Lagos…

25.,26.7.2017

…ist schön. Trubelig, sehr touristisch zu dieser Zeit.

Wir stürmen erstmal ein Internetcafe. Fast vier Stunden verbringen wir dort, bis wir alle Fotos eingestellt und Bürokratie erledigt haben. Immer wieder unglaublich, wieviel Zeit und Nerven das frisst, auf der anderen Seite freuen wir uns ja auch, Kontakt zu Euch zu halten.

Die nächste Stunde gehört MEO, dem portugiesischen SIM-Karten-Anbieter.
Tarife erstmal verstehen, verhandeln, herunterladen…es dauert ewig und ist immer wieder ein Geduldsprobe. Bei der Gelegenheit erhalten wir allerdings auch einen Geheimtipp, wo wir gut essen können.

Natürlich etwas außerhalb der Tourimeile, Spezialität: Muscheleintopf. Dem trauen wir zwar nicht so ganz, aber da sich bereits eine lange Schlange vor dem Eingang gebildet hat, muss es wohl gut sein!

Ist es auch. Leider wird Peter nächtens doch noch schlecht, was aber vielleicht weniger an den Muscheln als an der sehr leckeren, aber vermutlich sehr fettigen Soße lag.

Heute geht’s ihm wieder gut und wir stürzen uns wieder in die Stadt!

Morgen werden wir langsam Richtung Gibraltar gehen, aber wohl einige Zeit kein Internet haben. Also bitte: Keine Sorgen machen! Wir melden uns, sobald es geht.

Korrekturen

Liebe Lesende,

es haben sich ein paar Fähler eingeschlichen, die ich doch noch korrigieren möchte, bevor sie sich festsetzen:

– Hortensien kommen natürlich aus China und nicht aus Japan, wie uns der freundliche Mitarbeiter des botanischen Gartens auf Faial hat weismachen wollen….

– Die Dächer der Häuser auf den Bermudas werden natürlich nicht aus Beton gegossen, sondern bestehen aus Sandstein, der dann verputzt wird.

– Die Pflanzen, die John Lennon zu „Double fantasy“ inspirierten, heißen Freesien. Mit doppel „e“.

– Natürlich ist das Allgäu schön! Aber wir würden nicht unbedingt eine 17tägige Schaukelreise auf uns nehmen, um dorthin zu gelangen…(Abbitt an alle Allgäu-Fans)

– Natürlich ist auch der Schwarzwald schön. Aber…s-o-

Alle übrigen Fähler bitte ich großzügig zu übersehen, oder sie mir freundlich mitzuteilen.

Danke!

Nachtrag: Geburtstag.

Lagos, 25.7.2017

Vielen Dank nachträglich für die vielen Geburtstagswünsche! Sie haben Peter erst nachträglich erreicht, aber umso mehr gefreut.

Viele haben sicherlich auch versucht, ihn per Handy, sms oder what’s app zu erreichen. Aber das Handy liegt auf dem Meeresgrund in Velas…Seine neue Handynummer ist: 00351 962 48 43 82…

Das Foto zeigt ihn übrigens im Geburtstagsgeschenk seiner Söhne. Wir finden es tres chic…

PS: Es gibt jetzt Fotos zu den letzten Beiträgen, Bildergalerie haben wir leider noch nicht geschafft…

Wilde Küste

Portugal, Baleeira, 24-7.2017

Wir legen ab, holen den Anker auf. Ich bin ja mal gespannt. Er hielt gestern so schnell, dass er vermutlich zwischen Felsen geraten ist. Ein Blick in den Törnführer verrät: Der Ankergrund hier ist faul, eine Trippleine, mit der man den Anker dann hochholen kann, sei ratsam. Lesen bildet, vor allem, wenn man es rechtzeitig tut…

Ich bin am Steuer, Peter holt den Anker auf, signalisiert in der Tat nach kurzer Zeit wild „Stopp!“ und kommt ins Cockpit gelaufen. Aha. Also doch den örtlichen Tauchclub verständigen, der uns befreien kann. Mein Mann lächelt geheimnisvoll, holt die Kamera und saust wieder ab. Huch?

Peter kommt zurück und erklärt: Leine gefangen! Grinst und zeigt mir das Foto: Eine Reuse, die sich wohl losgerissen hatte, mit einem riesigen Tintenfisch! (siehe Foto).
Den lassen wir leben. Der Anker ist auch frei!

Wir verlassen die Bucht. Es kachelt. Um die 30 Knoten (für Nichtsegler: Das ist ziemlich viel, fast Sturmstärke.) Wir segeln nur mit der Fock, haben auch die gerefft, und machen um die 6 Knoten Fahrt. Die Wellen sind niedrig, bremsen kaum, es ist ein schönes Segeln. Und doch fehlen uns die wilden Wellen….

