Marsch, Marsch!

Ilha da Culatra,

28.7.2017

Hätte uns ein Schweizer Skipper nicht den Tipp gegeben, wir wären an der Ria Formosa glatt vorbeigesegelt. Zu unscheinbar sieht die Lagune auf der Karte aus, zu klein scheinen ihre Einfahrten. Sie sind aber groß genug, um flache Stellen zu passieren, gut betonnt – und dann werfen wir Anker mitten in einem wunderschönen Naturschutzgebiet. Vor uns die Ilha da Culatra, hinter uns die Städte Faro und Olhao.
Dazwischen: Muschelbänke, Fischernetze. Marschlandschaft.

Hier muss man mit den Tiden leben, genau wissen, wann das Wasser wir hoch bzw. niedrig ist, sonst fällt man trocken.

Vor uns Ponte Cais, ein kleiner Ort. Eine Handvoll Häuser. Einst illegal errichtet, wie wir später erfahren, mittlerweile geduldet, selbstverwaltet, sogar einen Kindergarten, eine Grundschule, kleine Supermärkte gibt es hier. Keine Straßen, sondern Traktoren, keine Gehwege, sondern Holzplatten für Fußgänger. Sonst: Sand. Und ein paar Kneipen. Wir landen im „Jacintos“, Plastiktische und -stühle, die linke Hälfte Restaurant, die rechte Kneipe. An der Theke, wettergegerbte Gesichter, Bartstoppeln, schon leicht von dem ein oder anderen einen Sagres zu viel gerötete Augen, Fischer, die mit ihren schwieligen Pranken das Fleisch aus kleinsten Schnecken pulen, Cacras aus ihrem Gehäuse holen, Austern zu ihrem Bier genießen. Andere spielen Billiard, darüber läuft der Fernseher: Frauenfußball.

Hier fühlen wir uns wohl und zu gern würde ich ein Foto dieses Ensembles machen, aber ich traue mich dann doch nicht, diese Normalität zu zerstören.

Viel schöner als ich beschreibt das Leben in und um Culatra Gil Ribeiro alias Holger Karsten Schmidt in „Lost in Fuseta“. Ein passabler Krimi, vor allem aber eine Liebeserklärung an die Region. Doch Vorsicht: Wer ihn gelesen hat, bucht sofort einen Flug nach Faro!

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