Vergeigt

Les Saints, Marie Galante, 21.2.2017

„Pfannkucheninsel“ heißt Marie Galante, nur 17 Meilen entfernt von Les Saints, wenig galant. Weil sie so rund und flach ist. Aber es soll eine wunderschöne, von Seglern völlig zu Unrecht vernachlässigte Insel sein. Da wollen wir gern hin.

Dummerweise liegt sie, wenn man von Süden kommt wie wir, genau in Nordost, also der vorherrschenden Windrichtung. Das segelt man freiwillig nicht so gern.

Nun soll der Wind aber heute auf Süd drehen, sehr ungewöhnlich. Eine Regenwolke ist auch eingezeichnet. Aber das kennen wir ja. Ein Schauer, dann wird es wieder schön. Also nutzen wir doch den Wind und gehen auf Halbwindkurs nach Marie Galante!

Eine geniale Idee. Fast. Zum einen haben wir fast keinen Wind, nun ja, wir müssen eh den Motor einfahren und Strom brauchen wir auch wieder.

Zum anderen haben wir übersehen, dass die wenigen Buchten, die Marie Galante bietet, nach Westen offen sind. Das heißt, wir sind Wind und Wellen schutzlos ausgeliefert.

Regnen tut es auch – und zwar wie aus Kübeln.

Tapfer fahren wir dennoch zuerst die kleine Hauptstadt Grand Bourg an, um schnell festzustellen, dass wir da gar nicht bleiben können. Viel zu klein. Also weiter nach Norden, nach Saint- Louis.

Ach du liebe Güte. Auch ungeschützt, und dennoch voller Segler – Fasnachtsferien, wer soll das denn wissen!- , es ist kaum ein Platz zu finden. Ein einziger, letzter in Ortsnähe scheint sich zu eignen, da lassen wir den Anker fallen. Aber irgendwas stimmt nicht so ganz…Irgendwann wird uns klar, dass wir genau in der Einfahrtsschneise der Fähre liegen, und da kommt sie auch schon angerauscht. Ein Monstrum! Schnell versuchen wir, den Anker aufzuholen, was nicht so einfach ist, weil das Boot in den – starken – Wind gedreht werden muss. Uff, grade noch so geschafft.

Wir suchen weiter. Da, in Ufernähe! Wir lassen den Anker fallen. Doch Peter wird unruhig. Grade mal 2,50 Tiefe, das sind nur 60 Zentimeter unter unserem Kiel. Wenn die Wellen weiterhin so einlaufen, sitzen wir auf. Legerwall. Das wäre gar nicht gut.

Also wieder – Anker auf, es wird langsam dunkel. Wir legen uns ganz vor das Ankerfeld, voll dem Schwell ausgesetzt. Aber immerhin können wir viel Ankerkette stecken – und das hält!

Gemütlich ist es nicht. Wir schwanken wie auf dem offenen Atlantik. Dabei ist die Bucht sicher eine der schönsten, die wir bisher hatten. Türkisfarbenes Wasser, Sandstrand, Palmen…Morgen soll der Wind drehen. Und bis dahin geigen wir vor uns hin – wir halten es irgendwie schon aus!

PS: Die Nacht war furchtbar. Ein einziges Geschaukel…

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