St.John’s – 2 –

Von St. Johns haben uns viele Segler abgeraten, es sei schrecklich da. Uns gefällt es.

Peter hat das marode Kugellager der Pumpe mitgenommen, wir suchen Ersatz. Gleich neben dem Busbahnhof gibt es eine große Halle, die in kleine Verschläge unterteilt ist. Darin arbeiten Schuster, Schneider, Schmuckhersteller nebeneinander, auch ein Handwerker, der Nähmaschinen repariert. Der könnte sich auskennen…Tut er. Sehr freundlich beschreibt er uns genau, wohin wir zu gehen haben.

Eine Viertelstunde die Hauptstraße entlang, vorbei an Schönheitssalons in bauwagengroßen Holzhäuschen – großartig. Vorbei an Friseuren mit einem einzigen Stuhl. An zahlreichen kleinen Restaurants in bunten Bretterbaracken, phantasievoll bemalt.

Der Weg ist etwas beschwerlich, weil es so gut wie keinen Bürgersteig gibt, und Autos an uns (links) vorbeidonnern. Ich lerne mal wieder Deutschland zu schätzen: große, heile Gehwege, Geschwindigkeitsbegrenzung, TÜV…tolle Errungenschaften.

Wir erreichen die Werkstatt wie beschrieben. Ein Wohnhaus, lang, zweistöckig. Oben die Wohnung, unten die Werkstatt. Ein großes Plakat mit dem vor einem Jahr verstorbenen Firmengründer prangt an der Tür. Offensichtlich ein Familienbetrieb mit Angestellten, die ihrem ehemaligen Chef immer noch verbunden sind.

Peter zieht das Kugellager. Ja, haben sie. Naja, doch nicht ganz, ein Millimeter fehlt. Irgendwie wird es dann doch passend gemacht. Die Dame an der Kasse lächelt allerdings erst, als ich frage, ob ich ein Foto machen darf.

Zurück im Zentrum liegen an den Docks zwei Kreuzfahrtschiffe. Zum Glück sind deren Passagiere schon über die Insel geströmt oder essen, es ist relativ frei von grellen Amis und schnatternden Asiaten. Wie an allen Kreuzfahrtschiffspunkten gibt es auch hier duty free-Läden. Allerdings hier sehr hübsch gemacht, nette kleine Häuschen statt großer Malls.. Ich erstehe eine Sonnenbrille, endlich wieder! Gegen Vorlage unserer Einklarierungspapiere ohne Zoll. Prima.

Dann stürzen wir uns in den Supermarkt, in der Hoffnung, mehr Auswahl günstiger zu bekommen als am Ankerplatz. Welch ein Irrtum!

Obst und Gemüse sind lausig und teuer. Ein Apfel 70 cent…

Es gibt fast nichts ohne künstliche Aromen.

Butter – nur gesalzen. Käse, künstlich, oder mit dem Zusatz „aus Milch gemacht“. Und teuer. Aus Neuseeland importiert…

Säfte sind fast ausschließlich mit Zucker und Wasser „angereichert“, ebenfalls irre teuer, obwohl das Obst auf den Nachbarinseln wächst.

Ernährungsweisheiten wie weniger Kohlehydrat, weniger Zucker zu essen, sind hier noch nicht angekommen. Und das sieht man. Die Mehrheit der Bevölkerung ist fett. Nicht übergewichtig, nicht dick, sondern richtig – fett.

Wenigstens in der Markthalle gibt es Obst und Gemüse, das okay ist. Die Papaya zu 10 (!) Euro lasse ich allerdings da…

So reicht es abends, als Babs und Paul zu uns kommen, wenigstens zu Käse (aus Milch gemacht!), Melone und Birnen. Und Chardonnay. Unserem letzten. Aus Spanien. Es wird Zeit, dass wir wieder auf eine französische Insel kommen…

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