Blüten (St. Lucia, 9.1. 2017)

in Hülle und Fülle. Der Botanische Garten St. Lucias wurde im 18. Jahrhundert von Henry dem XVI. angelegt – St. Lucia war siebenmal französisch, siebenmal englisch -, und dieser Garten ist der schönste, den ich bisher gesehen habe. Selbst die „Jungs“, die es sonst mit Blumen nicht haben, sind beeindruckt.

St. Lucia (9.1.2017)

Wir erkunden das Landesinnere per Taxi mit einem Reiseführer. Die Wasserfälle, deren Wasser von den Vulkansteinen erhitzt wird, so dass man in 40 Grad baden kann…

„Willkommen im Paradies“ (8.1.17)

begrüßen uns auf St. Lucia die „boatboys“, die ihre Dienste als Taxifahrer, Brotbringer, Guide anbieten. Und sie übertreiben nicht. St. Lucia ist paradiesisch.

Allerdings sind das auch die Preise, die die boatboys verlangen. 25 Caribische Dollar will einer haben, der uns zur Boje geleitet und die Leine reicht. Geht’s noch? Ich gebe ihm 5 und verklickere ihm, dass 25 EC 8 Euro entspricht, das ist das, was man in Deutschland hartarbeitend pro Stunde verdient. Für die 5 Minuten Leineanreichen sind 5 EC damit meiner Meinung nach absolut ausreichend. Er argumentiert, 25 EC seien hier der Preis, ich bleibe hart. Er zieht maulend ab. Ich fühle mich im Recht. Bin aber vielleicht doch etwas zu hart gewesen. Nicht nur, weil ich mir irgendenwann die Konsequenzen ausmale. Auch in St. Lucia hat es schon harte Überfälle auf Segelboote gegeben, den letzten, weil es Streit um den Preis für Dienstleistungen gab… Trotzdem!!!

Das Gefühl, über’s Ohr gehauen zu werden und die Reaktionen nicht einschätzen zu können, schmälert etwas die pure Freude, die wir angesichts dieser Insel verspüren könnten. Denn St. Lucia ist paradiesisch.

Über und unter Wasser. Das Schnorcheln ist wie ein Dahingleiten in einer Schneekugel, begleitet von einem Schwarm bildschöner kleiner Fische, auf dem Meeresgrund grasen Red Snapper, Papageienfische inmitten von Amphoren, Fächerkorallen, Seeanemonen. Es ist märchenhaft und ich hoffe, dass Hans-Werner die Angel stecken lässt…

Wir ankern zwischen den zwei Pitons, den Vulkankegeln, dem Wahrzeichen St. Lucia. Einer der schönsten Ankerplätze, die wir bisher hatten.

 

 

Pleiten, Pech und Pannen

St. Vincent ist unser nächstes Ziel. Und das erfordert ausgiebige Überlegungen. St. Vincent ist leider berüchtigt für üble Überfälle auf Segler, vor allem die Buchten im Norden. Aber wir müssen hier ausklarieren, d.h. wir brauchen Zoll und Immigrationsbehörde. Dummerweise an einem Samstag, und da haben die meisten nur bis mittags geöffnet, das schaffen wir nicht. Die einzige Behörde, die in Frage käme, liegt in einer Bucht, von der dringend abgeraten wird, über Nacht zu bleiben. Also im Süden einklarieren und dort bleiben, weil es am sichersten ist? Dann ist der Weg auf die nächste Insel weit, 50 Meilen…Wir entscheiden uns dafür, im Süden auszuklarieren und dann weiter zu segeln und in einer relativ sicheren Bucht zu bleiben – Schotten und Luken zu, Deckslicht an.

Wir kommen mittags wie geplant in der Blue Lagoon im Süden St. Vincents an. Es ist der Tag der Pleiten, Pech und Pannen. Hans-Werner verliert die Großschot, die sich fast im Windgenerator verfängt und den geschrottet hätte, was unserem immer gelassenen Käpt’n eine Schrei entfahren lässt.

