Dieser Tag geht als einer der absoluten Tiefpunkte unseres Seglerdaseins in die Annalen ein.
Es ist Sonntag, die Carenage, die Werft also, ist wie ausgestorben, es ist heiß. Kein Lüftchen geht.
Für Peter gibt es keine Sonntage. Er will das Boot flott kriegen, alle Kabel und Leitungen erneuern, und das kann er nun, wo der Motor draußen ist, am besten.
Ich sitze mal wieder dabei wie bestellt und nicht abgeholt, kann gar nichts machen, nichts helfen, kein Internet, kein Cafe, nichts ist in der Nähe, selbst die Säuferbretterbude hat zu. Ich versuche, wenigstens nicht im Weg zu sein.
Peter schickt mich von Bord. Na gut. Aber wohin? Nach ein paar Minuten komme ich zurück, nichts zu sehen, niemand zu treffen, kein Schatten zum sich Ausruhen, nichts.
Ein schlechter Moment, zurückzukehren. Peter hievt grade den Schlauch vom Fäkalientank durchs Wohnzimmer, sprich: Salon. Zwar beide Enden verschlossen, aber es muffelt trotzdem ordentlich, und dann reißt auch noch eine der Plastiktüten, mit denen er die Enden verschlossen hat, und es tropft…Auf mein ebook, auf den Boden…
Das ist der Moment, wo ich einen Heulkrampf kriege.
„Das ganze Boot ist eine einzige Kloake! “, schluchze ich fassungslos.
Peter ist ebenso fassungslos, weil man das eben wegwischt, und dann ist gut!
Leicht hysterisch hole ich ein Desinfektionsspray. Und heule weiter. Das Boot ist nicht mehr mein Zuhause! Diese verdammten Arbeiten, das ganze Schiff wird auseinandergenommen, eine einzige Baustelle, ein einziger Dreckhaufen. Kein einziges gemütliches Plätzchen mehr! Und nun noch das!
Nach einer Viertelstunde kriege ich mich wieder ein, greife zum Putztuch und putze mit der linken Hand, was geht. Peter verspricht mir, das alles wieder gut wird. Ich fühle mich schlecht und wie eine verwöhnte Zicke, weil Peter natürlich eigentlich viel mehr Grund zum Jammern hat, und weil alles ja für das Boot ist undundund. Trotzdem!!! Ich hätte nach Hause fliegen sollen, meinen Arm nochmal checken, der mir doch immer noch Sorgen macht, wäre niemandem zur Last gefallen…Schnief.
Wir berappeln uns wieder. Und fahren abends mit dem Dinghi in die Marina, Pizza essen. Und ich schwöre mir, von nun an vernünftig zu sein…
