Dominica, 13.2.2017
Abends gehen wir noch ins „Städtle“, auf ein Bier. Alles zu, alles, was tagsüber einladend gewirkt hatte. Naja, es ist Montag, kein Kreuzschiff zu sehen, und warum auch sollten auch in dem kleinen Ort leere Kneipen winken…
Eine finden wir ein winziges Häuschen, in der oberen Etage gibt es ein Restaurant.
Die kleine Hütte ist halb voll, eine Gruppe von etwa 10 Menschen hat gerade gegessen und ist bester Laune. Skandinavier, vermute ich. Sie haben alles leergefuttert, für uns gibt es nichts mehr.
Macht nichts. Und dann stellen wir fest, dass es Deutsche sind, junge Mediziner aus allen möglichen Städten, Gießen, Mainz, Hannover, Magdeburg, die sich einen Kurzsegeltrip gegönnt haben , eigentlich aber ein viermonatiges Praktikum im Krankenhaus von Fort-de-France auf Martinique machen. Da war ich mit meinem Arm! Sie sind leider auf anderen Stationen.
Das ist eine Freude! Wir tauschen uns aus über Berufsperspektiven, Studienerfahrungen, Segelerlebnisse…irgendwann müssen sie leider los, wieder auf ihr Boot. So nett! Wer weiß, vielleicht treffen wir uns auf einem Törn wieder. Das wäre schön.
Als sie weg sind, kommen wir mit der Köchin ins Gespräch, die dann doch noch ein kreolisches Hühnchen hervorzaubert. Sie ist total zufrieden mit ihrem Leben. Die Dominikaner, sagt sie, wollen es nicht anders, als es jetzt ist. Zeit haben für Gespräche, sich noch ins Gesicht schauen können. Keinen Flugplatz für mehr Tourismus. Was sie haben, reicht.
Und das merkt man der Insel an. Die Menschen wirken zufrieden. Keine Aggressivität ist spürbar. Dominica ist schwarz. Und selbstbewusst. Freundlich, aber nicht devot. Die Einwohner sind stolz auf ihre eigene Kultur, ein Denkmal in der Innenstadt unweit des Platzes, wo einst Sklaven feil geboten und gekauft wurden, gibt Zeugnis davon. Es mahnt keine Dankbarkeit an dafür, die Freiheit gewonnen zu haben, sondern erinnert daran, was die Sklaven geleistet haben: Sie haben Reichtum überhaupt erst auf die Insel gebracht, sie zu dem gemacht, was sie ist. Und sie können stolz auf ihre afrikanischen Wurzeln sein und sollen ihre afrikanische Kultur weiter pflegen.
Was mich am meisten fasziniert : Wir sehen fast keinen Jugendlichen, der das Handy vor dem Gesicht hat. Ganz anders als auf allen anderen Inseln. Ist Dominica ein Stück Paradies?
Wir werden es am nächsten Tag sehen, da fahren wir über die Insel.