Die Küste wird immer schöner. Wilde Felsformationen, dazwischen kleine Strände. Wir sind immer angetaner. Unser Ziel ist Lagos, eigentlich wollen wir in die Marina, aber kurz davor an der Küste kann man auch ankern. Und das tun wir dann auch. Die Felsen im Blick, die Stadt, rund um die weite Bucht ein schier endloser Sandstrand, Lichter. Es ist schön hier, einer der schönstem Ankerplätze, die wir bisher hatten. Kleiner Schönheitsfehler: der starke Wind. Und die Kälte, die er bringt. Das Wasser hat hier 20 Grad, ist aber deutlich zu kalt, um es zu genießen. Dennoch – wir bleiben!

Erste Kontakte

24.7.2017, Baleeira, Algarve, Portugal/Festland

Wir wachen früh auf. Stecken vorsichtig den Kopf aus der Luke – naja, geht so. Es windet immer noch stark. Die Küste ist immer noch kahl. Es ist kalt. Das Wasser hat 18 Grad! Und wir haben uns so auf das Schwimmen gefreut! Wer macht hier freiwillig Urlaub? Es gibt Hotels, es gibt einen Strand – offensichtlich ist die Bucht begehrt. Naja, schaun wir mal.

Wir frühstücken erstmal. Und genießen es, wieder entspannt Kaffee trinken zu können, ohne zu fürchten, dass der sich in die nächste Ecke ergießt…

Ich kann es nicht lassen – so viel Wasser, und dann nicht schwimmen gehen? 18 Grad hin oder her…ich traue mich. Und komme nicht weit. Nicht nur, dass es wirklich beißend kalt ist, die Strömung hält mich am Fleck, treibt mich fast ab. Also doch wieder schnell zurück aufs sichere Boot. Aber im Wasser war ich wenigstens!

Die Ankunft

Atlantik, 23.7. 2017, 18:15 Uhr, 36°59N, 009°05W,

Immer noch kein Land in Sicht. Die Wellen sind deutlich flacher geworden, wir müssten in der Abdeckung sein. Wir spähen und suchen – nichts. Jetzt müsste doch endlich die Küste Portugals auftauchen! Da! Eine Wolke? Nein, sie bleibt. Es sind Felsen. Cabo de Sao Vincente. Wir sind da. Wir haben es geschafft. Wir fallen uns in die Arme. Zum Jubeln sind wir viel zu müde.

Cabo de Sao Vincente, sagenumwoben. Von da sind die portugiesischen Eroberer gestartet. Wir kehren zurück.

10 Meilen noch dauert es, bis wir die Bucht erreicht haben, in der wir ankern wollen. Um ein letztes Mal im offenen Atlantik baden zu können. Von da an werden es Marinas oder Flussmündungen sein, in denen wir übernachten.

Die Bucht, Sagres, gefällt uns nicht. Steile Felswände, kein Leben. Wir ziehen weiter, in der nächsten Bucht gibt es immerhin einen kleinen Fischerhafen. Kahle Küste. Was für ein Wechseln nach den grünen, saftigen Azoreninseln.

Eigentlich wollte ich wenigstens heute Abend schön für meinen Mann ein Geburtstagsessen kochen, eigentlich sollte der Korken knallen – wir sind zu erschöpft. Freuen uns riesig über das erste Bier seit einer Woche, ein Glas Rotwein, Tortillachips und Tomatensalsa. Und fallen ins Bett. Endlich wieder ruhig schlafen!

Windstärke 8

23.7.2017 Atlantik, 36°57,781N, 009°0914W

Langweilig? So etwas sollte man nie denken, noch nicht mal ganz leise – in der letzten Hirnschublade. Vielleicht will der Atlantik uns an unserem letzten Tag auf dem offenen Meer zeigen, was er kann (er kann noch viel mehr, fürchten wir). Er bläst sich auf.

Wir sind gewappnet. Sebastian hat uns vorgewarnt: 20 bis 30 Knoten seien zu erwarten, die Wetterwelt schickt uns Wetterdaten bis zu 28 Knoten. Aber die übertreiben für gewöhnlich etwas…

Diesmal nicht. Wir haben bis zu 32 Knoten Wind, Wellen bis zu 6 Meter Höhe. Die brechen sich mit fürchterlichem Krachen an der Bootswand, werden zu einer riesigen Fontäne und setzen das Deck unter Wasser. Das findet irgendwie seinen Weg ins Bootsinnere, es tropft, wo es nur tropfen  kann.

Noch vor Dunkelheit haben wir gestern zum Glück das Groß geborgen, nun versuchen wir, nur mit Fock und Besan dem ganzen Herr zu werden. Der Wind bleibt launisch, kommt mit 18,20 Knoten, dann aber Böen bis zu 26,28, sogar 32 Knoten. Wie soll man das segeln? Da wir immer gesagt haben, dass Sicherheit vor Geschwindigkeit geht,  reffen wir, soweit es geht. Und stehen fast bei 3,8 Knoten Fahrt. Die hohen Wellen bremsen. Wir wollen doch weiter, es hinter uns bringen!

