Wird doch! 21.1.2017

Martinique ist uns immer noch fremd, ganz wohl fühlen wir uns hier nicht. Die Blumeninsel? Wo bitte? Ein Holzhäuschen gibt es in der Nähe, das schön begrünt ist, der Rest sind baufällige Holzbaracken und Betonhäuser ohne jeden Charme.

Ben und Steffi von der Lady Sunshine geht es ähnlich. Ben hat aber einen heißen Tipp: Wir gehen in der Markthalle essen! Die Markthalle ist zwar auch ziemlich touristisch, aber man kriegt da wenigstens Obst und Gemüse. Den Essensstand hatten wir bis jetzt übersehen.

Wir gurken also mit dem Dinghi an einen kleinen Steg – zum Laufen ist es zu weit. Und bestellen in der Markthalle. Hühnchen ist aus, Rindfleisch also für Peter, Fisch für mich. Zwanzig Minuten müssen wir warten, wir nutzen die Zeit, um im Ort und am Strand entlangzulaufen. Auch da gibt es kleine Büdchen, die nett ausehen, aber leider geschlossen sind.

Pünktlich finden wir uns wieder ein –und das essen ist – natürlich – richtig gut. Besonders Peters Rindfleisch, da könnte ich fast mein Vegetarierdasein über Bord werfen. Dazu gibt es Reis, Salat, Zucchinigratin. Einen kalten, erdigen Roten aus dem Bordeaux, gratinierte Ananas und Rum zum Nachtisch – was wollen wir mehr.

Vor allem aber ist die Gesellschaft drumrum interessant. An einem der Nachbartische hat es sich eine Gruppe Barfußindianer (dreiviertellange Cargohosen, Rastalocken, barfuß oder Flipflops, hell- und dunkelhäutig) bequem gemacht, eine Flasche Rum (nicht leer) auf dem Tisch. Sie sind von Bens und Steffis Kindern begeistert (zu Recht) und flirten mit ihnen, was das Zeug hält. Nett und aufgeschlossen. Einer der weißen Rastas, bullig, barfüssig, sehr freundliches Gesicht, entdeckt meine Armschlinge, die ich vor allem in der Öffentlichkeit als Schutz trage, und empfiehlt sich als Physiotherapeut. Ich schlucke. Och, meine Cousine behandelt mich schon, aber ich wüsste ja, wo ich ihn finde. Er ist zum Glück nicht beleidigt.

Neben uns sitzt ein seriöses französisches Rentnerehepaar, eigentlich von der Rhone, das jedes Jahr drei Monate auf Martinique verbringt und von der Markthallenküche hier und in St. Pierre schwärmt. Wir palavern ein bisschen, sie sind neugierig und mein Französisch wird etwas besser. Mit dem bekannten Effekt, dass sie glauben, ich könnte es, und loslegen. Da muss ich dann passen…

 

Satt und etwas angeschickert machen wir uns auf den Heimweg und stellen fest, dass es solche Begegnungen sind, die für die wenig wirtliche Umgebung entschädigen…

 

 

Und tschüss!

Um 8 Uhr sollen die Arbeiter kommen. Ich, Tochter meiner Mutter, überlege, wie wir alles am besten vor Staub schützen können und male mir aus, wie sie mit dicken ölverschmierten Stiefeln über unser schönes, von Peter neu verfugtes Teakdeck trampeln und alles wieder aufreißen. Peter ist genervt. Von mir…

Romain kommt. Jung, freundlich, in Badelatschen, die er vor Betreten des Bootes auszieht. Er arbeitet allein. Legt alles mit Karton aus, arbeitet konzentriert und offensichtlich mit Freude, er singt dazu zwischendurch. Und macht überhaupt keinen Dreck. Ich bin begeistert, ich kann im Salon lesen, schreiben, Arm schonen, auch Peter versteht sich mit ihm bestens. Dass ich meinem Mann keine Hilfe sein kann, noch nichtmal beim Ausräumen der Backskiste, bedrückt mich schon. Ich hoffe, ich kann mich revanchieren. Ohne, dass er einen Unfall gehabt hat…!