Die Einfahrt zur Blue Lagoon ist mehr als riskant, wir tasten uns langsam vorwärts – haben noch 40, 30, 10 Zentimeter unter’m Kiel…Setzen wir auf? Schaffen wir es? Endlich! 2,40 Tiefe. Wir ankern und atmen auf.

Auf dem Weg an Land sitzt Sebastian mit dem Dinghi auf, es ist verdammt flach hier. Das schrottet fast den Außenbordmotor. Zum Glück kann der gerettet werden….

Nach so viel Pech müssen wir erstmal durchatmen und ein „Carib“ in der Bar trinken, danach ist es zu spät, um in den Norden umzulegen – wir bleiben.

Haben einen sehr netten Abend in der Bar unter Mangroven und nachts mord-Schwell, schlimmer als alle Nächte vorher. Das Boot schaukelt fürchterlich. Und ich träume ganz heimlich davon, den nächsten Urlaub in einem 5-Sterne-Hotel zu verbringen, ach, egal, 3 Sterne täten es auch. Hauptsache wieder Boden unter den Füssen, ein Bett, das nicht schaukelt und ein Frühstücksbuffet – mit pancakes!!!

Bequia

Der Wind ist stark – und er kommt von vorn, wie immer, aber das Segeln macht Spaß.

Bequia ist nett, und es gibt endlich wieder eine Markthalle! Papaya, Mangos sogar! Hans-Werner hat einen Fisch genagelt, irgendeinen aus der Familie der Tuns, und dafür brauchen wir die passende Begleitung. Kartoffeln! Die kleinste Währungseinheit scheint nicht der Caribische Dollar, EC, zu sein, sondern 5 EC. Egal, wonach man fragt – ein Pfund von irgendwas kostet 5 EC. Für die Kartoffeln zahlen wir umgerechnet 7 Euro!
Die Händler und das Gemüse kommen aus St. Vincent, der nächsten Insel, manches ist wohl selbst angebaut, das meiste aber in Gewächshäusern von Großhändlern, die den Handel unter Kontrolle haben – nicht nur den mit Kräutern zum Essen, wie Sebastian und Hans-Werner quasi undercover Silvester herausgefunden haben… Eine Mafia, sozusagen.

Egal, wir haben endlich wieder Frisches! Und teilen unsere Käufe unter den Händlern möglichst gerecht auf – was uns eine extra Papaya einbringt.

Abends gibt es also lecker Fisch, Hans-Werner fängt noch irgendwas Längliches, wahrscheinlich einen Hornhecht. Und dann zocken wir! Hans-Werner und Peter haben nämlich Doppelkopf gelernt, und das spielen wir nun abends immer. Bislang bleibt der Frieden an Bord….

Wohnt er dort?

Oder da oben? Wir sind auf Mystique und Mick Jagger soll dort sein Feriendomizil haben. So viel Nähe zu Prominenz kostet natürlich, wir zahlen für eine Boje 200 Caribische Dollar, das sind 70 Euro. Der Fairnesshalber muss gesagt werden, dass wir drei Tage bleiben könnten, und ich würde gern zumindest noch eine Nacht dranhängen, nicht, weil ich unbedingt die Stones im Jogginganzug sehen möchte, sondern weil mir die Insel sehr gefällt. Sie strahlt eine Ruhe aus, hat einen wunderschönen Strand mit Palmen, Buddha bewachte Häuser – hier würde ich gern umherwandern, die Natur, die Pflanzen genießen und einfach mal „sein“…. Aber uns fehlt die Zeit und dem Käpt’n ist es auch zu nobel, was sich abends, als wir bei „Basil’s einkehren – ein „Muss“ – bestätigt, es ist echt teuer. Also los und weiter nach….(Fotos folgen, sobald flottes Internet, sorry….!)

