Ostereier…

Soper’s hole, BVIs, 18.4.2017

Als verspätetes Osterei haben wir ein Wetterfax im Navtex! Ha, es hat endlich funktioniert! Lohn unserer Mühen! Von welcher Frequenz gesendet, woher also?

Offenbach. Deutscher Wetterdienst Offenbach. Weiter geht’s wohl nicht.

Nichts aus Louisiana, nichts aus Boston, was alles näher wäre. Offenbach. Nun denn!

Deutlich sind Hochs und Tiefs auszumachen, wo sie allerdings liegen und wohin sie ziehen, ist nicht genau zu erkennen, die Karte darunter ist zu schwach gezeichnet. Aber das kriegen wir auch noch hin!

Ein letztes Mal tauchen wir vor Norman Island ab in die Märchenwelt – keine Barrakudas, keine Rochen, nur hübsche kleine Fische und eine Schildkröte, die sich gemächlich unter Wasser voranfrisst. Superschön war es hier.

Dann legen wir ab. Soper’s hole auf Tortola, gleich gegenüber, ist unser Ziel. Von dort aus gehen Fähren auf die amerikanischen Virgin Islands und denen wollen wir, nicht ohne Hintergedanken, einen Besuch abstatten. (siehe nächstes Kapitel).

In Soper’s hole nehmen wir ausnahmsweise eine Boje, ankern geht auch gar nicht, weil die ganze Bucht mit Bojen ausgelegt ist. Neben uns liegt Martin mit seiner Anima! Auch er hat sich nach Fähren erkundigt, den Plan aber wieder verworfen. Er zieht weiter. Wie schade. Es ist wie so oft – man trifft sich, findet sich sympathisch – und dann hat doch wieder jeder andere Ziele. Vielleicht und hoffentlich sehen wir ihn auf den Bermudas, spätestens auf den Azoren, wieder.

Regen über

Norman Island, 17.4.2017

Und den BVIs, das Wetter ist so schlecht wie in Deutschland, naja, vielleicht ein bisschen wärmer, etwas über 25 Grad.

Wir bleiben an unserem Ankerplatz. Reparieren, versuchen, dem Navtex endlich eine Wetterkarte zu entlocken! Vergeblich. Wir brauchen Tilman B.! Peter backt Brot. Sehr lecker und besser als alles, was wir bisher auf den BVIs haben an „Brot“ kaufen können…

Und ich komme endlich wieder zum Lesen, Frank Schätzings „Schwarm“, wie passend.

Und ruckzuck ist der Tag rum!

Norman Island

BVIs, 16.4.2017

Das Wetter soll schlechter werden, stärkerer Wind aus Ost – wir müssen uns einen Unterschlupf suchen.

Normans Island hat eine Bucht, die diesen verspricht, also auf – 11 Meilen, das ist kein Weg.

Die Bucht ist, wie soll es auch anders sein, voller Bojen, die auch noch teurer also üblich sein sollen. An Ankern ist leider nicht zu denken. Aber etwas außerhalb, grad um die Ecke…

Etwas tief, wir legen eine Landleine. Das haben wir seit der Türkei nicht mehr gemacht, klappt aber ganz gut. Und dann liegen wir wunderbar, haben auch einen Blick wie in der Türkei. Wie Karibik sieht es nicht aus, ist aber sehr idyllisch. Sogar prima schnorcheln können wir vom Boot aus. Und vor uns brüten Pelikane! Die gibt es nun in der Türkei nicht. Von daher….doch Karibik!(Foto folgt)

Foxy’s…

Great Harbour, Jost van Dyke, BVIs, 15.4.2017

…ist eine Institution auf den BVIs. Eine Kneipe, in der man gewesen sein muss. Foxy spielt selbst den Calypso oder lädt andere Musiker ein. Ich möchte zu Foxy’s. und Peter muss mit.

Foxy’s liegt im „Great Harbour“, dem größten Ort auf der Pirateninsel. Eine Kirche, ein Friedhof, eine Polizeistation, zwei Minimärkte, einen „Super“-Markt, eine Bäckerei. Fünf Kneipen. Drei Häuser. Mehr gibt es dort nicht. Doch, die Einklarierungsbehörde für Segler…

Trotz dieses rudimentären Angebots ist die „große“ Bucht rappelvoll. Leider fast ausschließlich mit Bojen ausgelegt, für die man 30 Dollar zahlen muss, was wir tunlichst versuchen zu vermeiden.

