Der Urfisch….

…,der Fisch aller Fische, muss so ausgesehen haben und aus den tiefsten Tiefen des Meeres kommen. Nach Recherche im Internet halten wir ihn für einen Butt. Oder doch einen Steinbeißer??? Weiß jemand was???

 

 

 

 

Fisch satt

Der Fischkutter ist wieder da. Einen Tag lang haben wir freie Aussicht auf die Ausfahrt der Marina genossen und die Ruhe! Kein Generator, kein Motor! Jetzt liegt der Fischer wieder da und rumpelt. Wir beschließen, die Gelegenheit beim Schopf zu packen und nochmal nach Fisch zu fragen… wir würden auch dafür bezahlen! Darauf lässt sich der Capitano (der übrigens besten Jazz hört!)  gar nicht ein, sondern sammelt uns ein paar Fische  in einen Styroporkarton und überreicht sie ohne Worte. So viel wollen wir gar nicht! Doch seine Fischer – keine Italiener, glauben wir, Albaner vielleicht- erklären uns mit glänzenden Augen, wie gut die sind, wie sie auszunehmen und zu putzen sind. Wir verstehen nicht viel, freuen uns aber doch sehr. Und sie sind so nett! So begeistert von ihrem Fang! So sehen die Fische aus (siehe Foto)…. Kennt die jemand? Kann man die essen????

Im Westen nichts Neues

Wir warten, warten, warten. Das ist blöd, weil wir nichts planen können. Wenn es gut läuft, sind wir nur noch ein paar Tage da, wenn nicht…lieber nicht dran denken.

Wir nutzen die Zeit, auf dem Bot zu arbeiten. Heute ist es wolkig, das geht das ganz gut. Peter fugt das Teakdeck, ich schleife die Fensterrahmen ab. Heute wollen wir auch endlich mal ins Meer! Nicht zu glauben – wir waren tagelang nicht baden. Der Hafen ist zu dreckig, und zum Strand müssen wir mit dem Fahrrad fahren – und das ist uns zu umständlich…

Alles dauert länger. Einkaufen ist umständlich, weit, ein Bootsgeschäft haben wir noch gar nicht gefunden. Nicht zu ändern. Wir behalten die Nerven. Und gehen jetzt wieder fugen – und schleifen…

Doch keine Schtars…

mein Italienisch ist einfach zu schlecht und richtig was Wichtiges  hatten wir ja auch nicht zu berichten. Sorry an alle, die vor dem Fernseher ausgehalten haben…!

Wir fahren jetzt mit dem Radl in die Stadt, Pizza essen in der Bar Roma – eine Pizzaschniitte vom Blech, 1 Euro, aber super lecker.

Bis morgen – a domani!

Peter und Ute

PS: Aber Aluplast war in der Sendung!!!!

Fernsehschtars

Rocco hat uns das eingebrockt. Rocco, einer der beiden Helfer für alle Fälle in der Marina, der mit Davide Boote lotst, überall hilft. Rocco hat dem italienischen Fernsehen uns als Portraits  für die Reihe „Leben auf dem Meer“ vorgeschlagen. Wenn ihr also uns italienisch radebrechend vor unserem Boot sehen wollt: www.telemia.it  So gegen 20:30 Uhr. Autogramme dann später…:-))))falls sie es überhaupt zeigen!

Kaputt

Sie kommen kurz nach 9, Francesco und Tomaso, und das ist super nett – gleich als erstes nach ihrem freien Wochenende. Von Peters Idee, dass die Pumpe nicht kaputt sei, sondern das Magnetventil zum Abschalten aber, lassen sie sich nicht überzeugen. Das sei auch nicht mehr bestens, aber – es ist die Pumpe. Sie bauen sie aus.

Wir radeln bei Gluthitze in die Stadt auf den Markt, der sehr schön ist, bei Gluthitze mittags in den Supermarkt, der gerade schließt – Mittagspause!- , arbeiten etwas, und warten., warten, warten….

Abends kommen sie wieder, unsere Mechaniker. Sie haben einen Spezialisten bei Bosch angetroffen – es ist eindeutig die Pumpe. Alle (!) Kolben kaputt – vom Dreck im Diesel vermutlich zerstört.

Nun suchen sie neue Kolben. Vier haben sie gefunden, sechs brauchen wir…jetzt in der Ferienzeit, schwierig, schwierig. Aber sie sind nicht hoffnungslos.

