Kos

Nun also Kos. Wir ankern in Nähe der Strandpromenade, gehen schwimmen und paddeln an Land, um in der Stadt herumzubummeln. Kos gefällt mir nicht. Zu clean, zu „zivilisiert“, zu ich weiß nicht was. Ungerecht, Kos hat so viel Geschichte! Und Kultur! Mir egal, ich vermisse Marmaris. Dazu kommt, dass wir beide noch etwas geschlaucht sind, nicht nur wegen des langen Ritts (70 Meilen) gestern. Die Ungewissheit, die schlechten Nachrichten gehen uns nahe. Wir hängen einen Tag mal ab.

Versuchen, einen Tag früher in der Marina Platz zu bekommen. Keine Chance, am nächsten Tag startet eine Regatta nach Rhodos. Die Marina ist komplett belegt und die Mitarbeiter ziemlich am Ende. Unverrichteterdinge ziehen wir ab, da kommt uns eine strahlende junge Frau entgegen. Layla von der Marmaris Marina! Die kleine, zarte, entzückende Layla fährt bei der Regatta mit! Wir fallen uns abwechselnd in die Arme und freuen uns einfach, uns nochmal zu sehen.

Manfred Schmitt, ein leider verstorbener Kamerakollege, der, bedingt durch seine Arbeit, viele Menschen getroffen hat, Manfred hat einmal gesagt, er habe ein Art inneres Album, in dem er alle Menschen mitnimmt, denen er alles Gute der Welt wünscht. Was für ein schönes Bild! In unserem Album hat Layla einen festen Platz!

 

 

Es herrscht Ruhe im Land

Am Morgen danach scheint sich die politische Lage beruhigt zu haben. Adamik ist noch da und meint locker, er habe es doch gewusst…Wir sind nicht so locker und wollen das Land so schnell wie möglich verlassen. Über Datca? Da erwarten wir am ehesten Unruhen. Aber ob das ausklarieren klappt? Es wollen bestimmt viel weg…Also doch nach Bodrum. Das erscheint uns zwar nicht so sicher, Bodrum ist groß, es gibt da viele öffentliche Plätze, die wir eigentlich meiden wollen, aber es ist der direkte Weg…Bodrum also.

Der Wind ist okay und das Segeln könnte so schön sein, hinge nicht die Besorgnis wie eine schwere Wolke über uns. Was wird aus dem Land? Was aus den Menschen, die wir kennen und mögen?

Vor Bordrum liegt die Kriegsmarine – da, wo immer ein Kreuzfahrtschiff geparkt wurde.

In der Stadt scheint alles ruhig zu sein, fast ernst. Am Wochenende ist es dort voll, laut, fröhlich – diesmal irgendwie anders, aber vielleicht bilden wir uns das auch ein.

Wir besorgen uns einen Agenten zum Ausklarieren. Das geht leider nicht anders, kostet einen Haufen Kohle, aber die Türkei will es so. Normalerweise hatten wir immer auf ihn im Cafe gewartet, nebenbei das Leben am Kai beobachtet. Diesmal werden wir in ein Büro geleitet und müssen da ausharren. Damit nicht genug, müssen wir zum Zoll! Das hat es noch nie gegeben und ist kompletter Blödsinn, aber uns bleibt nichts anderes übrig, als das Boot zu holen und vor dem Zollamt anzulegen. Das dauert alles seine zeit, es ist heiß und überaus unerfreulich. und dann will der Zollbeamte noch nichtmal an Bord! er hat das boot aus dem Fenster gesehen, das reicht ihm. Zähneknirschend legen wir wieder ab, nicht ohne wenigstens einen Raki im Dutyfree zu kaufen.

Das Procedere schmeißt unsere Pläne mal wieder über den Haufen. Wir hatten noch einen Abend in Bodrum verbringen, essen gehen wollen in den wunderbaren Kneipen am Strand, die live-Musik haben, von Muschelverkäufern besucht werden, die ihre Tabletts mit Meeresfrüchten auf dem Kopf tragen…Nix. Und eigentlich hatten wir uns auch die Nacht noch in einer türkischen Bucht verstecken wollen, bevor wir nach Griechenland gehen. Das lassen wir nun lieber bleiben. Wenn sie uns schikanieren wollen, ist das ein gefundenes Fressen.

Also legen wir ab Richtung Kos. Der Wind kommt von vorn, wir Motoren und bekommen regelmäßig einen Schwall ab. Wir könnten die Sprayhood spannen, um uns zu schützen. Aber zum einen ist es schon immer so gewesen, das wir auf dem Weg zu den griechischen Inseln „getauft“ werden. Zum anderen entspricht das genau unserer Stimmung.

