English Harbour

Antigua, 7.3.2017

Der Wind heult beständig, Peter ist nicht ganz wohl mit unserem Ankerplatz – wir legen um, damit wir mehr Kette geben können und mehr Halt haben. Hoffentlich. Es sollen bis zu 39 Knoten Wind in den Böen werden, das ist außergewöhnlich viel.

Dann klarieren wir ein. Dazu müssen wir zum English Harbour, der Nachbarbucht, eine der Attraktionen der Insel. Hier hat Lord Nelsons britische Flotte lange gelegen und von hier aus die Karibik kontrolliert. Die Häuser sind gut erhalten bzw. wiederaufgebaut – very british. Bloss mit der britischen Freundlichkeit hapert es etwas….

English Harbour ist wesentlich hübscher als unsere Bucht, Handbücher jedoch und Segler haben davon abgeraten. Der Ankergrund hält nicht, und bei dem Wetter ist Chaos vorhersehbar.

Also laufen wir zu Fuß dorthin. Und treffen Paul und Babs wieder, sehr nette Briten, mit denen wir auf Dominica unterwegs waren. Ein Lichtblick! Wir verabreden uns für den nächsten Abend.

Einmal unterwegs, können wir auch gleich die Schiffszubehörläden abklappern. Wir brauchen einiges…

Am Besan ist auf der Überfahrt der Beschlag gerissen, der die Schot hielt. Ein Knall, und weg war er. Galvanische Korrosion…zwei unterschiedliche Metalle (Edelstahlniete auf Alubaum) ohne Schutz aufeinander haben regelrechten Lochfrass verursacht. Jetzt suchen wir eine Pistole, die Nieten in der nötigen Größe schießen kann.

Die finden wir nicht, aber wir finden Nick. Einen sehr hilfsbereiten jungen Engländer, ein paar Jahre in Deutschland aufgewachsen, der Gott und die Welt hier kennt und uns ein Werkzeug besorgen will. Klar, unter Seglern müsse man sich doch helfen. Meint er. Wie nett.

Und damit es uns nicht langweilig wird beim Abwettern, hat, wie wir an Bord feststellen, die Fäkalienpumpe auch noch ihren Geist aufgegeben. Das Reparieren verschieben wir auf morgen. Es regnet Katzen und Hunde und wir verkriechen uns mit einem alten James-Bond-Film unter Deck…

Antigua

6.3.2017

42 Meilen sind es bis Antigua, lange, schaukelnde Meilen gegen den Wind, nicht besonders angenehm. Mit Ach und Krach bekommen wir noch einen Ankerplatz in Falmouth Harbour.

Hier bzw. von der Nebenbucht English Harbour startet die legendäre Antugua Sailing -Week, und das merkt man. Riesige Yachten überall, hässliche Schwarzgeldanlagen, luxuriöse Kneipen, Arroganz. Hier gefällt uns überhaupt nicht.

Das Wasser ist muffig, kein Schnorcheln mehr vom Boot, kein Regenwald um uns herum voller Brotfrucht-, Mango-,Papayabäume, die Insel ist abgeholzt wie die griechischen.Wären wir doch in Deshaies geblieben und hätten da abgewettert. Egal, zu spät, wir hoffen auf den zweiten oder dritten Blick, der uns den Zauber Antiguas offenbart…und immerhin liegen wir geschützt.

Au revoir!

5.3.2017

Auf ein Wiedersehen, hoffentlich, Deshaies. Schön war es hier. Wir sind noch einmal geschnorchelt, mit dem Dingi etwas weiter raus gefahren, ach, diese Unterwasserwelt ist immer wieder so faszinierend!

Die über Wasser allerdings auch, stundenlang könnten wir den Pelikanen zuschauen.

Aber wir müssen weiter. Ab Dienstag wird das Wetter ganz schlecht. Aber wir kommen wieder. Versprochen!

Deshaies

4.3.2017

Hühner, Pelikane, Katzen, eine Bücherei größer als die Kirche nebendran, nette kleine Restaurants – das ist Deshaies. Ein Ort nach unserem Geschmack.