Am nächsten Tag ist es soweit – der Motor kommt raus! An dicken Ketten wird er über den Baum und Spifall aus dem Cockpit gehievt und an Land gebracht. Es ist unheimlich spanend. Halten die Ketten? Das Teil wiegt fast 500 Kilo! Hält das der Mast aus? Dann schwebt er über dem Deck und landet heile an Land. Nach grade mal drei Stunden ist es geschafft.

Und wir? Wir sind nur froh…

Wiedertreffen

So wenig charmant uns Martinique erscheint – es ist doch auch Drehkreuz der Langfahrtsegler, und wir treffen viele alte Bekannte wieder.

Die türkische „Koza“, die neben uns im August in Roccella lag! Nihal hatte mich von unterwegs unermüdlich mit Tipps versorgt – nun stellt sich heraus, dass sie mit ihrem Mann aus gesundheitlichen Gründen schon in Teneriffa von Bord gegangen ist. Sie seien, schreibt sie mir nun, keine Segler. Wie schade. Dafür treffen wir den übriggebliebenen Rest der Besatzung, ihren Bruder Nuri und Ebru, ihre Schwägerin, und verbringen einen netten Abend, bevor die „Koza“ weiterzieht. Richtung Panama.

Sergio und Emma von der „Zoe“ sehen wir hier wieder, die wir in Gibraltar und auf Lanzarote getroffen hatten. Freunde, kann man schon sagen. Auch sie hatten, wie die „Koza“ und wie wir, eine heftige Überfahrt. Leider müssen sie weiter Richtung Norden, sie treffen Freunde dort, aber wir hoffen, dass sich unsere Wege wieder kreuzen.

Nicole und Armin sind mit ihrer Amel leider bereits von St. Lucia weitergezogen Richtung Panama und dann wollen wie weiter über Kolumbien n den Pazifik. Die Weltmeere in 15 Monaten! Wir sehen uns wieder! In Deutschland, nächstes Jahr!

Und nun Ben und Steffi, die neben uns auf Gran Canaria lagen (Ich habe so ein schönes Foto von ihnen und finde es grade nicht…). Ben ist mit Freunden über den Atlantik gesegelt und berichtet noch immer entsetzt von 6 Meter hohen Wellen. Nie wieder, schwört er.

Es ist schön, unsere Gefährten gesund wieder zu sehen. Zumal es hier merkwürdigerweise sehr schwierig ist, Kontakte zu knüpfen.

Die meisten Segler bleiben, vor Anker, unter Deck. Vielleicht ist es zu heiß, keine Ahnung.

In Kneipen treffen wir nur Grüppchen, die offensichtlich nicht das Gespräch suchen.

Außerdem ist es ganz schön teuer, immer auf ein Bier weggehen zu müssen, um soziale Kontakte zu entwickeln. Die dann noch nicht einmal entstehen.

Vielleicht war es die Aufbruchstimmung, die uns auf den Kanaren, auf den Kapverden, zusammengeführt und –geschweißt hat. Jedenfalls kann ich immer mehr dem Geist der „ARC“ etwas abgewinnen, der genau dieses Miteinander fördern will. Ich hab der „ARC“ immer ziemlich vermessen etwas Vereinsmeierei unterstellt. Nun stelle ich fest – das Seglerverhalten hier hat etwas einer Kleingartenkolonie (oder dem, was ich mir, ebenfalls etwas vermessen, darunter vorstelle). Von Abschottung. Es atmet nicht den Geist des weiten Horizontes.

Uns fehlen Tipps für die Inseln. Natürlich gibt es Revierführer, aber die sind sehr unübersichtlich. Uns fehlt der Austausch, das begeisterte „Habt ihr auch gesehen?!“, das „Müsst ihr unbedingt machen!“. Die Kontakte sind punktuell und unverbindlich. Auf den Stegen grüßt man sich nicht mal.

Wenn das die große Freiheit der Langfahrtsegler ist – dann ist es unsere Lebensform nicht.

 

 

 

 

 

Seine letzte Fahrt

Noch einmal starten wir den Motor, hoffen, dass er anspringt, und legen uns vor St. Anne vor Anker. Peter geht im Meer schwimmen, aber besonders prickelnd ist es nicht, ca. 200 Boote im Ankerfeld um sich zu wissen, die…naja, eben alles ablassen.

Dann laufen wir die Werft an. Da soll unser Volvo ausgebaut werden. Da soll er seine letzte Ruhestätte finden.