Bei Sonnenuntergang kommen wir in Kos an. Es gibt Spaghetti mit den letzten türkischen Tomaten. Und ich könnte heulen…

 

16.7. – Der Albtraum

Wir schlafen tief, als Peters Handy klingelt. Halb ein Uhr nachts? Das verheißt nichts Gutes.

Es ist Hans-Werner.Ob wir nichts mitbekommen hätten? In Ankara und Istanbul stünden Panzer auf der Strasse, das Militär würde putschen.

Wir stehen senkrecht im Bett. Von draußen scheinen sich Menschen um Radios und ihre Smartphones zu sammeln, Reportagefetzen dringen zu uns, von denen wir natürlich nichts verstehen.

Wir schnappen uns Dinghi und Laptop und gehen an Land. Uns kommen drei Segler entgegen, die mitten in der Nacht auslaufen – das ist merkwürdig.

Bei „Adamik“ sind noch ein paar Menschen wach. Internet? „Not working“. Gesperrt? Das klingt ernst.

Kurz darauf geht es doch, wenn auch langsam, und wir rufen Spiegel und ARD abwechselnd auf. Es klingt absolut bedrohlich, was wir lesen. Ausnahmezustand, Ausgangssperre, Tote. Hans-Werner und Sebastian bringen uns per Handy auf den neuesten Stand. Ich versuche vergeblich, das Auswärtige Amt zu erreichen.

Adamik will uns beruhigen. Im Ausnahmezustand würde die Gendarmerie die Lokale schließen – aber sie hätten doch noch offen! Und versucht zu scherzen: Er wäre der Sohn der Familie, der im Kriegsfall einberufen würde, wenn er also morgen um 10 noch da wäre – keine Gefahr. Dabei zittert seine Hand.

Auch türkische Gäste winken beruhigend ab. Wahrscheinlich mal wieder ein Coup von Erdogan selbst, damit könne er richtig gegen Kritiker und das Militär durchgreifen und stünde dann als Held da. Wir zweifeln…

Im Ort sonst ist sonst absolut nichts zu spüren. Keine Polizei, kein Militär, alles normal. Irgendwann gehen wir dann höchst besorgt und angespannt ins Bett…

 

 

15.7. – Bei Lichte betrachtet…

…bekommt Datca doch noch eine Chance. Wir sind erstaunt über die vielen netten Kneipen. Da hätten wir doch essen gehen können…! Naja, war halt nichts.

Vollends begeistert bin ich, als wir in die Hauptstrasse einbiegen. Teppiche!!! Einer schöner als der andere. Ohrringe! Ringe! Armbänder!!!

Meine Hirnhälften ringen heftig miteinander. Zum Glück siegt die Stimme der Vernunft rsp. Bordkasse. Obwohl – schade eigentlich…

Wir legen ab Richtung Palamut Bükkü. 15 sm, eigentlich also höchstens drei Stunden, aber der Wind steht gegen uns und wir kreuzen uns zu Tode. Und motoren das letzte Stück.

Palamut Bükkü ist das Gegenstück zu Datca. Klein, überschaubar, einfach nur nett. In der Bucht kann man gut ankern und schwimmen, wir beschließen, zwei Tage zu bleiben.

 

 

Wir haben einen Plan…

…und irgendjemand muss sich köstlich darüber amüsieren.

Unser Plan sieht so aus: auf Wunsch einer einzelnen Dame nach Palamut Bükkü segeln, von da aus um Knidos in den Gökovagolf, den wir noch gar nicht kennen, dann nach Bodrum und am 18. nach Kos. Da haben wir ab dem 19. reserviert, doch die Wetterkarte sieht ab dem 18. abends auf Alarmstufe gelb, sprich: Es gibt galewarning, die Vorstufe der Sturmwarnung. Nichts, was sich nicht bewältigen ließe, und der Weg von Bodrum nach Kos ist kurz, aber auch nichts Angenehmes, Montag ist der Wind noch friedlicher. Ein guter Plan.

Wir starten spät ab Bozburun.

Erstmal kaufen wir Brot, selbstgebacken von der Mutter des Ladenbesitzers, wie dieser glaubhaft versichert. Tomaten, die diesen Namen auch verdienen, Gurken, saftig, knackigen Salat…und dann beherrschen wir unseren Kaufrausch, weil wir soviel dann doch nicht essen.

Peter möchte noch ins Männerparadies, das ist nicht das, wonach es klingt, sondern ein Laden mit Schräubchen, Mütterchen, Schäkeln, Farben, Tauen, kurz allem, was Bastler glücklich macht. Peter braucht einen Stiel, damit unser Sonnendach nicht mehr einfällt.

