Road Town

9.4.2017

Das Wetter ist lausig, es regnet in Strömen. Ideal, um der Hauptstadt der Insel einen Besuch abzustatten, Lebensmittel brauchen wir auch wieder. Der Supermarkt der Trellis Bay ist eine Apotheke…Sehr teuer, vielleicht ist es in Road Harbour günstiger.

Gelegentlich soll es einen Bus geben… Wir stellen uns an die Haltestelle und warten. Ein klappriges Gefährt hält an, auf dem „Taxi“ steht. 5 Dollar in die Stadt, wenn noch mehr Passagiere dazu kommen, drei. Also gut. Wir steigen ein, die Schiebetür fällt fast aus dem Rahmen. Aber wir kommen heile an.

Das Foto wird Road Town sicher nicht gerecht, es gibt Strassen, sogar kleine, begrünte Plätze, wenn auch nur wenige, um öffentliche Gebäude. Aber wir finden uns nicht zurecht, es gibt kein Zentrum, alles scheint beliebig entstanden zu sein, und mir wird einmal mehr deutlich, wie sehr ich eine schöne Architektur vermisse, etwas Kultiviertheit im ursprünglichen Sinne: etwas Angelegtes, Gewachsenes.

Die BVIs waren jahrhundertelang nur landwirtschaftlich ausgebeutet, Baumwolle, Zuckerrohr wurde hier von Sklaven angebaut, bis die Sklaverei abgeschafft wurde. Die Sklaven übernahmen die Landwirtschaft in kleinen Parzellen. Abgesehen davon, dass mit der Entdeckung in Europa, dass Zucker auch aus Rüben hergestellt werden kann, sowieso die große Zuckerproduktion in der Karibik ihr Ende fand, war diese Kleinbewirtschaftung nicht sehr ergiebig, reichte aber wohl so zum Überleben. Nicht aber, um die Inseln wirtschaftlich voranzubringen. Eine Industrie, Handwerk, entstand nicht.

Dann kam der Tourismus als Segen für die Inseln und die Bewohner, flugs entstanden Marinas, Supermärkte, wurden Cafes, Restaurants, Kneipen aus dem Boden gestampft, Einkaufsmeilen für Kreuzfahrer errichtet. Wohl hat man versucht, diesen Klötzen einen karibisch-fröhlichen Anstrich zu geben, aber sie passen überhaupt nicht hierher. Keine Harmonie prägt diese Stadt. Wie schade.

Wir klappern die Supermärkte ab und sind wieder einmal von den Preisen entsetzt. So sie denn ersichtlich sind. „Bobby’s“ glänzt durch ein unglaubliches Angebot, aber ausgezeichnet sind die Waren nicht. Entweder kauft man die Katze im Sack oder läuft mit jedem Käse zur Kasse, um sich den Preis sagen zu lassen…

Aber Schwarzbrot gibt es da. SCHWARZBROT! Deutsches, mit richtigen Körnern, eingeschweißt, lange haltbar, ideal für die Überfahrt! Das wandert in de Einkaufskorb, egal, wie teuer. Und beim nächsten Besuch wird das Regal leergekauft!

Für die Rückfahrt reihen wir uns ein in eine Schlange von Menschen, die an einer Bushaltestelle wartet, keine Nummer, kein Fahrtziel ersichtlich. Ein ausrangierter Schulbus kommt. Ja, er fährt zur Trelllis Bay, 5 Dollar. Obwohl jeder Platz besetzt ist…Das verstehe, wer will.

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