Nach drei Anläufen hält der Anker am Ausgang der Bucht, es ist mehr Geröll als Sand, der Untergrund also lausig. Wir ziehen ordentlich, der Anker hält, und wir hoffen, dass er sich nicht so in einem Felsen verhakt hat, dass wir ihn nicht wieder rauskriegen.
Aber der Wind soll nicht stark werden, also bleiben wir.

Gehen an Land. Es ist nett. Richtig nett, entspannt, freundliche Menschen. Das Bier in einer Kneipe (wegen des Internets, natürlich!) nur zwei Dollar! Super.

Abends wollen wir wieder kommen.

Solange gucken wir auf dem Boot fern: Wie andere Boote ankommen, den Anker werfen, egal wo – ein interessantes Schauspiel, immer wieder.

Gehen schwimmen. Das Wasser ist trotz der großen Bucht glasklar und wunderbar.

Berappeln uns abends, obwohl wir eigentlich keine Lust haben, und es so gemütlich auf dem Boot ist – Foxy’s ruft…

Discofox. Foxy, King des Calypso, bietet Discofox. Nix mit karibischen Rhythmen. Die Menge – amerikanische Charterer -, hüpft dazu. Wir nicht. Danke, auf John Travolta haben wir so gar keine Lust…

Donnerstag, der 13.

Long Bay, Jost van Dyke, BVIs, 13.4.2017

Wir motoren nach Jost van Dyke, eine Insel, auf der einmal ein holländischer Pirat sein Unwesen getrieben haben soll. Gerne würden wir in der Little Bay ankern, dort soll es schöne Kneipen geben (Peter lästert bereits, ich würde nur noch nach Kneipen suchen, wie wahr!), aber da ist es bereits voll. Also gehen wir eine Meile weiter nach Long bay, einer Enge zwischen Little Jost van Dyke und Jost van Dyke, direkt vor einem Riff. Das verheißt schönes Schnorcheln. Seit meiner Begegnung mit dem Barrakuda (jaja, die tun nichts, ich weiß…)ist meine Schnorchelfreude leider nicht mehr ganz so ungetrübt, ich habe nach einer Weile genug gesehen, und soo toll ist es dort nicht.

Ich hieve mich also Ins Dinghi, noch nicht ganz im Vollbesitz meiner Armkräfte, wir haben eine Art Strickleiter gebaut, mit der der Einstieg normalerweise einfach ist, aber diesmal ist die Tritthilfe misslungen, die Schlaufenstufen sind zu tief , ich schleife mich über den Dinghirand und ramme mir den Penökel, der die Ruder hält, in den Brustkorb. Es tut höllisch weh, und als Peter von seinem Schnorchelausflug zurückkommt, sitze ich wie ein Häufchen Elend im Boot. Nicht nur wegen der Schmerzen, sondern auch, weil ich zu doof bin, in ein Boot einzusteigen! Selbst mein geduldiger Peter ist etwas entgeistert…

Mein Element ist der Sessel! Mit Kater auf dem Bauch, Buch oder Zeitung oder wegen mir auch Laptop zum Schreiben vor der Nase! Und ich bin mir nicht sicher, ob Peter da noch anderer Meinung ist…

Jede Bewegung, jede Krümmung tut mir weh, so ein Mist! Grade, wo es mit dem Arm besser ging! Ich fühle mich wie eine Krücke – die Zehen hatte ich mir in The Bath übrigens auch noch so ordentlich angestoßen, dass ich nicht richtig laufen kann.

Nicht zum Trost, aber trotzdem, gehen wir zur happy hour (jaja, Kneipentante), mit dem Dinghi grade um die nächste Ecke.

Foxy’s Taboo. Foxy ist eine Institution auf der Insel, doch dazu später. Foxy’s Taboo managt seine Tochter.

Es ist einfach nur schön da. Geschmackvoll eingerichtet, Hängematten (zum Glück hat der dazugehörige Laden grade geschlossen, sonst wäre mindestens eine in unseren Besitz übergegangen), Fackeln am Eingang…

Teuer.

Wir bleiben trotzdem. Wenigstens eine Vorspeise ist drin. Salat mit roter Beete, Käse und Walnüssen – köstlich. Ich bekomme einen Auberginen-Käse-Kuchen auf Tomatensoße mit selbstgemachten Chips. So lecker! Endlich einmal etwas anderes als das ewige fettige Chickencurry mit Reis und Bohnen und Makkaronisalat…Wir wussten gar nicht, dass die karibische Küche so delikat sein kann.

