Noch einmal starten wir den Motor, hoffen, dass er anspringt, und legen uns vor St. Anne vor Anker. Peter geht im Meer schwimmen, aber besonders prickelnd ist es nicht, ca. 200 Boote im Ankerfeld um sich zu wissen, die…naja, eben alles ablassen.
Dann laufen wir die Werft an. Da soll unser Volvo ausgebaut werden. Da soll er seine letzte Ruhestätte finden.
Der Weg dorthin ist steinig, genauer: sandig und flach. Und zum ersten Mal in unserer Seglerkarriere setzen wir auf! Unser Tiefenmesser, den wir, wie wir vermutet hatten, vergebens zu kallibrieren versucht hatten, und dem wir immer noch 50 Zentimeter dazu gegeben hatten, funktioniert plötzlich doch genau. So ein Pech. Bei einem Langkieler zum Glück kein Drama! Wir kommen wieder frei.
Wir werden erwartet, allerdings nicht, wie versprochen, längsseits, sondern wir sollen mit dem Heck anlegen. Da ist der Langkieler ohne Bugstrahlruder von großem Nachteil – es ist wie immer ein Abenteuer, und wir haben starken Seitenwind. Ich einarmig, linkshändig, kann gar nichts machen, noch nicht einmal Leinen werfen.
An Land gibt es zwar viele helfende Hände, aber die machen die Hugin so falsch fest, dass sie frei auf das nebenliegende Bot schwingt. Die Panik nimmt zu. Da naht Hilfe – ein kleines Schlauchboot mit einer Familie, zwei kleine süße Kinder an Bord. Steffi und Ben! Die haben wir auf Gran Canaria kennengelernt. Welche Freude! Sie kommen sofort an Bord, und Dank Bens Hilfe klappt das mit dem Anlegen dann doch.
Wir verabreden uns für den Abend auf ihrem Boot, aber sie liegen vor Anker, und ich kann mich mit nur einem Arm leider nicht vom Dinghi aufs Schiff hieven. So müssen wir das Treffen verschieben…
Die Werft ist teuer. 28 Euro pro Nacht, das ist mehr, als wir der Marina gezahlt haben, bei deutlich weniger Service. Den Toilettenschlüssel muss man sich im Büro abholen, ist das geschlossen (und es früh geschlossen), ruft man den Sicherheitsdienst an.
Dafür sieht es netter aus als erwartet. Auf der einen Seite haben wir ein Mangrovenwäldchen, in dem Vögel nur so zwitschern und trällern, auf der anderen Seite wird die alte Holzkirche von Le Marin angestrahlt und der kleine Ort sieht nun doch einladend aus.
Ebenso wie die einzige Kneipe auf dem Werftgelände. Eine Holzbaracke – Wäscherei, Tauschbibliothek, Tankstelle, Cafeteria und Abendbierkneipe in einem – sehr nett. Ich sehe mich dort schon schreiben und lesen. Allerdings waschen die Strahlen der Abendsonne alles etwas schöner und weicher – am nächsten Morgen entpuppt sich die Kneipe auch als lokaler Säufertreff – und das macht mich nun gar nicht an.

