Um 5 Uhr läutet der Wecker. Wir wollen früh raus, denn wir haben einen langen Weg vor uns – 70 sm, auf die Peleponnes. Wir kommen auch pünktlich aus den Federn, oh Wunder, machen uns Thermoskannen mit Kaffee und Tee. Und holen den Anker hoch. Der streikt. Es orgelt und orgelt, der Anker bewegt sich keinen Zentimeter mehr. Oh nein! Wir haben irgendetwas gefangen. Peter, nie um eine Lösung verlegen, holt Tau und Bootshaken, schafft es irgendwie, aus dem Tau eine Schlaufe zu machen und die anzuheben, damit wir den Anker frei kriegen. Eine riesig dicke Kette, die die Betonstege von Adamas festhält, war es! Das muss man erstmal hinkriegen!
Etwas später also als geplant, aber immerhin überhaupt (wir hätten sonst einen Taucher organisieren müssen), stechen wir wieder in See. Die zeigt uns nochmal, was sie kann – Windstärke 8. Peter schickt mich schlafen, ich kann ihm sowieso nicht helfen. Von der Koje aus sehe ich, wie er die Segel trimmt, ihnen also optimale Stellung gibt, refft, ausrefft – mit schlafwandlerischer Sicherheit. Als hätte er Saugnäpfe unter den Füssen, bewegt er sich auf Deck, lacht über die hohen Wellen, verliert nie seine gute Laune und seinen Optimismus. Einer seiner Vorfahren muss ein großer Seefahrer gewesen sein – Käpt’n, mein Käpt’n!!
Mein Käp’t holt mich ein paar Stunden später aufs Deck – Delphine! Bevor ich mich berappelt habe, sind die leider schon wieder verschwunden, aber ich bleibe oben, staunend, wie schön es ist. Kein Land mehr in Sicht, weit und breit keine Boote – uns gehört die See! Da beginne ich, zu erstehen, was die Freiheit auf See bedeuten kann…
Das Meer hat sich beruhigt, wir verlassen deutlich die Ägäis und damit die Starkwindregion – endlich! Peter geht schlafen und ich freue mich, dass ich ihm auch endlich mal Ruhe gönnen kann. Und fühle mich allein an Deck wie die Herrscherin der sieben Meere. Was ein Leichtes ist, steuert doch unsere Windsteueranlage, und ich brauche nichts weiter zu tun, als den Kurs über ein gelegentliches Ziehen am Schnürchen rechts oder links zu korrigieren. Und nach anderen Schiffen auf dem Plotter zu schauen, unserem Bildschirm unter Deck, der die Seekarte und unseren Kurs abbildet – und eben Schiffe, sofern sie wie wir AIS haben. Das Segeln wird schön.
Aber es zieht sich. Ein Vorgeschmack auf die Atlantiküberfahrt.
Um 14 Uhr endlich – Land in Sicht! Im Dunst: Die Peleponnes.
Es dauert noch lange, bis wir die Berge um uns herum richtig ausmachen können. Hoch sind sie, karg, kaum bewohnt hier, ein paar kleine grüne Flecken immerhin. Aber noch keine Ankermöglichkeit weit und breit..
Bei Sonnenuntergang , nach 14 Stunden, erreichen wir endlich müde und etwas erschöpft eine kleine, zum Ankern geeignete Bucht im Südzipfel der Peleponnes. Traumhaft schön, glasklares Wasser, ein kleiner Sandstrand vor uns, neben uns Felsen, die erlebnisreiches Schnorcheln verheißen. Hier bleiben wir!