Allein der Laden und die Strasse sind einen Besuch wert, hier reiht sich Handwerksladen an Handwerksladen, dazwischen zeigt der Metzger sein ganzes Lamm im Schaufenster, bietet der „kuaför“ seine Dienste an.

Ich möchte noch zur Post, Briefmarken kaufen, weil ich – old school – gerne Postkarten verschicke. Die müssen allerdings noch geschrieben werden, da bietet sich das Kahve an der Hafenstrasse an, in dem die alten Kapitäne sitzen und schmöken.

Danach ist es 12, bis wir loskommen. Alles funktioniert. Der Wind verspricht, perfekt zu werden. Noch aber sind wir unter Motor, bevor wir die Fock setzen. Ein Boot will uns schneiden, wir geben kräftig Gas, um vorbeizukommen, da leuchtet unser berüchtigtes rotes Lämpchen wieder. Oh nein! Wir stoppen den Motor sofort und holen die Fock raus. Phh, wir segeln sowieso. Blöde Lichtmaschine.

Es lässt sich gut an. Wunderbarer Wind,. 5 Knoten Fahrt machen wir, das ist okay. Alles gut. Peter hängt über dem glühendheißen Motor und versucht, den Fehler zu finden. Nichts.

Dann wird es flauer, der Wiund nimmt ab. 4 Knoten. Immer noch okay.

Wenig später: 3,8 kn, 3,5, kn, 2,7 kn. Es wid schon enger.

Irgendwann stehen wir ganz. 0,4 Knoten machen wir noch. Wagen aber nicht, den Motor zu starten. Die Windfrontvor uns ist sichtbar! Eine Viertelstunde noch, dann haben wir ihn! Doch wir kommen und kommen nicht vorwärts.

In unserer Not rufen wir Emre an, der meint, ohne Lichtmaschine zu Motoren sei keinProblem. Also – endlich Motor an. Wir haben den Wind fast erreicht, sind froh, dass der Motor rsp. Lichtmaschine gehalten haben, da geht das berühmt-berüchtigte Lämpchen aus…irgendjemand will uns hier zum Narren halten!

Wir haben den Wind endlich erreicht. Und reffen kurz darauf.

Hat mal jemand von der Freiheit des Segelns erzählt? Bullshit!

Ohne weitere Vorfälle segeln wir nach Datca.

Datca hat uns eigentlich immer ganz gut gefallen, eine kleine türkische Stadt, überschaubar, normal. Diesmal finden wir keinen Zugang. Datca ist sehr voll, in der Türkei sind Ferien und alle drängt es an die Küste. Nach dem beschaulichen Bozburun ein regelrechter Kulturschock.

Wenig später kommen Emres Mannen, um sich der Lichtmaschine erneut anzunehmen. Sie basteln und basteln, verbringen zwei Stunden im Motorraum und kommen zu der Erkenntnis, dass unser „Sterling“, ein „booster“, der die Energie in den Batterien regelt, eine Macke hat. Na super.

Erledigt schlendern wir nochmal durch den Ort. Eigentlich wollten wir selber kochen (die Bordkasse!), aber wir haben keine Lust mehr. Also suchen wir eine nette Kneipe. Und finden nichts, was uns anmacht. Zu voll, zu laut, zu…und überhaupt. Mehr aus Erschöpfung als aus Überzeugung landen wir in einer kleinen Lokanta, die Küche wohnzimmergroß, davor sechs kleine Tische. Mehr nicht. Eigentlich haben die einen guten Ruf, aber unser Wrap ist nicht der Hit und vor allem Peters Adan kebap entpuppt sich als zwei kleine wenig schmackhafte Hackfleischröllchen auf einer halben Pide.

Dieser Tag lief irgendwie nicht so ganz, wie wir gedacht hatten…

 

 

 

 

 

 

Endlich…

…ein schöner Segeltag, wie er sein sollte. In der Bucht von Bozzukale schwimmen wir noch vor dem Frühstück, schnorcheln…das ist traumhaft und entschädigt immer wieder für nicht so schöne Segelerlebnisse.

Dann holen wir den Anker hoch und nehmen Kurs auf Bozborun. Der Wind ist wunderbar, nicht zu stark, wir erreichen Rumpfgeschwindigkeit (die, die unser Schiff je haben kann): Das sind 7,3 kn. (Für Nichtsegler: ca. 12 km/h… )Sogar Ich juchze, obwohl wir wieder „Kante“ segeln. Das liegt vielleicht auch an der Musik von Thomas, die unheimlich beflügelt und Spaß macht.