In den Morgenstunden wird der Wind stetiger, wir haben regelmäßig um die 26 Knoten.  Reffen die Fock etwas aus und machen Speed. 6, manchmal sogar 7 Knoten. Endlich.

Aber es bleibt ruppig.Wir müssen uns bei jedem Schritt festhalten, ja festkrallen, um nicht umhergeschleudert zu werden. Es scheppert überall, ich fürchte um die Gläser, das Geschirr, die Flaschen in der Bilge.

Peter gelingt es, zum Frühstück ein Rührei zu zaubern, das nicht von der Pfanne rutscht.

Dafür fliegt die Teekanne quer durch die Kombüse und ergießt ihren Inhalt über das Ei. Rührei mit Tee – auch nicht schlecht. Ich koche zum ersten Mal auf der gesamten Atlantikpassage nichts. Es gibt Käsewürfel, Kräcker und Snickers.

Es ist anstrengend. Und doch – es ist auch großartig. Auf dem Wellenkamm zu reiten, die Wellen unter uns durchrauschen zu sehen. Den Wind zu spüren. In die Weite zu sehen…

Obenauf – der Käpt’n. Seit fünf Uhr morgens steht er im Cockpit, unterstützt die Windsteueranlage, refft aus, refft ein, holt dicht, fiert wieder auf. Unermüdlich. Und ist glücklich.

Vielleicht ist es das Geburtstagsgeschenk des Atlantiks für ihn.

Peter wird heute 60.

Auf dem Boot nichts Neues.

22.7. 2017, Atlantik, 37°25N, 012°20,4W

Mäßiger Wind, wenig Wellen, wir motoren, segeln, motorsegeln…es ist nett, fast ein bisschen langweilig, unser Abschied vom Atlantik….

Notstand

Atlantik, 21.7.2017, 37°16 N, 015°00W

Der Wind ist launisch. Er kommt aus Nord, was gut ist und uns Halbwind beschert. Das Boot schaukelt trotzdem ordentlich. Aber mal bietet er uns 10 Knoten, die nicht zum segeln reichen, dann wieder 18 – wir machen den Motor an und aus um Halbstundenrhythmus. Wir könnten ja dümpeln und uns mit 3 Knoten Geschwindigkeit begnügen, aber wir wollen nun doch bald ankommen.

Mein Lesestoff geht zur Neige. Ich hab keine Lust mehr, Doppelkopf gegen mich selbst auf dem Tablet zu spielen, auch Solitaire, mein stetiger Zeitvertreib seit wir gestartet sind, beginnt, mich zu langweilen.

Und uns gehen die Vorräte aus. Seit St. Martin haben wir Brotbackmischungen gehamstert, weil mein Käpt’n fürchtete, das Brot könnte uns ausgehen. Vier 2,5 Kilo-Packungen und vier 1-Kilo-Packungen Mehl, genug also für 28 Brote, fahren wie seitdem spazieren, da es ja, oh Wunder, in den Häfen Bäcker oder Supermärkte mit Brot gab.

Jetzt aber ist es soweit. Wir haben nur noch geschnittenes eingeschweißtes  Schwarzbrot, Peter muss (darf???) backen.

Die erste Backmischung: Motten. Die zweite Packung aus der Bugkajüte: Motten. Die dritte: na??? Richtig. Und so weiter. Alle (!) Mehlpakete gehen über Bord. Wir scheinen es mit den Motten zu haben (siehe Anfang der Reise…)

Ich mache mir keine Sorgen, das Schwarzbrot müsste reichen. Und Müsli haben wir auch noch. Gehabt, bekennt mein Käpt’n. Die Nachtwachen…der Hunger!!!

Dann gibt es eben Kekse und Cräcker oder zweimal am Tag Nudeln. Nein, Peter will backen.Und findet in der letzten Ecke des Küchenschapps noch Restmehl. Unsere letzten Reisetage sind gerettet, der Käpt’n wird nicht verhungern! Das Brot ist ehrlich gesagt nicht so der Hit, was aber keinesfalls an den Backkünsten meines Mannes, sondern wirklich am Mehl liegt. Aber in der Not isst der Teufel den Käse ja bekanntlich auch ohne Brot…

Petri heil

Atlantik, 20.7.2017, 37°10N, 17°56W

Es ist nicht so, dass wir nur Pech haben. Peter ist das Anglerglück hold, er fängt einen super Bonito. Den bereiten wir diesmal als Filets zu und haben das beste Fischessen seit sehr langer Zeit, besser als alles, was wir in Restaurants serviert bekamen. Es geht eben doch nichts über einen Angler an Bord!