Der Weg dorthin ist steinig, genauer: sandig und flach. Und zum ersten Mal in unserer Seglerkarriere setzen wir auf! Unser Tiefenmesser, den wir, wie wir vermutet hatten, vergebens zu kallibrieren versucht hatten, und dem wir immer noch 50 Zentimeter dazu gegeben hatten, funktioniert plötzlich doch genau. So ein Pech. Bei einem Langkieler zum Glück kein Drama! Wir kommen wieder frei.

Wir werden erwartet, allerdings nicht, wie versprochen, längsseits, sondern wir sollen mit dem Heck anlegen. Da ist der Langkieler ohne Bugstrahlruder von großem Nachteil – es ist wie immer ein Abenteuer, und wir haben starken Seitenwind. Ich einarmig, linkshändig, kann gar nichts machen, noch nicht einmal Leinen werfen.

An Land gibt es zwar viele helfende Hände, aber die machen die Hugin so falsch fest, dass sie frei auf das nebenliegende Bot schwingt. Die Panik nimmt zu. Da naht Hilfe – ein kleines Schlauchboot mit einer Familie, zwei kleine süße Kinder an Bord. Steffi und Ben! Die haben wir auf Gran Canaria kennengelernt. Welche Freude! Sie kommen sofort an Bord, und Dank Bens Hilfe klappt das mit dem Anlegen dann doch.

Wir verabreden uns für den Abend auf ihrem Boot, aber sie liegen vor Anker, und ich kann mich mit nur einem Arm leider nicht vom Dinghi aufs Schiff hieven. So müssen wir das Treffen verschieben…

Die Werft ist teuer. 28 Euro pro Nacht, das ist mehr, als wir der Marina gezahlt haben, bei deutlich weniger Service. Den Toilettenschlüssel muss man sich im Büro abholen, ist das geschlossen (und es früh geschlossen), ruft man den Sicherheitsdienst an.

Dafür sieht es netter aus als erwartet. Auf der einen Seite haben wir ein Mangrovenwäldchen, in dem Vögel nur so zwitschern und trällern, auf der anderen Seite wird die alte Holzkirche von Le Marin angestrahlt und der kleine Ort sieht nun doch einladend aus.

Ebenso wie die einzige Kneipe auf dem Werftgelände. Eine Holzbaracke – Wäscherei, Tauschbibliothek, Tankstelle, Cafeteria und Abendbierkneipe in einem – sehr nett. Ich sehe mich dort schon schreiben und lesen. Allerdings waschen die Strahlen der Abendsonne alles etwas schöner und weicher – am nächsten Morgen entpuppt sich die Kneipe auch als lokaler Säufertreff – und das macht mich nun gar nicht an.

 

 

 

 

„vendu“

verkauft! Jawohl, und zwar an uns! So sieht er aus, der neue Yanmar. Ab morgen soll er eingebaut werden, heute legen wir um in die Werft. Das wird wahrscheinlich ein zweifelhaftes Vergnügen, stelle ich mir vor, und ich werde mit dem Bus in die Hauptstadt oder sonstwohin fahren – Hauptsache weg! Arm hin- oder her. Der sieht mittlerweile aus wie tatowiert, blauschwarzgrün, von der Schulter bis zum Ellenbogen. Macht mir Angst, aber Freundin Christine sagt, das wär normal… Am Ende wird alles gut, sonst ist es noch nicht das Ende! Sowohl für Motor als auch für Arm ab….

Ein neuer Motor

Peter reicht es. Der Motor ölt wieder. Dazu die ewige Ungewissheit, ob er anspringt oder nicht, ob er aussteigt oder nicht,. Er will endlich einen neuen. Und hier, in Martinique, ist der Platz, ihn zu kaufen und einbauen zu lassen.

Ich finde, er hat Recht. Obwohl es mir vor allem um Peter leid tut. Wie viele Stunden hat er im heißen, engen Motorraum zugebracht, Leitungen neu verlegt, Filter eingebaut, entlüftet, entlüftet, entlüftet – und nun ist alles umsonst.