Wenn es sie hier nicht gibt, nehme ich den Flieger nach Deutschland (Ryanair – nach Söllingen!) und wir suchen da.

Selbst Peter ist nun ziemlich niedergeschlagen und überlegt Plan B –  einen neuene Motor… Hoffentlich nicht! Drückt uns die Daumen!

Vielen, vielen Dank bei dieser Gelegenheit für Eure Unterstützung!!! Und die Ermutigungen. Das hilft auch.

Ferragosto

15.8. Maria Himmelfahrt….Auch wir  tun – nichts. Keine Bootsarbeiten, nichts. Radeln in die Stadt, gehen Eis essen. Im Pinienwäldchen neben der Marina treffen sich etliche Großfamilien, rücken mit allem an Campingmöbeln an, was der Balkon her gibt, schlachten riesige Melonen, grillen (drei Waldbrände haben wir in den vergangenen Tagen von Ferne gesehen), schaukeln in der Hängematte.

Wer es nicht in den Wald geschafft hat, zieht mit Kind und Kegel an den Strand, baut Sonnenschirme auf, planscht im Wasser, spielt Beachvolleyball. Schon das Zusehen macht Spaß. Es ist so friedlich!

Wir, zurück auf dem Boot, trauen uns, den Fischer neben uns (den mit dem Motor) nach Fisch zu fragen. Wir treffen nur die Frau des Kapitäns, Fische gibt es keine, der Kutter war nicht draußen. Schade.

Etwas später kommt sie ans Boot – mit einer Schachtel voller Kalamari. Grüße vom Kapitano. Wie nett!

Wir müssen erstmal im Internet nachschauen, wie man die Teile ausnimmt. Sieht nicht so schwierig aus. Peter übernimmt das und erntet von dem coolen Davide, der das Pilotboot in der Marina fährt, ein anerkennendes „Daumenhoch“. Von mir – einen Kuss.

Die Kalamari schmecken köstlich. In Knoblauchöl gebraten, mit Zitrone. Wenn alle Stricke reißen, machen wir eine Kalamaribude auf…

Nachts radeln wir nochmal in die Stadt. Was Roccella an Schönheit fehlt, macht es mit Veranstaltungen wett. Jazzfestival! Unter freiem Himmel mit Vollmond(!)auf der Piazza, vor Marmorsäulen und einem nachgebauten Amphitheater, kosten tut es nichts. Der Wein ist auch gut – das Leben ist schön!

 

 

 

 

 

 

 

Reggio/Kalabrien

Es ist Feiertag in Italien – langes Wochenende, alles hat geschlossen, auf dem Boot arbeiten können wir auch nicht. Also wollen wir uns ein Auto mieten und die Gegend erkunden.

Carla, die freundliche Dame in der Touristinformation, ist untröstlich. Drei Autos haben sie , das letzte hat sie gestern vergeben – auch privat ist an dem langen Feiertagswochenende, wo Hintz und Kuntz unterwegs sind, nichts zu machen.

Peter, Peter(der nie freiwillig auf die Schienen geht!!!), schlägt vor, den Zug zu nehmen. Carla, erleichtert, uns helfen zu können, findet das eine gute, nahezu geniale Idee. Wir nehmen den Zug nach Reggio! Zumal in Reggio gerade eine Eisdiele zur besten Italiens gekürt wurde! Cesare, ganz leicht zu finden, Reggio ist klein…

Also, auf nach Reggio. Der Zug fährt durch trostlose Gegenden. Karg, wasserlos. Wunderschön hingegen die andere Seite – kilometerlange Strände mit klarem blauem Wasser. Wer Badeurlaub liebt, ist hier richtig.

Reggio enttäuscht uns anfangs. Auch hier ist alles geschlossen, sieht etwas trist aus. Wir tasten uns vor, laufen der Nase nach – und finden irgendwann die Strandpromenade. Klassizistische Bauten entlang der Hauptstraße, Palmen. Einen botanischen Garten! Schöne Restaurants. Reggio, finden wir nun doch, hat was. Auch wenn wir Cesare leider nicht gefunden haben…unsere Eisdiele war auch grandios.

Wir lassen uns in einer Kneipe nieder mit Blick auf die Strasse von Messina. Da wollen wir auch in – sobald unser Bötchen wieder fährt.

