Schöne Begegnungen

Das ist das Highlight diesen Tages in der Bucht– eine Schildkröte. (Foto folgt) Denn der weiße karibische Sand, der so nach Schwimmen und Schnorcheln ruft, ist leider aufgewühlt. Wir haben mal wieder sehr starken Wind in der Bucht – für die Segler: bis 25 Knoten-, und da macht das Schwimmen gegen die Wellen keinen Spaß und das Schnorcheln keinen Sinn, weil wir noch nicht mal eine armbreit unter Wasser sehen können. Wie schade.

So entzückt uns wenigstens die Schildkröte, wenn sie ihr Köpfchen hebt. Drei haben wir ausgemacht. Auf dem Strand legen sie anscheinend ihre Eier ein Schild bittet darum, sie nicht dabei zu stören. Das jedoch kümmert die „Fun-kats“, die „Spaßkatamarane“, die hier mit Ladungen voller Passagiere der Kreuzfahrtschiffe mit lauter Musik und viel Remmidemmi einlaufen, herzlich wenig. Ein wenig Spaß muss sein, tammtammtammtamm….(um ehrlich zu sein, sie spielen Bob Marley, wahrscheinlich verstehen sie kein Wort, denn seine Texte sind eher politisch) mit ordentlich Bier und Getrampel. Erstaunlich, dass die Schildkröten überlebt haben. Oder vielleicht bleiben sie grade deshalb so lange, weil die immer wieder Eier legen, um das Weiterexistieren ihrer Art zu garantieren. Wenn die Eier also kaputt gehen, müssen sie wieder neue legen und wieder neue und wieder neue…bis die Menschen hier kapiert haben, dass die Natur etwas Schützenswertes ist.

Jolly Harbour

Antigua, 13.3.2017

trägt seinen Namen zu Recht. Es ist wirklich ein hübscher, fröhlicher Hafen mit einer Marina, den wir ansteuern. Leider ist die teuer, also ankern wir draußen. Weit draußen. Eine Meile müssen wir mit unserem Dinghi tuckern, bis wir an Land sind, vorbei an bunten kleinen Häuschen, die als Garage einen Port für Boote haben! Sehr schick.

In Jolly Harbour gibt es alles. Eine nette Kneipe mit zivilen Preisen zur Happy Hour. Einen Supermarkt mit einem gigantischen Angebot. Viel Bioware.. Obst, Gemüse, bezahlbar, angeblich von einheimischen Gärtnern, die Tomaten kommen dann aber doch aus Mexiko. Ritter Sport Schokolode, zu umgerechnet 7 Euro. Naja, muss ja auch nicht sein. Wir greifen stattdessen zu Reese’s Peanutbuttercups. „Wenn du die nicht versucht hast, hast du nicht gelebt“, hatten mir amerikanische Freunde mal gesagt. So ist es. Ein Traum in Schokolade.

Wir schwelgen, reißen uns aber doch zusammen. Der Motor war teuer…

Begegnung der unliebsamen Art

Antigua, 13.3.2017, Carlisle Bay

In der Nacht verstehen wir, warum so wenige Boote in der Bucht bleiben – es schwellt. Und zwar ordentlich. Wir rollen wie in einer zu stark geschubsten Wiege von links nach rechts. Diese Nacht ist nicht so erholsam.

Am Morgen beschließen wir, wenigstens noch einmal schnorcheln zu gehen. Mit dem Dinghi etwas weiter raus zu fahren. Das bisschen Fische gestern kann es doch nicht gewesen sein. Freund Sergio hat uns von der Unterwasserwelt vorgeschwärmt!

Eine gute Entscheidung. Weiter draußen gibt es mehr Korallen, viele Fische, da ist es schön, sogar die Sonne kommt mal durch. Nach einer halben Stunde machen wir uns auf den Rückweg zum Dinghi, das wir per kleinem Anker geparkt haben. Da ruft Peter auf einmal erschrocken: „Ein Rochen!“. Und beginnt wie wild zu schwimmen. In der Tat wird er von einem „sanften Riesen“ von vielleicht 1,50 Metern Spanbreite verfolgt. Peter biegt ab, der Rochen schwimmt auf mich zu und auch ich gebe Fersengeld, was ich kann. Wir suchen Schutz hinter dem Dinghi. Das wird er ja wohl als größeren Feind erkennen! So ist es. Der Rochen dreht ab. Uff. Wir können nicht mehr erkennen, ob er einen Stachel hatte. Oder ganz harmlos war und „nur spielen“ wollte…

(leider kein Foto…)

Endlich Karibik!