Wir hätten längst so konsequent sein müssen, waren nur zu sentimental und hingen an dem alten Volvo. 38 Jahre alt! Der Mechaniker hier schlägt die Hände über dem Kopf zusammen. Jede halbe Stunde kann der oder das Getriebe zusammenbrechen! Jeder investierte Euro in diese alte Maschine ist „ins Wasser geschmissen“. Das ist wohl war. Und wir haben einiges „ ins Wasser geschmissen“. Hätten viel Geld, Zeit und Nerven gespart, wenn wir ihn schon vor Beginn der Reise ersetzt hätten.

Auf der anderen Seite – hier ist Peter dabei und kann die Arbeiten beaufsichtigen. Wie viel Pfusch haben wir schon am Boot erlebt. Hier haben wir ein gutes Gefühl (das hatten wir in Griechenland und der Türkei allerdings auch anfangs immer…)

Es wird ein Yanmar, 110 PS. Dann, meint Patrice, der Mechaniker, brauchen wir den Propeller nicht zu tauschen, er funktioniert rechts- und linksdrehend (eine Schiffseigenheit, Schrauben drehen meistens nach rechts, unsere nach links).

Zwei Wochen soll es dauern. Das deckt sich mit einer härtesten Arm-Auszeit – das passt ja auch. Und ich freue mich darauf, endlich mal länger an einem Platz zu bleiben. Und durchatmen zu können. Selbst der Käpt’n findet das nicht sooo schlimm….

Emergency Room

Hatte ich immer gejammert, ich wollte Land und Leute näher kennenlernen? Das hab ich jetzt davon, denn wo lernt man ein Land besser kennen als im Krankenhaus?

Ich wollte einen großen Schritt vom Boot auf den Steg machen. Und bin am Steg abgerutscht. Hab mich noch an einem Tau festgehalten, weil Handtasche mit Geld und Papieren dabei. Und hing dann wie ein Affe an der Liane zwischen Seil und Wasser…

Affen sind für so was gerüstet. Ich nicht. Meine Schulter tat höllisch weh, mir war ohnmachtsschlecht –kein gutes Zeichen. Also lieber zum Arzt.

Die Ärztin war sehr freundlich und schickte mich zum Röntgen. Möglicherweise wäre die Schulter ausgekugelt und müsste wieder eingerenkt werden. Mir wurde noch schlechter.

Es begann eine Odyssee. Die Röntgenabteilung im Ort hat nachmittags geschlossen.

Ja, klar, das Krankenhaus in Le Marin hat eine, versichert man uns in der Apotheke. Nein, bedauert man dort.

Also auf in die Hauptstadt. Bis zu einer großen Baustelle ist der Weg zum Hospitalgut ausgeschildert. Ab da irren wir eine halbe Stunde umher (zum Glück haben wir einen Mietwagen, wir haben die Jungs zum Flughafen gebracht). Die Zeit läuft, denn Freundin Christine, Ärztin, hat gesagt, wenn, müsse man möglichst schnell einrenken, sonst würde es immer schwieriger. Und schmerzhafter.

Endlich finden wir das Krankenhaus. Irgendwann sogar die Röntgenabteilung. Da schaut man uns erstaunt an. Wir wären doch ein Notfall! Also ab in die Ambulanz. In die wir auch freundlich geleitet werden, das Krankenhaus ist ein Labyrinth.

Wir suchen eine Anmeldung und finden keine. Na gut, die Ärztin hatte auch keine, vielleicht ist das hier so. Wir sitzen und warten und warten. Irgendwann kommt uns das denn doch komisch vor und wir fragen. Nun spricht auf Martinique kaum jemand englisch (wie im übrigen Frankreich), mein Französisch ist zugegebenermaßen auch lausig. So radebrechen wir uns zusammen – wir müssen uns anmelden. Draußen. Endlich einen Schritt weiter.

Pass? Personalausweis? Hab ich nicht dabei. Nach langen Diskussionen nimmt man trotzdem an.

Wieder sitzen wir und warten und warten. Wäre es nicht so lausig kalt, wäre es wie imFilm – mitten im „Emergency Room“ (War eine Krankenhausserie mit George Clooney). Und ich beginne zu verstehen, was an Krankenhausserien so reizt. Das Klinikpersonal – gemischthäutig durch alle Ebenen – eilt geschäftig durch die Gänge, wirkt sehr kompetent und souverän. Nie gestresst, es ist immer noch Zeit für einen Flirt, ein Schäkern mit Kollegen oder Patienten. Sie sind die, die über das Wohlergehen der Kranken entscheiden, und sie kümmern sich. Freundlich, zugewandt, sei es, dass sie im Vorbeigehen nur eine Decke über einen Patienten legen und ihn aufmunternd anlächeln.