Das Vergnügen ist leider von nicht allzulanger Dauer- sobald wir ums Eck biegen, schläft der Wind ein. Tapfer dümpeln wir mit 4 kn dahin (wir haben ja Zeit), bis es uns reicht und wir doch motoren. Wir ankern vor Bozborun, einem kleinen Städtchen, in dem wir schon öfter und gern waren. Dominiert wird es von einer Moschee, drumrum sitzen Männer, die Tee trinken und Tavla spielen, aber es ist ein freundlicher, weltoffener Ort mit nicht allzuviel Touristen. Bloss heiß!!!

Abends gehen wir essen – in ein Restaurant mit dem einfallsreichen Namen  „Bozburun’s“. Der „Manager, wie er sich selber nennt, spricht fließend deutsch, er hat 35 Jahre in Hamburg gelebt. Das ist für uns eigentlich eher ein Argument, nicht in die Kneipe zu gehen, aber uns locken die Auslagen.

Wir speisen, nein schlemmen: mit Reis und Korinthen gefüllte Zucchiniblüten, grüne Blätter (wahrscheinlich Potulak) in Joghurtsauce, Humus, der etwas trocken ist, aber nussig und mal richtig nach Kichererbsen schmeckt, zarteste Auberginen, Zucchini, Zwiebeln, Bohnen in pikanter Tomatensauce, getrocknete Pfifferlinge auf Joghurtsauce, Algen, in Knoblauch angemacht…es ist köstlich.

Satt und zufrieden bummeln wir noch durch den Ort. Es ist 10 Uhr abends, doch auf dem Spielplatz spielen Kinder, spielen Väter mit ihren Sprösslingen Fußball, beschäftigen sich Omas mit dem Nachwuchs. Es ist sehr friedlich. Und so fallen wir dann auch ins Bett…

 

Leinen los

Am 12.7., 5 Tage, nachdem wir eigentlich starten wollten, legen wir ab. Um 10:30 Uhr kommt das pilotboat, das uns zur Marina-Ausfahrt geleitet Unser Motor springt an, die Kontrolllämpchen leuchten, wie sie leuchten sollen…alles ist gut. Leicht gleiten wir in die große Bucht von Marmaris., es ist traumschön. Peter will Segel setzen, doch ich genieße das stille Fahren und würde lieber noch motoren. Das ist natürlich ganz und gar nicht segellike und segelbesessen…Doch der Wind ist auf meiner Seite. 12 Knoten abzüglich 5 Knoten Fahrt, es reicht beim besten Willen nicht.

Das ändert sich, sobald wir die Bucht verlassen und um die Ecke biegen. Es bläst ganz schön – und auch noch von vorn. Also Segelsetzen und kreuzen. Das verdoppelt die Strecke, aber wir haben ja Zeit…

Als ich Handwerkszeug aus dem Inneren holen will und mich dabei kopfüber bücken muss, wird mir etwas übel. Oh nein. Und das will eine Weltenseglerin sein??? Die leichte Übelkeit vergeht zum Glück, als ich wieder an Deck bin. Aber selbst Peter stellt fest, dass es ungewohnt ist, wieder auf den Wellen zu tanzen. Ein dreiviertel Jahr ohne Segeln – das macht sich bemerkbar.

Wir gehen Richtung Westen. Je näher wir Rhodos kommen, desto stärker wird der Wind, desto höher steigen die Wellen. Wir segeln Kante. Das lässt bei manchen die Augen leuchten – mir plumst das Herz in die Hose.

Wir reffen das Großsegel – aber merklich ruhiger wird es danach auch nicht. Der Wind nimmt zu. Im Bootsinneren fliegt alles mit großem Radau durcheinander, was nicht niet- und nagelfest verstaut wurde. Was man ja eigentlich vorher weiss…

Wir reffen die Fock. Und der Autopilot steigt aus. Macht, was er will.

Verdammt! Geistesgegenwärtig aktivieren wir den manuellen Betrieb und segeln wieder von Hand – und sind fassungslos. Wir hatten wirklich gedacht, nun mit allen Reparaturen durch zu sein! Und ohne Autopilot zu sein, geht auf der langen geplanten Strecke gar nicht!

Drei Wenden später hat Peter die geniale Idee, den Autopiloten schlicht aus- und wieder einzuschalten. Und siehe da – er nimmt seine Dienste wieder auf! Hatte sich wohl – hoffentlich – „nur“ aufgehängt. Auch ein Autopilot ist eben nur eine arme Maschine.

