…von Kalabrien nach Taormina auf Sizilien verläuft weitgehend ereignislos. Wir brechen morgens um 6 auf und sehen noch die letzten Fischer, die in den Morgen tuckern. Ciao – auch sie werden uns fehlen, so oft uns ihr lautes Quatschen und Motorlaufenlassen nachts geweckt hat.
Der Wind weht schwach – der Motor tuckert äußerst beruhigend.
Die einzige Frage, die uns beschäftigt, ist: Schaffen wir es, den Gewitterwolken, die sich drohend aufbauen, auszuweichen?
Wir passieren die verlängerte Strasse von Messina und sehen Frachter um Frachter vorbeiziehen. Spannend. Einer, Meilen entfernt, funkt uns an, als ich unseren Kurs verlassen, um ein Sperrgebiet zu umfahren. „Hagin3, Hagin3, Hagin“, nennt er uns und nur an der „3“ erkenne ich, dass wir gemeint sind, wir sprechen uns ja nordisch „Hugin“ aus. Er will wissen, wohin ich denn nun fahre, kündigt dann an, uns backbord zu überholen und wünscht uns eine gute Fahrt. Das erste Mal „echter“ Funkverkehr auf dem Meer – und dann auch noch so nützlich! Funken ist toll!
Der Wind frischt etwas auf und wir setzen alle Segel. Dazu müssen wir in den Wind fahren und den Motor drosseln. Und der – muckt. Und fällt ganz ab. Oh nein! Zwar geht er nicht aus, aber zischen 900 und 1500 Umdrehungen spinnt er. Na super. Immerhin sind wir auf dem Weg nach Sizilien und ein bisschen weitergekommen. Und ganz irrational hoffe ich, dass er sich wieder fängt, der Motor.
Im Moment brauchen wir ihn nur zur Unterstützung und haben eine Stunde vor Taormina auch andere Sorgen: Wir kriegen nun doch ordentlich was auf die Mütze. Der Regen prasselt, die Wolken ziehen sich zusammen. Der Wind wird stark, aber er kommt von hinten. Unsere neue Windanzeige gibt 35 Knoten an – das ist Sturm. Nichts davon auf dem Boot zu spüren, keine große Schräglage, Hugin ist super gut zu halten. Es beginnt, zu gewittern. Wir wissen nicht, wo und ob wir überhaupt vor Taormina ankern können. Zwar haben uns Seglern versichert, dass es geht, aber wir haben keinerlei Orientierung. Zwischen einem Katamaran und einer abgehalfterte anderen Ketsch lassen wir schließlich den Anker fallen.
Es ist beeindruckend. Der Freak (er sieht wirklich so aus) auf der Rumpelketsch hat laut super Musik laufen, auf der einen Seite sind wir von Taormina und Giardini Naxos begrenzt, die von warmen (keinen Energiespar-) Lampen – illuminiert werden, Taormina zieht sich malerisch den Berg hinauf. Auf der anderen Seite, über dem offenen Meer, toben die Blitze. Weit genug entfernt, um nicht angsteinflößend, nah genug, um beeindruckend zu sein. Wir mummeln uns ein und schauen bei einem Whiskey dem wunderbares Schauspiel zu.

