Man soll den Tag nie vor dem Abend loben – oder: Die rote Laterne

Es ist halb neun morgens, wir sind relativ munter und überlegen, „mal eben“ noch vor dem Frühstück die Fock anzuschlagen. Noch weht ein nur laues Lüftchen, und dann noch aus der richtigen Richtung – diese Chance muss man doch ergreifen!

Gesagt, getan, wir schleppen die Fock an Deck und begutachten sie von allen Seiten. Wie wird die nochmal hochgezogen? An der einen Seite ist der Sonnenschutz, aber die Trommel, die das Segel einrollen soll, geht doch dann in die falsche Richtung? Der gesunde Menschenverstand sagt zwar eigentlich, dass sie schon immer so gerollt wurde und wir nie ein Problem sahen, jedoch bei Lichte betrachtet…Wir rollen also die Trommel andersherum auf, schäkeln die Fock an, ziehen, ziehen, fädeln ein…und stellen fest, dass wir das Segel schlicht verkehrt herum angeschlagen haben. Mit Kaffee wär das nicht passiert! Also alles zurück, die Trommel wieder so aufgerollt, wie sie mal war, und dann flutscht es.

„Mal eben“ gibt’s eben auf einem Segelboot nicht.

Der Tag geht mit Aufräumen, Verstauen und Abschiednehmen ins Land, nun wollen wir aber wirklich los! Wir ziehen unsere „Gangway“, naja, das Brett hoch, hängen das Dinghi an die Davids, wollen schon die Marina anrufen „Marmaris Yatmarina, this is Hugin, please send a pilot boat“, um abzulegen. Und starten den Motor.

Das rote Lämpchen der Lichtmaschine leuchtet. Das ist gar nicht gut. Noch ein Versuch – nix. Beide Lichtmaschinen liefern keinen Strom, ist die messerscharfe Analyse meines Göttergatten. Wir rufen unsere hochgelobte Technikerfirma an und die verspricht zerknirscht, sich um einen Elektriker zu kümmern. In einer Stunde müßte er da sein…

Eine Stunde später sitzen wir immer noch mit rotem Lämpchen an Deck. Eigentlich wollten wir in Ciftlik sein. Mindestens. Der Wind ist traumhaft! Ideal!! Naja, morgen ist auch noch ein Tag. Seufz.

 

 

 

 

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