Grenada, Prickly Bay
Wir müssen einklarieren. In jedem Hafenführer steht: Ohne einklariert (d.h. eingecheckt, sich angemeldet) zu haben an Land zu gehen, ist strafbar! Wir haben noch nicht mal die Flagge von Grenada, war ausverkauft in Gibraltar. Die ist auf der rechten Seite des Bootes zu setzen. Also setzen wir immerhin die gelbe „Q-Flagge“ (für „Quarantäne“, jeder gesund an Bord, keine Todesfälle) links, die signalisiert: Wir sind willens und auf dem Wege, einzuklarieren. (In Mindelo hatten wir vergessen, sie wieder runterzuholen, und sind morgens in der Tat von der Coast Guard, die im Ankerfeld kontrollierte!, freundlich, aber bestimmt darauf hingewiesen worden, dass wir sie bitte einzuholen hätten!)
Die Immigrationsbehörde ist in Prickley Bay, sehr praktisch. Wir bauen das dinghi wieder auf und motoren an Land. Und sind sehr gespannt, wie wir uns bewegen. Können wir überhaupt noch laufen? Breitbeinig? Stolpernd? Über Seemänner geht das Gerücht, dass sie fallen, sobald sie wieder festen Grund unter den Füssen haben!
Es passiert – nichts. Zu meiner großen Verwunderung. Ich bin schon nach 14tägigen Törns im Mittelmeer landkrank geworden, schwindelig, schaukeln, desorientiert. Hier bewege ich mich, als wenn nichts gewesen wäre. Peter schaukelt schon etwas. Aber der Käpt’n hat ja auch mehr mitgemacht…
Die Immigrationsbehörde besteht auf zwei Offizieren. Ob wir uns schon im Internet angemeldet hätten? Wie?Was? Jaja, es gibt eine Seite, auf der kann man sich anmelden, das geht dann ganz schnell. Haben wir nicht. Dann bitte in die Bar gehen, die haben Internet, und das erledigen. Der freundliche Officer zeigt uns noch die Internet-Seite, dann sind wir entlassen. Ach so, bezahlen müssen wir dann ja auch. Gebühren. In Caribischen Dollar. Kreditkarten werden nicht akzeptiert. Geldautomat? 20 Minuten den Berg rauf. Von wegen: nicht an Land gehen dürfen!
Wenn das so ist – gönnen wir uns doch erstmal ein Schläfchen. Das ist komatös und sehr erfrischend. Wir stellen den Wecker, damit wir nicht in zwei Wochen erst wieder aufwachen, sind dann aber leidlich fit. Und gehen an Land. Fragen nach dem Weg. Und werden sofort von einem englischen Paar im Auto mitgenommen. Ziehen Geld. Kaufen, da schonmal unterwegs, eine SIM-Karte. Und streifen durch den nächsten Supermarkt. Die Zivilisation hat uns wieder.
Unglaublich. Ein Angebot, wie wir es seit Cartagena nicht mehr hatten. Viele britische, viele US-amerikanische Produkte (Äpfel aus den USA! Die spinnen…), zum Glück aber auch viele local products. Verhungern werden wir hier nicht.
Zurück in der Marina, wollen wir mal nicht kochen, sondern uns ein Abendessen gönnen. Das ist leider lausig. Nicht karibisch, ein internationales Gemisch, das es überall geben könnte, dazu 0815 Dudelmusik. Wie schade. Überhaupt steppt hier nicht grade der Bär, da kennen wir andere Bars! Etwas melancholisch denken wir an Mindelo – und gehen dann erstmal endlich wieder richtig schlafen.

Hallo ihr Lieben, sind die Jungs gut angekommen?
Wir wünschen euch ein Frohes Weihnachtsfest mit einer Palme am Strand. Von Jürgen und Bettina.
PS: Tipp für einen Landausflug. In Gouyave an der Nordwestkueste Grenadas gibt es eine Musskatnussfabrik die man besichtigen kann.