Vom Aushalten der Langsamkeit

180 Seemeilen, hatten wir gedacht, sind es bis Menorca.

Durch das Umfahren der Passage werden über 200 (ca. 360 Kilometer). Und das ist viel…

Wir „machen“ keine 6 Knoten Fahrt – weniger als 10 Kilometer/Stunde.

Quälend langsam summieren sich die Meilen… Was macht man mit so viel Zeit auf so engem Raum? Segeltechnisch ist nicht viel zu tun, der Autopilot steuert.

Lesen! Endlich! („Die Mittagsfrau“ von Julia Franck, wer das Buch noch nicht kennt – unbedingt lesen! Peter empfiehlt: „Rachsesommer“ von Andreas Gruber ) Aber irgendwann ist das Buch leider ausgelesen.

Putzen, was reparieren, Wäschewaschen, kochen, essen, abwaschen… die Zeit geht und geht nicht rum.

Um uns herum – blaues Wasser, sonst nichts. Immer noch keine Boote, Fähren, Fischer, wieder keine Netze – kein Anzeichen von Leben. 360 Grad nur Wasser – es ist surreal. Ein Vorgeschmack auf die Überfahrt in die Karibik…

Um 23 Uhr nachts dann das ersehnte – Land in Sicht! Menorca. Aber noch quälende 15 Meilen – und es sieht so nah aus!

Wir suchen anhand von Hafenführer und Navi einen Unterschlupf. Da wir Südwind haben, entscheiden wir uns für die Nordseite, da sind wir geschützter.

Eine Bucht klingt nett, ein Fischerörtchen, schreibt der Hafenführer, kleine Ecken, in die man sich verkriechen kann. Also gut, dann nehmen wir die.

Fast da – endlich! 39 Stunden haben wir gebraucht. Uns reicht es.

Dem Motor auch. Er stößt er einen letzten Seufzer aus und bleibt stehen. Eine halbe Stunde vor dem Ziel…

Wir setzen die Fock, um manövrierfähig zu bleiben, und Peter quält sich in den heißen Motorraum. Klar, dass wir auch noch ganz schöne Wellen haben…

In der Tat aber, wie vorhergesagt, kriegt mein Mann den Motor wieder in relativ kurzer Zeit zum Laufen. Bis zum Ankern müsste es reichen…Hoffentlich! Die Bucht ist eng, da haben wir wenig Bewegungsspielraum…

Meter um Meter tasten wir uns an den Ankerplatz heran. Lichter! Eine Strasse? Nicht auszumachen. Irgendwo sollen hier Bojen für die Fischer sein….Da – eine Mauer???? Wegbleiben!

Schließlich lassen wir den Anker fallen. Er hält auf Anhieb. Wenigstens etwas…Wir sind da. Und sicher.

Allerdings auch mal wieder extrem schaukelig. Die Bucht ist bei weitem nicht so gut geschützt, wie beschrieben, der Schwell, die kleinen Wellen also, kommen ungebremst herein und lassen die Hugin wie einen Korken tanzen. Und wir hatten uns so auf eine ruhige Nacht gefreut!

 

Morgen dann. Morgen wird alles besser!

 

 

 

 

 

 

 

 

2 Antworten auf „Vom Aushalten der Langsamkeit“

  1. Hallo ihr zwei, ich hoffe für euch das ihr nun etwas mehr Fahrt aufgenommen habt. Allerdings wenn ich in MarineTraffic schaue, ist es mit 5,6 Knoten nicht sehr berauschend. Werde weiterhin euer Logbuch lesen und euch beneiden. Viele Grüße aus dem Theater Baden-Baden, Walter

    1. iLeber Walter, Segeln ist Entschleuigung! Wenn wir nur segeln würden, würden wir so 2,4 Knoten machen – wir haben fast gar keinen Wind oder er kommt aus der falschen Richtung. Echte Segler nehmen es, wie es kommt, und sind dann halt noch langsamer. Wir benutzen die Machine als Hilfsmittel und fahren sie nicht so hoch, weil sie viel Diesel braucht – und der ist teuer. Also lieber als Kompromiss 5,6 Knoten…mehr als 7 macht sie sowieso nicht. Aber wir kommen voran! Langsam, aber gewaltig! Liebe Grüße nach Baden-Baden! Peter und Ute

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