Angesichts des kabbeligen Wetters beschließen wir, lieber weiter unter Land, weil geschützter, aber mit mehr Wenden zu fahren. Irgendwann dreht dann auch noch mitten im Wenden der Wind – und da reicht es uns. Wir starten den Motor!

Und sind eine halbe Stunde später in einer wunderschönen Bucht – Bozzukale. Anker schmeißen, Landleine legen – wenig später stoßen wir auf unsern ersten Segeltag an. 36 Seemeilen – nicht schlecht (für Segler…für Nichtsegler: Das sind ca. 72 Kilometer – in sieben Stunden. Jedes Fahrrad ist schneller…)

Dennoch – selten hat ein Bier so gut geschmeckt!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ACDC

Die Chefs sind wieder da – Gott oder Allah sei Dank. Emre kommt vorbei – und Elekriker der Firma mit dem vielversprechenden Namen  AcDc – Peter klärt mich auf, dass das Gleichstrom/Wechselstrom heißt. Ich hab mal wieder nur Vergnügen im Kopf gehabt. Wie auch immer, die Jungs sind richtig gut. Innerhalb von ein paar Stunden haben sie den Verbindungsfehler gefunden. Wir atmen schon auf und hoffen, dass wir endlich ablegen können! Welch ein Irrtum! Es stellt sich heraus, dass irgendein Kabel korrodiert ist. Also warten wir weiter…

Mäuse melken

Für alle, die uns auf „marinetraffic“ beobachten und sich wundern – nein, unser AIS hängt nicht. Wir hängen – immer noch fest in Marmaris. Es ist zum …s.o.

Der Elektriker kommt nicht. Denn es ist Sonntag. Da wird doch nicht gearbeitet! Wir wundern uns. Und schweigen. Schließlich sind wir selbst langjährige Gewerkschafter und natürlich gehört auch Sonntag Papi der Familie. Oder der Moschee. Oder wem immer.

Wir beschließen, nach Marmaris zu fahren und zu bummeln, Grober Fehler. Nicht die Fahrt. Die Uhrzeit. Am frühen Nachmittag steht die Luft in den Strassen. Wir schleppen uns  vorwärts und landen glücklich in einer Kneipe, die eiskaltes Efes (das ist das sehr gute türkische Bier) und Formel 1 anbietet.

Und schauen abends das Finale in der Strandbar, mit vielen Türken, Russen, Engländern und Franzosen. Das ist nun richtig nett.

Man soll den Tag nie vor dem Abend loben – oder: Die rote Laterne

Es ist halb neun morgens, wir sind relativ munter und überlegen, „mal eben“ noch vor dem Frühstück die Fock anzuschlagen. Noch weht ein nur laues Lüftchen, und dann noch aus der richtigen Richtung – diese Chance muss man doch ergreifen!

Gesagt, getan, wir schleppen die Fock an Deck und begutachten sie von allen Seiten. Wie wird die nochmal hochgezogen? An der einen Seite ist der Sonnenschutz, aber die Trommel, die das Segel einrollen soll, geht doch dann in die falsche Richtung? Der gesunde Menschenverstand sagt zwar eigentlich, dass sie schon immer so gerollt wurde und wir nie ein Problem sahen, jedoch bei Lichte betrachtet…Wir rollen also die Trommel andersherum auf, schäkeln die Fock an, ziehen, ziehen, fädeln ein…und stellen fest, dass wir das Segel schlicht verkehrt herum angeschlagen haben. Mit Kaffee wär das nicht passiert! Also alles zurück, die Trommel wieder so aufgerollt, wie sie mal war, und dann flutscht es.

„Mal eben“ gibt’s eben auf einem Segelboot nicht.

Der Tag geht mit Aufräumen, Verstauen und Abschiednehmen ins Land, nun wollen wir aber wirklich los! Wir ziehen unsere „Gangway“, naja, das Brett hoch, hängen das Dinghi an die Davids, wollen schon die Marina anrufen „Marmaris Yatmarina, this is Hugin, please send a pilot boat“, um abzulegen. Und starten den Motor.

Das rote Lämpchen der Lichtmaschine leuchtet. Das ist gar nicht gut. Noch ein Versuch – nix. Beide Lichtmaschinen liefern keinen Strom, ist die messerscharfe Analyse meines Göttergatten. Wir rufen unsere hochgelobte Technikerfirma an und die verspricht zerknirscht, sich um einen Elektriker zu kümmern. In einer Stunde müßte er da sein…

Eine Stunde später sitzen wir immer noch mit rotem Lämpchen an Deck. Eigentlich wollten wir in Ciftlik sein. Mindestens. Der Wind ist traumhaft! Ideal!! Naja, morgen ist auch noch ein Tag. Seufz.