Und ich bin übrigens gern die Kneipentante…!

Marina Cay

Tortola, BVIs, 13.4.2017

Es regnet. Eigentlich wollten wir weiter ziehen nach Westen, ans Ende der Insel, aber so verlockt es nicht grade. Also bleiben wir in der Trellis Bay und arbeiten. Peter schleift und streicht das Holz um die Schwalbennester im Cockpit, ich recherchiere nach weiteren Anker- und Weiterreisemöglichkeiten. Es ist nett hier, aber auf Dauer…

Irgendwann reicht es uns, und wir motoren wenigstens eine Meile weiter, in die Marina Cay. Es hätte uns ein bisschen früher einfallen können, dann hätten wir es leichter gehabt, einen Ankerplatz zu finden, so ist es fast voll. Ein großes Bojenfeld schränkt die freien Ankermöglichkeiten weiter ein. Wir versuchen es bei 10 Metern, der Anker hält auch, aber wir stellen fest, dass er auf einem Unterwasserkabel liegt. Und die Stromversorgung der Insel wollen wir nun wirklich nicht kappen. Also gehen wir etwas weiter nach vorn, und da bleiben wir dann.

Fahren mit dem Dinghi auf die kleine Insel.

Sie ist winzig und wurde in den dreißiger Jahren von einem amerikanischen Schriftsteller und Drehbuchautor gekauft und, ja, „kultiviert“. Mit einem wunderschönen Garten. Bougainvileen, Malven zwischen großen Kakteen, dahinter funkelt das Meer. Es ist zauberhaft.

Heute ist die keine Insel ein Resort, ein Hotel also mit allem pipapo, außerdem hat Pusser’s, eine Kneipenkette, sich darauf niedergelassen. Pusser’s Rum gehört zum Feinsten, wir nehmen gleichmal eine Flasche mit.

Und genießen auf der Spitze der Insel die Happy Hour. Ein Alleinunterhalt spielt Clapton und – natürlich – Bob Marley, aber er macht das sehr gut. Eine wunderschone Atmosphäre, Sonnenuntergang…uns geht es gut!

Feuerzauber

Trellis Bay,11.4.2017

Es ist Vollmond! Und der wird in der Bucht gefeiert. Ein hier ansässiger Künstler hat aus Eisen Skulpturen, Kugeln und einen Menschen, gefertigt, die, mit Holz und Kokosnüssen gefüllt, angezündet werden sollen. Fraglich ist tagsüber noch, ob der Mond zu sehen sein wird, es ist schwer bewölkt.

Das Ereignis hat sich herumgesprochen, immer mehr Boote laufen ein, dicke Katamarane (ohne Mast und ohne Segel)vor allem. Die letzte Boje ist belegt, geankert wird rücksichtslos, wo Platz zu sein scheint. Wenn das Fest genauso wird…

Wird es nicht. Es wird richtig nett. Die Kneipen bieten verschiedenste Gerichte an, und vor allem: Musik. Reggae, Rythm and Blues, mit großer Leidenschaft präsentiert. Alles tanzt und bewegt sich mit, die Stimmung ist toll. Wir kommen mit vielen anderen Seglern ins Gespräch, sehr nett.

Als der Mond sich denn doch noch zeigt, werden die Kunstwerke, die im Wasser stehen, in Flammen gesetzt. Es sieht toll aus und wird gebührend beklatscht. Und dann wird weiter getanzt – bis Mitternacht…

Road Town

9.4.2017

Das Wetter ist lausig, es regnet in Strömen. Ideal, um der Hauptstadt der Insel einen Besuch abzustatten, Lebensmittel brauchen wir auch wieder. Der Supermarkt der Trellis Bay ist eine Apotheke…Sehr teuer, vielleicht ist es in Road Harbour günstiger.

Gelegentlich soll es einen Bus geben… Wir stellen uns an die Haltestelle und warten. Ein klappriges Gefährt hält an, auf dem „Taxi“ steht. 5 Dollar in die Stadt, wenn noch mehr Passagiere dazu kommen, drei. Also gut. Wir steigen ein, die Schiebetür fällt fast aus dem Rahmen. Aber wir kommen heile an.

Das Foto wird Road Town sicher nicht gerecht, es gibt Strassen, sogar kleine, begrünte Plätze, wenn auch nur wenige, um öffentliche Gebäude. Aber wir finden uns nicht zurecht, es gibt kein Zentrum, alles scheint beliebig entstanden zu sein, und mir wird einmal mehr deutlich, wie sehr ich eine schöne Architektur vermisse, etwas Kultiviertheit im ursprünglichen Sinne: etwas Angelegtes, Gewachsenes.

