…on our boats. Es regnet in Roccella! Wie aus Kübeln. Was gut ist für das Land, nagelt uns am Boot fest. Ich verkrümele mich mit Kaffee und Buch auf dem Sofa und bin selig – endlich lesen!
Peter tigert unruhig im Boot hin und her. Schleifen, fugen, streichen – geht nicht. Auf den Mast kann er auch nicht.
Aber der Anker! Der ärgert ihn schon eine Weile. Der liegt in der Backskiste (unserem „Keller“), schlägt gegen die Bordwand und nimmt ewig viel Platz weg. Außerdem haben wir dadurch eine Schieflage, zu viel Gewicht auf der Backbordseite! Gar nicht gut.
Wohin dann aber? Vielleicht in den Salon, unters Bett? Müsste passen! Meint mein Mann.
Also Backskiste mit drei verschiedenen Segeln, unzähligen Schuhen, Schnüren, Schutzbezügen ausräumen, im Salon (unserem „Wohnzimmer“) das Bett aufklappen, Kissen, Decken, noch mehr Kissen und Decken rausräumen und den Anker rumwuchten.
Er passt – nicht. 4 Zentmeter – wohlwollend gemessen – fehlen. Die Stichsäge! Ein Loch in die Trennwand gebohrt– dann müsste es gehen. Ich bremse meinen Mann mit einem viel radikaleren Vorschlag – den Anker hier zu lassen. Wir haben vier (!) Anker. Einen, der hervorragend hält. Einen zweiten für den Notfall. Einen dritten Anker am Heck. Und den in der Backskiste, den wir sowieso ersetzt hatten, weil er nie hielt! Nach einigem Nachdenken findet mein Mann das eine gute Idee. Der Anker wandert aufs Kai. Und wir haben auf einmal ganz viel Platz.
Ich komme wieder zum Lesen. Draußen regnet es. Mein Mann tigert. Zum Glück für den häuslichen Frieden hat er beim Ausräumen eine Winsch gefunden. Winschen sind Rollen, über die die Taue geführt werden, damit man Segel überhaupt ein- und ausrollen kann. Sie leiten die Kräfte um.
Wir haben keine „selbstholenden“ Winschen, d.h. man muss kurbeln und gleichzeitig das Tau ziehen. Das fanden wir mal romantisch, weil noch echt seglerisch. Mittlerweile sehne ich mich nach einer automatischen Winsch, die auf Knopfdruck reagiert. Die gefundene zieht wenigstens das Tau selber mit. Mein Mann baut sie liebevoll auseinander, säubert sie – und stellt fest, dass sie nur eingängig ist, d.h., dass man sehr viel Kraft braucht, um sie zu bewegen. Ist also doch nichts. Mist. Und es regnet noch immer.
Viele Boote haben in der Marina mittlerweile Schutz gesucht, auch Sandra und Berthold, die ja Roccella hatten endlich verlassen wollen, haben nicht abgelegt – Fischer haben sie zurückgeschickt. Andere waren schon an der Tankstelle und sind dort von der Coastguard darauf aufmerksam gemacht worden, dass es keine gute Idee wäre, raus zu gehen. Sie alle harren aus. Das gibt nette Gespräche über den Gartenzaun, pardon: die Reling. Segler werden schnell zu einer Gemeinschaft und helfen sich sehr.
Bei uns hängt dann doch noch der Bootssegen schief. Mir platzt der Kragen, weil „mal wieder“ alles mit Gebrauchsanweisungen, Schrauben, Schellen, Schraubendrehern, Zangen, Klebeband etc. belegt ist! Peter ist sprachlos. Er ackert den ganzen Tag , während ich lese, und dann beklage ich mich! Ich schlucke. Da ist was dran.
Zur Buße pule ich die geschenkten Garnelen. Als sie in der Pfanne schmurgeln mit Olivenöl, Knoblauch und Peperoni, finden erste Friendensverhandlungen statt. Und als wir essen, vertragen wir uns vollends. Sie sind so himmlisch gut!
PS: Der Anker ist dann doch wieder an Bord gewandert. Bei einem der Relinggespräche mit einem weitgereisten Segler, der schon vor drei Jahrzehnten in der Karibik war, hat sich herausgestellt, dass man just diesen Ankertyp auf Sandboden bestens gebrauchen kann. Nie wegwerfen! Nie! Jetzt schaukelt er wieder in der Backskiste mit…