Dass ich angesichts der eingelieferten Notfälle ganz hinten komme, verstehe ich gut, aber mittlerweile sitzen wir vier Stunden da, und es wird bitterlich kalt. Ich will doch nur ein Röntgenbild! Bitte!!!

Endlich erbarmt sich ein sehr junger Arzt, vielleicht Mitte zwanzig, wie die coolen Jungs in der Marina mit Dutt und weichem Gesicht. Er ist Traumaexperte. Hier bin ich richtig.

Er lässt mich meinen Arm in alle Richtungen bewegen und meint, ausgekugelt sei er nicht. Röntgen sei auch nicht nötig. Ich atme auf. Dann verschwindet er und wir warten wieder….Er kommt zurück: Der Chef hat gemeint, doch röntgen. Oh nein. Wieder warten. Nicht so ganz lange diesmal. Der Röntgenarzt ist auch so jung und extrem freundlich. Nur als ich ihn nach dem Ergebnis frage, wird sein Gesicht verschlossen. Er darf nichts sagen.

Leider ist das Röntgenbild nicht ganz so harmlos, wie gehofft. Der Armmuskel hat anscheinend ein winziges Stückchen Knochen von der Schulter abgerissen. Na super.

Ruhig halten, kühlen. Zwei Wochen lang. Mindestens. Schwimmen? Segeln? Kann ich erstmal vergessen. Mein armer Peter. Er wird viel übernehmen müssen. Na gut. Hätte schlimmer kommen können. Aber, zum Kuckuck, auch besser!!

 

 

 

 

 

 

 

 

Sebastian

auch. Wir sind traurig. Wir waren so eine gute Crew! Gute, besonnene Segler, die beiden, Frühstückmacher, Tellerwäscher, Doppelkopfspieler – Teamplayer. Richtig tolle Jungs. Das muss ja mal gesagt werden! Auf bald!

Martinique

empfängt uns mit einem Regenbogen, es hat wieder ordentlich geregnet.

Wir wollen den letzten Tag mit den „Jungs“ noch einmal in einer Bucht verbringen. Der Revierführer empfiehlt Sainte-Anne, ein „karibisches verschlafenes Fischerdörfchen, vor dem man in glasklarem Wasser ankern kann.“

Das haben wohl mehr als 200 Bootscrews ebenfalls gelesen. Wir sind geschockt von dem großen Ankerfeld. Vorbei mit der Beschaulichkeit. Wir finden trotzdem ein schönes Plätzchen, schwimmen nochmal, liegen endlich mal ruhig! Und genießen den letzten Buchtentag. Denn tagsdrauf gehen wir in die Marina Le Marin, die größte auf der Insel. Wir müssen am Boot einiges nachrüsten, außerdem gehen die Jungs leider von Bord und fliegen heim, das ist von einer Marina aus besser zu organisieren als vom Ankerplatz.

Ein bisschen traurig sind wir. Es ist das Ende unserer ersten Etappe in der Karibik, dem Besegeln der Grenadinen.

Aber ich freue mich auf die Marina. Endlich wieder duschen! Haare-, Wäschewaschen, in den Ort laufen, bummeln gehen…

Und bin enttäuscht. Die Marina ist riesig, mir viel zu groß, unübersichtlich, ohne Atmosphäre, der Ort halb zerfallen, ohne den Charme der bisherigen Karibikstädtchen. Marode Holzhütten zwischen Betonhäusern, die höher als Palmen sind! Ich finde mich nicht zurecht und fühle mich nicht recht wohl, dem Käpt’n geht es ähnlich.

Abends zieht es uns zu einer Kneipe, aus der gute Musik kommt. Jamsession! Mehr als 30 Hobbymusiker werden im Laufe des Abends zusammen musizieren, quer durch alle Hautfarben und Jahrgänge. Betanzt von überwiegend jungen Menschen, viele Männer mit langen Haaren, zum Dutt gebunden, und sanften Gesichtern. Das versöhnt mich wieder. Es hat etwas von, man verzeihe mir das Pathos, Weltfrieden.