Carlisle Bay, 12.3.2017

Nur eine Bucht weiter westlich von Falmourth Harbour, 4 sm entfernt, ist die Welt ganz anders und so schön! Das hier ist das Karibikfeeling, das wir uns immer gewünscht haben! Sandstrand, Palmen, (ziemlich) klares Wasser…Das hält beim Schnorcheln zwar leider nicht ganz, was es verspricht – wir sehen nur wenige Fische, sind aber nach Pigeon island bei Guadaloupe auch echt verwöhnt. Und außer uns gibt es nur noch wenige Boote. Auch das hatten wir lange, sehr lange nicht.

Und – merkt ihr was? Ich schreibe aus einer einsamen Bucht, nicht aus einem Café…WIR HABEN INTERNET!!!!! Der badboy tut! Ach, ist das prima. Vorbei das Gelaufe nach SIM-Karten, das gehetzte Wetter-, Emails-Checken in Kneipen mit Internetzugang, wir können vom Boot aus recherchieren und schreiben! Was für eine Erleichterung.

Hurra, wir haben Internet!

Falmouth Harbour, 11.3.2017

Jedenfalls theoretisch. Wir haben uns eine Antenne geleistet, einen badboy, der Internetsignale im Umkreis von 5 Meilen verstärkt und zu uns aufs Boot bringt. Bringen soll.

Peter hat den ganzen Tag daran gesessen, die Antenne zu installieren, und wir kriegen – nichts. Vielleicht liegen zu viele große Schiffe vor den Sendern, wir wissen es nicht.

Zum Tost gehen wir nachmittags (das Wetter ist launisch) an einen Strand, nach Pigeon Beach. Da gibt es Lifemusik für die Schönen, Reichen und die ganz schön Reichen. Die Getränke kosten so viel wie anderswo ein Abendessen. Es ist trotzdem nett, allein das Leutegucken. Und wir sind endlich mal wieder an einen Strand gekommen!

Wir trauern

um unseren Freund und Bäckermeister Hans, der viel zu früh gestorben ist.
Wie oft haben wir, wenn wir dieses pampige karibische Weißbrot in der Hand hatten, an ihn gedacht, wie oft haben wir uns auf seine Brötchen wieder daheim in Ebersteinburg gefreut. Zu spät…

Lieber Hans, ruhe in Frieden und versorge die da oben mit Deinen Köstlichkeiten! Der Himmel möge es Dir danken!

Peter und Ute

St.John’s – 2 –

Von St. Johns haben uns viele Segler abgeraten, es sei schrecklich da. Uns gefällt es.

Peter hat das marode Kugellager der Pumpe mitgenommen, wir suchen Ersatz. Gleich neben dem Busbahnhof gibt es eine große Halle, die in kleine Verschläge unterteilt ist. Darin arbeiten Schuster, Schneider, Schmuckhersteller nebeneinander, auch ein Handwerker, der Nähmaschinen repariert. Der könnte sich auskennen…Tut er. Sehr freundlich beschreibt er uns genau, wohin wir zu gehen haben.

Eine Viertelstunde die Hauptstraße entlang, vorbei an Schönheitssalons in bauwagengroßen Holzhäuschen – großartig. Vorbei an Friseuren mit einem einzigen Stuhl. An zahlreichen kleinen Restaurants in bunten Bretterbaracken, phantasievoll bemalt.

Der Weg ist etwas beschwerlich, weil es so gut wie keinen Bürgersteig gibt, und Autos an uns (links) vorbeidonnern. Ich lerne mal wieder Deutschland zu schätzen: große, heile Gehwege, Geschwindigkeitsbegrenzung, TÜV…tolle Errungenschaften.

