Atlantik, 21.7.2017, 37°16 N, 015°00W
Der Wind ist launisch. Er kommt aus Nord, was gut ist und uns Halbwind beschert. Das Boot schaukelt trotzdem ordentlich. Aber mal bietet er uns 10 Knoten, die nicht zum segeln reichen, dann wieder 18 – wir machen den Motor an und aus um Halbstundenrhythmus. Wir könnten ja dümpeln und uns mit 3 Knoten Geschwindigkeit begnügen, aber wir wollen nun doch bald ankommen.
Mein Lesestoff geht zur Neige. Ich hab keine Lust mehr, Doppelkopf gegen mich selbst auf dem Tablet zu spielen, auch Solitaire, mein stetiger Zeitvertreib seit wir gestartet sind, beginnt, mich zu langweilen.
Und uns gehen die Vorräte aus. Seit St. Martin haben wir Brotbackmischungen gehamstert, weil mein Käpt’n fürchtete, das Brot könnte uns ausgehen. Vier 2,5 Kilo-Packungen und vier 1-Kilo-Packungen Mehl, genug also für 28 Brote, fahren wie seitdem spazieren, da es ja, oh Wunder, in den Häfen Bäcker oder Supermärkte mit Brot gab.
Jetzt aber ist es soweit. Wir haben nur noch geschnittenes eingeschweißtes Schwarzbrot, Peter muss (darf???) backen.
Die erste Backmischung: Motten. Die zweite Packung aus der Bugkajüte: Motten. Die dritte: na??? Richtig. Und so weiter. Alle (!) Mehlpakete gehen über Bord. Wir scheinen es mit den Motten zu haben (siehe Anfang der Reise…)
Ich mache mir keine Sorgen, das Schwarzbrot müsste reichen. Und Müsli haben wir auch noch. Gehabt, bekennt mein Käpt’n. Die Nachtwachen…der Hunger!!!
Dann gibt es eben Kekse und Cräcker oder zweimal am Tag Nudeln. Nein, Peter will backen.Und findet in der letzten Ecke des Küchenschapps noch Restmehl. Unsere letzten Reisetage sind gerettet, der Käpt’n wird nicht verhungern! Das Brot ist ehrlich gesagt nicht so der Hit, was aber keinesfalls an den Backkünsten meines Mannes, sondern wirklich am Mehl liegt. Aber in der Not isst der Teufel den Käse ja bekanntlich auch ohne Brot…