Hierher sind wir vor den Böen in der anderen Bucht geflohen, hier ist es geschützt. Und hier ist der erste bzw. letzte Ort auf Guadaloupe zum Ein- resp. Ausklarieren. Hier ist es voll. Mindestens 50 Boote drängen sich auf ca. 1,5, mal 1,5, Kilometern. Wir ankern nach Vorschrift – genug Abstand zum Schwojen! -, das interessiert die Späterkommenden wenig. Wo ein bisschen Platz ist, wird der Anker geworfen. Es passiert erstaunlicherweise trotzdem nichts.

Wir liegen unweit der Felsen und schnorcheln. Nicht ganz so schön wie das Marine Reservat von Herrn Cousteau, aber trotzdem okay. Ein paar abgestorbene Korallen, Fische. Und eine riesige Schildkröte, die uns Eindringlinge gelangweilt anblinzelt.

Wir überprüfen nochmal den Wetterbericht – Montag soll es auch noch machbar sein.
Nicht ganz so kommod wie Sonntag, stärkerer Wind, eher von vorn als seitlich, aber nichts Schlimmes.

Also beschließen wir, hier noch einen Tag zu bleiben. Und gehen abends lecker essen.

Jean-Jacques Cousteau

hat hier, auf Pigeon island, an der Westküste Guadaloupes, geforscht und gearbeitet und das Seine dazu getan, dass diese wunderbare Unterwasserwelt geschützt bleibt. Ein Marine Reservat, hier darf man nicht ankern, nur mit dem Dinghi an einer Boje festmachen, dann stürzt man sich in die Fluten. In einen traumhaften botanischen Unterwassergarten. Korallen, wie Kakteen. Eine Pflanze, (Koralle? Anemone?) wie riesige goldfarbene Gingkoblätter. Und dazwischen Fische jeder Größe und Farbe – kleinere, mitternachtblaue, zauberhaft! Papageienfische, große mit schwarzen und orangefarbenen Schuppen – unzählige mehr. In aller Seelenruhe knabbern sie an den Felsen und lassen sich von uns überhaupt nicht stören. Wir könnten stundenlang auf dem Wasser schweben und ihnen zusehen, doch irgendwann wird es trotz Neoprenanzug kalt und wir hieven uns wieder ins Beiboot und fahren zurück in die Bucht, wo unser großes Boot liegt.

Keine Minute zu früh. Der Wind bläst sich auf. Böen bis zu 33 Knoten, das sind Sturmböen. Sie bleiben uns die ganze Nacht erhalten, steigern sich bis zu 36 Knoten. Wir halten Nachtwache, um sicher zu sein, dass der Anker – unserer und der der anderen Boote-, hält. Tut er. Zum Glück.

Leider aber werden wir nun entgegen unserer Pläne heute weiterziehen müssen. Eigentlich wollten wir nochmal schnorcheln – aber bei den Wellen wäre das kein Spaß, wir kämen nichtmal mit dem Dinghi rüber (deshalb leider auch heute kein Foto…). Und es gibt nur ein kurzes Wetterfenster, um auf die nächste Insel zu gelangen. Sonntag. Danach soll es mit 37 Knoten kacheln…. Wir müssen los!

Always look on the bright side of live

Die Nacht ist schrecklich. Sturmböen, Windstärke 8, die an allem zerren, vor allem an unseren Nerven, wir gehen ständig an Deck um zu schauen, ob unsere Leinen an der Boje noch nicht durchgescheuert sind und ob der Katamaran vor uns, der ankert, die entscheidenden paar Meter zulegt und uns endgültig rammt.

Einmal mehr fragen wir uns, warum wir uns das alles antun. Das Mittelmeer ist doch auch sehr schön! Hier? Schlechtes Wetter, starker Wind – von wegen Karibiksegeln mit blauem Himmel und leichter Brise! Voll ist es, teuer, und so richtig kennenlernen tun wir Land und Leute auch nicht.

Zudem funktioniert so vieles nicht. Wir haben zu wenig Strom, obwohl die Batterien eigentlich voll sein müssten. Dann haben sie uns noch die Handys gesperrt und wir können weder Banktransaktionen vornehmen noch nach daheim telefonieren. Zum Glück hat Peter eine Ersatztelefonkarte dabei.Und das Internet geht auch nicht! Als ich dann noch die Kaffeekanne vom Tisch fege, ist es ganz vorbei. ich will eigentlich nur noch nach Hause!

Wir gehen erstmal in die Stadt. Nett. Auch ohne Carnaval. Viele kleine Geschäfte, geschmackvoll. Keine Hektik.

