. Feucht. Ich würde mir am liebsten meine Mütze holen, weiss aber, dass mir alles entgegenfliegt, sobald ich die Schranktür öffne. Die Kapuze muss reichen.
Dass sich das Wetter so schnell verschlechtert, sobald wir Richtung Norden segeln, hätten wir denn doch nicht gedacht.

Wirbringen auch die zweite Nacht rum.  Aber selbst mein geduldiger, belastbarer Mann seufzt, dass man sowas nicht wirklich braucht…

Und wir haben erst rund 250 Meilen geschafft. Noch 600 Meilen bis auf die Bermudas. Und danach etwa 1850 auf die Azoren…Das ist der Preis für ein paar Wochen Karibik…!

2 Replies to “Überfahrt auf die Bermudas 1./2.Tag, 17./18.5.2017”

  1. Hallo Ute, hallo Peter, wir wünschen Euch viel Glück und den richtigen Wind bei Eurer Überfahrt.
    Wir verweilen gerade in Sardinien mit unserem Wohnmobil und schicken Euch schon einmal ein paar Sonnenstrahlen und blauen Himmel aus dem Mittelmeer. Wir drücken Euch alle Daumen für eine gute Überfahrt.
    Ganz liebe Grüße

    Ruth und Michael

    1. Vielen Dank! Es hat geholfen! War im Nachhinein auch nicht so schlimm, ich werde auch wieder ein Segelboot betreten…
      Hoffentlich schlagt ihr Euren Wohnwagen mal wieder bei uns auf, wenn wir zurück sind. Dann müssen wir ganz viel austauschen. Viele liebe Grüße – und wir freuen uns so, dass Ihr bei uns bleibt! Peter und Ute

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert