(zu lesen vor SIM-Card…)Cesar Manrique…

…ist der Nationalheld Lanzarotes. Und dies absolut zu Recht, wenn man mich fragt.

Manrique, Maler, Bildhauer, 1912 geboren, lebte auch mal in New York, kam dann aber zurück in seine Heimat – nach Lanzarote. Wo er das „Ursprüngliche“ wieder entdeckte, als alle Welt nach Coca Cola schrie. Wo ihn die traditionelle Architektur der Insel faszinierte, als die Inseln begannen, den Tourismus als Einnahmequelle zu entdecken und begannen, Lava dem Beton zu opfern. Manrique hielt dagegen, Und dass es auf Lanzarote bis heute keine Hochhäuser, wohl aber eine der Landschaft angepasste Architektur gibt, ist ihm zu verdanken. Ein Visionär, der daran appellierte, das alte Wissen der Bauern zu nutzen – und die Natur zu achten und zu schützen.

Sein Haus, das heute die Manrique-Stiftung beherbergt, ist in und mit dem Vulkangestein gebaut. Lavablasen dienten als Wohnräume, in denen Palmen durch eine Öffnung in der Decke bis in den Himmel wuchsen. Eine absolut quer gedachte, ungewöhnliche Architektur, die träumen lässt.

1992 starb Manrique durch einen Unfall. Verehrt wird er auf der Insel bis heute.

Wir verlassen sein Wohnhaus beseelt und berauscht.

Die SIM-Karte

Kultur und Landschaft hin und her – ab und an braucht der Mensch zu essen. Und Internet.

Beides neigt sich auf unseren Booten dem Ende zu, wir beschließen, da wir das Auto haben, im Wissen auf demnächst Wochen auf See einen Großeinkauf zu tätigen und bei der Gelegenheit auch eine SIM-Karte zu besorgen, denn das Internet in der Marina ist zu dem Zeitpunkt nervtötend langsam. (Deshalb gibt es auch grade wieder mal keine Fotos…)

Wir fragen nach einem Supermarkt. Links, rechts, gradeaus, am zweiten Kreisel die dritte Ausfahrt…nichts. Also zurück. Perdon, donde esta….

Rechts, links gradeaus, am dritten Kreisel die zweite Ausfahrt…nichts. Sergio fragt weiter. Irgendwann haben wir dann zwar nicht den Supermarkt, den wir suchten, gefunden, aber wir machen einen Großeinkauf und sind danach ziemlich erledigt. Bloß eine SIM-Karte hatten sie nicht…

Also weiter. „Dreiland“ strahlen alle, die wir fragen. Aber wo zu Kuckuck ist „Dreiland“???? Eine geschlagene Stunde fahren wir im Kreis, bis wir das Einkaufsparadies gefunden haben. Darin die üblichen Verdächtigen, H&M etc, und drei (!) Telefongesellschaften. Zwei von ihnen müssen passen oder sind zu teuer. Die dritte ist es! Zwei SIM-Karten für den Preis von einer! Der Tag hat sich gelohnt!

Todmüde kommen wir abends um 10 nach Hause, zu kaputt, um noch ein Bier miteinander zu trinken. Aber wir probieren gleich unsere SIM-Karte. Und die funktioniert natürlich – nicht…

 

 

 

 

Cesar Manrique oder „ Shipchandler“?

Sergio und Gemma laden uns ein, auch noch den zweien Autotag mit ihnen zu verbringen, da soll es in den Norden gehen. Darauf freue ich mich besonders, denn da

steht das ehemalige Hsus von Cesar Manrique. Und das soll, der Beschreibung nach, etwas ganz besonderes sein. Doch dazu später…

Erstmal aber geht es nach Arrecife, der Hauptstadt Lanzarotes, „kurz nach ein paar Ersatzteilen“ fürs Boot gucken. „kurz“ entpuppt sich als jeweils eine Stunde in je einem Segelladen. Wer über Frauen und Schuhe lästert, möge einmal Segler zu ihren „Shipchandlern“ begleiten….Der Vergleich hinkt natürlich insofern, als Frauen Schuhe nicht lebensrettend brauchen, das ein oder andere Bootszubehörl aber doch sicherheitsrelevant sein kann.

Dennoch werde ich den Verdacht nicht los, dass Männer unter anderem deshalb so gerne segeln, weil sie einen Anlass haben, ihre gesamte Werkstatt auszupacken. Über das ganze Boot zu verteilen! Himmlisch – (wenn nur nicht die Seglerfrauen wären, die gerne in einigermaßen ordentlichen Räumen leben, gewisse Konflikte sind da vorprogrammiert). Und dann –den ganzen Tag frickeln. basteln, reparieren, umbauen! Das Paradies.

Sergio und Peter geben mir auch Recht – fast. Was wir an Reparaturen haben, macht auch ihnen keinen Spaß mehr. Und wir vier sind nicht die einzigen. Jeder, den wir treffen und der auf Langfahrt gehen will, bastelt und flucht, flucht und bastelt. Und es hört nie auf…

Wir brauchen ja eine neue Ankerkette. Die alte – Edelstahl, wir erinnern uns-, ist verrostet, das hätte richtig böse enden können. Wir klappern also bei der Gelegenheit die Segelläden nach Ketten ab. Nun ist, lehrt uns Sergio glücklicherweise, Ankerkette nicht gleich Ankerkette. Es gibt welche aus Edelstahl und verzinkte, klar, es gibt verschiedene Längen der Ketten und der Kettenglieder. Dass es aber auch Bezeichnungen wie DIN oder ISO gibt, das ist nicht nur uns, sondern auch so ziemlich jedem Verkäufer neu. Ist aber wichtig! DIN oder ISO entscheidet über den Durchmesser des Kettenglieds. Und muss der Nuss auf der Ankerwinde angepasst werden, sonst gibt’s Ankerkettensalat, und den nicht zu knapp.

Erstmal wissen wir überhaupt nicht, welches Mass auf unsere „Nuss“ gehört. Das allein herauszufinden, kostet schon fast eine Stunde Zeit. Wir sind DIN. DIN 766. So.

Dann muss jeder Verkäufer, den wir fragen, seinen Chef fragen. Und dann sollen wir nochmal anrufen…

Sergio fragt verzweifelt in jedem neuen Laden nach einem passenden Messinstrument für seinen Tankdeckel, auch ziemlich lebenswichtig. Und absolut frustrierend. Es gibt es in ganz Arrecife nicht.

Es wird 15 Uhr, da haben wir außer der Hafenmeile von Arrecife noch überhaupt nichts gesightseeingt. Aber Hunger. Sergio fragt – Sergio liebt es, Leute zu fragen, er war mal Psychologe, aber auch davon später mehr -, und wir landen in einer Kneipe, die wir nie freiwillig betreten hätten. Mitten im dreckigsten Industrieviertel. Und natürlich: sowas von gut! Fisch! Tintenfisch! Wein! Eine Entdeckung.

Und dann treppele ich doch ein bisschen. Cesar Manrique! Wer weiß, wann das Museum schließt! Also gut…siehe: Cesar Manrique

Breaking the waves

Ehrfürchtig werden wir auch, als wir weiterfahren an die Südspitze der Insel. Wie die Wellen gegen das Land schlagen, es aushöhlen! Ganz leise versprechen wir uns, nur aufs Meer zu gehen, wenn das Meer uns auch will. Nicht gegen Sturm und Wellen. Denn gegen die Natur – haben wir keine Chance.

 

 

Unter dem Vulkan

Die Route geht heute in den Süden Lanzarotes, zu den Vulkanen. Und die sind – ja, atemberaubend habe ich schon so oft geschrieben – uns bleibt schlicht die Sprache weg. Auf der anderen Seite entlocken uns die Farben Jubellaute. Was sich hier an Naturgewalt entfaltet hat und zeigt, lässt uns

demütig werden. 17hundertnochmalwas ist der Vulkan ausgebrochen und hat das Erdinnere nach außen befördert. Noch immer sieht man die Falten, die das Magma geschlagen hat. Rot, braun, schwarz. Die erkaltete Lava, die die gesamte Insel bestimmt. Was sind wir für kleine Würmchen! Wenn es uns, als Menschheit, nicht mehr gibt, werden die Vulkane vermutlich immer noch hier sein.

