Cruz Bay, 21.4.2017
Am Vormittag legen wir ab, 14 Meilen sind es nur bis zu unserem Ziel. Der Wind kommt von hinten, zu schwach zum Segeln, Peter bekommt schlechte Laune, weil wir wieder mal motoren, ich habe, wie bekannt, nicht viel dagegen…
Mittags kommen wir auf St. John an. Sofort einklarieren!!! Beschwört jeder Segelführer, die Amis sind da sehr empfindlich! Würden wir ja auch gern, aber in der Cruz Bay, wo man einklarieren muss, ist an ankern nicht zu denken. Die Bucht ist klein, von Fährzufahrten durchschnitten, der ausgewiesene Ankerplatz handtuchgroß.
Wir fahren zurück um die Ecke und nehmen dort, inmitten wunderschöner Natur, eine Boje. Und essen erstmal, Einwanderungsbehörde hin oder her. Wer mich kennt, weiß – Hunger ist gar nicht gut. Das Wort „hangry“ – von „hungry“ (hungrig) und „angry“ (ärgerlich) wurde vermutlich mal für mich geprägt…
Dann, gut gelaunt, machen wir uns an die Formalitäten.
Ich rechne mit allen Schikanen. Ich habe von Fällen gelesen, in denen sogar der Müll auf dem Boot durchsucht wurde, um zu vermeiden, dass Lebensmittel Seuchen ins Land schleppen. Auf den British Virgin Islands mussten wir unterschreiben, dass wir keine Lebensmittel an Bord haben (was natürlich gelogen war) – was also werden die kontrollwütigen Amis unternehmen? Unsere Vorräte inspizieren? Konfiszieren?
Das Einklarieren ist ein Witz. Wir müssen unsere Fingerabdrücke wieder hinterlassen, bloss funktioniert die Maschine nicht. Ich muss fünfmal meine Hand auflegen, dann ist die Dame vom Zoll entnervt und belässt es dabei. Die üblichen Angaben für das Boot, nicht einmal die Bootspapiere müssen wir vorzeigen. Dann sind wir durch. Das soll’s gewesen sein?
Wir bummeln durch den kleinen Ort, klar, viele Tourigeschäfte, trotzdem ist es nett. Locker, ein bisschen chaotisch. Sogar das ein oder andere kleine Rauchwölkchen kann man schnuppern…
Und es gibt einen großen Supermarkt. Mit Preisen, die uns nicht gleich in Ohnmacht fallen lassen. Endlich wieder Ananas, Äpfel, zur Feier des Tages sogar einen Joghurt, der immer noch viel, aber deutlich weniger als auf den letzten Inseln kostet. Uns gefällt St.John!

