13.6.2017
34°56’57 N, 44°59’W, 88sm
Das Etmal ist jämmerlich. Ihr habt in Deutschland schönes Wetter? Klar, das Azorenhoch. Wir haben Flaute.
Und dümpeln. Die Segel, die keinen Wind mehr haben, schlagen…Wir beschließen, den Parasailor zu setzen.
Dieses super Leichtwindsegel, 115 qm Fläche. Aber leider nur mit ziemlichem Geraffel zu setzen, weshalb wir oft davor kneifen. Alle Schoten müssen neu belegt, die Leinenführung muss peinlichst überdacht werden, nichts darf sich verheddern. Auf der Hinfahrt lag unser Rekord bei 1:48 Stunden. Aber wir haben ja Zeit…
Eine dreiviertel Stunde später steht der Parasailor wie eine Eins. Noch eine Viertelstunde später ist er auf einer Seite ausgebaumt, um ihn zu stabilisieren. Und wir segeln wieder!
14.6. 2017
35°37,14N, 42°50W, 106 sm
Nur noch 692 Meilen bis Horta, Azoren, unter 700! Das macht Mut. Wenn wir denn mal wieder Geschwindigkeit machen…
Denn auch der Parasailor geht in die Knie. Der Wind hat gedreht und kommt direkt von hinten, so wie er jedoch angeschlagen ist, für einen Raumschotkurs, kommt er damit nicht zurecht.. Er schlägt und wickelt sich ums Vorstag, es ist ein Graus.
Wir holen tief Luft und setzen ihn neu, baumen ihn zu beiden Seiten aus. Jetzt steht er symmetrisch vor dem Boot. Und zieht wieder! Grandios.
Wir verbringen einen entspannten Tag, Peter versucht sich im Angeln. Noch erfolglos..
Also sitzen wir abends an Deck bei gebratenen Nudeln mit Ei und Ketchup, als es einen Schlag aus der Kompasssäule tut und das Lenkrad merkwürdige Bewegungen macht. Das sieht gar nicht gut aus…
Das Lenkseil des Autopiloten ist gerissen. Zum Glück haben wir die Windsteueranlage als Alternative, aber bei Wind, der genau von hinten kommt, steuert sie sehr ungenau. Da muss der Käpt’n ran…
Die Lenkvorrichtung befindet sich unter unseren Betten. Also räumen wir Matratzen und Bettzeug in den Salon und Peter, als hätte er nie etwas anderes getan, als Lenkseile zu reparieren, schafft es, das Drahtseil, das gekappt werden muss,an einer Stelle so zu verlängern, so dass die schadhafte Stelle ausgeglichen wird. Was sich hier so schnell liest, ist eine Aktion von zwei Stunden mit Mordskraft, Schmierfett und noch mehr Geduld. Unglaublich – es gibt wohl nichts, was dieser Mann nicht wieder hin kriegt.
Der Autopilot funktioniert wieder. Wir sind sehr erleichtert…Horta winkt!
15.6.2017
36°40’48N, 40° 23’114W, 140sm
Endlich mal ein Etmal, das sich sehen lassen kann! Über 7 Knoten haben wir nachts gemacht, oft genug aber auch vor der Windanzeige gestanden und überlegt, ob es nicht höchste Zeit wäre, den Parasailor zu bergen bei über 20Knoten Wind in den Böen…
Wir holen ihn um11 Uhr morgens herunter. Grade noch rechtzeitig. Der Wind legt zu, es wird schaukelig, eine Stunde brauchen wir, bis wir ihn wieder im Sack verstaut haben. Diese Aktion nachts….lieber nicht.
Jetzt segeln wir wieder unter normaler Besegelung bei Raumschotkurs, auch nicht grade langsam, 5 bis 6 Knoten schafft die Hugin. 5 Tage brauchen wir wohl noch bis Horta – es ist dann auch genug.
