Martinique ist uns immer noch fremd, ganz wohl fühlen wir uns hier nicht. Die Blumeninsel? Wo bitte? Ein Holzhäuschen gibt es in der Nähe, das schön begrünt ist, der Rest sind baufällige Holzbaracken und Betonhäuser ohne jeden Charme.
Ben und Steffi von der Lady Sunshine geht es ähnlich. Ben hat aber einen heißen Tipp: Wir gehen in der Markthalle essen! Die Markthalle ist zwar auch ziemlich touristisch, aber man kriegt da wenigstens Obst und Gemüse. Den Essensstand hatten wir bis jetzt übersehen.
Wir gurken also mit dem Dinghi an einen kleinen Steg – zum Laufen ist es zu weit. Und bestellen in der Markthalle. Hühnchen ist aus, Rindfleisch also für Peter, Fisch für mich. Zwanzig Minuten müssen wir warten, wir nutzen die Zeit, um im Ort und am Strand entlangzulaufen. Auch da gibt es kleine Büdchen, die nett ausehen, aber leider geschlossen sind.
Pünktlich finden wir uns wieder ein –und das essen ist – natürlich – richtig gut. Besonders Peters Rindfleisch, da könnte ich fast mein Vegetarierdasein über Bord werfen. Dazu gibt es Reis, Salat, Zucchinigratin. Einen kalten, erdigen Roten aus dem Bordeaux, gratinierte Ananas und Rum zum Nachtisch – was wollen wir mehr.
Vor allem aber ist die Gesellschaft drumrum interessant. An einem der Nachbartische hat es sich eine Gruppe Barfußindianer (dreiviertellange Cargohosen, Rastalocken, barfuß oder Flipflops, hell- und dunkelhäutig) bequem gemacht, eine Flasche Rum (nicht leer) auf dem Tisch. Sie sind von Bens und Steffis Kindern begeistert (zu Recht) und flirten mit ihnen, was das Zeug hält. Nett und aufgeschlossen. Einer der weißen Rastas, bullig, barfüssig, sehr freundliches Gesicht, entdeckt meine Armschlinge, die ich vor allem in der Öffentlichkeit als Schutz trage, und empfiehlt sich als Physiotherapeut. Ich schlucke. Och, meine Cousine behandelt mich schon, aber ich wüsste ja, wo ich ihn finde. Er ist zum Glück nicht beleidigt.
Neben uns sitzt ein seriöses französisches Rentnerehepaar, eigentlich von der Rhone, das jedes Jahr drei Monate auf Martinique verbringt und von der Markthallenküche hier und in St. Pierre schwärmt. Wir palavern ein bisschen, sie sind neugierig und mein Französisch wird etwas besser. Mit dem bekannten Effekt, dass sie glauben, ich könnte es, und loslegen. Da muss ich dann passen…
Satt und etwas angeschickert machen wir uns auf den Heimweg und stellen fest, dass es solche Begegnungen sind, die für die wenig wirtliche Umgebung entschädigen…