Wir erreichen die Werkstatt wie beschrieben. Ein Wohnhaus, lang, zweistöckig. Oben die Wohnung, unten die Werkstatt. Ein großes Plakat mit dem vor einem Jahr verstorbenen Firmengründer prangt an der Tür. Offensichtlich ein Familienbetrieb mit Angestellten, die ihrem ehemaligen Chef immer noch verbunden sind.

Peter zieht das Kugellager. Ja, haben sie. Naja, doch nicht ganz, ein Millimeter fehlt. Irgendwie wird es dann doch passend gemacht. Die Dame an der Kasse lächelt allerdings erst, als ich frage, ob ich ein Foto machen darf.

Zurück im Zentrum liegen an den Docks zwei Kreuzfahrtschiffe. Zum Glück sind deren Passagiere schon über die Insel geströmt oder essen, es ist relativ frei von grellen Amis und schnatternden Asiaten. Wie an allen Kreuzfahrtschiffspunkten gibt es auch hier duty free-Läden. Allerdings hier sehr hübsch gemacht, nette kleine Häuschen statt großer Malls.. Ich erstehe eine Sonnenbrille, endlich wieder! Gegen Vorlage unserer Einklarierungspapiere ohne Zoll. Prima.

Dann stürzen wir uns in den Supermarkt, in der Hoffnung, mehr Auswahl günstiger zu bekommen als am Ankerplatz. Welch ein Irrtum!

Obst und Gemüse sind lausig und teuer. Ein Apfel 70 cent…

Es gibt fast nichts ohne künstliche Aromen.

Butter – nur gesalzen. Käse, künstlich, oder mit dem Zusatz „aus Milch gemacht“. Und teuer. Aus Neuseeland importiert…

Säfte sind fast ausschließlich mit Zucker und Wasser „angereichert“, ebenfalls irre teuer, obwohl das Obst auf den Nachbarinseln wächst.

Ernährungsweisheiten wie weniger Kohlehydrat, weniger Zucker zu essen, sind hier noch nicht angekommen. Und das sieht man. Die Mehrheit der Bevölkerung ist fett. Nicht übergewichtig, nicht dick, sondern richtig – fett.

Wenigstens in der Markthalle gibt es Obst und Gemüse, das okay ist. Die Papaya zu 10 (!) Euro lasse ich allerdings da…

So reicht es abends, als Babs und Paul zu uns kommen, wenigstens zu Käse (aus Milch gemacht!), Melone und Birnen. Und Chardonnay. Unserem letzten. Aus Spanien. Es wird Zeit, dass wir wieder auf eine französische Insel kommen…

St. Johns – 1 –

10.3.2017, Antigua

Nicht nur, weil wir Besuch erwarten und wir einkaufen wollen, machen wir uns auf nach St. Johns, der Hauptstadt der Insel. Wie meistens, mit dem Bus. Ideal, um bei lauter, einheimischer Musik Land und Leute für wenig Geld kennenzulernen.

Der Bus, ein kleiner VW-Bus, fährt häufig und ist immer vollbeladen. Warum kriegen wir das eigentlich nicht hin? Etwas mehr als einen Euro kostet die halbstündige Strecke, kein Wunder, dass die Menschen hier damit statt mit dem Auto fahren.

Nelson’s Dockyard

9.3. 2017, Antigua

Zum Wetter gibt es aber auch gar nichts Neues zu sagen, es bleibt mies. Starkwindig, regnerisch. Wir sind ans Boot gefesselt und wurschteln. Peter versucht noch einmal, die
alte Pumpe zu reparieren und stellt fest, dass das Kugellager gebrochen ist. Das müsste doch zu ersetzen sein…Vieleicht finden wir irgendwo eines…

Eine Regenpause nutzen wir, um uns Nelson’s Dockyard noch einmal genauer anzuschauen – das Treffen mit Babs und Paul hat Spuren hinterlassen, ihre Begeisterung uns angesteckt.

