Grenada

20./21.12.16

Der erste Morgen, der zweite Blick. Die Karibik – endlich! Türkisblaues Wasser, einsame Buchten, Schnorcheln…

Nicht wirklich. Da kann die Prickly Bay leider nicht mithalten. Zwar ist das Wasser türkisblau, aber milchig, Lädt nicht Schwimmen, schon gar nicht zum Schnorcheln ein. Immerhin begrüßt uns morgens eine Schildkröte! Das hatten wir bis jetzt noch nicht.

Wir frühstücken und haben Kanal 68 auf dem Funkgerät an. Den haben uns die reundlichen Engländer gestern empfohlen – ein Funknetz der Segler. Hier kann man sich verabreden, Informationen austauschen, kurz, man erfährt, was abgeht.

Da werden wir gerufen. Carpe Diem, Carpe Diem – Hugin3, Hugin 3. Huch? Nachbarn? Liegen wir über einer Ankerkette? Wer um alles in der Welt kennt uns hier?

Wir stürzen ans Funkgerät. Es ist Edwin, der mit seinem Boot in der Nachbarbucht liegt. Der Schwager einer guten Bekannten von Peter, die ihn auf uns „angesetzt“ hat. Wir sind vollkommen platt. Wie nett, so empfangen zu werden! Und wie beruhigend, bewegen wir uns doch noch im vollkommen Niemandsland, haben keine Ahnung von Buchten, Sehenswürdigkeiten, allem….Edwin gibt und schonmal einige Tipps, wir verabreden uns für den oder den nächsten Abend. Schon fühlen wir uns viel besser.

Der Tag geht wir immer rum mit Bootsreparaturen (die Lichtmaschine!), dann aberwagen wir einen Ausflug nach St George’s, der Hauptstadt, eine knappe Stunde per Bus. Schon die Fahrt ist ein Abenteuer. Dichtgepackt in einem VW-Bus mit lauter Musik, zu der der halbe Bus mitgeht, in einem halsbrecherischen Tempo, werden wir zum Busbahnhof transportiert. Kontakt mit Einheimischen! Aber ja! Und Sightseeing in einem – für runde 1,50. Prima!

Grenada ist schwarz. Was die Hautfarbe angeht. Und zwar anscheinend durch alle sozialen Schichten. Was wir oft beobachtet haben – dass die da oben“ weiß sind und „die da unten“ schwarz-, scheint hier zum Glück nicht (mehr?) zuzutreffen. Uns wird überall weitergeholfen, wir werden angelächelt und lächeln zurück. Und irgendwann einfach nur noch vor uns hin…

Die Stadt – chaotisch für uns. Laut, undurchsichtig, unstrukturiert. Noch. Wir finden uns nicht gut zurecht, fühlen uns nach mehr als zwei Wochen Einsamkeit auf dem Meer total überfordert. Zumal es schnell dunkel wird und wir uns auf den Strassen angesichts der Kamikazefahrer nicht wirklich sicher fühlen – Bürgersteige gibt es auch nicht. Wir sind froh, wieder einen Bus zu ergattern, der uns bis vor die Marina bringt. Aber – den ersten Schritt in die „richtige“ Karibik haben wir getan!

Zweiter Tag, neues Abenteuer. Wir wollen ins Landesinnere, den See Grand Etang erwandern. Ein „Muss“, wie jede Broschüre nicht müde wird zu erwähnen. Edwin hat uns empfohlen, den Bus zu nehmen – dass das geht! Die halbe Insel mit öffentlichem Nahverkehr zu durchqueren!

Wir nehmen also die Nr. 1 nach St. George’s (und fühlen uns schon viel sicherer), dann die Nr. 2 in die Berge. Das ist toll. Durch kleine Dörfer geht es, hübsche Häuschen, eineatemberaubende Vegetation. Regenwald! Blüten!! Gerüche!!! Grenada gilt als die Gewürzinsel, wo Muskatnuss, Zimt, Vanille und vieles mehr wächst. Überall kakao- und Kokospalmen, Bananen, übermenschgroße Farne, Bambus….überwältigend.

Der See, ein Süßwassersee, im Vulkankrater entstanden, nun ja. Für die Baden-Badener: Er hat etwa die Größe vom Herrenwieser See, will heißen: eine ziemlich kleine Pfütze. Baden gehen kann man auch nicht darin, und wir schaffen es auch nicht, ihn zu umwandern, denn es hat wie aus Kübeln gegossen (hier ist Regenzeit), und der Weg ist schlammig und rutschig. Schade. Eine freundliche Dame, die – vergeblich, es kommen keine Käufer- an einem der Verkaufsstände für Souveniers ausharrt, , empfiehlt uns wenigstens einen Aussichtspunkt. Wir zögern, wollen wir doch einen Bus zurück erwischen, und es sind schon einige an uns vorbeigefahren, ohne zu halten – voll. Weihnachten. Einkaufstouren.

Ach, meint die Dame, wenn ihr keinen Bus kriegt, trampt ihr halt, Euch nimmt bestimmt jemand mit. Es ist sicher. Die Menschen hier sind freundlich! So ist es.

Also erklimmen wir den Aussichtspunkt und bereuen es nicht – die Aussicht ist sagenhaft, bis zur Küste. Und wir erreichen trotzdem einen Bus.

Treiben uns in der Hauptstadt herum. Und beginnen, das kunterbunte Durcheinander zu genießen. Vor einer „Mall“ spielt ein Orchester Weihnachtslieder – jazzig, schmissig, ganz neu intoniert. Mitreißend und großartig. Ansonsten erinnert wenig an Weihnachten – ein paar sehr vereinzelte Weihnachtsmannmützen, hier und da ein paar Kugeln und Lametta, aber es hält sich sehr in Grenzen. Außerdem haben wir über 30 Grad!

Edwin fragt, ob wir in „seine“ Bucht kommen wollen? Klar. Ein Abenteuer! Wir finden zwar den richtigen Bus, der uns in Nähe einer Marina aussteigen lässt. Aber es ist die falsche Seite der Bucht. Wir irren durch die Gegend mit beginnender Verzweiflung. Wie sollen wir hier je wieder weg kommen? Irgendwie telefonieren wir uns dann doch zusammen und Edwin holt uns mit dem Dinghi ab.

Das ist nun etwas ganz anderes als die gesetzte Prickly Bay. Eine entzückende Bucht, eine witzige Rumkneipe, eher Freaks und Aussteiger. Edwin ist supernett. Aber es wird schnell dunkel und wir stellen fest, dass es etwas kompliziert ist, zu unserem Boot zurückzukommen. Also machen wir uns lieber auf den Heimweg.

Der führt uns erstmal im Stockdunkeln fast eine halbe Stunde durchs Nirgendwo. Wieder keine Bürgersteige, aber rasende Autos, noch dazu beginnt es, zu regnen. Wir halten den Daumen raus. Und werden schnell mitgenommen. „Maurice“ hat es eigentlich nicht weit, fährt uns aber bis zum Kreisel, an dem unser Bus fährt. Er hätte uns bis zur Marina gebracht, wenn wir ihn nicht gestoppt hätten…So nett!

Wir kommen also  heile nach Haus. Und wieder ein Abenteuer bestanden…

 

 

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