Erstmal müssen wir zurück. Der letzte Zug fährt um 20:15!

Die selbe Idee haben außer uns hunderte anderer Reisender. Der Zug besteht aus zwei kleinen Waggons – unmöglich, dass alle da unterkommen, auch wenn wir wie die Sardinen stehen. Die Stimmung droht zu kochen, der Zugschaffner holt die Carabinieri, Polizei also, zu Hilfe. Dann warten wir. Warten. Warten. Keine Informationen, wann es weitergehen soll – und ob überhaupt…

Eine Stunde später kommt auf dem anderen Bahngleis ein neuer Zug, größer. Und dann geht es endlich los. Es ist Mitternacht, bis wir zurückkommen. Zwei Stunden Fahrt hin, fast vier zurück, vier Stunden in Reggio. Trotzdem – es hat sich gelohnt!

Mediterranean homesick blues

Ich sitze in einer Eisdiele in Reggio/Calabria vor dem besten bacio-Eis, das ich je gegessen habe, und heule. Ich habe Heimweh. Ich, 55 Jahre alt, weitgereist, gern gereist, bislang durchaus als Weltenbummlerin zu bezeichnen – ich heule wie eine 5jährige. Weil ich Freunde, Familie, Zuhause, Kater fürchterlich vermisse. Ich verstehe die Welt nicht mehr. Peter auch nicht.

Vielleicht liegt es daran, dass unser Zeit auf dem Wasser bisher nicht gerade einfach war, weit mehr ein Aushalten als Genießen.

Vielleicht liegt es daran, dass Roccella, der Ort, an dem wir gestrandet sind, alles andere als schön ist. Wir haben ihm nicht nur den zweiten, sondern den vierten, fünften, zehnten Blick gegönnt und wirklich nicht Charmantes finden können. Kantige, braune, graue Häuser, oft gar nicht verputzt, alles schreit nach Armut. Keine Gärten, keine kleinen Ecken, die liebevoll gestaltet sind, keine begrünten Balkone – hier haben Menschen keine Kraft, keine Lust mehr, nach der Arbeit ihr Heim zu verschönern, hier geht es nur ums Überleben. Zumal Wasser für Pflanzen sicher rar , wenn überhaupt vorhanden ist. Kalabrien ist trocken. Und die ärmste Ecke Italiens, vergessen vom reichen Norden. Kein Ort, um sich wohl zu fühlen. Wir radeln auf unseren klapprigen Rädern nur hin, um der Marina ab und an zu entfliehen.

Die Marina ist nett, freundlich, sauber. Klein. Das Cafe, ein möglicher Rückzugsort und der einzige Platz mit Internetverbindung, spielt grauenhafte Musik. Abba- Remix, Weihnachtsmusik! durchsetzt von schreiender Werbung. Schwer auszuhalten. Sobald wir das Internet gecheckt haben, fliehen wir auch da. Aufs Boot.

Unser Boot liegt am äußersten Ende der Marina. Neben den Fischerbooten, getrennt von einem Maschendrahtzaun. Nicht neben kleinen hübschen Booten, die morgens vom Fang zurück tuckern, sondern neben Trawlern, mittelgroßen Schiffen, die mit Schleppnetzen alles vom Boden holen, was sich nicht retten kann. Aber nicht nur, dass wir also neben einem riesigen Fischfriedhof liegen – die Fische werden ab Boot kistenweise verkauft. Der Generator läuft, der Motor läuft, Autos kommen und gehen – die halbe Nacht, in gleißendes Neonlicht getaucht. Es ist nicht friedlich, es ist nicht romantisch. Es zerrt an den Nerven.

Und unser Boot, unsere Hugin, unser zweites Zuhause? Dauerbaustelle. Die Bodenbretter aufgestellt, alle Tische mit Werkzeug belegt, Dieselgeruch, nichts Anheimelndes. Aber auch gar nichts. Heiß ist es noch dazu. Und kein Wind.