Das gesamte Gelände mit Häusern, Schiffsdocks, Offiziersunterkünften, ist Weltkulturerbe. Wir lernen, dass die Großgrundbesitzer, die auf Antigua Zucker anbauten und dadurch ziemlich reich wurden, von der englischen Krone Schutz gegen die Überfälle von Piraten forderten. Es kam – Lord Nelson, der Antigua zum Stützpunkt der Briten in der Karibik machte. Je mehr wir darüber wissen, desto interessanter wird der Ort, und auf einmal finden wir es ganz erhebend, in der Nähe eines so geschichtsträchtigen Hafens ankern zu können.
(Das Gefühl legt sich schnell, als wir uns Cappucchino und Kuchen in einer der Bars gönnen und eine Unsumme zahlen….)

Abends sind wir bei Babs und Paul auf deren Schiff eingeladen, und das wird wieder ein höchst vergnügliches Treffen.

Sie haben den typisch englischen Humor und viel von der Welt gesehen.
Auch in Deutschland gelebt, während des Mauerfalls in Berlin. Und was Babs aus ihrer Perspektive von den Deutschen erzählt, ist urkomisch. Und sehr erhellend…

Babs und mich verbindet nicht nur die Vorliebe für Chardonnay, Wir haben auch beide segelbegeisterte Männer (Paul segelt sogar die Regatta von Antigua) und stellen fest, dass wir Frauen statt sicherer an Bord zu werden, immer ängstlicher werden. Je länger ich segele, desto bewusster werden mir die unglaublichen Kräfte, die auf Schiff und Segel einwirken, wird mir klar, wie viel wie schnell kaputt gehen kann.. Und umso verzagter werde ich. Babs ist schon gar nicht mit über den Atlantik gesegelt. Wir schieben es auf die Hormone…Und ich beschließe, mich nicht kleinkriegen zu lassen. Sondern die Angst zu überwinden – naja, zumindest nicht mehr zu zeigen. (Schon wenn ich an den Rückweg denke, wird mir flau…)

Wir verabschieden uns mit einer Einladung zum Gegenbesuch bei uns.

Very british

8.3.2017, Antigua

ist nicht nur die Umgebung, auch das Wetter ist so – bescheiden. Der Wind stürmt. Wir werden patschnass, als wir mit dem Dinghi an Land fahren. Eigentlich wollten wir wandern, die Umgebung erkunden, das können wir vergessen.

Also wurschteln wir an Bord – Peter nietet wieder an den Besan, was weggerostet war. Und versucht, die Pumpe zu reparieren, leider erstmal ohne Erfolg. Das Kugellager ist kaputt, die Ersatzpumpe funktioniert auch nicht. Bis er auf die Idee kommt, die Umschaltventile anders zu schalten. Und siehe da – sie geht wieder! Ein Problem weniger. Mein Mann ist großartig. Habe ich das schonmal gesagt?

Abends sind wir ja mit Paul und Babs verabredet. Sie waren schon öfter hier und schwärmen uns vor, wie man es sich hier gutgehen lassen kann: „Da kann man gut lunchen und dann mit kleinen Bötchen übergesetzt werden zu einem wunderbaren Hotel, dessen Swimmingpool man dann benutzen darf. So lovely!“ Leider übersteigt das unsere finanziellen Möglichkeiten. Wir lassen uns aber gern zu einem Drink im „Admiral’s Inn“, einem der Traditionslokale von English Harbour, überreden. Bezaubernd. Englisch eingerichtet, eines der alten englischen Steinhäuser mit Blick auf den Hafen, kleine gestreifte Sofas, nette Sitzgruppen, ach, Geld zu haben, hat schon was.

Essen gehen wir dafür – ich glaube, sie willigen uns zuliebe ein-, in einem kleinen karibischen Restaurant, ein buntes Holzhäuschen, mit mexikanischer Küche. Wir sind etwas erstaunt, als unsere Burritos kommen, wir kennen die Gerichte anders serviert, hier sind Gemüse und wahlweise Hähnchen oder Steak gleich mit dem Reis in die Tortilla eingerollt statt dass der dazu gereicht wird, es gibt leider auch keine Salsa, keineTomatensoße, aber lecker ist es –und sehr günstig.

Der Abend ist so nett, dass wir uns gleich für morgen wieder verabreden – auf Babs’ und Pauls Schiff.