So wenig charmant uns Martinique erscheint – es ist doch auch Drehkreuz der Langfahrtsegler, und wir treffen viele alte Bekannte wieder.
Die türkische „Koza“, die neben uns im August in Roccella lag! Nihal hatte mich von unterwegs unermüdlich mit Tipps versorgt – nun stellt sich heraus, dass sie mit ihrem Mann aus gesundheitlichen Gründen schon in Teneriffa von Bord gegangen ist. Sie seien, schreibt sie mir nun, keine Segler. Wie schade. Dafür treffen wir den übriggebliebenen Rest der Besatzung, ihren Bruder Nuri und Ebru, ihre Schwägerin, und verbringen einen netten Abend, bevor die „Koza“ weiterzieht. Richtung Panama.
Sergio und Emma von der „Zoe“ sehen wir hier wieder, die wir in Gibraltar und auf Lanzarote getroffen hatten. Freunde, kann man schon sagen. Auch sie hatten, wie die „Koza“ und wie wir, eine heftige Überfahrt. Leider müssen sie weiter Richtung Norden, sie treffen Freunde dort, aber wir hoffen, dass sich unsere Wege wieder kreuzen.
Nicole und Armin sind mit ihrer Amel leider bereits von St. Lucia weitergezogen Richtung Panama und dann wollen wie weiter über Kolumbien n den Pazifik. Die Weltmeere in 15 Monaten! Wir sehen uns wieder! In Deutschland, nächstes Jahr!
Und nun Ben und Steffi, die neben uns auf Gran Canaria lagen (Ich habe so ein schönes Foto von ihnen und finde es grade nicht…). Ben ist mit Freunden über den Atlantik gesegelt und berichtet noch immer entsetzt von 6 Meter hohen Wellen. Nie wieder, schwört er.
Es ist schön, unsere Gefährten gesund wieder zu sehen. Zumal es hier merkwürdigerweise sehr schwierig ist, Kontakte zu knüpfen.
Die meisten Segler bleiben, vor Anker, unter Deck. Vielleicht ist es zu heiß, keine Ahnung.
In Kneipen treffen wir nur Grüppchen, die offensichtlich nicht das Gespräch suchen.
Außerdem ist es ganz schön teuer, immer auf ein Bier weggehen zu müssen, um soziale Kontakte zu entwickeln. Die dann noch nicht einmal entstehen.
Vielleicht war es die Aufbruchstimmung, die uns auf den Kanaren, auf den Kapverden, zusammengeführt und –geschweißt hat. Jedenfalls kann ich immer mehr dem Geist der „ARC“ etwas abgewinnen, der genau dieses Miteinander fördern will. Ich hab der „ARC“ immer ziemlich vermessen etwas Vereinsmeierei unterstellt. Nun stelle ich fest – das Seglerverhalten hier hat etwas einer Kleingartenkolonie (oder dem, was ich mir, ebenfalls etwas vermessen, darunter vorstelle). Von Abschottung. Es atmet nicht den Geist des weiten Horizontes.
Uns fehlen Tipps für die Inseln. Natürlich gibt es Revierführer, aber die sind sehr unübersichtlich. Uns fehlt der Austausch, das begeisterte „Habt ihr auch gesehen?!“, das „Müsst ihr unbedingt machen!“. Die Kontakte sind punktuell und unverbindlich. Auf den Stegen grüßt man sich nicht mal.
Wenn das die große Freiheit der Langfahrtsegler ist – dann ist es unsere Lebensform nicht.
