Malle

Wir versuchen, auf Menorca nach Ciutadelle zu kommen, da soll es schön sein. Aber es ist auch ganz schön eng, frei ankern geht nicht. Wir funken den Hafen an – der verweist uns an den Club Nautico. Der Club Nautico bescheinigt uns 68 Euro pro Nacht. Ich frage entgeistert nach: 68 Euro??? „Six Eight“ bestätigt eine weibliche Stimme unerbittlich. „Do you want it or not?“ „No, thank you, too expensive“, sagen wir. 68 Euro – die spinnen wohl!

Suchen wir also einen freien Ankerplatz. Vergeblich. Die Buchten sind zu klein oder zu offen und Wind und Schwell schutzlos ausgeliefert. Na dann – gehen wir eben nach Mallorca! 21 Seemeilen sind es bis dahin, das schaffen wir noch knapp, bevor es Nacht wird.

Die Überfahrt ist traumschön. Im Hintergrund verschwindet Menorca, vor uns erscheint in der Abenddämmerung Mallorca, gestaffelte Berge, Schatten, langgezogene Enden.

Cala Ratjada heißt unser Zielhafen, was mich besonders freut, da ich dort vor über 40 Jahren den letzten Urlaub mit meinen Eltern verbracht habe. Da war ich 14 und habe keinerlei Erinnerungen mehr. Nur, dass meine Eltern ziemlich begeistert waren…

Kurz vor 21 Uhr erreichen wir den Hafen. Wir müssen an den öffentlichen Kai und rufen Channel 8. Kurz darauf erscheinen zwei Gestalten mit Taschenlampen, weisen uns eine Mooring zu. Bei uns dauert es, wie immer, Hugin ist halt ein Langkieler und so gut wie gar nicht rückwärts zu manövrieren. Ich bitte um etwas Geduld, die beiden Gestalten meinen, seit 2 Minuten hätten sie Feierabend. Ich halte das für einen Witz, doch es stellt sich heraus – wegen uns müssen sie wirklich Überstunden machen.

Dann liegen wir sicher vertaut und ruhig. Cala Ratjada, die Häuser um uns herum in mildem Licht, sieht sehr nett aus. Wir wollen bummeln gehen. Und sind erschüttert.

Cala Ratjada ist neue El Arenal, ist Ballermann.

Man spricht deutsch, trinkt, nein säuft deutsches Bier und feiert all das, was man sich das ganze Jahr in Deutschland nie zu feiern getraut hat. Es ist ziemlich gruselig und so verlockt es uns auch nirgends, einen Wein zu trinken. Wir kehren auf unsere Hugin zurück. Die beste Bar ever. Und bestens sortiert!

Wir schlafen so ruhig und so gut, dass wir erst um 10 Uhr aufwachen. Oh Backe, das ist ein bißchen spät. Egal. Wir gehen einkaufen. Frisches Gemüse, Salate, Obst finden wir in einem „Spar“ – Laden, mäßige Auswahl, noch mäßigere Frische. Ach, waren wir auf den anderen Inseln verwöhnt. Dann verdaddeln wir noch einige Zeit, um Internet zu suchen (siehe „Eine Welt ohne Internet“) und kommen erst um 14 Uhr los. Das ist knapp angesichts dessen, dass wir uns wieder eine Bucht suchen müssen.

Immerhin können wir etwas segeln. Drei Stunden, sogar im ersten Reff. Aber der Wind ist mal wieder gegen uns, und wir kämen nach Mitternacht an, wollten wir kreuzen.

Also wieder unter Motor und Luftblase die Küste entlang, die wirklich sehr schön ist. Nur an passenden Buchten fehlt es…

Port Petro scheint uns im Hafenführer groß und geschützt genug, mit den letzten Sonnenstrahlen laufen wir ein. Eine hübsche Bucht, aber kein freies Ankern. Bojen…25 Euro, naja, das geht ja noch. Die Zeiten des Herumzigeunerns und wilden Ankerns scheinen auch auf Mallorca vorbei zu sein…

Wir paddeln an Land. Restaurants neben Restaurants, einen Stadtkern finden wir nicht und so paddeln wir auch hier unverrichteter Dinge wieder zurück nach Hause und nehmen unseren Absacker auf dem Boot. Von Ferne sieht das Städtchen sowieso viel schöner aus…

 

 

 

 

 

 

 

2 Replies to “Malle”

  1. Hallo Ihr Lieben,

    verfolge Eure Berichte mit Spannung und wünsche Euch immer eine handbreit Wasser unterm Kiel.
    Bin im Moment in Frankreich und schicke Euch ganz liebe Grüße
    Angelika

    1. Danke schön! hab eine schöne Zeit in Frankreich – ist ja nun wahrlich auch nicht schlecht. Und nicht so schaukelig…!!! Liebe Grüße! Peter und Ute

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