Et kütt wie et kütt…

Viel zu spät haben wir abgelegt aus Castelsardo. Zu schön heiß die Duschen, zu verlockend das Angebot des Schraubenhändlers, Käse haben wir noch gebraucht und die Nachbarn einen Schlauchanschluss. Es ist 11, als wir endlich loskommen, egal, der Wind, so die Vorhersage, soll uns regelrecht hinüber treiben.

Erstmal ist der Wind schwächer als die Wellen es sind, und das heißt: Schwanken. Es ist ruppig schaukelig auf dem Boot. Eigentlich wollten wir durch eine wunderschöne Passage fahren, die aber ziemlich tricky weil voller Felsen ist, wir lassen das lieber bleiben. Ein entscheidender Fehler, wie sich herausstellt – so brauchen wir fast drei Stunden länger.

Dann schläft der Wind ein. Eine Zeitlang können wir uns mit dem Parasailor retten, doch dann wird der Wind auch für ihn zu schwach. Wir motoren. Und es wird dunkel.

Kohlrabenschwarz. Kein Mond. Zwei dicke Kreuzfahrer passieren uns noch, dann: keine Boote ringsherum, noch nichtmal Frachter, kein Land mehr. Ganz ungewohnt. Normalerweise mussten wir Fischern, Netzen ausweichen, haben Passagierschiffe auf dem AIS im Bildschirm gesehen. Diesmal: nichts. Wir sind allein.

Und wir fahren mit einer tickenden Zeitbombe. Finde ich. Peter findet das albern und total übertrieben, so würde er nie starten. Ich aber habe Angst. Die Luftblase im Filter vor dem Motor wird wieder größer. Es ist eine Frage der Zeit, bis sie den Motor erreicht. Dann stehen wir.

Kanal 16 – der Notrufkanal – erreicht hier niemanden mehr. Für echte Notfälle, bei denen es um Leben und Tod geht, haben wir die Notruftaste und das Iridium-Telefon. Aber für technischen Beistand – niemanden.

Peter beunruhigt das nicht weiter. Dann entlüftet er den Motor und legt einen neuen Beipass, Schläuche haben wir noch gekauft.

Ich traue meinem Mann wirklich technisch fast alles zu. Aber auf hoher See, schaukelnd, eine Not-OP am Motor – das finde ich alles andere als verlockend. Und auch nicht die Vorstellung, Peter unter solchen Bedingungen im Motorraum hängen zu sehen.

Der Beipass ist schon gebastelt, die Frage ist, den Motor jetzt zu stoppen und die Schläuche samt Filter zu montieren? Oder zu warten, bis es er von selbst stehenbleibt. Dann allerdings, gibt mein Mann zu bedenken, dauert es länger, ihn wieder in Gang zu bringen. Aber warum stoppen? Im Moment läuft er…

Und läuft und läuft und läuft. Wir haben beide keine ruhige Nacht, aber der Motor läuft noch am nächsten Tag. Peter vermutet mittlerweile keine Luftblase, sondern ein Vakuum, das sich ausdehnt. Und stagniert.

Was lernen wir daraus? Etwas mehr rheinische Frohnatur. Et is noch immer jut jegange…

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