Die BVIs waren jahrhundertelang nur landwirtschaftlich ausgebeutet, Baumwolle, Zuckerrohr wurde hier von Sklaven angebaut, bis die Sklaverei abgeschafft wurde. Die Sklaven übernahmen die Landwirtschaft in kleinen Parzellen. Abgesehen davon, dass mit der Entdeckung in Europa, dass Zucker auch aus Rüben hergestellt werden kann, sowieso die große Zuckerproduktion in der Karibik ihr Ende fand, war diese Kleinbewirtschaftung nicht sehr ergiebig, reichte aber wohl so zum Überleben. Nicht aber, um die Inseln wirtschaftlich voranzubringen. Eine Industrie, Handwerk, entstand nicht.

Dann kam der Tourismus als Segen für die Inseln und die Bewohner, flugs entstanden Marinas, Supermärkte, wurden Cafes, Restaurants, Kneipen aus dem Boden gestampft, Einkaufsmeilen für Kreuzfahrer errichtet. Wohl hat man versucht, diesen Klötzen einen karibisch-fröhlichen Anstrich zu geben, aber sie passen überhaupt nicht hierher. Keine Harmonie prägt diese Stadt. Wie schade.

Wir klappern die Supermärkte ab und sind wieder einmal von den Preisen entsetzt. So sie denn ersichtlich sind. „Bobby’s“ glänzt durch ein unglaubliches Angebot, aber ausgezeichnet sind die Waren nicht. Entweder kauft man die Katze im Sack oder läuft mit jedem Käse zur Kasse, um sich den Preis sagen zu lassen…

Aber Schwarzbrot gibt es da. SCHWARZBROT! Deutsches, mit richtigen Körnern, eingeschweißt, lange haltbar, ideal für die Überfahrt! Das wandert in de Einkaufskorb, egal, wie teuer. Und beim nächsten Besuch wird das Regal leergekauft!

Für die Rückfahrt reihen wir uns ein in eine Schlange von Menschen, die an einer Bushaltestelle wartet, keine Nummer, kein Fahrtziel ersichtlich. Ein ausrangierter Schulbus kommt. Ja, er fährt zur Trelllis Bay, 5 Dollar. Obwohl jeder Platz besetzt ist…Das verstehe, wer will.

Trellis Bay

8.4.2017, BVIs

Noch eine schaukelnde Nacht wie vor dem Spanish Harbour brauchen wir nun wirklich nicht, wir fahren lieber gleich nach Tortola, in die Trellis Bay, fünf Meilen entfernt, die Entfernungen sind zwischen den einzelnen Inseln der BVIs gering.

In der Trellis Bay liegt Martin, außerdem gibt es dort am 11. eine Vollmondparty, da muss man hin.

Wir kommen spät an, kein Ankerplatz mehr zu bekommen, nur Bojen, und auch die sind fast alle belegt. Die Trellis Bay ist beliebt! Also ankern wir an der Einfahrt zur Bucht und haben noch größeren Schwell als die Nacht vorher, wenn Fähren vorbeiziehen. Und sie ziehen oft…

Die Nacht halten wir durch, und zum Glück hat uns Martin am anderen Tag einen Platz freigehalten, genauer: Er hat wenig Tiefgang und kann mit seinem Boot noch näher an das Ufer, wir können dann an seinen Platz verlegen. Wie nett!

Nun haben wir es gut. Langweilig wird uns auch nicht. Direkt nebendran starten vom Haupt-Flughafen der BVIs (ich schreib es nicht mehr aus: British Virgin Islands heißt es in voller Länge, die britischen Jungferninseln) kleine und auch größere Flieger. Eine winzige Landebahn – es macht Spass, den Hüpfern zuzuschauen.

Einige nette kleine Kneipen mit Happy Hour…

Ein Supermarkt, eine kleine Wäscherei, nebenan eine mangrovenbewachsene kleine Insel.

Und das Wasser ist (oder scheint) trotz der vielen Boote klar. Ergiebiges Schorcheln! Um im Wasser entsorgte Kloschüssel, Autoreifen, Rohre tummeln sich Fische…

Eine nette Bucht.

Neuigkeiten!

Geneigte Leserschaft, ab sofort gibt es mehr oder weniger regelmäßig mehr Fotos! Zu sehen unter „Galerie“. Viel Vergnügen!