 

 

 

 

Das Aufwachen…

…ist wie immer spannend. Wo sind wir gelandet? Wie sieht es aus? Doch zu nah an Land? Das nicht, wir liegen ganz gut. Sind aber nicht so richtig begeistert von La Graciosa. (Foto folgt, wenn das Internet schneller ist, aus einer Kneipe), halt Vulkangestein um uns herum, sonst nichts. Aber wir gehen endlich wieder vor dem Frühstück schwimmen!!! Etwas kalt, sehr erfrischend, und unsere Atlantiktaufe! Hoffentlich bleibt es bei dieser Art Wasserbegegnung….

Legen also nach dem Frühstück ab, aber es wird 12, bis wir loskommen. Eigentlich wollen wir ans Ende der Insel in die Marina Rubicon, wo Armin und Nicole sind und Sergio und Gemma. Ich schlage dann aber doch noch einen Stopp in der Marina Porto Calero vor, die soll architektonisch so schön sein. Wenn auch ein bisschen teurer, aber das haben wir uns doch verdient, oder? Eine Nacht! Also gut, nur um die Ecke vom Lanzarote und dann…30 Meilen. Oha. So nah ist das nun doch nicht. Dann wird es wieder Abend…Wir geben ausnahmsweise mal Gas.

Und bekommen in der Marina noch einen Platz! Uff. Wirklich schön ist es hier, sehr freundlicher Empfang. Wir bummeln, suchen den Supermarkt und treffen…Sergio und Gemma! Sie sind nicht in der Rubicon-Marina, sondern hier! Was für ein Wiedersehen!

Wir freuen uns riesig. Sitzen noch auf ein Bier zusammen und quatschen über Gott und die Welt. Sie haben morgen und übermorgen ein Auto gemietet, ob wir mitkommen wollen? Aber ja, wie gern!

Vermutlich bleiben wir doch ein paar Nächte länger hier…

 

 

 

 

 

Noch aber…

..sind wir ja nicht da. Gute 20 Meilen – pah. Von wegen. Es wird Nacht, bis wir die Passage zwischen Lanzarote und La Graciosa passieren, um zur einzigen Ankerbucht zu gelangen, in der man ankern darf. Und das ist mal wieder nicht ohne. Wir navigieren nach Seekarte (altmodisch-Papier!) und dem Plotter oben, auf dem großen, gut lesbaren unter Deck haben wir leider keine.

Nun müssen wir uns also im Stockfinsteren zurecht finden, der Mond hält sich noch immer bedeckt. Wohin gehören die Lichter? Wieso sind da welche? Ich dachte, die Insel ist unbewohnt? Und auf Lanzarote? Oder sind das Fischer? Es ist aber verdammt eng zwischen den Inseln…passen wir da überhaupt durch? Untiefen, Vorsicht! Und dergleichen Fallstricke mehr. Endlich haben wir die engste Stelle unfallfrei geschafft. Das da müsste die Ankerbucht sein! So viele Boote?! Oh je, haben wir da noch Platz? Ganz am Ende…Ich nehme meine Ankerposition ein, lass den Anker schon mal etwas ab, beziehungsweise, versuche es – nichts. Der Anker rührt sich nicht. Ich werde leicht panisch. Wenig Platz zum Manövrieren auf unbekanntem Feld, oh nein. Peeeeter!!!!!

Der Käptn kommt. Nein, die Ankerwinsch ist zum Glück nicht kaputt, aber wir hatten ja die Ankerkette kürzen (wir erinnern uns: Lochfrass, in einer Edelstahlkette!!!) und infolgedessen die 10-Meter-Schritte neu markieren müssen, dabei haben wir die Kette am falschen Ende aufgewickelt. Will heißen: Die ganze schwere Kette liegt auf den ersten 10 Metern! Kein Wunder, dass der Anker sich nicht rührt. Peter wuchtet also die Kette um, und Meter für Meter fällt sie dann mühsam doch. Und hält auch noch! Es ist 23:30 Uhr. Wir sind glücklich. Und trinken endlich wieder –auf der Überfahrt verkneifen wir uns Alkohol -, Rotwein.