Das hat auch Nachteile – wir wollen unsere SIMkarte für das Internet aufladen. Dazu muss man eine Servicenummer anrufen. Dazu braucht man Telefon. haben wir aber nicht….fast zwei Stunden warten wir in der SFR-Stelle, bis ein junger Mann uns weiterhilft, unendlich geduldig und freundlich, obwohl wir seine Mittagspause beanspruchen.

Dann haben auch wir Hunger, suchen und finden eine Saft-und Salatbar. An der Wand prangt ein peace-Zeichen für die Florida-Keys – hier sind wir richtig. Und es ist so lecker! Mit bestem Käse überbackene Brötchen auf ganz frischem Salat – wir genießen. Dass es so etwas auf Guadaloupe gibt! Aber die beiden Damen, die es betreiben, sind von der Insel. Und sogar Seglerinnen.

Erheblich besser Stimmung als vormittags fahren wir heim – wir nehmen den Bus. Und treffen an der Haltestelle Ellen, Mark, Jeremy und Diana aus den USA.

Schnell entwickelt sich ein Gespräch, auch sie sind Segler, schnell sind wir uns sehr sympathisch. Wir würden zurück nach Europa segeln? Ob wir ihren Präsidenten nicht mitnehmen könnten? Sie sind keine Trump-Anhänger, sonder echte „Liberale“, stolz auf das Amerika der Vielfalt. Wir gehen noch ein Bier zusammen trinken – und hoffen sehr, dass wir uns irgendwo wieder sehen.

Und uns, Peter und mir, ist am Ende des Tages doch wieder klar, warum wir uns das alles antun…

„In diesem Kaff gibt es nichts außer Regen“,

schimpft Peter, 28.2.2017, als er vom Frühstückseinkauf ohne Brot wiederkommt.

So ganz stimmt das nicht. Zum einen hat er sehr leckere Croissants bei einer bildhübschen Bedienung ergattert, zum anderen gibt es nahe der Marina, die wir mit dem Dinghi anfahren, einen sehr gut sortierten Gemüseladen und einen kleinen Supermarkt, der sogar Frischkäse hat. Aber Brot gibt es in eben diesem Supermarkt erst ab 9! Und da sind wir mit dem Frühstücken fertig!

Aber mit dem Regen – da hat er leider recht. Ein Schauer jagt den anderen, und das verhagelt uns den Besuch der ganz, ganz großen Carnavalsparade in Basse-Terre, der Hauptstadt Guadeloupes.

Denn bei den Schauern wollen wir wirklich nicht vom Boot. Zumal es hier, anders als von Gosier aus, keinen kostenlosen Bus gibt, auch kein Taxi, wie uns jeder versichert. Der Carnaval legt alles lahm.

Um 17 Uhr sieht es so aus, als wenn der Regen eine Pause einlegt, und wir machen uns auf den Weg. Der ist schön – eine Uferpromenade, beleuchtet von schmiedeeisernen Laternen, von denen die meisten sogar funktionieren. Darunter Bänkchen, von denen viele sogar noch existieren…

Und auch die Stadt gefällt uns. Eine harmonische Architektur, keine Plattenbauten, etwas verfallen, nicht gerade reich, aber begrünte Plätze – hier bemühen sich die Bewohner, etwas aus ihrem Ort zu machen. Eine angenehme Atmosphäre. Wie anders als auf Martinique!
Auch Guadaloupe ist ja französisch, aber fast ausschließlich schwarz. Weiße sind hier selten. Aber, oder vielleicht gerade deshalb – es scheint ein weitaus weniger großes soziales Gefälle zu geben. Wir sind angenehm überrascht.

Auch die Parade, „die“ Parade!, ist schöner. die Stimmung ist gut, trotz des Regens.

Wir aber, wir verziehen uns, als es dunkel wird, wieder aufs Boot. Die Kneipen haben alle zu! Der Carnaval hier ist doch etwas anders als der bei uns!

Heute, Aschermittwoch, hatten wir uns darauf gefreut, die Stadt ohne Carnaval zu entdecken. Keine Chance. Alles geschlossen. Basse-Terre schläft den Narrenschlaf. Heute Abend wird der „Valval“ verbrannt und der Carnaval beerdigt. Es regnet wieder…