Daheem kennst’ liegen – pflegte ein Mannheimer Kollege in solchen Situationen zu seufzen. Genau. Mit dem Kater auf dem Bauch Zeitung lesen, meiner Mutter beim Umzug helfen, Luzie im Garten, es mit Freunden nett haben…

Jetzt aber genug des Selbstmitleids. Mein armer Peter weiß gar nicht, wie er mich trösten soll und ist kreuzunglücklich. Vielleicht fliege ich doch zwischendurch mal nach Hause. Um aufzutanken, Freunde in den Arm zu nehmen, den Kater zu kraulen. Und dann wieder zurück zu Boot und Peter. Weil – aufgeben will ich unser Projekt ja denn doch nicht…

 

 

Zwangspause

Der mecanico kommt wieder, testet und testet und testet – keine guten Nachrichten. Die Einspritzpumpe, möglicherweise. Dann haben wir ein echtes Problem, denn unser Motor ist so alt, dass es die dazugehörigen Ersatzteile meistens nicht mehr gibt. Ich will nicht verhehlen, dass ich mir ein klitzekleines Problemchen durchaus gewünscht hatte, um mal ein paar Tage am Stück an einem Ort bleiben zu können. Ich fühle mich manchmal ganz schön gehetzt und finde es völlig idiotisch, mein einziges Sabbatical wie auf der Flucht zu verbringen. Aber den Motor wollte ich dafür nicht opfern! Und darauf wird es hinauslaufen – bekommen wir keine Ersatzteile mehr, brauchen wir einen neuen Motor…und dann…

…hat unser Abenteuer bereits im dritten Land, das wir besegeln, ein jähes Ende gefunden…!

Noch aber geben wir die Hoffnung nicht auf. Tomaso kommt, ein weiterer Mechaniker. Er will die Pumpe ausbauen und einschicken, um sie reparieren zu lassen. Dummerweise ist in ganz Italien ist ferragosto –alle Betriebe haben Ferien! (Wer Camilleri und seine Romane um den Comissario Montalbano gelesen hat, wird das kennen….)

Auch Tomaso macht erstmal Urlaub, Dienstag kommt er, hofft auf den Bosch-Notdienst und dann – mal sehen…Klappt das nicht, versuchen wir es in Deutschland, parallel kontaktieren wir alle möglichen Techniker, die sich auskennen und wirklich per mail oder telefonisch zur Seite stehen.

Erstmal sitzen wir also fest. Und machen alles mögliche am Boot, was sowieso fällig ist. Es wird mal wieder – Baustelle…

Abends wollen wir uns belohnen und in der Marina essen gehen. Das muss sehr gut sein, man muss reservieren, sonst bekommt man keinen Platz. Tagsüber ist das Ristorante miniklein, abends werden Tische über Tische rausgestellt und die Menschen kommen von nah und fern, in schicken Abendklamotten und ausgehfein. Das haben wir uns verdient!

 

Es ist wie Oktoberfest und Düsseldorfer Altstadt zusammen. Es gibt die Pizza nicht rund, sondern am Meter. Der Hit ist ein Gestell, das an Kaugummiautomaten erinnert, aber mit Warsteiner Bier gefüllt ist, auf den Tisch gestellt wird und dort Plastikbecher über Plastikbecher füllt. Dazu kann man Pizza mit Wurstel und Kartoffel bestellen…Und die Leute sind begeistert! Über 300 Gäste werden da pro Abend bedient, von der gerühmten Entspanntheit der Kalabresen hat das aber rein gar nichts. Die Bedienungen joggen regelrecht die Tische entlang, brüllen sich an, treiben sich an – wir fühlen uns wie Besucher auf einer Galeere. Und das Essen ist –lausig. Peters Spaghetti sind sehr al dente, die Soße ist lieblos drüber geknallt, der Pizzabelag versinkt in Teig und fettigem Käse und der Wein ist auch nicht besonders. Das war wohl nichts…

Wir wollen uns mit Cafe und Grappa im Städtle entschädigen – aber unsere Räder sind weg! Na gut, es sind nicht „unsere“, sie sind Allgemeingut, aber wir haben sie geliehen und sie stehen vor unserem Boot und Ersatz ist nicht in Sicht. Wir sitzen also fest und finden das nun wirklich eine absolute Sauerei.

Dann nehmen wir den Espresso eben in dem kleinen Cafe’ hier – und einen weißen Grappa, der sehr gut ist. Und uns dann doch etwas entschädigt…

PS: Als wir zurück aufs Boot kommen, sind die Fahrräder wieder da. Wir schließen sie ab! Am Morgen ist ein Vorderrad abmontiert und steht daneben. Wir haben einen Fahrradkampf!!!