Leinen los

Am 12.7., 5 Tage, nachdem wir eigentlich starten wollten, legen wir ab. Um 10:30 Uhr kommt das pilotboat, das uns zur Marina-Ausfahrt geleitet Unser Motor springt an, die Kontrolllämpchen leuchten, wie sie leuchten sollen…alles ist gut. Leicht gleiten wir in die große Bucht von Marmaris., es ist traumschön. Peter will Segel setzen, doch ich genieße das stille Fahren und würde lieber noch motoren. Das ist natürlich ganz und gar nicht segellike und segelbesessen…Doch der Wind ist auf meiner Seite. 12 Knoten abzüglich 5 Knoten Fahrt, es reicht beim besten Willen nicht.

Das ändert sich, sobald wir die Bucht verlassen und um die Ecke biegen. Es bläst ganz schön – und auch noch von vorn. Also Segelsetzen und kreuzen. Das verdoppelt die Strecke, aber wir haben ja Zeit…

Als ich Handwerkszeug aus dem Inneren holen will und mich dabei kopfüber bücken muss, wird mir etwas übel. Oh nein. Und das will eine Weltenseglerin sein??? Die leichte Übelkeit vergeht zum Glück, als ich wieder an Deck bin. Aber selbst Peter stellt fest, dass es ungewohnt ist, wieder auf den Wellen zu tanzen. Ein dreiviertel Jahr ohne Segeln – das macht sich bemerkbar.

Wir gehen Richtung Westen. Je näher wir Rhodos kommen, desto stärker wird der Wind, desto höher steigen die Wellen. Wir segeln Kante. Das lässt bei manchen die Augen leuchten – mir plumst das Herz in die Hose.

Wir reffen das Großsegel – aber merklich ruhiger wird es danach auch nicht. Der Wind nimmt zu. Im Bootsinneren fliegt alles mit großem Radau durcheinander, was nicht niet- und nagelfest verstaut wurde. Was man ja eigentlich vorher weiss…

Wir reffen die Fock. Und der Autopilot steigt aus. Macht, was er will.

Verdammt! Geistesgegenwärtig aktivieren wir den manuellen Betrieb und segeln wieder von Hand – und sind fassungslos. Wir hatten wirklich gedacht, nun mit allen Reparaturen durch zu sein! Und ohne Autopilot zu sein, geht auf der langen geplanten Strecke gar nicht!

Drei Wenden später hat Peter die geniale Idee, den Autopiloten schlicht aus- und wieder einzuschalten. Und siehe da – er nimmt seine Dienste wieder auf! Hatte sich wohl – hoffentlich – „nur“ aufgehängt. Auch ein Autopilot ist eben nur eine arme Maschine.

Angesichts des kabbeligen Wetters beschließen wir, lieber weiter unter Land, weil geschützter, aber mit mehr Wenden zu fahren. Irgendwann dreht dann auch noch mitten im Wenden der Wind – und da reicht es uns. Wir starten den Motor!

Und sind eine halbe Stunde später in einer wunderschönen Bucht – Bozzukale. Anker schmeißen, Landleine legen – wenig später stoßen wir auf unsern ersten Segeltag an. 36 Seemeilen – nicht schlecht (für Segler…für Nichtsegler: Das sind ca. 72 Kilometer – in sieben Stunden. Jedes Fahrrad ist schneller…)

Dennoch – selten hat ein Bier so gut geschmeckt!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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