4.1.2017, Canouan

Es wird wieder sehr windig. Da jhat es keinen Sinn, zu schnorcheln und am Riff zu liegen. Und so bleiben wir nicht, sondern ziehen weiter, nach Canouan, die nächste Insel. Unter Segel! Ach, endlich mal wieder die Segel zu setzen und mit fast „Vollzeug“, dem Großsegel im zweiten Reff, fahren zu können!

Die Bucht in Canouan wirkt unglaublich friedlich. Wir hoffen auf eine ruhige Nacht. Gehen an Land in der Hoffnung, einen Supermarkt für Gemüse zu finden. Der winzige Raum, der diesen Namen trägt, hat fast nichts außer grünen Kochbananen. Und leeren Rumflaschen, 85%igen, die auf der Theke herumliegen und offensichtlich den Verkäufern geschmeckt haben. Es ist ein trauriges Bild. Wir kaufen wenigstens noch Eier und O-Saft, damit wir etwas Geld hier lassen. Und gehen wir an Bord, ohne eine nette Kneipe für den letzten Absacker gefunden zu haben.

Das Bild der hoffnungslosen Supermarktbesitzer verfolgt mich in der Nacht. Kriminalität ist ab diesem Teil der Karibik ein Thema, schon mehrere Yachten wurden ausgeraubt, mir kommen die Menschen hier so verzweifelt vor, dass ich ihnen alles zutraue und am liebsten das Boot von innen abschließen würde. Die Männer sind dagegen. Und so lausche ich auf jedes Geräusch von außen. Das lässt nicht lange auf sich warten – der Wind frischt auf und wird sehr heftig. Alles schlägt, es ist unruhig und laut. Und so legen wir am nächsten Morgen schleunigst wieder ab.

PS: Passiert ist uns natürlich nichts. Und ich habe diesen Menschen wahrscheinlich großes Unrecht getan…

 

3.1.2017/ Tobago Cays

Die „Cays“ sind sicherlich eines der schönsten Unterwasserreviere der Welt.

Wir ankern unweit des „Schildkrötenstrandes“ und begeben uns das erste mal unter Wasser, um die Panzertiere zu suchen, möglichst mit ihnen zu schwimmen! Leider mit wenig Erfolg. Zwei sehen wir, die aber sofort wieder abtauchen. Die Strömung ist seht stark und wir wollen lieber nicht zu weit weg vom Boot schwimmen. Schön war es trotzdem – kristallklares, türkisfarbenes Wasser!

Willy auf „Free Willy“ kommt vorbei, einer der Boatboys, die hier ihr Geschäft betreiben – immerhin ankern 59 Boote hier, die versorgt werden können. Willy bietet Lobsterbarbecue am Strand an. Das ist ein „Muss“ für jeden, der hierher kommt. Ich habe es von vor 12 Jahren als romantisches Grillen am Strandfeuer in Erinnerung – heute ist es ein riesiger Biergarten, hinter dem sich der englische Garten nicht verstecken muss. Trotzdem ist es nett. Wir bekommen gegrillte Lobsterhälften, Reis, gefüllte Kartoffeln, Gemüse in Kokos und Safran, gebratene Bananen – köstlich. Wir sind trotz des Trubels und gelegentlicher Regenunterbrechungen hochzufrieden. Gegen 9 werden die Gäste regelrecht vertrieben, und auch Willy fährt uns in seinem Holzboot heim. Kein Wunder – er muss noch nach Union Island, wo er wohnt. Auf den Cays dürfen die Boatboys und Grillbetreiber nicht übernachten…

Da haben wir es gut, wir betrachten von unserem Boot aus noch das Meer der Ankerlichter.

Und schnorcheln am nächsten Morgen in den Riffen. Es ist traumhaft. Fächerkorallen, die sich im Meer wiegen, unzählige bunte Fische, riesige Seesterne…wunderschön. Ein Stück Paradies.