10.6. 2017
33 Grad 51,8’ N, 50 Grad 24’ W, 87 sm, 795 sm insgesamt, noch ca. 1200 sm bis Horta/Azoren
Das Barometer steigt auf stolze 2026 hPa. Der Wind schläft komplett ein. Wir befinden uns inmitten eines Hochs. Da gibt es keinen Wind.
Was tun? Dümpeln oder motoren?
Dümpeln hieße, auf der Stelle zu stehen, wer weiß, wie lange. Ich überschlage im Kopf unsere Vorräte. Wenn wir noch drei Wochen brauchen, gibt es am Ende nur noch Nudeln mit Tomatensoße oder Ketchup, selbstgebackenes Brot mit Marmelade und/oderScheiblettenkäse. Aber verhungern werden wir nicht. Wasser liefert uns der Wassermacher, auch kein Problem. Aber noch drei Wochen…????
Wir rechnen. Circa 550 Liter Diesel hatten wir in den Tanks, 80 in Kanistern. Etwa 300 Liter haben wir in den ersten Tagen verfahren. 250 wollen wir als eiserne Reserve behalten. Bleiben 80 Liter. Reicht für etwa 100 Meilen.
Wir konsultieren die Wetterkarte. In etwa 90 Meilen nordöstlich scheint Wind aufzukommen. Sollen wir es wagen, bis dahin den Motor anzuwerfen? Wir entscheiden: ja.
Und machen uns mit knapp 5 sm/h auf den Weg.
11.6.2017
43 Grad 36’N, 48 Grad 40’ W, 120 sm, insgesamt 915, noch über 1000 bis Horta/Azoren
Um 2:25 nachts kommt leichter Wind auf. Peter, der Wache schiebt, setzt die Fock und macht den Motor aus. Wie segeln wieder! Nicht schnell, aber immerhin.
Setzen vor dem Frühstück noch das Groß dazu – na, das kann sich doch sehen lassen. Der Wind kommt aus 120 Grad, Raumschotkurs, 5,1, Knoten Fahrt bei 9 Knoten Wind. Da lacht das Seglerherz!
Wir stellen die Uhr eine Stunde vor. UTC (Weltzeit) + 2 Stunden sind wir nun.
Beim Eintragen des Etmals in die große Atlantikkarte, den „Überflieger“, kann ich sie in der Mitte teilen.
Wir kommen unserem Ziel näher!
Bergfest!!!Um 18:51 haben wir 950 sm geschafft. Naja, nach Luftlinie. Wir werden wohl noch ein paar Meilen mehr hin und her eiern kreuzen müssen. Aber immerhin!
Nachts verlässt uns der Wind. Der Käpt’n genehmigt fünf Motorstunden…
12.6. 2017
34 Grad 55’N, 46 Grad 33’10 W, 119 sm, insg. 1034 sm
Nach fünf Motorstunden herrscht immer noch Flaute. Es regnet leise. Wir motoren weiter. Ich habe Wache. Das Großsegel, gesetzt in der Hoffnung auf Wind und um das Boot zu stabilisieren, schlägt. Jeder Schlag geht durch Mark und Bein. Und wieder einer. Und wieder einer…sollen wir doch das Segel bergen? Ich hoffe. Laut Wetterbericht hätte der Wind gegen drei Uhr nachts einsetzen sollen. Und wir sind verwöhnt. „Wetterwelt“ liefert unglaublich genaue Wetterdaten. (Basti, bitte trotzdem dranbleiben – auch die „Wetterwelt“ sieht nicht alles…)
Der Wind kommt um 6:30 Uhr. Langsam, aber stetig. 12 Knoten. Das reicht. Ich wecke Peter. Wir setzen Vollzeug. Und segeln wieder!
Es ist grau in grau, Regen über tristem Meer. Macht nichts. Dann wird das ein Lese- und Filmgucktag.
